Dieser Artikel ist der zweite in einer Reihe über ungewollte Kinderlosigkeit und wie man in einer kinder- und familienbejahenden Kirche mit diesem Thema sensibel umgehen kann.

Lies hier den ersten Teil.

5. Manoach und seine Frau

Eine weitere kinderlose Frau in der Bibel bleibt namenlos. Sie war verheiratet mit einem

„Mann aus Zora, aus der Sippe der Daniter, namens Manoach; seine Frau war unfruchtbar und hatte nicht geboren.“ (Richter 13:2)

Dass das Paar sich nichts hatte zuschulden kommen lassen und ein rechtschaffenes und würdiges Leben führte, können wir daran erkennen, dass beiden der Engel des Herrn erschien, liebevoll mit ihnen sprach und die Geburt ihres Sohnes ankündigte, der als Simson bekannt wurde.

6. Ein Ehepaar in Schunem

Der Prophet Elischa lernte in Schunem ein Ehepaar kennen, das sich aufopferungsvoll um ihn kümmerte und ihn umsorgte. Als Dank dafür wollte er sich erkenntlich zeigen und sein Diener Gehasi wies ihn darauf hin, dass sie keinen Sohn (vielleicht auch überhaupt keine Kinder) hatten und der Mann schon alt war.

Elischa prophezeite der Frau dann:

„Im nächsten Jahr um diese Zeit wirst du einen Sohn liebkosen. Sie aber entgegnete: Ach nein, Herr, Mann Gottes, täusche doch deiner Magd nichts vor!“ (2. Könige 4:16)

Die Reaktion der Frau finde ich absolut verständlich. Wenn man ungewollt kinderlos ist, bereitet es große Schmerzen, über Schwangerschaft und Elternsein nachzudenken und zu träumen. Die Schunemiterin wollte sich vermutlich auch nicht in falschen Hoffnungen wiegen und konnte daher mit der Prophezeiung zunächst nichts anfangen.

Sie wurde dann aber tatsächlich schwanger und bekam einen Sohn. Damit waren ihre Sorgen aber nicht zu Ende. Als der Junge älter war, klagte er über Kopfschmerzen, verbrachte noch einige Zeit bei seiner Mutter und verstarb dann.

So schnell sie konnte, ritt die Frau auf einem Esel zu Elischa. Als ihr sein Diener Gehasi begegnete und sie nach ihrem Wohlbefinden befragte, erwiderte sie, dass es ihr gut gehe. Bei Elischa angekommen, platzte sie dann aber mit der Wahrheit heraus:

„Habe ich denn meinen Herrn um einen Sohn gebeten? Habe ich nicht gesagt: Mach mir keine falschen Hoffnungen?“ (2. Könige 4:28)

Das Verhalten der Frau wird vielen, die mit Kinderlosigkeit ringen, bekannt vorkommen. Natürlich möchte man nicht mit jedem über seine Sorgen reden. So wie die Frau gegenüber Gehasi habe auch ich mich nicht jedem gegenüber geöffnet und habe oft sogar Ausreden und Ausflüchte gefunden, um nicht über meine Probleme sprechen zu müssen. Wie wichtig ist es aber, vertraute Personen zu haben, denen man sein Herz ausschütten und mit denen man über das sprechen kann, was einen so traurig macht.

Zunächst versuchte Gehasi den Sohn zu heilen, doch es brauchte die Macht und Vollmacht Elischas, um den Sohn ins Leben zurückzubringen.

Auf gleiche Art dürfen und sollten kinderlose Paare sich jegliche Hilfe suchen, die sie benötigen. Das kann geistige Kraft durch Betreuer oder den Bischof sein, aber auch medizinische Behandlung und psychologische Unterstützung durch einen ausgebildeten Fachmann. Da die Kinderwunschzeit oft mit Depressionen und Ängsten einhergeht, kann Rat von außen angebracht sein.

Ich hoffe, dass die Mutter noch viele glückliche Jahre mit ihrem so langersehnten Sohn verbringen konnte.

6. Elisabet und Zacharias

Im Neuen Testament lesen wir über Elisabet und Zacharias, dass sie

„gerecht vor Gott [lebten] und untadelig nach allen Geboten und Vorschriften des Herrn [wandelten]. Sie hatten keine Kinder, denn Elisabet war unfruchtbar und beide waren schon in vorgerücktem Alter.“ (Lukas 1:6,7)

Wie schon bei den Paaren zuvor wird hier noch einmal ganz besonders deutlich gemacht, dass Kinderlosigkeit keine Strafe für Schlechtigkeit ist, sondern dass es ganz wunderbare Menschen sein können, die davon betroffen sind. Ich wünsche rechtschaffenen, kinderlosen Paaren sehr, dass sie sich nicht geringschätzen oder denken, dass sie Schuld auf sich geladen haben, um diese Prüfung „verdient“ zu haben.

