Als ich vor über zehn Jahren heiratete, wäre ich am liebsten gleich in den Flitterwochen schwanger geworden. Schon immer ist es mein großer Traum gewesen, Mutter zu werden. Ob es nun zwei, vier oder sechs Kinder werden sollten – darüber war ich mir noch nicht so ganz im Klaren. Aber Kinder zu haben, Mutter zu sein – diese Ziele standen für mich nie zur Debatte. Und so freute ich mich, einen guten Ehemann gefunden zu haben, mit dem ich sofort eine Familie gründen wollte.

Stattdessen hat es jedoch mehrere Jahre, zahlreiche Arzt- und Praxisbesuche, mehr als 100 Hormonspritzen und unzählige Tränen gekostet, bis ich endlich mein erstes Baby in den Arm nehmen durfte.

In einer familien- und kinderbejahenden Kirche kann es sehr schmerzvoll sein, wenn man Segnungen gerne hätte, die verwehrt bleiben. Ich empfinde es als tröstlich, dass es zahlreiche Personen in den heiligen Schriften gibt, die (meistens vorübergehend, teilweise aber auch dauerhaft) kinderlos waren. Dieser Artikel soll einige davon ins Rampenlicht rücken.

1. Abraham und Sarah

Abraham und Sarah waren ausgezeichnete Menschen, die der Herr sehr liebte, die aber lange Zeit mit Kinderlosigkeit geprüft waren. Der Herr sagte zu Abraham:

„Fürchte dich nicht, ich selbst bin dir ein Schild; dein Lohn wird sehr groß sein.“

Abraham antwortete:

„Herr und Gott, was kannst du mir geben? Ich gehe kinderlos dahin…“ (Genesis 15:1,2)

Abrahams Aussage berührt mich, weil sie deutlich macht, wie man sich ohne Kinder fühlt. Abraham fragt den Herrn, was er ihm überhaupt noch als Lohn geben kann, wenn er ihm keine Kinder geschenkt hat, was der größte Wunsch und Segen für ihn wäre.

Auch ich habe oft wenig Freude über andere Segnungen verspürt, weil sich alles nur noch um den Wunsch Kinder zu haben gedreht hat. Die Kinderwunschzeit ist wirklich eine schwere Prüfung.

Als Abraham 100 Jahre alt war, bekam Sarah dann endlich den lang ersehnten Sohn.

Wenn man auf ein Kind wartet, fühlt sich diese Zeit auch oft wie ein Jahrhundert an.

2. Isaak und Rebekka

Abrahams Sohn Isaak lernte ebenfalls Kinderlosigkeit kennen. In der Bibel steht:

„Isaak betete zum Herrn für seine Frau, denn sie war kinderlos geblieben, und der Herr ließ sich von ihm erbitten.“ (Genesis 25:21)

Aus dieser Schriftstelle können wir etwas über den Umgang zwischen Ehepartnern lernen. Isaak betet zum Herrn für seine Frau Rebekka. Ich verstehe das so, dass ihn selbst die Kinderlosigkeit nicht ganz so belastet hat, aber weil seine Frau sich inniglich Kinder wünschte, rief er in mächtigem Gebet zum Herrn.

Auch heutzutage ist es oft vorrangig einer der Partner, der sich unbedingt ein Kind wünscht. Der andere Partner sollte darauf möglichst liebe- und verständnisvoll reagieren und einen zärtlichen Umgang mit dem anderen pflegen.

3. Jakob und Rahel

Isaaks Sohn Jakob hatte mehrere Frauen, von denen manche ihm zahlreiche Nachkommen verschafften. Nur der Schoß seiner liebsten Frau Rahel blieb lange Zeit verschlossen.

„Als Rahel sah, dass sie Jakob keine Kinder gebar, wurde sie eifersüchtig auf ihre Schwester. Sie sagte zu Jakob: Verschaff mir Söhne! Wenn nicht, sterbe ich.“ (Genesis 30:1)

Die Kinderlosigkeit lässt mitunter nicht die besten Gefühle in uns aufflammen. Eifersucht und Neid auf andere, die schwanger werden und Kinder bekommen, ist eine übliche Reaktion. Und auch Rahels Aussage, dass sie ohne Kinder das Gefühl hat zu sterben, ist verständlich.

Deutlich besser jedoch ist es, rechtschaffen, dem Glauben treu und dem Herrn durch das Gebet verbunden zu bleiben. Nur hier können wir wahren Frieden finden – und vielleicht kommt dann auch der Segen, den Rahel viele Jahre später erleben durfte:

„Nun erinnerte sich Gott an Rahel. Gott erhörte sie und öffnete ihren Schoß. Sie wurde schwanger und gebar einen Sohn. Da sagte sie: Gott hat die Schande von mir genommen.“ (Genesis 30:22,23)

Rahel wurde die Mutter von Josef und Benjamin, die wunderbare Männer wurden. Sie musste zwar sehr lange auf ihre Kinder warten, aber dafür wurde sie mit besonders rechtschaffenen und glaubensstarken Söhnen gesegnet.

