Beim Lesen des Buches Mormon stoßen wir immer wieder auf Stellen, an denen uns klar wird, dass der Platz auf den goldenen Platten wirklich begrenzt war und dass Mormon und Moroni den Bericht stark verkürzt haben. In 3 Nephi 5:8 steht, dass „nicht alles in diesem Buch niedergeschrieben werden kann; ja, dieses Buch kann nicht einmal den hundertsten Teil dessen enthalten, was unter so vielen Menschen im Zeitraum von fünfundzwanzig Jahren geschehen war.“
In mehreren Kapiteln im Buch Mormon fällt dies besonders auf. Ich hätte dort sehr gerne mehr Informationen, um meine Neugierde zu befriedigen und Sinn aus dem Gelesenen zu machen. Drei der in meinen Augen spannendsten offenen Stellen möchte ich hier vorstellen:

1 Eine Schrift an der Mauer

das Buch Mormon

In Alma 10:2 stellt sich Amulek, der Missionskollege Almas, dem Volk im Land Ammoniha vor:
„Ich bin Amulek; ich bin der Sohn Giddonachs, der der Sohn Ischmaels war, der ein Abkömmling Aminadis war; und es war dieser selbe Aminadi, der die Schrift übersetzte, die an der Mauer des Tempels war und die vom Finger Gottes geschrieben wurde.“
Die Formulierung erinnert an die Begebenheit um König Belschazzar, von der in Daniel 5 zu lesen ist. Hier erscheint bei einem unsittlichen Gelage an der Wand des königlichen Palastes eine Schrift, in der der König für seine Schlechtigkeit angeprangert wird. Von einem Aminadi aber, der eine Inschrift deutete, lesen wir nirgendwo sonst im Buch Mormon.
Und so bleibt die Frage, was an der Tempelmauer zu lesen war und warum Aminadi auserwählt wurde, die Inschrift zu übersetzen, unbeantwortet.

2 Eine außergewöhnliche Vision

Frieden in dieser Welt

Eine der wenigen Frauen im Buch Mormon, die namentlich bekannt ist, ist die Lamanitin Abisch. In Alma 19 lesen wir von der wundersamen Bekehrung König Lamonis und seines Haushalts. Der König, die Königin und ihr Missionar Ammon fallen vom Geist überwältigt zu Boden. Die Knechte sehen dies und in Vers 16 steht:
„Und es begab sich: Sie riefen den Namen des Herrn an mit ihrer Kraft, ja, bis sie alle zur Erde gefallen waren, außer einer lamanitischen Frau, deren Name Abisch war; sie war vor vielen Jahren zum Herrn bekehrt worden, infolge einer außergewöhnlichen Vision ihres Vaters—“
Sucht man im Buch Mormon nach Abischs Vater und seiner Vision wird man nicht weiter fündig. Eine Vision ist schon per se eine spannende Angelegenheit; dass die von Abischs Vater mit dem Prädikat „außergewöhnlich“ versehen ist, lässt uns aufhorchen. Um welche besondere Vision es sich handelt, bleibt aber ein Geheimnis.

3 Eine besondere Stadt

Credit: Book of Mormon Central Buch Mormon Karte

Während Lehi und seine Familie viele Jahre in Zelten lebten, wurden ihre Nachkommen wahre Baumeister. In Kriegszeiten verstärkten sie Wälle und Mauern rund um ihre Städte und in überheblicher Weise waren sie sicher, dass ihre Städte teilweise unzerstörbar seien (vgl. Alma 9:4).
Die Stadt Lehi sticht unter allen Städten der Völker im Buch Mormon hervor. Über sie steht in Alma 50:15: „Und im gleichen Jahr fingen sie auch an, viele Städte im Norden zu bauen, eine auf eine besondere Weise, die sie Lehi nannten, und sie lag im Norden im Grenzgebiet an der Meeresküste.
Es wäre sicherlich interessant zu erfahren, inwiefern die Stadt Lehi auf eine besondere Weise gebaut war. Vielleicht war die Stadt in einen Berg gehauen, ihre Straßen geometrisch angeordnet oder dort gab es die ersten Hochhäuser. Was nun die Besonderheit in der Erbauung dieser Stadt ausmachte, wird jedoch nicht weiter erläutert. Mysteriös!

Während diese und viele weitere Fragen im Buch Mormon ungeklärt bleiben, dürfen wir versichert sein, dass das Buch Mormon seinen Zweck erfüllt, uns dem Heiland näher zu bringen. Die Geheimnisse stellen also nicht in Frage, dass das Buch das Wort Gottes ist und die Geschichtsschreiber Mormon und Moroni eine inspirierte Zusammenfassung des Berichts der Nephiten, Lamaniten und Jarediten verfasst haben. Aufgrund der gegebenen Verhältnisse mit eingeschränktem Platz auf den Platten und eingeschränkter Lebenszeit der Schreiber musste so manche Begebenheit stark verkürzt werden – und wir können uns darauf freuen, eines Tages alles wissen zu dürfen.


Dieser Artikel wurde auf Deutsch von Tabea Seeborg verfasst und am 14.03.2019 auf treuimglauben.de veröffentlicht.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.

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