Wenn ich so richtig miese Stimmung haben möchte, klicke ich mich durch Instagram-Posts mit wunderschön geordneten Räumen und habe danach das starke Bedürfnis mein Haus anzuzünden, um dem Chaos ein Ende zu bereiten.

Wie schaffen die Leute das nur? Ich habe zwei kleine Kinder und würde die Schuld jetzt gerne alleine auf sie schieben, aber wenn ich an meine ersten vier kinderlosen Ehejahre zurückdenke, sehe ich dennoch eine immer wieder recht unordentliche Wohnung vor mir.

Ich freue mich nicht

Zu sehen ist ein unordentlicher Haushalt.

Und wenn ich von Unordnung spreche, meine ich nicht, dass zwei Couchkissen ein bisschen verrutscht sind, sondern dass ich, so wie gestern, auf einer Kassette ausrutsche, daraufhin vor Schreck den halben Couchtisch leerfege, auf dem Bobbycar meiner kleinen Tochter lande – und mir derweil Gedanken darüber mache, dass es durchaus plausibel erscheint, dass irgendwo in den Stapeln auf dem Fußboden ein Pavian gerade Papierflieger faltet.

Während mich das Chaos schon per se aufregt, nervös macht und durch den Sturz Knieschmerzen verursacht, erinnere ich mich auch noch an die Schriftstelle in Lehre und Bündnisse 88, dass wir „ein Haus der Ordnung“ errichten sollen – und fühle mich gleich noch elender.

Ein Blick in die heiligen Schriften

Zu sehen ist eine Hand, die die Heiligen Schriften öffnet. Wenn wir vom Chaos des Alltags um uns herum mal entfliehen möchten und uns nach etwas Frieden sehnen, können wir sie zum Beispiel in der Bibel oder dem Buch Mormon finden.

Ehe ich jetzt aber entscheide, diesen Abschnitt der heiligen Schriften ab jetzt zu vermeiden, schaue ich ihn mir lieber noch einmal gründlich an. In Vers 119 steht:

„Organisiert euch; bereitet alles vor, was nötig ist; und errichtet ein Haus, nämlich ein Haus des Betens, ein Haus des Fastens, ein Haus des Glaubens, ein Haus des Lernens, ein Haus der Herrlichkeit, ein Haus der Ordnung, ein Haus Gottes“.

In dieser Schriftstelle ist eigentlich vom Tempel die Rede, aber dennoch werden die genannten Grundsätze von Kirchenführern häufig auch auf das Zuhause angewendet.

Wenn ich den Vers genauer betrachte, stelle ich fest, dass die Ordnung nur einen von mehreren Punkten ausmacht. Ich soll ebenso sehr darauf bedacht sein, dass daheim

    • Beten
    • Fasten 
    • Glauben
    • Lernen
    • Herrlichkeit

zu finden sind wie Ordnung. Wahrscheinlich wird in dem einen Zuhause der Grundsatz der Ordnung besser gelebt, in einem anderen mehr an das Gebet gedacht und in wieder einem anderen ein besonderer Wert auf das Lernen gelegt.

Vielleicht sollte ich also einfach die Instagrammerin mit ihrer bewundernswerten Wohnung mal fragen, wie oft am Tag sie denn betet oder was sie alleine oder mit ihren Kindern heute Neues gelernt hat. Es ist denkbar, dass sie im einen oder anderen Bereich nur mit den Schultern zucken kann.

Ein Blick in den Leitfaden

Eine Familie genießt die gemeinsame Zeit in der Natur.

In einem Leitfaden für die Schwestern der Kirche aus dem Jahr 2000 findet sich die folgende Aussage:

„Manche Frauen verwenden zu viel Zeit darauf, ihr Zuhause sauber und ordentlich zu halten. Sie müssen lernen, wie man weniger Zeit für die Hausarbeit aufwendet, um mehr Zeit für die Familie, für die Entfaltung von Talenten und für den Dienst am Nächsten zu haben.“

Gut, was? Weniger Zeit für die Hausarbeit gefällt mir. Es geht noch weiter:

„Hausarbeit ist zwar wichtig, darf uns aber nicht von dem abhalten, was noch wichtiger ist. Ein sauberes Zuhause soll nicht unser Hauptziel sein, sondern ein Teil des Zieles, selbst glücklich zu sein und eine glückliche Familie zu haben.“

Irgendwie sind meine Kinder inmitten der Unordnung doch die meiste Zeit glücklich. Und auch ich selbst finde immer wieder einen Grund zu lachen oder zu lächeln, auch wenn ich dabei gerade mit der Socke in einem Saftfleck auf dem Boden kleben bleibe.

„Wir brauchen Zeit, um unsere Talente zu entfalten und zu lernen, wie man nach den Grundsätzen des Evangeliums lebt. Wir brauchen Zeit, um ein Amt in der Kirche zu bekleiden, unseren Nachbarn und hilfsbedürftigen Menschen zur Seite zu stehen und gute Missionare zu sein. Wenn wir unser Zuhause sauber halten, ohne zu viel Zeit mit Hausarbeit zu verbringen, haben wir mehr Zeit für Aktivitäten mit unserer Familie und andere wichtige Dinge.“

Das geht mir runter wie Öl. Während ich die Unordnung in meinem Haus betrachte, fallen mir zahlreiche Unternehmungen und Arbeiten der letzten Tage ein, die ich über das Aufräumen gestellt habe – worin ich gemäß diesem Zitat durchaus gerechtfertigt war. Wir alle haben nur begrenzte zeitliche Ressourcen und müssen klug mit diesen umgehen.

Wege aus dem Chaos

Zu sehen ist ein Notizbuch auf welchem ein Stift liegt. Damit könnte man beispielsweise einen Haushaltsplan festhalten.

Der genannte Leitfaden gibt aber auch Ratschläge, wie man einen ordentliche(re)n Haushalt schaffen kann. Dabei gelten vor allem die folgenden drei Grundsätze:

1. Alles braucht seinen Platz: Wenn jeder Gegenstand einen festen Platz hat, kann er schnell weggeräumt und auch wieder aufgefunden werden. Auch Wegwerfen und Verschenken sind Arten, einem Gegenstand einen „Platz“ zu geben.

2. Die Hausarbeit vereinfachen: Hier geht es vor allem darum, Aufgaben direkt zu erledigen, wenn sie anfallen, und durch Multitasking in einer bestimmten Zeit mehr zu schaffen.

3. Wer plant, schafft mehr: Wenn man sich aufschreibt, welche Aufgaben mit welcher Dringlichkeit zu erledigen sind, kann man sogar mit nur einem Haken auf der To-do-Liste schon zufrieden sein.

Ich freue mich

Eltern schauen mit ihrer Tochter in ein Kinderbuch.

Ich nehme mir vor, Unordnung im Haus als nicht so schlimm zu empfinden, weil ich weiß, dass sich dahinter viele andere wertvolle Arbeiten verbergen, durch die ich mich um meinen Nächsten gekümmert habe. Und gleichzeitig fasse ich neuen Mut, mithilfe der drei Grundsätze das Chaos anzugehen und zu bekämpfen.

Und wer weiß? Vielleicht kann ich bald einen Artikel darüber schreiben, wie mein Haus doch noch zu einem Haus der Ordnung geworden ist.


Dieser Artikel wurde auf Deutsch von Tabea Seeborg verfasst und am 28.03.2019 auf treuimglauben.de veröffentlicht.

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