nach meinem Schulabschluss in Fredricksburg, Virginia, bereitete ich mich auf meinen nächsten Lebensabschnitt vor. Am Ende meines ersten Universitätsjahres waren die meisten meiner Schulfreunde aus der Gegend weggezogen und hatten ihr eigenes Leben begonnen. Es machte mich traurig, sie gehen zu sehen, aber es machte mich auch stolz, dass sie etwas aus sich machten. Obwohl mir ein paar Freunde in der Nähe blieben, wollte ich gerne neue Freundschaften schließen. Daher tat ich, was ein 19-Jähriger nun einmal so tut: Ich suchte auf Facebook nach Möglichkeiten.

Ein Name fiel mir besonders auf. Ich kannte sie von den ersten Jahren auf der Schule her, hatte aber danach nie mehr viel mit ihr gesprochen. Ich dachte, es sei wohl einen Versuch wert. Sie antwortete umgehend und lud mich für den gleichen Abend zu etwas ein, das sich „Institut” nannte. Da ich ein sehr pünktlicher Mensch bin, machte ich mir Sorgen, weil ich nicht rechtzeitig vor Ort sein konnte. Ich konnte  erst um 19:30 Uhr von der Arbeit weg, genau zu dem Zeitpunkt, als sie anfingen. Allerdings wurde mir gesagt, dass es in Ordnung wäre, wenn ich etwas später käme, da es auch vielen anderen so ginge, die von der Arbeit kämen. Nachdem ich also angekommen war, setzte ich mich dazu und verfolgte den Unterricht. Es drehte sich um ein Thema aus „Lehre und Bündnisse” – einer heiligen Schrift, die, wie man mir erklärte, durch den Propheten Joseph Smith für unsere heutige Zeit empfangen worden war.

Das war eigentlich ein recht guter Ausgangspunkt für die Reise, die darauf folgen sollte. An diesem Abend entwickelte ich den Wunsch, mehr über diese neue, seltsame Religion zu erfahren. Es war schwierig, aber irgendwann gelang es mir, an mindestens einer Aktivität pro Woche teilzunehmen. An einem Sonntag schaffte ich es sogar zu einer Fast- und Zeugnisversammlung. Jemand sprach darüber, dass Essen für einen Familienheimabend gebraucht werde und mein Interesse, daran teilzunehmen, war geweckt. An diesem ersten Sonntag ging es mir vor allem darum, mir das Ganze einfach einmal anzuschauen – vor allem, weil mich ein hübsches Mädchen eingeladen hatte.

Institut Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

Das Religionsinstitut der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage gibt es überall auf der Welt. Hier lernen junge Erwachsene zusammen mehr über das Alte und Neue Testament, sowie andere Heilige Schriften. Oft bietet das Institut auch andere Aktivitäten an. Jeder ist herzlich eingeladen vorbeizuschauen!

Aber meine ursprüngliche Einstellung änderte sich schnell. Ein paar Wochen danach sprach mich ein Missionar in der Kirche im Foyer an. Elder Ben Lewis kam zu mir und fragte mich: „Hey, bist du ein Mitglied?” Ich verdrehte die Augen und sagte schnell „Ja”. Ich flitzte in die Kapelle und dachte, ich sei bezüglich der Missionare nun aus dem Schneider. Aber wie gesagt nahm ich bald schon regelmäßig an einigen Aktivitäten teil. Ich bekam das Gefühl, dort hinzugehören.

Eines Abends, ein paar Tage später, bestand unser Institutslehrer auf eine Kennenlern-Aktivität. Ich hatte ein bisschen Angst davor, aber machte mit, weil ich nicht jemand sein wollte, der geht, wenn der Lehrer um etwas bittet. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich zwei Freunde in der Kirche. Einer von ihnen war an diesem Abend allerdings nicht dabei. Der andere tat sich mit einem anderen Studenten zusammen und ließ mich bei dieser Aktivität links liegen, wie ich dachte.

