Unser Himmlischer Vater und sein Sohn Jesus Christus sind beide „wie ein Kind, fügsam, sanftmütig, demütig, geduldig, voll von Liebe und willig, sich allem zu fügen” (vgl. Mosia 3:19). Der natürliche Mensch ist jedoch das genaue Gegenteil.

Leider können die Eigenschaften des „natürlichen Menschen” in einer Ehe und in der Familie schnell zum Vorschein kommen. Genau die gegenteiligen Eigenschaften sind diejenigen, die wir entwickeln müssen, um eine erfolgreiche Ehe und gute Beziehung zur Familie zu haben: Demut, Sanftmut, Güte und Rücksicht. Wir müssen Tag für Tag gegen den natürlichen Menschen in uns ankämpfen.

Die Lehre des natürlichen Menschen

Präsident David O. McKay lehrte: „Das irdische Dasein des Menschen ist nur eine Prüfung, bei der er zeigt, ob er seine Anstrengungen, seinen Sinn, seine Seele auf das konzentriert, was zum Wohlergehen, zur Befriedigung seiner physischen Natur dient, oder ob er das Streben seines Lebens auf den Erwerb geistiger Eigenschaften ausrichtet”. Wir sind „natürliche Menschen”, wenn wir unseren irdischen Begierden, Wünschen und Gelüsten nachgeben. Der natürliche Mensch in uns möchte „fleischlich, sinnlich and teuflisch” (vgl. Alma 42:10) sein. Der natürliche Mensche strebt danach, den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen; er drückt sich vor Arbeit und Anstrengung. Der natürliche Mensch ist nicht nur ein Feind Gottes, er steht in völligem Widerspruch zu Gott.

Elder Neal A. Maxwell erklärte einst: „Ein herausragendes Merkmal des natürlichen Menschen ist Egoismus – ein übertriebenes und unverhältnismäßiges Interesse an sich selbst… kurzsichtiger Egoismus lässt ein Linsengericht wertvoller erscheinen und lässt 30 Silberstücke wie einen Schatz erscheinen … Dementsprechend ist Egoismus, in all seinen Formen, Selbstzerstörung in Zeitlupe.” (Neal A. Maxwell, Men and Women of Christ, 8-13) Bedauerlicherweise zerstört Selbstbezogenheit nicht nur unsere Seele, sondern schmälert die Lebensqualität derjenigen, die mit uns zusammen leben.

Wesenszüge des natürlichen Menschen

Es ist unmöglich, alle Eigenschaften des natürlichen Menschen aufzuzählen. Zu den wohl gängigsten Eigenschaften des natürlichen Menschen, die wir in Ehen und Familien erleben, zählen Egoismus, Stolz, Wut und Unhöflichkeit. Schauen wir uns nun diese Eigenschaften und die Auswirkungen auf das Familienleben an – und was das Gegenmittel ist.

1 Egoismus

Häufig besteht unser größtes Interesse darin, unsere eigenen Wünsche zu befriedigen, was es für manch einen schwierig macht, Christus zum Mittelpunkt des Lebens zu machen, und den Ehepartner an erste Stelle zu setzen.Viele schwerwiegenden Sünden, Übertretungen und signifikante Eheprobleme sind Folge von Egoismus.

Die meisten unglücklichen Menschen sind egoistische Menschen. Ständig mit sich selbst beschäftigt zu sein, ist kontraproduktiv für eine glückliche Beziehung. Egoismus kann schneller als jedes andere Problem eine Ehe zerstören. Präsident Gordon B. Hinckley lehrte dass der Egoismus die Hauptursache von unserem Kummer ist (Gordon B. Hinckley, Generalkonferenz 10/1988). In einer Ehe, die von Egoismus und Habgier  beherrscht ist, ist der Geist des Herrn nicht zu finden. Handeln wir egoistisch, zieht sich der Geist des Herrn von uns zurück. Egoismus in einer Ehe zeigt sich beispielsweise in einem Ehepartner, der seine Kleidung, sein Essen und seine Schuhe über das ganze Haus verteilt herumliegen lässt; in einem Ehepartner, der die Familienmitglieder wegen eignere Interessen vernachlässigt; Individuen, die fern sehen statt sich in ein Gespräch vertieft, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Erfolgreiche Ehen erfordern ein hohes Maß an Selbstlosigkeit. Um eine glückliche Ehe zu führen, sollte der Ehepartner versuchen, die Bedürfnisse des Partners zu erkennen und zu erfüllen. Präsident Spencer W. Kimball lehrte: „Wenn jeder Ehepartner immer um die Interessen, das Behagen und die Zufriedenheit des anderen bemüht ist, wird die Liebe wachsen.” (Spencer W. Kimball, Marriage and Divorce)

