„Um dem Herrn, ihrem Gott, zu danken, der sie aus dem Land Jerusalem geführt hatte und der sie aus den Händen ihrer Feinde befreit und ihnen gerechte Männer als Lehrer bestimmt hatte, ebenso einen gerechten Mann als ihren König, der im Lande Zarahemla Frieden aufgerichtet und der sie gelehrt hatte, die Gebote Gottes zu halten, damit sie sich freuen und von Liebe zu Gott und zu allen Menschen erfüllt sein konnten.”

Mosia 2:4

Was wir wissen

In den Vereinigten Staaten besteht die „Weihnachtszeit” aus Thanksgiving (=Erntedankfest), Weihnachten und Neujahr, und bringt  ein besonderes Gefühl mit sich. Die Menschen versuchen, freundlicher zu sein, mehr Zeit mit der Familie zu verbringen, und sie versuchen, den „Weihnachtsgeist” zu haben.

Obwohl die Menschen im Buch Mormon nicht wie heute Thanksgiving (Erntedank), Weihnachten und Neujahr gefeiert haben, scheinen sie in ihrer eigenen Art drei ähnliche Feiertage in unmittelbarer Folge gefeiert zu haben. Diese Feiertage waren Rosch ha-Shana (das jüdische Neujahr), Jom Kippur (der Tag der Sühne) und Sukkot (das Laubhüttenfest).

Terrence L. Szink und John W. Welch haben erklärt, dass „die verschiedenen Komponenten des Herbstfestes in den Anfangszeiten der israelitischen Geschichte als eine einzige Festtagszeit gefeiert wurden”. Erst später wurden ihre „vielen Elemente stark differenziert….”.

König Benjamin spricht zu seinem Volk.

König Benjamins Rede „greift alle Hauptthemen dieser heiligen Tage auf und behandelt sie als Teil eines einzigen Festtags-Komplexes, im Einklang mit dem, was man in einer vorexilischen israelitischen Gemeinschaft erwarten würde, in der die Herbstfeste nicht stark differenziert waren, sondern immer noch eng mit einem großen Herbstfest verbunden waren”.

Während der israelitischen Neujahrsfeiern zum Beispiel brachten die Gläubigen Opfer von Tieren dar, die „im ersten Jahr” waren (siehe Levitikus 23:24-25). Das tat auch Benjamins Volk.  „(…) Sie nahmen auch von den Erstlingen ihrer Herden mit, um gemäß dem Gesetz des Mose Opfer und Brandopfer zu opfern” (Mosia 2:3). Beide Ereignisse feierten auch Gottes Königtum, erklärte König Benjamin: „Wenn ich, den ihr euren König nennt (…), irgendeinen Dank von euch verdiene, o wie solltet ihr eurem König im Himmel danken!” (Mosia 2:19). Szink und Welch haben festgestellt, dass der Talmud und andere jüdische und antike Literatur des Nahen Ostens die Idee des göttlichen Königtums ähnlich direkt mit dem Neujahrstag verbinden.

Sowohl das israelitische Neujahrsfest als auch die Rede von König Benjamin betonen die Erinnerung. In Levitikus 23:23-25 wird das Ereignis, das dem Neujahrsfest entspricht, wörtlich als Zikkaron (Erinnerung) bezeichnet. Allein die ersten sechs Kapitel von Mosia erwähnen 15 Mal eine Form des Wortes “erinnern”. Die Rede von König Benjamin und das israelitische Neujahrsfest konzentrierten sich auch auf den König. Szink und Welch bemerkten: “Dies war offenbar der bevorzugte Zeitpunkt für die Krönung des Königs und die Erneuerung des Volksbundes, ihm und Gott zu gehorchen.” Während der Rede von König Benjamin erhielt Mosia seine Krönung (Mosia 2:30), und das ganze Volk verpflichtete sich, die Gesetze des Königs und Gottes zu befolgen (Mosia 5:5).

Die Rede von König Benjamin enthält auch Elemente, die den Tag der Sühne zum Inhalt haben. Neben der siebenmaligen Erwähnung von “Sühne” in seiner Rede hat Benjamin thematisch das Sühnopfer  in seine Botschaft mit eingearbeitet. Nach Levitikus 16 sollte der Hohepriester das Blut des Opfertages verwenden, um die Stiftshütte zu reinigen.

Buch Mormon und andere Aufzeichnungen

Benjamins Hinweise auf “das Sühnen des Blutes Christi” (Mosia 3:18) sind wahrscheinlich Anspielungen auf dieses Gesetz.

Ein weiteres Element des Versöhnungstages war, dass der Priester das Volk von verschiedenen Ungerechtigkeiten reinigen würde, besonders von Geboten, die in Unwissenheit verletzt wurden (Numeri 15:27-29).

Wie König Benjamin es ausdrückte, kann Christus durch sein Sühnopfer “diejenigen, die unwissentlich gesündigt haben” (Mosia 3:11), erlösen.

