Wahrscheinlich kennen nicht viele den katholischen Professor Dr. Stephen H. Webb. Doch hat er viel zur Verteidigung unseres Glaubens, unserer Werte und unserer heiligen Schriften beigetragen. Als ein Großteil der Menschheit sich weigerte, Mormonen als Christen anzuerkennen, verteidigte er sie in der Öffentlichkeit (Webbs Artikel auf Englisch) und sagte, dass Mormonen „viel eher Christen seien als viele andere Christen der großen Kirchen, die die erstaunliche Behauptung, dass Jesus der Sohn Gottes ist, nicht ernst nehmen würden.”

Als Webb am 5. März 2016 im Alter von 54 Jahren starb, trauerten viele um den Verlust dieses unglaublichen Mannes, darunter auch Religionsgelehrte der Kirche Jesu Christi.

„Es gibt derzeit keinen Theologen, der nicht dem HLT-Glauben angehört, der sich mit mehr Sorge und Sorgfalt mit der Theologie der Mormonen beschäftigt hätte als Stephen H. Webb”, sagte Blair Hodges vom Neal A. Maxwell Institute for Religious Scholarship an der Brigham Young University dem Salt Lake Tribune.

Er glaubte daran und wies nach, dass der Glaube der Mormonen und besonders das Buch Mormon von Christus geradezu beherrscht sind.

„Als ich das Buch las, war ich völlig überrascht”, schrieb er, „Seine Person hebt sich deutlich heraus. „Und wir reden von Christus, wir freuen uns über Christus, wir predigen von Christus, wir prophezeien von Christus, und wir schreiben gemäß unseren Prophezeiungen, damit unsere Kinder wissen mögen, von welcher Quelle sie Vergebung ihrer Sünden erhoffen können.”

2. Nephi 25:26

Obschon die zitierten Stellen seinen Respekt für die Glaubensvorstellungen der Mormonen zeigen, hielt er sich mit Kritik nicht zurück. Kurz vor seinem Tod jedoch schrieb Dr. Webb in einer E-Mail an LDS Living, dass seine Ansichten „sich seither stark verändert, erweitert und vertieft” hätten. Weiter sagt er: „Ich schrieb die Zeilen am Anfang meiner Reise zum wiederhergestellten Evangelium und ich habe seither so viel über und von den Heiligen gelernt.”

Webb beharrte darauf, dass das Studium des mormonischen Glaubens und das Aufeinandertreffen mit Mormonen ihn zu einem besseren Christen machten.

Wort der Weisheit aus dem Buch Lehre und Bündnisse

Die Standardwerke der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) schließen, neben der Bibel und dem Buch Mormon, auch die Bücher “Lehre und Bündnisse” und die “Köstliche Perle” mit ein.

Das inspirierte Webb dazu, ein neues Buch zu schreiben: Mormon Christianity: What Non-Mormon Christians Can Learn from the Latter-day Saints (Das Christentum der Mormonen: Was nicht-mormonische Christen von den Heiligen der Letzten Tage lernen können), außerdem einen Nachfolger: Catholic and Mormon: A Theological Conversation. (Katholik und Mormone: Ein theologisches Gespräch).

In einer Fragerunde mit dem America Magazine gab Webb weitere Beispiele dafür an, wie der Mormonismus ihn verändert habe und wie auch andere Christen davon profitieren könnten, speziell Katholiken. Hier ein paar Höhepunkte:

… Für mich ist das Buch Mormon ein offensichtlich wundersamer Text, der sich in Erzählform mit theologischen Fragestellungen beschäftigt. Liest man es auf religiöse Weise, statt gemäß moderner historischer Maßstäbe, werden darin viele Lösungen für Probleme aufgezeigt, die die Protestanten im 19. Jahrhundert spalteten, und es weist den Weg zu einem reicheren und breiteren Christentum, als es damals zugänglich war.

Was können Katholiken von Mormonen lernen?

