Ich las einmal von dem Mann, der das Buch Mormon in Afrikaans übersetzte und kein Mitglied war. Während der Übersetzungsarbeit bemerkte er, wie ungewöhnlich viele Redewendungen in der englischen Übersetzung waren, besonders jene, die wir alle kennen: „Und es begab sich”. Das machte ihn neugierig, denn schließlich, so bemerkte er einmal, „wie viele Engländer sagen oder schreiben schon ‘Und es begab sich’?”

Und es begab sich

Joseph Smith und der Engel Moroni

Moroni, der letzte Prophet im Buch Mormon, erschien dem Propheten Joseph Smith im Jahre 1823 und zeigte ihm den Ort, an dem er die goldenen Platten, auf die der Bericht seines Volkes niedergeschrieben waren, vergraben hatte (ca. 421 n.Chr.).

Nachdem ich diese Geschichte gelesen hatte und wieder einmal meine Schriften zur Hand nahm, stellte ich fest, dass diese ungewöhnliche Redewendung, die auch in der Bibel vorkommt, immer weniger gebraucht wird, je mehr Zeit vergeht. Im Buch Genesis ist sie in 61 Prozent der Kapitel enthalten, im Alten Testament noch in 22 Prozent und in nur 13 Prozent der Kapitel des Neuen Testaments.

Auch gebrauchen im Neuen Testament nur die Schreiber der synoptischen Evangelien (Matthäus, Markus und Lukas) diesen Ausdruck. Diese Evangelisten nutzen antike Schriften, um den Hebräern, den Römern und den Griechen zu zeigen, dass Jesus der verheißene Messias ist.

Gleichermaßen taucht sie in 63 Prozent der Kapitel des gesamten Buches Mormon auf, aber der letzte Prophet im Buch Mormon, Moroni, setzt sie nur zweimal in den 10 von ihm verfassten Kapiteln ein, also wesentlich seltener, als die früheren Propheten. Und interessanterweise kommt sie kein einziges Mal in den Offenbarungen, die Joseph Smith empfing, vor.

Eine Verbindung zur Sprache Gottes & unserer ersten Eltern

Aufgrund dieser Informationen kam ich zu einer interessanten Hypothese. Nehmen wir an, die Formulierung „Und es begab sich” hatte ihren Ursprung in der adamischen Sprache (Sprache, in der Adam im Garten Eden mit Gott sprach und die im Laufe der Jahrhunderte verloren ging – Anmerkung des Übersetzers) – der Sprache unserer ersten Eltern.

Der nächste Schritt war, herauszufinden, wie man diese Hypothese verifizieren könnte. Als mir bewusst wurde, dass die Sprache der Jarediten beim Turmbau zu Babel nicht verwirrt wurde, entschied ich mich, das Buch Ether zu studieren, denn dieses Buch wurde aus einer Sprache übersetzt, die der adamischen Sprache näher ist als jede andere heilige Schrift, die wir haben. Zu meinem Entzücken stellte ich fest, dass „Und es begab sich” in jedem Kapitel dieser aufgezeichneten Geschichte der Jarediten enthalten ist. 160-mal findet sich diese Formulierung allein in diesem Buch – die höchste Vorkommensrate in allen heiligen Schriften. Im Durchschnitt enthält sie jeder zweite Vers!

Weiterhin deutet der Ausdruck „Und es begab sich” in den heiligen Schriften auf ein wichtiges Ereignis in der Vergangenheit hin. Können Sie sich eine bedeutendere Folge von historischen Ereignissen vorstellen als die Geburt, das Leben, den Dienst und das vollkommene Sühnopfer unseres Erlösers? An der Stelle, wo Lukas die Geschichte seiner Geburt schildert, lesen wir: „Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde”. (Lukas 2:1, Luther-Übersetzung 1912)

Und es wird sich begeben

Nachdem ich diese Entdeckungen gemacht hatte, erhielt ich einen Anruf von meinem Freund Lee Nelson. Er erzählte mir von der Arbeit der verstorbenen Professorin Leonora Leet, die ihren Doktortitel an der Yale-Universität erhalten und Englisch an der St. John’s University unterrichtet hatte. In ihrem Buch The Secret Doctrine of the Kabbalah, Recovering the Key to Hebraic Sacred Science („Die geheime Lehre der Kabbala, die Wiederherstellung des Schlüssels zur hebräischen Geheimwissenschaft” – Titel nicht auf Deutsch erhältlich – Anmerkung des Übersetzers) erklärt sie, dass uns die Redewendung „Und es begab sich” anzeigt, dass Gott uns von einem sehr wichtigen vergangenen Ereignis berichtet.

Aber Professor Leet wies auch darauf hin, dass es eine Variation davon gibt, nämlich „Und es wird sich begeben”, die sich mit zukünftigen Ereignissen und dem heiligsten Namen Gottes, Jehovah, verknüpft. Als ich dies erfuhr, setzte ich mich sofort an unsere heiligen Schriften und fand 157 Stellen mit der neuen Redewendung.

Statue Jesus Christus, Salt Lake City, USA

Die Bibel, das Buch Mormon, das Buch der Lehre und Bündnisse, sowie die Köstliche Perle wurden geschrieben, um von dem Plan und der Liebe Gottes für seine Kinder Zeugnis zu geben, die durch das Sühnopfer des Sohnes Gottes, Jesus Christus, offenbar wurde.