Laut Szink und Welch beschreibt Levitikus 16:7-10 ein Ritual, “bei dem der Hohepriester am Tag des Sühnopfers zwei Ziegen nahm; durch das Werfen von Losen wurde eine Ziege “für den Herrn” geopfert und die andere zum “Sündenbock” erklärt. Sie stellten fest,

“Eine ähnliche Dichotomie tritt in Mosia 5:7-12 auf, in dem das Volk entweder durch den Namen Christi berufen ist und zur rechten Hand Gottes gehört, oder “durch einen anderen Namen” genannt und zur linken Hand Gottes gefunden wird. Nach späterer rabbinischer Tradition war es zulässig, die Lose mit ihren jeweiligen Ziegen zu tauschen, so dass, obwohl die Bestimmung, welche Ziege dem Herrn gehörte, durch das Los erfolgte, die Ziege des Herrn auf der rechten Hand sein würde, während die andere auf der linken Seite sein würde.”

Das Buch Mormon Katholisch

Schließlich ähnelt Benjamins Rede dem Laubhüttenfest (Sukkot). In Deuteronomium 31:10-12 heißt es, dass sich das Volk in Familien in der Nähe des Tempels oder der Stiftshütte zu diesem Fest versammeln sollte. Ebenso wurde Benjamins Volk angewiesen, sich “zu versammeln” (Mosia 1:18), ” jedermann gemäß seiner Familie” (Mosia 2: 5), “mit dem Eingang zum Tempel hin” (Mosia 2:6). Sie blieben während dieses Treffens auch in Zelten (Mosia 2:6). Welch und Szink haben erklärt: “Zelte wurden speziell im Zusammenhang mit der Feier der Einweihung des Tempels durch Salomo erwähnt…. (1 Könige 8:65-66).  Das Fest, bei dem Zelte benutzt wurden, fand im siebten Monat statt (siehe 1. Könige 8:2) und wurde allgemein als ein Fest der Laubhütten angesehen.”

Laut Szink und Welch erneuerten die alten Israeliten am Laubhüttenfest “ihren Bund mit Gott, sein Volk zu sein und seinen Gesetzen zu gehorchen”.

” Das Volk von Benjamin geht auch einen solchen Bund ein, und sie folgen im Detail der Form der Erneuerung des Bundes in Israel. Durch diesen Bund wurde das Volk zu den Söhnen und Töchtern Gottes.”

Auch “Jüdische Texte zeugen von der Verbindung zwischen dem König und dem Laubhüttenfest.” In diesen Texten heißt es: “Der König steht auf einer speziell konstruierten Plattform, und ihm wird eine Kopie des Gesetzes gegeben, aus der er verschiedene Passagen aus Deuteronomium liest…. über das Gesetz und das Zustandekommen des Bundes”. Auf einem Turm zu stehen und Material zu rezitieren, das mit der Bündnisfeier zu tun hat, ist genau das, was man in König Benjamins Rede sieht.

Das Warum

Zement Buch Mormon

Obwohl es unmöglich ist, genau zu wissen, wie sich die Menschen von König Benjamin fühlten, als sie seine Rede hörten, können wir uns vielleicht eine Vorstellung machen. Wenn seine Rede während der nephitischen ” Feiertage ” gehalten wurde, wie es scheint, ist es möglich, dass sie so empfunden haben, wie wir sie heute während unserer Herbst-/Frühwinterfestzeit empfinden.

Sukkot ist, wie unser Erntedankfest, ist ein Erntefest und würde sich natürlich den Gefühlen der Dankbarkeit für den Segen Gottes während des Jahres zuwenden. Jom Kippur, für die Nephiten, wäre ein Tag gewesen, an dem sie mit einem Gefühl der Ehrfurcht dem Opfer des Erlösers entgegensahen, ähnlich wie Weihnachten für uns. Rosh Hashanah ist, wie unser neues Jahr, eine Zeit der Hoffnung und Vorfreude auf das neue Jahr. Obwohl nicht genau dasselbe, ist die Art und Weise, wie wir uns während der Weihnachtsandacht der Ersten Präsidentschaft fühlen, vielleicht ähnlich wie das Hören der Rede von König Benjamin, wenn sich diese Gefühle zu einem besonderen Festtagsgeist verbinden.

Wie Szink und Welch erklärten, ist die Rede von König Benjamin “nachvollziehbarer wenn wir verstehen, dass die Rede in der Jahreszeit stattfindet, in der die Nephiten ihre Herzen und Gedanken auf die Art von Themen und Anliegen gerichtet hatten, die diese Zeit der jährlichen religiösen Erneuerung und Aktivität im alten Israel charakterisiert haben”.

Unabhängig davon, wie sich die Menschen während dieser Rede tatsächlich fühlten, spiegelt König Benjamins Fokus auf Christus und die Fürsorge füreinander die Essenz des “Weihnachtsgeistes” wider. Mögen wir alle diesen Geist in dieser Weihnachtszeit und immer bei uns behalten.


Dieser Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich auf bookofmormoncentral.org unter dem Titel „Did the Nephites Have a “Holiday Season” Like We Do Today?” veröffentlicht. Übersetzt von Janine Windhausen.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.

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