… Mormonen und Katholiken sprechen beide mehr über Werke und Heiligkeit als Protestanten das tun, und sie können diesbezüglich voneinander lernen. Mormonen sind außerdem fest von der physischen Existenz des Himmels überzeugt. Der Ansatz des Katholizismus vom Himmel war früher anschaulicher und detaillierter, aber ich befürchte, dass wir diesen weitgehend verloren haben. Wir können viel von dem Vertrauen der Mormonen in ein materielles, reales Leben nach dem Tod lernen.

Das Buch Mormon in vielen Sprachen. Was können Katholiken daraus lernen?

Die Mormonen haben auch eine starke Vorstellung von der Verbindung zwischen Lebenden und Toten … Wir Katholiken können unsere eigene Verantwortung für die Verstorbenen auf neue Weise schätzen lernen, indem wir uns mit dem Mormonismus befassen.

Was können Mormonen von Katholiken lernen?

Mormonen glauben, dass das Christentum nach dem Tod der ursprünglichen Apostel von seinem Weg abkam, weswegen sich die meisten Mormonen nicht mit traditioneller Theologie beschäftigen. Versteht mich nicht falsch. Ich habe das Gefühl, dass die Mormonen theologisch bewanderter und involvierter sind als Mitglieder anderer Kirchen, die ich kenne. Sie sind sehr belesen in ihrem eigenen Glauben und sie sind, da sie einer Minderheitenreligion angehören, sehr wortgewandt dabei, die Bedeutung und die Kohärenz dieses Glaubens darzustellen. Mormonen sind theologisch neugierig und intellektuell gesehen kühn in ihrem Glauben. Aber Mormonen wissen oft nicht, wo sich ihre Glaubensvorstellungen in den Rest der christlichen Tradition einordnen lassen. In meinem Werk versuche ich aufzuzeigen, dass der Mormonismus keine abgeschottete, unzugängliche Form des Christentums ist. Es gibt viele interessante Parallelen und Vorläufer in anderen Bereichen der Geschichte und Tradition des Christentums zu den Glaubensvorstellungen der Mormonen…

Was ist Ihrer Meinung nach die wesentliche Botschaft des Mormonismus?

Ihre zentrale Botschaft unterscheidet sich nicht von der anderer Kirchen. Jeder Mormone, mit dem ich mich unterhalten habe, und jedes mormonische Buch, das ich gelesen habe, wirbt für die Herrschaft Jesu Christi als Sohn Gottes und des einzig wahren Erlösers…

Wenn Sie Papst Franziskus etwas über die Mormonen sagen könnten, was wäre das?

Es ist an der Zeit, dass Katholiken die Mormonen ernst nehmen. Ein gutes Thema, mit dem man anfangen könnte, wäre, über die Entscheidung des damaligen Kardinals Joseph Ratzinger bezüglich der Gültigkeit der Taufe der Heiligen der Letzten Tage noch einmal nachzudenken. Ein guter Ort, um das zu tun, wäre Rom, und ein guter Zeitpunkt wäre, wenn die Mormonen dort ihren neuen Tempel in Betrieb nehmen!

Dies sind der Rat und die tiefgründigen, bemerkenswerten Einblicke eines Mannes, der den Heiligen der Letzten Tagen anfangs feindlich gegenüberstand, aber schrittweise lernte, ihre Theologie und Mitglieder zu respektieren, ja, selbst lieben zu lernen, indem er aufgeschlossen blieb und das Buch Mormon unvoreingenommen studierte.

Wir sind für Dr. Webbs gütiges Herz dankbar, für seine Forschung und für seine Anstrengungen, positive Botschaften vom Mormonismus in der Welt zu verbreiten.


Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich auf ldsliving.com unter dem Titel „Catholic Professor: The Book of Mormon Is a Miraculous Text” veröffentlicht. Die Autorin ist Danielle B. Wagner. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.    

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