Im Lauf der letzten Jahre erzählten mir eine ganze Menge Leute, der Mormonismus sei ein Nebenprodukt der begnadeten Schriftstellerei eines Hochstaplers, nämlich Joseph Smiths. Ich argumentierte, ein so einfacher Junge wie Joseph hätte niemals eines der einflussreichsten Bücher der Menschheitsgeschichte schreiben können. Das Gegenargument lautete, dass Joseph Smith das Buch Mormon geschrieben haben und einfach ein weiterer J.K. Rowling, J.R.R. Tolkien oder Christopher Paolini gewesen sein könnte.

Hiermit möchte ich der Behauptung, Joseph Smith sei nur ein weiterer Autor, wie die Erfinder von Harry, Voldemort, Frodo, The Shire, dem Gedanken lesenden Drachen oder irgendeiner anderen magischen Schöpfung moderner Literatur, gebührend Aufmerksamkeit schenken.

Der 15-jährige Autor von Eragon, Christopher Paolini, der als Schüler nur Hausunterricht genossen hatte, brauchte ein Jahr für einen ersten Entwurf und ein weiteres Jahr für die Verfeinerung seiner Geschichte sowie die Ausarbeitung der Charaktere. Pure Fantasie, aber zweifellos ein Geniestreich!

J.K. Rowlings Idee für Harry Potter kam ihr beim Warten auf einer um vier Stunden verspäteten Zugreise von Manchester nach London. Die Ausgangsidee war, einen Jungen auf eine Schule für Hexerei und Zauberei zu schicken, inzwischen als „Hogwarts-Schule“ bekannt. Rowling machte einen Collegeabschluss und war mit dem Vorzug einer höheren Bildung gesegnet. Sie war 25, als sie die Idee für ihr Buch hatte. Eine Zeitspanne von sieben Jahren und viel Lebenserfahrung waren notwendig, bis das endgültige Manuskript für ihr erstes Buch fertig war. 7 Jahre für Buch eins!

Sehersteine Buch Mormon

Einer der Sehersteine, die Joseph Smith während der Übersetzung des Buches Mormons nutzte. Er befand sich im Besitz von Brigham Young, dem 2. Präsidenten der Kirche.

Tolkien war ein sehr versierter Autor und Linguist mit lebenslanger Erfahrung, die seinem Werk das Fundament verlieh. Er brauchte 10 Jahre für den „Herr der Ringe“, der nur ein kleiner Teil dessen ist, was er im Lauf des Lebens produzierte. Wäre ich Kritiker, würde ich auch Tolkiens Freund, den Autor von Narnia, C.S. Lewis, mit dazuzählen. All diese Veröffentlichungen und weltweit eine Menge anderer sind literarische Meisterwerke. Wenn ich die Bücher dieser Autoren lese oder die Filme ansehe, muss ich mich fragen: Wie kommen sie bloß auf so etwas?

Dieselbe Frage stelle ich mir regelmäßig, wenn ich das Buch Mormon lese. Wie um alles hätte Joseph Smith auf so etwas kommen können? Oberflächliche Betrachtung könnte einen veranlassen zu denken: Wenn ein Mensch doch mit so viel Fantasie ausgestattet sein kann, wie sie in einem Orc-Angriff auf Mittelerde zum Ausdruck kommt, warum dann nicht auch Joseph Smith? Diese Autoren waren kreative Superstars. War womöglich auch Joseph einer? Das Herr-der-Ringe-Projekt identifiziert 982 miteinander verbundene, von Tolkien erfundene Charaktere im „Hobbit”, im „Herr der Ringe” und anderen von ihm veröffentlichten Werken. So ist es ganz natürlich, dass manche probieren, die beachtliche Leistung herabzusetzen, dass im Buch Mormon 337 passende Namen auftauchen, von denen 188 einzig dort vorkommen. Tolkien erfand seine eigene Sprache und nutzte dabei seine ausgedehnte Erfahrung, sein Wissen und seine Fähigkeiten, die er sich in seiner langjährigen linguistischen Laufbahn erworben hatte. Noch einmal: Er brauchte dafür 10 Jahre. Joseph schaffte es, obwohl er nicht einmal in der Lage war, auch nur einen einzigen zusammenhängenden Brief zu schreiben, und führte noch dazu ein anstrengendes bäuerliches Leben an der Grenze der Armut. Außerdem hatte er nur drei Jahre offiziellen Schulunterricht erhalten. Die Namen, die im Buch Mormon vorkommen, sind semitischen Ursprungs.

