Dieser Artikel soll Mut machen, uneingeschränkten Mut, Hoffnung in das Gute oder eben in das Sühnopfer Jesu Christi. Die letzten Monate hatte ich es mit meinem Glauben ziemlich schwer. Das Schriftstudium fällt mir schwer, das Beten noch mehr. Als ich dann einen Auftrag für eine Ansprache bekommen habe, hat es die Situation auch nicht besser gemacht. Immerzu dachte ich an den Moment, an welchem ich am Pult stehen und Zeugnis geben muss. Die Worte „ich weiß, dass“, die mir bis vor kurzem noch so leicht und von ganzem Herzen über die Lippen gegangen sind, erschienen mir mittlerweile eher fremd. Der einzig sinnvolle Ausweg war, eines Abends schluchzend und tränenüberströmt auf der Couch zu sitzen, mich von meiner mich bedingungslos liebenden Frau trösten zu lassen und mich zu fragen, was mit meinem Glauben passiert ist. Ich muss sagen, dass dieser Abend, aber besonders die Monate davor, zu einem der schwersten Erlebnisse meines Lebens zählen. Ich habe am eigenen Leib erfahren, dass man wirklich nicht ein Zeugnis für das ganze Leben sicher hat, nur weil man mal auf Mission gewesen ist. Ich kann nicht sagen, warum das so passiert ist. Meine Sünden halten sich in Grenzen, ich habe morgens in den Schriften studiert, ehrlicherweise eher gelesen, zu beten habe ich auch versucht.

Gerade habe ich noch gesagt, dass ich mit dem Artikel Mut machen will. Bis jetzt klingt es ziemlich deprimierend, aber ich verspreche, der Mut kommt noch…

Ist es o. k. Zweifel zu haben? Ist es o. k. Zweifel über die Kirche zu haben? Ist es o. k.  seinen Glauben zu hinterfragen? Im Nachhinein habe ich gelernt, dass ich keine Zweifel hatte. Was in Wirklichkeit meine Schwierigkeit war, ist dass ich zu lange die heilende Stimme des Heiligen Geistes nicht gefühlt hatte.

Offenbarung Licht

Es gibt die irdische und die überirdische Dimension. Beide wirken aufeinander ein. Jedoch ist es nur einigen möglich, beide Dimensionen zu erkennen. Meiner Meinung nach ist es unsere Aufgabe im Leben, diese überirdische Dimension besser kennen zu lernen. Das menschliche Wesen neigt besonders in dieser aufgeklärten Zeit dazu, die Ebene, die mit  den Sinnen nicht erfasst werden können, zu verwerfen. Dazu kommt, dass viele Menschen auf der Erde so materiell abgesichert sind, dass sie sich in Notsituationen und bei Rückschlägen nicht unweigerlich auf eine höhere Macht verlassen müssen.

Genau das fehlt mir manchmal, diese Sicherheit, dass Gott genauso real ist wie die sehr realen Probleme in meinem Leben, die mich auf Trab halten.

Wie kann man die „unsichtbare” Dimension kennen lernen? Die Prinzipien werden uns schon in der Primarvereinigung beigebracht und sind als Konzept weit weniger komplex als dann in der alltäglichen Praxis. Durch Rechtschaffenheit entwickelt sich Glaube oder eben die Gabe, die „unsichtbare” Dimension zu erkennen. Das Hören des Evangeliums, der Gehorsam und Glaubensprüfungen bewirken genau das Gleiche. All das ergibt für mich wunderbaren Sinn, dennoch war ich an einem ganz anderen Punkt. Ich musste fühlen. Ich sehnte mich nach der eindeutigen Bestätigung des Heiligen Geistes, die mir dann wieder Ruhe in meinem Herzen geben würde. Nun fühlte ich sehr lange nichts… Oft fühle ich mich wie der Vater mit seinem kranken Sohn, der zu Jesus kommt und dieser zu ihm sagt: „Alles kann wer glaubt.” Der Vater des Jungen rief aus: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!” Wie dieser Mann komme ich zu meinem himmlischen Vater und rufe: Vater, bitte, ich versuche zu fühlen; hilf meinem Unglauben.

Mit Jesus Ziele erreichen

Das letzte beantwortete Gebet war schon so lange her, dass ich mir einfach auch nicht mehr sicher war, wie es sich anfühlt. Würde ich die leise Stimme des Geistes überhaupt erkennen?

Die Antwort ließ zum Glück nicht so lange auf sich warten wie ich befürchtet hatte. Leider (oder vielleicht auch zum Glück) hatte ich nicht so ein Erlebnis wie Saul oder wie Alma der Jüngere. Schleichend wurde die Schwierigkeit zu beten, die ich so oft als Blockade empfunden hatte, geringer. Eines Morgens bin ich aufgewacht und verspürte ein Verlangen, mit meinem Vater im Himmel zu sprechen. Wie ich dieses Gefühl vermisst hatte! Dadurch, dass ich dem himmlischen Vater gezeigt habe, dass ich seine Antworten wirklich wollte, hat sich mein Herz allmählich verändert. Die Enttäuschung, die sich durch die „Funkstille” bei mir breit gemacht hatte, verschwand. Langsam aber sicher konnte ich die Hand des Herrn wieder in meinem Leben erkennen. Nicht auf die Weise, wie ich es erwartet hatte, aber doch deutlich genug, um Mut zu fassen. Und hier ist er wieder, der Mut, den ich am Beginn des Textes versprochen hatte.

Jetzt erkenne ich schon ein bisschen mehr die geistige, unsichtbare, ewige Dimension. Und damit geht die aufregende und wahnsinnig lohnende Achterbahnfahrt des Lebens in eine neue, von mehr Licht erfüllte Etappe über.


Dieser Beitrag wurde von Sönke Windhausen auf Deutsch verfasst und am 09.02.2019 auf treuimglauben.de veröffentlicht.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.

Bislang unbekannter Brief über Zweifel von Präsident Hugh B. Brown

Ist Gott gar nicht allwissend?

Unvergessene Lektion: Asiatische Austauschstudentin betet zum ersten Mal