In Deutschland ist fast jedes zehnte Paar zwischen 25 und 59 Jahren ungewollt kinderlos. Einem Teil davon kann durch die moderne Reproduktionsmedizin weitergeholfen werden, viele Paare bleiben aber auch dauerhaft kinderlos.

Die Führer der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage sprechen dieses Thema immer wieder an und ihre Lehren können betroffenen Paaren ein Trost in schweren Zeiten sein.

Präsident Brigham Young lehrte: „Viele Schwestern trauern, weil sie nicht mit Nachkommen gesegnet sind. Sie werden die Zeit sehen, wenn sie Millionen von Kindern um sich haben werden. Wenn Sie Ihren Bündnissen treu bleiben, werden Sie Mütter von Nationen werden. Sie werden Evas für Erden wie diese sein; und wenn sie geholfen haben eine Erde zu bevölkern, wird es noch Millionen von Erden geben, die erschaffen werden.“ (Journal of Discourses, 8:208; Oktober 14, 1860)

Mikrosekunden des Wartens

Der heutige Präsident der Kirche, Russell M. Nelson, hat in mehreren Ansprachen das Thema Kinderlosigkeit angesprochen:

„Den kinderlosen und den unverheirateten Schwestern möchte ich sagen: Denken Sie daran, dass der ewige Zeitplan des Herrn viel länger währt als die einsamen Stunden Ihrer Vorbereitung und das sterbliche Leben insgesamt, das im Vergleich zur Ewigkeit nur Mikrosekunden umfasst. Er weiß ganz gewiss um Ihre Bereitschaft und Würdigkeit. Der spirituelle Lohn der Mutterschaft kann allen Frauen zuteilwerden. Die Kleinen hegen und pflegen, die Verängstigten trösten, die Verletzlichen beschützen, belehren und anspornen – all das muss und darf sich nicht auf unsere eigenen Kinder beschränken.” (Oktober-Generalkonferenz 1987)

„Der Herr kennt unsere Herzenswünsche. Am Tag des Gerichts wird er gewiss in mitfühlender Weise auf die besonderen Sehnsüchte von beispielsweise alleinstehenden Schwestern oder kinderlosen Ehepaaren Rücksicht nehmen. Schließlich hat er gesagt: „Ich, der Herr, werde alle Menschen gemäß ihren Werken richten, gemäß den Wünschen ihres Herzens.” (LuB 137:9; siehe auch Hebräer 4:12; Alma 18:32; LuB 6:16; 33:1; 88:109.)” (Oktober-Generalkonferenz 1990)

„Selbst ein festes Fundament schützt nicht vor den Problemen des Lebens. Ungeratene Kinder bereiten ihren Eltern Kummer. Einige zerrüttete Familien finden nicht wieder zusammen. Über sexuelle Desorientiertheit weiß niemand so recht Bescheid. Ehepaare bleiben, aus welchem Grund auch immer, kinderlos. Selbst in unserer Zeit gehen Schuldige und Schlechte wegen ihres Geldes straflos aus. Einiges scheint einfach nicht gerecht.” (Frühjahrs-Generalkonferenz 2002)

Jede Frau ist eine Mutter

Schwester Sheri L. Dew ist unverheiratet und kinderlos. Als Ratgeberin in der FHV-Präsidentschaft der Kirche sagte sie bei einer Generalkonferenz:

„Wenn wir die große Bedeutung der Mutterschaft begreifen, wird uns klar, warum die Propheten die heiligste Aufgabe der Frau so beschützen. Während wir dazu neigen, unter Mutterschaft nur zu verstehen, dass wir Kinder bekommen, hat das Wort Mutter in der Sprache des Herrn mehrere Bedeutungen. Von allen Wörtern, mit denen man die Rolle und das Wesen Evas hätte definieren können, nannten Gott der Vater und Adam sie die „Mutter aller …, die leben“ – und das taten sie, bevor sie ein Kind zur Welt gebracht hatte. Wie bei Eva begann auch unsere Mutterschaft vor unserer Geburt. So wie würdige Männer dazu vorherordiniert wurden, im Erdenleben das Priestertum zu tragen, so wurden rechtschaffene Frauen im Vorherdasein mit dem Recht auf die Mutterschaft ausgestattet. Mutterschaft ist mehr, als Kinder zu bekommen – obwohl das natürlich dazugehört. Sie ist der Inbegriff dessen, wer wir als Frau sind. Sie definiert unsere Identität, unser göttliches Wesen und die einzigartigen Eigenschaften, die der Vater uns mitgegeben hat

Und doch ist die Mutterschaft ein sehr heikles Thema, denn sie verursacht sowohl die größte Freude als auch den größten Schmerz, den wir empfinden. Das war von Anfang an so. Eva war nach dem Fall „froh“, denn sie erkannte, dass sie sonst „nie Nachkommen gehabt“ hätte. Und dennoch: Stellen wir uns nur einmal ihren Schmerz über Kain und Abel vor. Manche Mütter leiden wegen der Kinder, die sie geboren haben; andere leiden, weil sie hier keine Kinder bekommen. Dazu hat Elder John A. Widtsoe klar und deutlich gesagt: „Eine Frau, die – ohne eigenes Verschulden – die Gabe der Mutterschaft nicht direkt ausüben kann, kann es stellvertretend tun.”

Aus Gründen, die dem Herrn bekannt sind, müssen manche Frauen darauf warten, Kinder zu bekommen. Dieser Aufschub ist für keine rechtschaffene Frau leicht. Doch der Zeitplan des Herrn für eine jede von uns nimmt uns nicht unser Wesen. Manche müssen einfach andere Wege finden, Mutter zu sein. Wir sind von Menschen umgeben, die geliebt und geführt werden müssen.”

