Als Gary Vahey die Seite mormon.org besuchte, um sich einen Spaß mit den Missionaren zu erlauben, dachte er weder daran, dass er seine Frau so treffen könnte, noch dass er Wahrheiten finden könnte, die seine Perspektive von der Ewigkeit verändern würden.

Erster Kontakt mit den Mormonen

Als Gary Vahey als Atheist in London aufwuchs, hörte er kaum etwas von “den Mormonen”, und bis vor zwei Jahren konnte er auch nicht sagen, was das Wort bedeutete, geschweige denn, woran diese seltsamen Menschen glaubten.

Tatsächlich setzte er sich mit ihrem Glauben zum ersten Mal wegen der Fernseh-Comic-Serie South Park auseinander. In einer Episode geht es um das Leben von Joseph Smith und die Entstehung der Kirche heutzutage. Es ist eigentlich unnötig zu erwähnen, aber Vahey hatte damit eine interessante, wenn auch unrichtige Einführung in die Kirche.

“Als ich diese South-Park-Folge zum ersten Mal sah, dachte ich zwar, dass sie wirklich witzig sei, aber ich wunderte mich auch sehr darüber, dass irgendjemand tatsächlich an diese Geschichte glauben könne”, erinnert sich Vahey.

Vaheys oberflächliche Neugier führte dazu, dass er sich eines Samstagmorgens auf mormon.org wiederfand, wo er feststellte, dass er den Missionaren seine Fragen stellen könne.

“Ich  konnte mir nicht helfen”, gibt Vahey zu.  “Ehrlich gesagt wollte ich mich dort ein bisschen über sie lustig machen. Aber ich war auch echt neugierig auf ihren Glauben. Ich freute mich darauf, mir einen Spaß mit diesen Leuten zu  erlauben.”

Vahey fand aber schnell heraus, dass diese Mormonen nicht so seltsam und merkwürdig waren, wie er gedacht hatte. Die zwei Missionarinnen, mit denen er Kontakt hatte, waren “super freundlich, super höflich” und das führte dazu, dass Vahey wegen seines ursprünglichen Vorhabens ein bisschen ein schlechtes Gewissen hatte. Verlegen hörte Vahey den Missionaren ruhig zu, und als er dazu aufgefordert wurde, das Buch Mormon zu lesen, hatte er das Gefühl, dass es unhöflich sei, das abzulehnen.

“Ich war irgendwie sogar neugierig, dieses Buch zu lesen, das zur Gründung dieser Religion geführt hatte”, sagt Vahey. Um die Missionare zu überlisten, bestellte Vahey ein Exemplar des Buches Mormon online, weil er Angst hatte, dass wenn er den Missionaren seine Adresse geben würde, er sie nie wieder loswerden würde.

Perspektiven, die sich ändern

Das Buch kam unter der Woche an. “Ich fühlte mich sofort ziemlich dumm, weil ich dieses Versprechen eingegangen war, weil, nun ja, das Buch ziemlich groß ist, klein gedruckt und ich gedacht habe, dass ich nicht genug Zeit dafür hätte”, sagt Vahey,” aber ich hatte es versprochen”.

Um sein Versprechen zu halten, begann Vahey damit, das Buch auf seinem weiten Weg zur und von der Arbeit im Stadtzentrum Londons zu lesen, und er war motiviert zum einen durch seine echte Neugier, zum anderen durch etwas Tiefergehendes – Stolz.

“Ich hatte irgendwie das Gefühl, dass die Missionare mich bei unserer Konfrontation besiegt hatten, und ich fühlte mich, als ob sie mich übertrumpft hätten“, sagt Vahey. “Deswegen hatte ich vor, das Buch Mormon zu lesen und ihnen dann eine E-Mail voller Fragen zu schreiben, um die Debatte fortzusetzen.”