4. Hanna und Elkana

Elkana hatte zwei Frauen namens Hanna und Peninna. Hanna blieb lange Zeit kinderlos. Elkana ging jedes Jahr zum Tempel.

„An dem Tag, an dem Elkana das Opfer darbrachte, gab er seiner Frau Peninna und all ihren Söhnen und Töchtern ihre Anteile. Hanna aber gab er einen doppelten Anteil; denn er hatte Hanna lieb, obwohl der Herr ihren Schoß verschlossen hatte.

Ihre Rivalin aber kränkte und demütigte sie sehr, weil der Herr ihren Schoß verschlossen hatte. So machte es Elkana Jahr für Jahr. Sooft sie zum Haus des Herr hinaufzogen, kränkte Peninna sie; und Hanna weinte und aß nichts.

Ihr Mann Elkana fragte sie: Hanna, warum weinst du, warum isst du nichts, warum ist dein Herz betrübt? Bin ich dir nicht viel mehr wert als zehn Söhne?“ (1. Samuel 1:5-8)

In diesen Versen wird die tiefe Trauer Hannas über ihre Kinderlosigkeit deutlich. Wir sehen aber auch einen umsorgenden Ehemann, der sich bemühte, seine Frau durch besondere Geschenke und liebevolle Worte aufzumuntern.

In ihrer Verzweiflung ging Hanna zum Tempel, wo sie innig zum Herrn betete und weinte. Der Tempelpriester Eli beobachtete sie und sagte dann zu ihr:

„Wie lange willst du dich noch wie eine Betrunkene aufführen? Sieh zu, dass du deinen Weinrausch los wirst!“ (1. Samuel 1:14)

Als ob ein unerfüllter Kinderwunsch nicht Prüfung genug wäre, müssen sich Kinderlose häufig auch noch unerwünschte und blödsinnige Kommentare anhören. Das kann von gut gemeinten, aber sinnlosen Ratschlägen zur Empfängnis bis hin zu Vorwürfen über unlautere Beweggründe alles sein, was ein verletztes Herz noch mehr kränkt.

Hanna verhielt sich sehr tapfer und erklärte Eli die Hintergründe, woraufhin er sie segnete.

Meiner Meinung nach gibt es für Außenstehende nur äußerst wenige Gründe, ein kinderloses Paar auf seine Probleme anzusprechen.

Im Handbuch der Kirche lesen wir: „Die Entscheidung, wie viele Kinder es bekommen möchte und zu welchem Zeitpunkt, ist sehr persönlich und privat und muss dem Ehepaar gemeinsam mit dem Herrn überlassen werden. Die Mitglieder der Kirche dürfen in dieser Frage nicht übereinander urteilen.“

Wenn ein sehr enger Vertrauter (Eltern, Geschwister, beste Freunde) möchte, darf er natürlich ein offenes Ohr und Umarmungen anbieten, um durch eine schwere Zeit zu helfen.

Eine Frage wie „Bist du schwanger? Du hast so einen dicken Bauch!“, „Wann wollt ihr denn endlich mal eine Familie gründen?“ oder „Klappt’s etwa nicht?“ ist aber in jedem Fall gänzlich unangebracht und entspringt allein einer ungezügelten Neugier, die gezähmt werden muss.

(Ein einziger weiterer Grund, Paare auf ihre Kinderlosigkeit anzusprechen, könnte höchstens noch sein, dass jemand einen Haufen Geld hat, den er gerne an gebeutelte Mitmenschen weitergeben möchte. Ein Angebot wie „Es tut mir leid, dass ihr so eine schwere Zeit durchmacht. Ich möchte euch gerne 2 Wochen All-inclusive-Urlaub auf den Malediven schenken“ oder „Darf ich eure Kinderwunschbehandlung bezahlen?“ wird vermutlich nicht böse aufgefasst werden. Wer aber jetzt denkt, er könne mit ein paar Euro seiner Neugierde ungebremst freien Lauf lassen, sei gewarnt: Eine Kinderwunschbehandlung ist deutlich teurer als man denken mag!)

Schließlich wurde Hanna schwanger und gebar ihren ersten Sohn, den späteren Propheten Samuel. Nachdem sie diesen in die Obhut des Herrn übergeben hatte, bekam sie noch fünf weitere Kinder (siehe 1. Samuel 1:21).

Lies hier weiter über Personen in den heiligen Schriften, die teilweise sogar dauerhaft kinderlos blieben.


Dieser Artikel wurde auf Deutsch von Tabea Seeborg verfasst und am 08.05.2019 auf treuimglauben.de veröffentlicht.

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(Vorübergehend) Kinderlose Personen in den heiligen Schriften und was man von ihnen lernen kann – Teil 2

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