Elisabet wurde schließlich schwanger und sagte:

„Der Herr hat mir geholfen; er hat in diesen Tagen gnädig auf mich geschaut und mich von der Schmach befreit, mit der ich unter den Menschen beladen war.“ (Lukas 1:25, Hervorhebung durch die Verfasserin)

Diese Aussage verstehe ich so, dass Elisabet wusste, dass sie vor dem Herrn untadelig dastand. „Unter den Menschen“ gab es welche, die sie verachteten oder geringschätzten, weil sie keine Kinder hatte. Aber vor dem Herrn ist ein Kinderloser genauso viel wert wie jemand, der Kinder haben kann. Und wenn es Menschen gibt, die auf jemanden ohne Kinder herabblicken, ist das ein Zeichen, dass sie (in diesem Bereich) nicht nach den Grundsätzen des Herrn leben, der niemals zulassen würde, dass eines seiner Kinder sich wertlos fühlt.

Denkt daran, die Seelen haben großen Wert in den Augen Gottes“.

Elisabets Sohn war Johannes der Täufer. Er erfüllte seinen Auftrag vom Herrn großartig und wurde schließlich durch den schlechten König Herodes enthauptet (Matthäus 14:10). Vermutlich waren seine alten Eltern bis zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben und erwarteten ihn nun sehnlich in der künftigen Welt.

Wenn es lange dauert, bis endlich das erhoffte Kind geboren wird, mag man versucht sein, den Zeitplan des Herrn anzuzweifeln. In dieser Geschichte sehen wir aber, dass es eine Gnade des Herrn sein kann, wenn man längere Zeit auf sein Kind wartet. Elisabet und Zacharias ist vielleicht erspart geblieben, den Tod ihres Kindes mitzuerleben und auf Erden mit dieser Trennung leben zu müssen.

7. Amaleki

Im Buch Mormon wird nur über wenige Frauen ausführlich berichtet, dafür gibt es einen Mann, der mir in meiner kinderlosen Zeit das erste Mal aufgefallen ist und den ich liebgewonnen habe. Es handelt sich um Amaleki, einen der Schreiber im Buch Omni.

In diesem Buch werden die Platten mehrfach weitergereicht ohne dass wesentliche Einträge gemacht wurden. Mehrere Schreiber betonen, dass sie kein gutes Leben geführt haben und aus diesem Grund keine besonderen geistigen Lehren kennen.

Und dann kommt Amaleki, der nach vielen Wortkargen über Mosia und das Volk Zarahemla berichtet. Er schreibt über die Stimme des Herrn, Predigten und Prophezeiungen, das Wort Gottes und von der Macht seines Armes und gibt Zeugnis, was andeutet, dass er ein guter Mann gewesen sein muss.

Und dann schreibt er:

Und es begab sich: Ich fing an, alt zu sein; und da ich keine Nachkommen habe und weiß, daß König Benjamin ein gerechter Mann vor dem Herrn ist, darum werde ich diese Platten ihm übergeben“.

Wir erfahren leider nicht viel mehr über Amaleki und wissen nicht, warum er kinderlos blieb. Dass er es aber als relevant ansieht diese Tatsache zu erwähnen, lässt uns erahnen, dass ihn die Kinderlosigkeit belastet oder zumindest beschäftigt haben muss. Wie tapfer er doch war, dass er dennoch seinen Teil zum Buch Mormon beigetragen hat und dem Glauben treu geblieben ist.

8. Jesus Christus

Nicht unerwähnt sollte in dieser Aufzählung unser Heiland Jesus Christus bleiben, von dem in der Bibel nicht berichtet wird, dass er Nachkommen hatte. Es ist gut möglich, dass er sein ganzes Erdenleben über kinderlos blieb – er, der der Beste und Größte von allen ist!

Wer sich mit Zweifeln plagt, ob sein kinderloses Leben überhaupt lebenswert ist oder befürchtet, dass Kinder irgendwie eine Voraussetzung für Erlösung und Erhöhung seien, darf sich getröstet fühlen, dass er nicht anders lebt als unser größtes Vorbild es getan hat.

Von Christus können wir zudem lernen, wie man auch ohne eigene Kinder seine Arme für die Kleinen öffnet und sie ins Herz schließt. Es gibt niemanden, der so viel Liebe und Verständnis für Kinder hatte wie er.

Jedes Leben und jeder Mensch ist höchst kostbar und wir dürfen gewiss sein, dass ungewollte Kinderlosigkeit weder eine Strafe ist noch ein Zeichen für Schlechtigkeit noch etwas, das unseren Wert mindert.

Ich wünsche allen kinderlosen Paaren den Segen des Vaters im Himmel, dass sie Trost und Zuversicht in dieser schweren Zeit verspüren können und wissen, dass sie geliebt sind!


Dieser Artikel wurde auf Deutsch von Tabea Seeborg verfasst und am 10.05.2019 auf treuimglauben.de veröffentlicht.

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(Vorübergehend) Kinderlose Personen in den heiligen Schriften und was man von ihnen lernen kann – Teil 1

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