Nachdem er nur ein paar Seiten des Buches Mormon gelesen hatte, hatte Vahey schon eine riesige Liste mit Fragen zusammengestellt, mit denen er die Missionare aus der Fassung bringen wollte – oder ihnen wenigstens zu denken geben wollte. Aber in weniger als einem Tag antwortete eine der Sisters. Alle seine Fragen wurden beantwortet.

Also las er weiter und stellte auch weiter Fragen. Nur ein paar Wochen und ein halbes Duzend E-Mails später hatte Vahey das ganze Buch Mormon gelesen.

Zu diesem Zeitpunkt, so Vahey, bemerkte er: “Ich hatte sie noch nicht übertrumpft, deswegen dachte ich, ich sollte weiter lesen.” Er las als nächstes das Buch Lehre und Bündnisse und fing an, sich eingehender mit der Kirchengeschichte und wichtigen Führungspersonen der Kirche zu befassen. Auch wenn er anfangs einem Treffen mit den Missionaren gegenüber skeptisch eingestellt war, hatte Vahey so langsam keine Entschuldigung mehr.

Seine Bekehrung

Anfang Oktober 2012 besuchte Vahey also zum ersten Mal mit den Missionaren die Kirche. Ohne dass Vahey oder die Schwester, der er schrieb, es wussten, war dies zufällig das Wochenende, an dem die Generalkonferenz in den Pfahlgebäuden in Großbritannien gezeigt wurde – acht Stunden Versammlung.

Vahey hörte sich die erste Session der Konferenz unbeeindruckt an, war aber wirklich daran interessiert, was die Sprecher zu sagen hatten. Als die Mitglieder nach dieser ersten Session aufstanden, um sich zu recken und zu strecken und herumzulaufen, dachte Vahey, dass der Gottesdienst nun vorüber sei und war überrascht, dass alles so schmerzlos über die Bühne gegangen war. Daraufhin machten die Missionare ihn darauf aufmerksam, dass es noch weitere sechs Stunden lang dauern würde.

Vahey ist niemand, der vor seinen Verpflichtungen zurückschreckt; er schaute sich also die ganze Wiederholung der Generalkonferenz an.

Obwohl er ein wenig verstört wegen der acht Stunden Kirche war, versprach Vahey, dass er in der darauffolgenden Woche am normalen Gottesdienst noch einmal teilnehmen würde. Vahey, der als Atheist aufgewachsen war, fand einiges an der Kirche Jesu Christi seltsam.

“Es war jedoch eine gute Erfahrung, auch wenn ich nicht erklären kann, weshalb”, sagt Vahey. Vahey ging immer wieder zum Gottesdienst und stellte fest, dass sein anfängliches Ziel, sich zu streiten, sich zu einem echten Interesse an den Evangeliumswahrheiten entwickelte.

Nach einem besonders eindringlichen geistigen Erlebnis Anfang Januar 2013 stellte Vahey fest, dass er die Gefühle, die er hatte, nicht mehr verleugnen konnte.

“Ich las noch einmal das Buch Mormon, und als ich im 3 Nephi 11 anlangte … war der Zug bereits in Waterloo eingelaufen und alle stiegen aus; ich jedoch bekam nicht mit, dass der Zug stillstand und dass alle ausgestiegen waren. Meine Reaktion überraschte mich, und ich kann mir im Nachhinein nicht mehr erklären, was passiert war oder was an dieser Textstelle mich so bewegte. Aber… es war das erste Mal, dass ich behaupten konnte: “Ich glaube an dieses Buch, ich kann kann nicht mehr behaupten, dass es erfunden ist.”

Mit dieser Zuversicht stimmte Vahey nun endlich zu, sich Ende Januar taufen zu lassen. Als er dies der Schwester mitteilte, mit der er in E-Mail-Kontakt gestanden hatte, antwortete sie: “Darf ich dabei sein?”

