Unter Christen und selbst ein paar Nicht-Christen ist die Geschichte vom verlorenen Sohn wohl die bekannteste. Für mich ist es eine Geschichte mit sehr tiefer, persönlicher Bedeutung, da es in meinem Leben auch ein paar Momente gab, in denen ich mich sehr leicht mit dem verlorenen Sohn identifizieren konnte.

Erzogen und aufgewachsen mit dem Wort Gottes

Keith L. Brown mit seiner Mutter.Ich wurde in ein gutes christliches Zuhause geboren und wuchs dort auf. Ich werde für meine liebende Mutter ewig dankbar sein, die sich die Zeit nahm, mich mit Gottes Wort – der Bibel – bekannt zu machen und für die Liebe, die mein Erlöser für mich hat. Sie lehrte mich auch, dass ich, wenn ich gläubig und gehorsam sei und mein Leben entsprechend seinem Willen lebte, immer ein Leben in Fülle führen würde, voller Segen aus der Höhe.

In meinem Zuhause wurde der Sonntag immer als ein Tag der Gottesverehrung angesehen. Es gab eine ungeschriebene Regelung zu Hause, die prinzipiell lautete: Wenn Mutter in die Kirche geht, gehst du auch. Ich kann mich nicht erinnern, dass meine Mutter auch nur ein einziges Mal ein Familientreffen einberief, bei dem das diskutiert wurde oder bei dem darüber abgestimmt wurde, wer mit der Regelung einverstanden war und wer nicht. Und so gingen wir ausnahmslos jeden Sonntag zu den Gottesdiensten einer kleinen Baptistengemeinde, außer wenn unsere Mutter selbst nicht ging. Manchmal kam es vor, dass ich den ganzen Tag in der Kirche verbrachte und nicht vor dem Abend wieder zu Hause war.

Als Junge spielte ich mit meinen beiden jüngeren Schwestern oft “Kirche”. Ich war der Pastor und sie meine Gemeinde. Meine “Predigten” hatten für sie vermutlich kaum Bedeutung, aber ich “predigte” und sie saßen da und hörten zu. Ich habe mir nie viel dabei gedacht, aber meine liebe Mutter und meine reizende Großmutter dachten trotz meines jungen Alters, dass das viel mehr als nur Spiel war. Sie wünschten sich, dass ich eines Tages Pastor einer Baptistengemeinde werden würde.

Meine Teenagerjahre – Ich gab den Glauben eine Zeitlang auf

Obwohl ich viel über das gute Wort Gottes gelernt hatte, verlor ich in meinen frühen Teenagerjahren vollständig das Interesse daran, zur Kirche zu gehen und fing an, generell immer unzufriedener mit organisierter Religion zu sein. In die Kirche zu gehen wurde mehr zu schwerer Arbeit als zu Vergnügen. Ich bemerkte, dass es anderes gab – eigentlich fast alles – das ich lieber tat, als in die Kirche zu gehen, geschweige denn in der Bibel zu lesen.

Wahrscheinlich könnte ich also meiner Mutter und meiner Großmutter die Schuld daran geben, dass ich mich dazu entschloss, aus der Kirche auszutreten und mit Religion abzuschließen, weil sie übertrieben stark Druck auf mich ausgeübt hatten, mich in das Wort Gottes zu vertiefen und mich darauf vorzubereiten, Baptistenprediger zu werden – das spielte vielleicht eine kleine, eine klitzekleine Rolle dabei. Eigentlich jedoch ist es eher eine Ausrede als ein echter Grund. Ich erkannte, dass meine Entscheidung meiner Mutter das Herz brach, so wie der verlorene Sohn seinem Vater das Herz brach, als er von zu Hause fort ging – und dennoch ließ sie mich meine eigenen Entscheidungen treffen und betete dafür, dass ich die richtigen Entscheidungen treffen würde.

Auch mir war, wie dem verlorenen Sohn, so viel gegeben worden, indem ich eine gottesfürchtige Mutter hatte, die einfach nur das Beste für ihren Sohn wollte; aber wegen meiner eigenen Aufsässigkeit und Sturheit wählte ich einen anderen Lebensweg.

Ich hatte keine Lust darauf, die Erwartungen anderer zu erfüllen, und ich dachte, dass ich viel glücklicher wäre, wenn ich Kirche und Religion aus meinem Leben verbannte. Aber leider war dem nicht so, um genau zu sein war ich ziemlich unglücklich, obwohl ich mir das nicht eingestehen wollte. Man sagt ja, dass man hinterher immer schlauer ist, und ich glaube, dass ich selbst als Teenager irgendwie wusste, dass Gott meinen Namen rief – dass er ein Werk für mich zu tun hatte – aber wie der verlorene Sohn nahm ich, was mir gegeben worden war und beschloss, die Dinge auf meine Art und Weise zu tun.