Barbara Thompson diente ebenfalls als zweite Ratgeberin in der FHV-Präsidentschaft der Kirche, ist nicht verheiratet und hat keine Kinder. In einer Ansprache sprach sie darüber, wie sie mit ihrer Kinderlosigkeit umgeht:

„Eine Arbeitskollegin, die nicht der Kirche angehörte, fragte mich: „Warum gehst du noch immer in eine Kirche, in der es so sehr um Ehe und Familie geht?“ Ich antwortete schlicht und einfach: „Weil sie wahr ist!“ Ich kann außerhalb der Kirche genauso alleinstehend und genauso kinderlos sein. Aber mit der Kirche und dem Evangelium Jesu Christi in meinem Leben war ich glücklich, und ich wusste, dass ich dem Pfad folgte, auf dem der Erretter mich haben wollte. Ich fand darin Freude und reichlich Gelegenheit zu dienen, zu lieben und zu wachsen.”

Ewige Elternschaft

Julie B. Beck war FHV-Präsidentin der Kirche und betonte:

„Einige Frauen erhalten während des Erdenlebens nicht die Aufgabe, Kinder auf die Welt zu bringen. Doch so wie Hanna im Alten Testament inbrünstig für ihr Kind betete (siehe 1 Samuel 1:11), werden der Wert, den eine Frau der Mutterschaft in diesem Leben zumisst, und die mütterlichen Qualitäten, die sie sich erarbeitet, mit ihr bei der Auferstehung hervorkommen (siehe LuB 130:18). Frauen, die sich diese Segnung ersehnen und darauf hinarbeiten, wird verheißen, dass sie sie in Ewigkeit besitzen werden – und die Ewigkeit ist viel, viel länger als das Erdenleben. Mutterschaft birgt ewigen Einfluss und ewige Macht in sich.”

Die PV-Präsidentin Patricia P. Pinegar lehrte:

„Die Elternschaft ist eine gottgegebene Aufgabe, die für die Errettung der Kinder des Vaters notwendig ist und die auch für unsere Vorbereitungen auf die Segnungen der Ewigkeit wichtig ist. Freuen Sie sich über jede Möglichkeit, die Seele eines Kindes zu lieben und sich ihrer anzunehmen.

Unser Vater im Himmel ermöglicht jedem seiner Kinder Segnungen und ewigen Lohn, ob sie nun verheiratet oder alleinstehend sind, ob sie Eltern sind oder kinderlos geblieben sind. Auch wenn sich unsere Umstände und Möglichkeiten unterscheiden, wird doch das Endergebnis unserer Rechtschaffenheit dasselbe sein: ewige Elternschaft, ewiges Leben. Wenn wir mithelfen, uns der Seele der Kinder anzunehmen, können wir uns auf diese ewige Segnung vorbereiten.”

Ungewollte Kinderlosigkeit ist ein besserer Zustand

Präsident Boyd K. Packer erzählte in einer Ansprache von einer Unterredung mit einem trauernden kinderlosen Paar:

Ein „junges Ehepaar erzählte mir unter Tränen, dass es gerade vom Arzt komme, der ihm gesagt habe, es könne nie eigene Kinder haben. Beide waren untröstlich. Sie waren überrascht, als ich ihnen sagte, dass sie es eigentlich recht gut getroffen hätten. Sie waren erstaunt, wie ich so etwas sagen konnte. Ich sagte ihnen, ihr Zustand sei ungleich besser als der anderer Paare, die Kinder bekommen könnten, dies aber nicht wollten und selbstsüchtig diese Verantwortung nicht auf sich nähmen.

Ich sagte ihnen: „Sie wünschen sich wenigstens Kinder, und dieser Wunsch wird Ihnen in diesem und im künftigen Leben hoch angerechnet werden, denn er verleiht Ihnen geistig und seelisch Stabilität. Letzten Endes werden Sie, weil Sie sich Kinder gewünscht haben, aber keine bekommen konnten, besser dastehen als jene, die Kinder hätten haben können, sich aber dagegen entschieden haben.“

Segnungen in der Ewigkeit

Auch Elder Neil L. Andersen wandte sich verständnisvoll an kinderlose Paare:

„Das Thema Kinderkriegen kann … herzzerreißend sein für rechtschaffene Paare, die heiraten und feststellen, dass sie die Kinder, auf die sie so sehnlich gehofft haben, nicht bekommen können, oder für Ehepaare, die eine große Familie planen, aber eine kleinere bekommen.

Wir haben nicht immer eine Erklärung für die Probleme des Erdendaseins. Manchmal scheint das Leben sehr ungerecht zu sein – besonders wenn wir uns nichts mehr wünschen, als genau das zu tun, was der Herr geboten hat. Als Diener des Herrn versichere ich Ihnen, dass diese Verheißung gewiss ist: „Treue Mitglieder, deren Lage es nicht zulässt, dass sie in diesem Leben eine ewige Ehe eingehen und Eltern werden, empfangen alle verheißenen Segnungen in der Ewigkeit, wenn sie die Bündnisse einhalten, die sie mit Gott eingegangen sind.“

Ich empfinde es als tröstlich, dass die Kirchenführer immer wieder die Gelegenheit nutzen, auf die Bedürfnisse, Sorgen und Sehnsüchte kinderloser Paare einzugehen.


Dieser Artikel wurde auf Deutsch von Tabea Seeborg verfasst und am 12.05.2019 auf treuimglauben.de veröffentlicht.

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Hier finden Sie weitere Beiträge von Tabea Seeborg:

(Vorübergehend) Kinderlose Personen in den heiligen Schriften und was man von ihnen lernen kann – Teil 1

(Vorübergehend) Kinderlose Personen in den heiligen Schriften und was man von ihnen lernen kann – Teil 2