Mein Großvater war Geistlicher in einer christlichen Gemeinschaft, und ich ging sehr gerne mit meinen Großeltern in die Kirche. Ich liebte den Traubensaft beim Abendmahl. Ich liebte die Geschichten von Jesus.

Meine Familie besuchte keine Gottesdienste, aber nachdem wir von meinen Großeltern weggezogen waren, ließen mich meine Eltern auch weiterhin in die Kirche gehen, solange es ein Auto gab, das mich abholte. Am meisten machte mir die Bibelschule in den Ferien Spaß! Dort lernte ich Schriftstellen und Kirchenlieder auswendig und entdeckte, dass es Spaß machen kann, etwas über Jesus zu lernen. (Sehr gute Übung für das Seminar!)

Als ich etwa zehn Jahre alt war, zogen wir in die Nachbarschaft einer sehr netten Familie, die irgendwie mindestens eine Million Kinder hatte; Lesley, eine der Töchter, wurde schnell zu meiner besten Freundin. Obwohl sie ein Jahr älter war als ich, spielten wir die ganze Zeit miteinander.

Ständig in der Kirche

Bekehrungsgeschichte Joey Hall

In den Gemeindehäusern der Mormonen finden oft fast die ganze Woche über Aktivitäten statt. Das produktive Gemeinsamsein fördert das Selbstwertgefühl eines jeden Einzelnen und stärkt den Gemeinschaftsbund.

Mal von den Millionen Kindern abgesehen, war die Familie auch sonst irgendwie seltsam. Sie gingen STÄNDIG in die Kirche. Wirklich. Jeden Sonntag gleich zwei Mal und dann auch unter der Woche mehrere Male. Und sie gingen alle GEMEINSAM in die Kirche. Alle. Eltern und Kinder. Jeden Morgen und jeden Abend beteten sie zusammen und sogar bei jedem Essen. Der Vater war Professor, aber er arbeitete auch noch für die Kirche, so dass er bis spät abends unterwegs war. Sie dachten sich Überraschungen aus, die sie dann für ihn bereit hatten, wenn er von den späten Versammlungen nach Hause kam. Obwohl sie ja eine Million Kinder hatten, beteten sie eines Tages alle gemeinsam, weil sie das Gefühl hatten, dass noch ein Kind in die Familie kommen sollte. Also beteten alle. Und natürlich kam im darauffolgenden Jahr noch ein Baby auf die Welt. Für mich am seltsamsten war, dass sie, obwohl es natürlich ein paar kleine Streitereien unter den Geschwistern gab, einander wirklich gern hatten. Sie halfen einander. Sie spielten miteinander. Sie sangen gemeinsam. Seltsam, oder?

All diese seltsamen Verhaltensweisen führten dazu, dass ihr Haus schnell zu meinem Lieblingsort wurde, weil es der polare Gegensatz zu meinem Zuhause war. Ich war ständig dort. Und was das Beste war: sie ließen mich immer, wenn ich wollte, mit ihnen in die Kirche gehen. Ich durfte zu den Treffen am Sonntag mit und auch unter der Woche!

Als ich eines Tages mit Lesley am Spielen war, gebrauchte ich ganz unnötig den Namen Gottes. “Oh! Moment! So etwas sagen wir nicht!” sagte sie. “Ein 14-jähriger Junge in unserer Kirche rief einmal nach Gott, und er tauchte tatsächlich auf! Deswegen erwähnen wir Gottes Namen nicht, wenn wir nicht gerade beten und wirklich dafür bereit sind, dass er auch auftaucht.” Meine schlechte Gewohnheit war sofort weg!

Joey Hall

Unsere Gebete wurden erhört

Am Tag, als Donny Osmond heiratete, fragte Lesleys Mutter meine Mutter, ob sie nicht vielleicht wissen wollte, was ich so in der Kirche mit ihrer Familie lernte. Sie bot ihr an zu ihnen nach Hause zu kommen, um sich mit zwei Missionarinnen zu treffen, die ihr mehr darüber beibringen würden, an was Mormonen glaubten. Ich dachte irgendwie so etwas wie: “Schön! Mehr Kirche! Und mehr Zeit bei ihnen zu Hause!” Meine Mutter war damit einverstanden.

Fasten um getauft zu werden. Mormonenfamilie. Bekehrungsgeschichte.

Wenn der Erretter Jesus Christus Gott nahe sein wollte, fastete er – oft für viele Tage. Wenn wir fasten, zeigen wir Gott, dass wir die Bedürfnisse unseres Körpers zugunsten des Geistes zurückstellen. Oft erhört er dann unsere Gebete.

Schon nach kurzer Zeit wurden wir gefragt, ob wir uns taufen lassen wollten, und wir wollten es beide. Es hörte sich so gut an, bis uns eine der Missionarinnen sagte, dass mein Vater auch einverstanden sein müsse. Er war dagegen und sagte nein. Die Missionarinnen schlugen vor dafür zu fasten, dass sich sein Herz erweichen ließ.

Eigentlich hatte meine Mutter ein Arbeitsessen für diesen Tag ausgemacht, aber sie beschloss, nichts zu essen. Nach dem Fasten sagte mein Vater: “Ach, es ist mir egal!”, und wir sahen das als Erlaubnis, uns taufen zu lassen. Der Vater meines Freundes taufte uns, und es war ein wunderschöner Tag.

Inzwischen habe ich im Tempel geheiratet und habe drei wunderbare Kinder, die im heiligen Tempelbund geboren wurden. Mein Vater wurde 20 Jahre nach uns getauft, meine Eltern wurden im Tempel aneinander gesiegelt, und ich wurde an sie gesiegelt. Einer meiner Cousins und zwei meiner Tanten wurden auch getauft. Eine der Tanten erfüllte sogar eine Mission mit ihrem Mann, der sich auch der Kirche angeschlossen hatte. Witzig, dass auch meine Tochter einmal einen Schulfreund in die Kirche einlud. Die Eltern dieses Freundes informierten sich auf Mormon.org über die Kirche, bevor sie es erlaubten, und am Ende wurde die ganze Familie getauft und ein Jahr später im Tempel aneinander gesiegelt.

Die Kirche ist wahr. Das Evangelium wurde wiederhergestellt. Missionsarbeit kann ganz einfach von normalen Mormonen-Familien gemacht werden, indem sie leben, was sie glauben und das, was sie glauben, mit anderen teilen. Wenn ich jetzt, wo wir Erwachsene sind, Lesley sage, wie viel mir ihre Familie bedeutet, zuckt sie nur mit den Schultern und tut so, als ob sie nichts Besonderes getan hätten. Doch das haben sie. Und ich bin immer noch jeden Tag dankbar für sie.


Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt und auf middleagedmormonman.com veröffentlicht. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) lernen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.