Ich habe in dieser Zeit nie etwas Schlimmes getan, aber ich erinnere mich noch daran, dass sich mein Leben falsch anfühlte, so, als ob etwas fehlen würde. Eines Sonntagnachmittags bekam ich einen Anruf von einer meiner Cousinen, die mich bat, ein Schild vorbeizubringen, das meine Schwestern für ein Chorjubiläum gemacht hatten, das in der Kirche gefeiert wurde und das sie vergessen hatte. Sie fügte hinzu, dass ich nicht zum Gottesdienst bleiben müsste, dass sie es aber zu schätzen wisse, wenn ich das Schild vorbeibringen könnte. Widerstrebend stimmte ich zu.

Vielleicht denkt ihr, der Anruf war Zufall. Aber das glaube ich nicht. Ich glaube, dass Gott diesen Telefonanruf verwendete, um mich wachzurütteln, um mir zu sagen, dass ich wieder nach Hause kommen sollte. Ich sollte mich auf meine Wurzeln besinnen und auf den rechten Weg zurückkehren. Kurz gesagt, ich blieb zum Gottesdienst und fing wieder an, regelmäßig in die Kirche zu gehen. Das ist jedoch nicht das Ende meiner Geschichte.

Meine Suche nach Wahrheit

Zwei Missionare der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.Obwohl ich regelmäßig zur Kirche ging, hatte ich immer noch das Gefühl, dass in meinem Leben etwas fehlte, auch wenn ich nicht genau sagen konnte, was. Alles, was mir beigebracht worden war, ergab Sinn und half mir, aber ich hatte das Bedürfnis, noch mehr zu erfahren.

Eines Tages beim Fernsehen sah ich in der Werbung eine Familie, die sehr glücklich wirkte und das Leben zu genießen schien. Zu diesem Zeitpunkt war bei mir zu Hause nicht alles so schön, vor allem nicht das Verhältnis zwischen meinem Vater und mir. Diese Menschen in der Werbung schienen ein Geheimrezept zu besitzen, was mich faszinierte. Am Ende des Werbefilms wurde ein Buch, von dem ich noch nie gehört hatte, kostenlos angeboten. Ich dachte bei mir, dass die Antworten in dem Buch zu finden sein müssten; also schrieb ich dorthin und forderte ein Exemplar des Buches an. Ein paar Tage später tauchten zwei junge Männer in Anzug und Krawatte mit ihren Fahrrädern bei mir auf und sagten, dass sie das kostenlose Buch Mormon, das ich angefordert hatte, dabei hätten. Ich fand schnell heraus, dass sie Missionare der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage waren.

Ich traf mich ein paar Monate lang mit den Missionaren und fand das, was sie mir berichteten, sehr interessant. Ich fing sogar an, im Buch Mormon zu lesen. Leider war mein Leben nicht so glücklich, wie ich es in den Werbefilmen gesehen hatte, und daher kam ich schlussendlich zu der Entscheidung, dass ich glücklicher wäre, wenn ich von zu Hause weg ginge und es alleine versuchte. Daher brach ich im März 1981 ins Trainingslager der Marine in San Diego, Kalifornien, auf.

Eine neue Spielwiese und ein zügelloses Leben

Keith L. Brown bei der Marine.Als ich das Trainingslager betrat, fühlte ich einen gewissen Frieden. Ich fühlte mich nicht mehr genötigt, mein Leben nach den Vorgaben anderer zu leben. Ich war mein eigener Herr. Ich konnte mein Leben leben, wie es mir gut erschien. Obwohl das Leben in der Armee sehr strikt ist, hatte ich dort wenigstens das Gefühl, dass ich als der Mann respektiert wurde, der ich geworden war. Dies war gewissermaßen meine Teststrecke. Ich musste meinem Vater nicht Rede und Antwort stehen oder den Erwartungen von irgendjemandem gerecht werden, der wollte, dass ich ein Evangeliumsprediger würde.

Während meiner Zeit im Tainingslager brachten mir die Dinge, die ich während meiner Jugend als Baptist gelernt hatte und die Dinge, die mir die Missionare der Mormonen beigebracht hatten, Frieden und Trost in Zeiten, in denen ich mich einsam fühlte und meine Familie vermisste. Sonntags ging ich sogar zu protestantischen Gottesdiensten.

Schließlich kam die Zeit, dass ich endlich wieder Freiheiten hatte und mit meinen Freunden die Stadt erkunden konnte. San Diego war in den 1980er Jahren ein “spannender” Ort fürWarum junge Soldaten. Das Wort “spannend” verwende ich mit einem Augenzwinkern. Es gab Kneipen, Pornografie-Läden, Nachtclubs und verschiedene andere Aktivitäten, die junge Soldaten unternehmen konnten. Ich machte mir selbst weiß, dass es als 22-jähriger junger Mann nun an der Zeit wäre, dass ich endlich lebte, und so fand ich mich schon bald auf einer neuen Spielwiese wieder, auf einer ganz neuen Ebene, voller Rebellion. Obwohl mir bewusst war, dass Gott sich diese Art von Leben nicht für mich vorgestellt hatte, gab ich bald nach und fand mich schnell in den Fängen von Lastern wie Alkohol und Pornografie.