2 Stolz

Wir wissen, durch die Propheten, dass Stolz eine universelle Sünde ist. Auch Stolz ist eine Form von Egoismus, die Ehen und Familienbeziehungen zerstört. Stolz hindert uns daran, uns zu ändern und Fortschritt zu machen – und daran, zu erkennen, dass wir falsch liegen. Elder Dieter F. Uchtdorf erklärte: „Stolz ist wie ein tödliches Krebsgeschwür. Diese Sünde öffnet unzähligen weiteren menschlichen Schwächen Tür und Tor. Eigentlich könnte man sagen, dass in jeder anderen Sünde im Grunde nur der Stolz zum Ausdruck kommt.”

Das Gegenmittel zu Stolz ist Demut. In Lehre und Bündnisse 56:8 sagt der Herr: „[Du] muß[t] von [d]einem Stolz und von [d}einer Selbstsucht umkehren…” Stolz kann einen bedeutenden Einfluß auf eine Ehe haben. Der Herr lehrte: „Und niemand kann bei diesem Werk helfen, wenn er nicht demütig und voller Liebe ist und Glauben, Hoffnung und Nächstenliebe hat und in allem[…] maßvoll ist.” (LuB 12:8) Niemand kann eine erfolgreiche Ehe führen, solange er nicht demütig und voller Liebe ist und Glauben, Hoffnung und Nächstenliebe hat und in allem[…] maßvoll ist.

3 Wut

Wut, Zorn und Negativität machen uns kaputt

Der wahrscheinlichste Weg, eine Beziehung zu zerstören, ist es, wenn wir zulassen, dass wir wütend werden und unserer Wut Ausdruck verleihen. Wenn diese Wut gegen ein Kind oder einen Ehepartner gerichtet wird, wird sie zu einem Geschwür, das an der Grundlage der Beziehung nagt. Wut ist keine primäre, sondern eine sekundäre Emotion. Wut wächst durch Angst, Frustration, Schmerzen und unerfüllte Erwartungen. Die meisten Menschen werden dann wütend, wenn ihre Erwartungen darüber, was ein anderer tun sollte, nicht erfüllt wird. Diese unbefriedigten Erwartungen und Bedürfnisse führen zu Feindseligkeit, Frustration und schlussendlich zu Wut.

Ehepaare sollten erkennen, dass es normal ist, einmal wütend zu werden. Selbst der Erlöser wurde wütend, als das Haus seines Vaters, der Tempel entweiht wurde. Aber die Schriften sind eindeutig – Ärger, der undiszipliniert bleibt, zerfrisst, zerstört und ist falsch. Präsident Wilford Woodruff sagte einmal: „Wenn ein Mann und eine Frau zulassen, wütend zu werden, zeigen sie Schwäche.” (Wilford Woodruff, Journal of Discourses, 4:98)

Auch wenn es viele verschiedene Wege gibt, seine Wut unter Kontrolle zu bringen, ist der sicherste Weg wohl, nach dem Einfluss des Geistes zu streben. Unser aller Ziel sollte es sein, täglich nach dem Einfluss des Heiligen Geistes zu streben. Als Jesus den Nephiten erschien, „beteten [sie] um das, was sie am meisten wünschten; und sie wünschten, es möge ihnen der Heilige Geist gegeben werden.” (3. Nephi 19:9)