Ich sah kurz zu den beiden anwesenden Missionaren hinüber, und zu meinem Entsetzen wurde der Missionar, dem ich zuvor gesagt hatte, dass ich ein Mitglied sei, mein Spielpartner. Das Gespräch lief in etwa so ab: Seine erste Frage lautete: „Wie oft hast du schon das Buch Mormon gelesen?” Als ich „noch nie” antwortete, schien er etwas überrascht zu sein, fragte aber weiter: „Welche ist deine Lieblingslektion?”, woraufhin ich antwortete: „Ich habe noch keine Lektionen bekommen!” Wenn man genau hinschaute, konnte man sehen, dass in seinen Augen kleine Fragezeichen waren, als ob er nicht glauben konnte, dass ich noch nie eine der Missionarslektionen gehört hatte. „Moment mal, bist du kein Mitglied?” fragte er. „Bin ich nicht!” Am Ende des Gesprächs verpflichtete ich mich dazu, mir die Missionarslektionen anzuhören.

Missionare im MTC. Matt nach seiner Bekehrung.

Mein Weg bis ins Wasser der Taufe war kein einfacher. Ich liebe meine Familie von ganzem Herzen, aber meine Mutter war ziemlich dagegen; schließlich hatte sie ihr Kind auf eine gewisse Weise erzogen, und dann wollte es plötzlich etwas ganz anderes tun. Wer wäre da nicht dagegen! Was weder meine Mutter noch ich zu diesem Zeitpunkt verstanden, war, dass sich nicht viel verändern würde. Im Gegenteil: Es würde noch mehr Wahrheit und Gutes dem hinzugefügt werden, was wir bereits hatten. Wir stritten uns, bis Tränen flossen. Es war auf keinen Fall einfach. Schließlich kam der Tag meiner Taufe.

Es gab Süchte und andere schlechte Gewohnheiten, die ich in den Griff bekommen musste, um für die Taufe bereit zu sein. Manche Laster begleiteten mich auch noch nach der Taufe. Ich musste erst einmal begreifen, wie problematisch sie waren. Zwei Gewohnheiten, die ich loswerden musste, waren mein gelegentliches Trinken und die Gewohnheit, wie ein Rohrspatz zu fluchen. Wie ich es geschafft habe? So wie ich es auch heute noch tue: Ich bete beständig, bleibe aktiv in der Kirche und besuche die verschiedenen Aktivitäten, die unter der Woche und sonntags angeboten werden.

Ich weiß, dass das Buch Mormon wirklich echt und wirklich wahr ist. Die Prinzipien, die uns darin und in der Bibel gelehrt werden, sind nicht nur auf den spirituellen Erfolg im Leben bezogen, sondern auch auf den zeitlichen. Ich habe viele Dinge erlebt, die traurig waren – früher von Mission heimgehen zu müssen, oder von jemandem abgewiesen zu werden, den ich liebte, Depression, Probleme mit meinem Selbstwertgefühl und einiges mehr. Ich hatte mehr als genug Gründe, nach meiner Bekehrung das Handtuch zu werfen.

Diese Erfahrungen machen aber nur einen klitzekleinen Teil meiner Lebensgeschichte aus. Wichtig ist, dass die wahre Kirche Gottes hier und heute auf Erden ist. Ich weiß, dass wenn ich mich von Widrigkeiten und negativen Erfahrungen definieren lasse, mein Glaube an ihn sozusagen fehlt. Christus hat unseren Schmerz gefühlt. Zu ihm können wir nie sagen, dass er nicht wüsste, wie er sich anfühlt. Wir alle müssen traurige Erfahrungen machen, um die großartigen Erfahrungen mehr zu schätzen. Wir müssen regelmäßig vom Sühnopfer in unserem Leben Gebrauch machen. Ich bin so dankbar dafür, dass meine Suche nach einem Freund über Facebook mich zur Kirche geführt hat.


Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt und am 2.8.15 auf ldsmag.com veröffentlicht. Der Brief wurde dem Autor geschrieben. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) lernen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.