Ich war so naiv zu glauben, dass das Leben, das ich begonnen hatte, Spaß mache und dass das Leben so sein solle. Also traf ich noch einmal die überstürzte Entscheidung, Kirche und Religion erneut aufzugeben und den Wegen der Welt zu folgen. Der Erretter hörte währenddessen jedoch nie auf, mich zu lieben und gab mich nie auf, auch wenn ich selber es oft tat. Ich behielt die Dinge, die mir gelehrt worden waren, im Hinterkopf und fragte mich selbst oft: Was tust du da? Doch schob ich diese Gedanken schnell beiseite, indem ich mich mehr und mehr den Lastern hingab, die zu diesem Zeitpunkt bereits stark mein Leben bestimmten.

Es gab viele Nächte während meiner Zeit im Militär, in denen ich in die Stadt ging, um “Spaß” zu haben, zum Stützpunkt zurückkam, schlief und am nächsten Morgen zur Arbeit ging und mich schon darauf freute, wieder in die Stadt zu gehen, wenn die Freiheit winkte, um alles zu wiederholen.

Der verlorene Sohn kehrt heim

Der Verlorene Sohn, von Clark Kelley PriceIch bin, wie der verlorene Sohn, auf ewig dankbar, dass das Licht irgendwann auf mich fiel und mir irgendwann endlich bewusst wurde, dass ich nicht ein Leben wie es war, leben musste. Mein Himmlischer Vater hatte einen besseren Plan für mein Leben. Es war an der Zeit, dass ich zu meinem Vater zurückkehrte.

Selbst wenn ich jetzt an die Erlebnisse zurückdenke, die zu dieser Entscheidung führten, bekomme ich noch Gänsehaut. Ich war auf einem Schiff stationiert und war an einem heißen Sommernachmittag mit einem Kumpel unterwegs. Nachdem wir eine Zeitlang durch die Stadt gelaufen waren und ein paar Drinks gehabt hatten, beschlossen wir, noch etwas zu essen, bevor wir zurück zum Schiff gingen. Wir hielten an einem kleinen Restaurant, bestellten noch ein paar Drinks und etwas zu essen. Als ich zum Schiff zurück ging, wurde mir ganz plötzlich sehr übel. Ich schaffte es gerade zur Toilette in der Nähe der Brücke und schloss die Tür ab. Dort blieb ich einige Stunden lang bewusstlos auf dem Boden liegen. Zum Glück wachte ich auf, aber mein Zustand war wirr. Ich weiß nicht, wie lange ich bewusstlos war, aber ich schaffte es zurück zu meinem Liegeplatz und kletterte in meine Koje. Am nächsten Tag war mein Kumpel froh mich zu sehen, denn er hatte Angst gehabt, dass etwas passiert sein könnte, da niemand an Bord wusste, wo ich war. Wegen meiner Dummheit hätte ich genauso gut ins Koma fallen und an dem Tag sterben können. Jedoch wachte ein liebender Himmlischer Vater über mich. Es gehörte nicht zu seinem Plan, dass ich in dem Zustand, in dem ich mich befand, starb. Dieses Erlebnis öffnete mir die Augen, und ich schwor mir, dass ich von diesem Tag an wieder die Dinge tun würde, von denen ich wusste, dass sie richtig seien und meinem Himmlischen Vater gefielen. Der verlorene Sohn war zu seinem Vater zurückgekehrt.

Die Moral der Geschichte ist, dass ich seit jener Zeit nicht mehr vom Glauben abgewichen bin. Ich ging eine Zeitlang auf eine Bibelschule, als ich in Keflavic in Island stationiert war, um Baptistenprediger zu werden, und kam wieder in Kontakt mit Missionaren der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage; und am Dienstag, den 10. März 1998 – vor ungefähr 16 Jahren – wurde ich getauft. Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte. Obwohl Religion und Kirche ein wesentlicher Bestandteil meines Lebens sind, beruht mein Glaube weder auf dem einen noch dem anderen. Mein Glaube basiert auf dem Herrn Jesus Christus und nur auf ihm.


Über Keith L. Brown

Keith L. Brown ist jemand, der sich zur Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage bekehrt hat und als Baptist geboren wurde und aufgewachsen ist. Als er sein Studium absolvierte, um Prediger der Baptisten zu werden, bekehrte er sich zum Glauben der Mormonen. Er wurde am 10. März 1998 in Reykjavik, Island, getauft, als er dort für die Marine der Vereinigten Staaten von Amerika in Keflavic, Island, diente. Er dient derzeit ehrenamtlich als Evangeliumsklassenlehrer und Gemeindemissionar für die Gemeinde in Annapolis, Maryland. Er dient auch als Spezialist für öffentliche Angelegenheiten im Pfahl Annapolis. Er wurde vor 30 Jahren ehrenhaft aus seinem Dienst bei der Marine entlassen.

Aus dem Englischen übersetzt von Kristina Vogt. Das Original stammt von Keith L. Brown und ist zu finden auf jesus.christ.org.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage lernen möchten, besuchen Sie einfach die offiziellen Webseiten der Kirche: lds.org und mormon.org.