Den Glauben bewahren

Nun stellte sich heraus, dass die Schwester, Amanda Wilkinson, mit der Vahey den ersten Kontakt hatte, keine Missionarin war, wie er es erwartet hatte; sie war eine Lehrerin am MTC. Und zufällig hatte sie geplant, während des Wintersemesters, in dem Vahey getauft werden wollte, in Paris zu sein, um Französisch zu lernen.

Die beiden trafen sich an dem Wochenende, an dem Vaheys Taufe stattfand, und verbrachten ihre ganze freie Zeit zusammen. Selbst dann konnte Gary Amanda nicht alles zeigen, was er ihr in London zeigen wollte. Also lud er sie wieder ein. Und so begann ihre Fernbeziehung.

Trotz des Friedens und der Begeisterung, die Vahey durch seine Mitgliedschaft in der Kirche verspürte – festzustellen, dass er einen Vater im Himmel hatte bis hin zu einer unerwarteten Liebesgeschichte – war Vaheys Bekehrung nicht immer einfach. Er fing an aufzufallen. Seine Freunde bemerkten, dass er Limonade statt Bier bestellte, wenn sie sich in der Kneipe nach der Arbeit trafen. Seine Arbeitskollegen bemerkten, dass sein Interesse an Geistigem gewachsen war. Die ganze Aufmerksamkeit war nicht nur positiv.

“Ich wusste, dass es ein paar Leute gab, die über mich sprachen und sich fragten, ob ich verrückt werden würde”, erinnert sich Vahey. “Meine Familie wollte irgendwann einmal sogar dazwischen gehen.”

Da Vahey seinen Vater im Jahr zuvor durch Krebs verloren hatte, glaubten seine Mutter und sein Bruder, dass dieses Engagement in diesem neuen “Kult” dadurch kam, dass er emotional instabil und verletzlich sei.

Unverdrossen wuchs Vaheys Zeugnis vom Evangelium jedoch, und er wurde zum Sonntagsschulpräsidenten berufen und genoss die Gemeinschaft, die die Kirche bot.

Die Liebesgeschichte

Als Amanda sich aus Geldmangel entschied, ihre letzten Monate in Europa mit Vaheys Mutter zusammen zu wohnen, änderte sich im Sommer sowohl Garys Beziehung zu Amanda als auch der Konflikt mit seiner Familie. Amanda verstand sich blendend mit Garys Mutter, und nichts hätte vollkommener sein können.

Als für Amanda die Zeit kam, da sie in die USA zurückkehren musste, wurde Gary seine Arbeit als Wirtschaftsanalytiker zu langweilig, und er dachte ernsthaft darüber nach, noch einmal die Schule zu besuchen um seinen Master zu machen. Amanda schlug daraufhin die BYU vor.

Ende 2014 flog Vahey in die USA, um die Feiertage mit Amandas Familie zu verbringen und auch, um Vorbereitungen für das neue MBA-Programm zu treffen, an dem er im folgenden Jahr in Provo teilnehmen wollte.

Die Feiertage in einem elfköpfigen Haushalt mit Mormonen zu verbringen, kann manchen einschüchtern. Gary jedoch gewöhnte sich dank seines Enthusiasmus und seines typischen Humors schnell daran. Obwohl so manches Mal die Diskussionen etwas chaotisch wurden und bei den Familienessen am Sonntag viel los war, war alles, was zählte, dass er mit Amanda zusammen sein konnte.

An Heilig Abend spazierten Gary und Amanda über den hell erleuchteten Tempelplatz und Gary stellte sich vor, wie schön es wäre, mit Amanda wieder dorthin zurück zu kehren.

Auf dem Tempelplatz nahm die Liebesgeschichte seinen Höhepunkt, mit der Frage der Fragen.


Der Salt Lake Tempel hell erleuchtet, wie jedes Jahr zur Weihnachtszeit.