Und jetzt wird es wirklich verrückt! Wenn Joseph Smith Autor statt Übersetzer gewesen wäre, dann überleg mal: Er hätte irgendein Versteck haben müssen, von dem keins seiner Geschwister, Freunde, Nachbarn oder Familienmitglieder wusste. Er hätte enorm viel Zeit nachts bei Kerzenlicht verbringen müssen (tagsüber hätte er ja arbeiten müssen), ohne zu schlafen, hätte Seite für Seite den vollkommenen Handlungsablauf einer Geschichte klopfen müssen, die in puncto Weisheit ihresgleichen sucht. Nicht zu vergessen, zum damaligen Zeitpunkt ist er sehr jung. Dann hätte er für seinen Schwindel richtige Platten schmieden müssen (schließlich haben viele jene Platten angefasst) und sie dann in einem Hügel in einer Steinkiste eigener Herstellung vergraben müssen. Und wo waren eigentlich alle andern, während sich das zutrug?!  Ich meine … er hat all das durchgemacht … dann holt er mitten in der Nacht seine frisch angetraute Frau, um mit ihr diese Platten, die er fabriziert hat, herbeizuschaffen und wird derentwegen noch obendrein angegriffen. Hätte er das alles wirklich auf sich nehmen müssen?

Hätte er es selber geschrieben, dann hätte er sich an jedes letzte Wort und die genaue Aussprache erinnern müssen, denn er diktierte das Buch seinen Schreibern, während er in einen Hut blickte. Die ganze Geschichte, wie diese Übersetzung zustande kam, hat nur noch mehr zum Aufbau meines Zeugnisses beigetragen. Manche meinen, die ganze Geschichte mit dem Seherstein, dem in einen dunklen Hut versenkten Kopf und dem Diktat der Übersetzung, sei schwer zu begreifen, seltsam oder gar von Nachteil für die Kirche. Ich glaube eher, dass die Wahrheit über den Ablauf der Übersetzung deshalb hervorkam und sogar betont wird, weil sie zeigt, wie wunderbar doch dieses Buch ist. Man stelle sich einmal vor: Man diktiert dieses ganze Buch, während man in einen Hut schaut! Hätte er betrügen wollen, wäre ihm sicher etwas Besseres eingefallen als stundenlanges In-einen-Hut-Hineinsehen.  Hätte Joseph Smith ein Schreibzimmer gehabt, wo er allein und abgesondert jahrelang hätte sitzen können, mit entsprechendem Arbeitsmaterial, Büchersammlungen, dem Internet, höherer Bildung, ohne weitere Anwesende, hätten wir weniger den Eindruck göttlicher Führung. Aber der Mann hatte seinen Kopf in einem Hut, in dem nur ein Stein lag! Entweder hat er das Buch schon vorher geschrieben und sich dann an jedes letzte Wort erinnert, um zu diktieren, oder aber Gott hat ihm geholfen. Jede Einzelheit ist schwer nachvollziehbar. Und doch haben wir das Buch, um das es geht, in Händen.

Buch Mormon Manuskript

Auszug des originalen Manuskriptes der Übersetzung des Buches Mormon.

In den großen Romanen der Welt findet man hie und da Perlen ewiger Weisheit, zum Beispiel, wenn Harry erkennt, dass in jedem von uns Gutes und Böses steckt und wir uns entscheiden können. Tolkiens Perle der Weisheit zeigt, wie Macht einen Menschen verändern kann. Aber keiner von ihnen kommt an die scheinbar willkürliche Ausführlichkeit heran, mit der Joseph Smith aufwartet und die letztendlich ausschlaggebend ist für das Buch im Hinblick auf seinen historischen und lehrreichen Wert. Keiner von ihnen erreicht das Maß der Weisheit, wie es im Buch Mormon Seite für Seite zu finden ist. Keiner von ihnen übermittelt uns Lehren zu einigen der verwirrendsten biblischen Grundlagen. Und keiner von ihnen schaffte es in 65 Arbeitstagen!

J.K. Rowling und viele andere waren weit bessere Schriftsteller als Joseph Smith. Sogar seine Frau Emma wusste, dass er kein großartiger Schriftsteller, Leser oder Historiker war. Sie gab an, dass er nicht einmal von der Jerusalemer Stadtmauer wusste. Josephs Mutter sagte, er habe nie besonders gerne gelesen. Woher stammten dann diese ganzen Informationen, die er gebraucht hätte, um das Buch Mormon zu schreiben?

Joseph sollte nie ein Schriftsteller sein. Er sollte Prophet sein und Übersetzer. Er war jung und ungebildet. Selbst wenn er so kreativ wie diese Autoren gewesen wäre, ist es doch für mich nicht nachvollziehbar, dass er oder jemand anders so etwas hätte durchziehen können.


Greg Trimble

Ständig probiere ich neue, verrückte und witzige Dinge aus. Ich liebe meine Familie und mein Leben. Ich versuche, anderen zu dienen und möchte gerne lächelnd im Gedächtnis bleiben und nicht schmollend. Ich habe eine Firma gegründet, sie verkauft und konzentriere mich nun vor allem auf GamePlan, Belief Wear, Free Custom Website, und Lemonade Stand. Ab und zu stürze ich mich in eine Welle, trainiere das Baseball-Team meiner Kinder und schrecke nie vor einem Langstrecken-Golfwettbewerb zurück.

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt und auf gregtrimble.com unter dem Titel „Is Mormonism Just The Byproduct Of A Great Novelist?” veröffentlicht. Der Autor ist Greg Trimble. Übersetzt von Romie Zieger.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) lernen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.