Wenn man prüft, welche Propheten den Ausdruck „Und es wird sich begeben” gebrauchen, entdeckt man, dass es jene sind, die von unseren Tagen „prophezeit haben” und vom Kommen unseres Herrn. Zum Beispiel benutzt Joseph Smith„Und es begab sich” kein einziges Mal, dafür aber ausgiebig „Und es wird sich begeben”.

Wenn wir die Formulierung „Und es wird sich begeben” untersuchen, sehen wir, dass die wichtigsten Benutzer dieses Ausdrucks Jesaja (22), Jeremia (7), Hesekiel (4), Sacharja (6), Nephi (23), Abinadi (8), Jesus (7) und Joseph Smith (25) sind, da sie von unseren Tagen und dem Zweiten Kommen prophezeit haben. Beachten Sie, dass der Erlöser ihn siebenmal verwendet. Dies ist für mich bedeutsam, denn als ich die  Arithmetik des Herrn studierte, fiel mir auf, dass die Sieben die Zahl der Vollkommenheit oder der Vollständigkeit ist. Einige mögen sagen, das sei Zufall, aber ich habe gelernt, dass die unendliche Liebe, die der Herr für uns hat, ihn in die Details unseres Lebens und sicherlich der Schriften bringt. Wenn Sie diese sieben Ereignisse finden und lesen, fangen Sie vielleicht an zu verstehen, was ich meine.

Und nun begab es sich

Kürzlich las ich erneut das Buch Mormon und entdeckte eine dritte Redewendung – eine, die sich auf die Gegenwart bezieht. Was mir ins Auge fiel, war „Und nun begab es sich”. Zusammen mit den anderen beiden vergegenwärtigte sie mir die Definition des Herrn von Wahrheit: „Und Wahrheit ist Kenntnis von etwas, wie es ist und wie es war und wie es kommen wird”. (Lehre und Bündnisse 93:24) Wir sehen die folgende Entsprechung dieser tiefgründigen Definition von Wahrheit:

„Und nun begab es sich” entspricht den Dingen, wie sie sind.

„Und es begab sich” entspricht den Dingen, wie sie waren.

„Und es wird sich begeben” entspricht den Dingen, wie sie kommen werden.

Wenn diese Redewendungen wirklich ihre Ursprünge in der adamischen oder ersten Sprache – der Sprache unseres himmlischen Vaters – haben, dann sind alle unsere heiligen Schriften wie ein Fingerabdruck des Herrn, der sich logischerweise mit der Wahrheit verankert wie sie ist, wie sie war und wie sie sein wird. Im Buch Mormon finden wir im 11. und 19. Kapitel des Dritten Nephi zwei fundierte Einsätze von „Und nun begab es sich”. Kapitel 11 berichtet, wie der Erlöser vom Himmel herabkommt und sein geistliches Wirken hier in Amerika beginnt. Kapitel 19 lässt uns teilhaben an der bedeutsamen Erfüllung des hohepriesterlichen Gebets des Herrn in Johannes 17: Die Menschen, die den Herrn hier in Amerika empfangen, werden ein im Herzen reines Zionsvolk und eins mit dem Herrn. Für uns heute sind das wichtigste Lehren, da wir dem Zweiten Kommen des Herrn entgegensehen.

Wenn man unsere Standard-Werke untersucht, findet man die genaue Redewendung „Und nun begab es sich” einzig im Buch Mormon und nirgendwo anders. Es zeugt davon, dass es durch die Gabe und Macht Gottes übersetzt wurde, wenn wir uns ansehen, wie die Reinheit des Gebrauchs dieser Redewendung übereinstimmt mit den durch den Herrn hervorgebrachten bestehenden Wahrheiten, die also „nun“ sind.

Warum diese Redewendungen wichtig sind

Der Gebrauch dieser drei Redewendungen verdeutlicht die große Harmonie zwischen alter und moderner heiliger Schrift. Die Formulierung „nun” + „es begab sich” findet sich in mehreren Büchern sowohl in Zeiten v. Chr. als auch n. Chr. und sowohl in der östlichen als auch in der westlichen Hemisphäre. Ihr Gebrauch ist nicht einzigartig für einen bestimmten Propheten, sondern verdeutlicht den einheitlichen Fingerabdruck des Herrn.

Wenn man sich den Prozess der Übersetzung des Buches Mormon ansieht, erkennt man leicht, dass Joseph Smith dies alles mit seinen wenigen Jahren Schulbildung nicht gewusst haben kann. Der Gebrauch dieser drei Ausdrücke – wie sie auftreten – ist eine göttliche Bestätigung der Gültigkeit all unserer heiligen Schriften. Die Chance, dass sie durch Zufall so vorkommen, ist so gering, dass wir sie ausschließen können. Die Redewendungen sind gewissermaßen drei weitere Zeugen der Wahrheit des Buches Mormon und seines wunderbaren Ursprungs.

Während Sie die Schriften lesen, werden Sie herausfinden, wie inspirierend und faszinierend es ist, zu beobachten, wer diese Redewendungen benutzt und wie sie verwendet werden. Sie sind eine weitere Bestätigung der Wahrheiten Gottes. Ich glaube, dass das Studium der Schriften mit diesen drei Redewendungen im Hinterkopf Ihnen einen besseren Einblick in die Ereignisse vor dem glorreichen Kommen des Herrn Jesus Christus geben wird.


Dieser Artikel wurde im englischen Original von David W. Allen verfasst und auf LDSliving.com verfasst. Er wurde von Tanja Kraft ins Deutsche übersetzt.

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