Eigentlich wollte Vahey Amanda an diesem Abend auf dem Tempelplatz einen Antrag machen, weil er dachte, dass diese Idee originell und romantisch sei. Vahey sagt über diese Erfahrung: “Ich war sehr nervös, und gerade als ich es wagen wollte, fiel ein anderer Kerl direkt vor uns auf die Knie und machte seiner Freundin einen Antrag…Den restlichen Abend über war ich sehr frustriert und fühlte mich unbehaglich, weil ich keinen alternativen Plan hatte.”

Als sie auf dem Weg zum Haus von Amandas Schwester waren, fing Amanda an, sich wegen Vaheys Stimmung Sorgen zu machen. Sie fing an zu weinen, weil sie dachte, dass irgendetwas Schlimmes geschehen sei oder geschehen würde.

“Amanda neigt dazu zu weinen, und deswegen habe ich immer Taschentücher in meiner Hosentasche. Als ich also in meine Tasche griff, dachte Amanda, dass ich ihr ein Taschentuch geben würde. Stattdessen zog ich aber den Ring heraus. Es dauerte einen kleinen Moment, bis ihr klar wurde, was geschah, dann aber sagte sie ‘ja’. Und weinte noch mehr.”

Sich ein neues Leben aufbauen

Im Januar 2014 erhielt das Paar die gute Nachricht, dass Vahey im Herbst an der BYU mit dem Studium beginnen könnte. Danach mussten sie ein Visum beantragen, was mühsam, technisch und teuer war.

Ursprünglich hatte das Paar vor, im April zu heiraten, aber das Visum wurde Monat für Monat nicht ausgestellt. Am 2. Juni endlich erhielt Vahey sein Visum. Schon am nächsten Tag stieg Vahey in ein Flugzeug nach Utah, und nur 19 Tage später heirateten er und Amanda im Salt-Lake-Tempel.

Durch die Hochzeit hatte Vahey die Gelegenheit, seiner Mutter und seinem Bruder mehr über seinen Glauben zu erzählen. Da sie wegen der Hochzeit nach Utah geflogen waren, ließ sich Vaheys Familie in einer Führung den Tempelplatz zeigen und erfuhr so mehr über die Religion und die Geschichte der Kirche.

“Meine Familie muss zugeben, dass es eine großartige Lebensentscheidung war, mich der Kirche anzuschließen, ganz abgesehen von den spirituellen Unterweisungen”, sagt Vahey.

Vahey, der in einer kleinen, nicht religiösen Familie in einem Vorort Londons aufwuchs, muss sich nun an das Leben in einer großen Mormonen-Familie in Provo gewöhnen.

Vahey genießt noch immer voller Dankbarkeit diese spannenden Veränderungen in seinem Leben und die Momente, in denen er zu Fuß zur Kirche gehen kann, die sich direkt um die Ecke befindet, oder auch, aus seinem Haus an die frische Luft zu gehen und einen wunderschönen Ausblick auf das Wasatch-Gebirge zu haben.

Zu seiner Bekehrungsgeschichte merkt Vahey an: “Ab dem Moment meiner Taufe haben sich lauter wunderbare Dinge in meinem Leben ereignet. 2012 war ein anstrengendes Jahr für mich. Mein Vater war an Krebs gestorben und mein Leben war irgendwie düster und trostlos. Nach meiner Taufe begann alles wieder gut zu werden…Plötzlich wusste ich, wo ich im Leben hin wollte und träumte davon, Dinge zu tun, die ich mir vorher nie vorgestellt hätte… Plötzlich hatte ich einen neuen Mittelpunkt im Leben, und ich genoss das Leben und war auf mein Studium und meine Ehe und den Beginn einer neuen Karriere gespannt. Und all dies wurde mir allein durch meine Mitgliedschaft in der Kirche plötzlich möglich.”


Dieser Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Die Originalversion von Danielle Beckstrom finden Sie auf: ldsliving.com

Für genaue Informationen über den Glauben der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage besuchen Sie bitte die offiziellen Webseiten mormon.orgund lds.org.