Auch wir sollten um den Heiligen Geist bitten und täglich nach seinem Rat streben. Wir sollten uns auch bemühen, würdig und rein zu sein, so dass der Heilige Geist unser Begleiter ist. Jeder, der diesen Versuch wagt, wird erkennen, dass er seine Gefühle mit des Herrns Geist und Führung kontrollieren lernt. Präsident Ezra Taft Benson erklärte dies folgenermaßen: „Der Heilige Geist macht uns empfindsamer. Wir haben größere Nächstenliebe und mehr Mitgefühl mit einander. Wir sind besonnener in unseren Beziehungen. Wir werden eher fähig sein, andere zu lieben. Menschen wollen mit uns zusammen sein, weil selbst unser Ansicht den Einfluß des Geistes ausstrahlt. Wir sind Gott ähnlicher. Das Ergebnis ist, dass wir sensibler für die Einflüsterungen des Heiligen Geistes sind und es uns dadurch leichter fallen wird, Geistiges zu verstehen.” (Ezra Taft Benson, “Seek the Spirit of the Lord,” Ensign, April 1988, 2-4.)

4 Unhöflichkeit

Wundermittel in der Ehe

Nicht nur in der Gesellschaft fehlt oft Höflichkeit, auch in unserem Zuhause. Zu oft beschimpfen wir einander, sprechen in grobem Ton miteinander, erzählen vulgäre Witze, benehmen uns daneben, kritisieren oder machen einen anderen schlecht, kommen zu spät, wenn die Familie zu etwas zusammen kommt und verbringen zu viel Zeit mit den sozialen Medien. Im Zusammenhang mit Beziehungen bedeutet Unhöflichkeit oft, dass wir die Bedürfnisse von Kindern oder des Ehepartners ignorieren oder ihnen gegenüber gleichgültig sind.

Vor einigen Jahren erzählte Präsident Nelson von einem Flug, während dessen er hinter einem verheirateten Paar saß. Präsident Nelson konnte sehen, dass die Frau ihren Mann liebte. Während des Fluges kuschelte sie sich an ihren Mann, legte ihren Kopf auf seine Schulter und streichelte seinen Nacken. Der Mann hingegen nahm ihre Anwesenheit gar nicht war. Er konzentrierte sich völlig auf sein Vieospiel. Während des ganzen Fluges vertiefte sich der Mann nur in das Spiel. Er schaut kein einziges Mal zu seiner Frau oder tat etwas, das zeigte, dass er bemerkte, dass sie da war. Dies erignete sich kurz nach dem Tod von Präsident Nelsons Frau, Dantzel, und er beschreibt, wie er dem Mann am liebsten zugerufen hätte: „Mach die Augen auf! Merkst du nichts? Pass auf! Deine Frau liebt dich! Sie braucht dich!” (Russell M. Nelson, “Nurturing Marriage,” Ensign, May 2006)

Grodon B. Hinckley sagte, dass Höflichkeit „Aufmerksamkeit, Freundlichkeit und Rücksicht auf andere beinhaltet. All das, was man in der Welt erreicht, zählt nichts, weist es nicht von einer gewissen Vornehmheit, Respekt und dass man die zusätzliche Meile geht.” (President Gordon B. Hinckley, Standing for Something, 47)

Eine der größten Gefahren in einer Ehe ist Gleichgültigkeit oder dass man den anderen als selbstverständlich ansieht. Dann behandelt ein Ehemann oder eine Ehefrau den Partner schnell eher wie einen Bruder oder Schwester als einen ewigen Partner. Aufmerksamkeit, Freundlichkeit und Rücksicht sollten in einer Ehe wichtig sein. Die Goldene Regel ist optimale Definition von Respekt in einer Ehe: „Alles, was ihr wollt, dass euch die Menschen tun, das tut auch ihnen!” (Matthäus 7,12)

Wir sollten unseren Ehepartner demnach so behandeln, wie wir selbst behandelt werden möchten.

Das Gegenmittel für Unhöflichkeit ist Nächstenliebe. Dies beinhaltet, dass erst wir uns ändern müssen, ehe der andere sich ändern wird. Wahre Nächstenliebe „deckt viele Sünden zu” (1. Petrus 4,8) – vor allem in einer Ehe. Präsident Gordon B. Hinckley erweiterte diese Aussage noch, als er Folgendes sagte: „Ich bin überzeugt, daß eine glückliche Ehe nicht so sehr eine Sache von romantischer Verliebtheit ist als vielmehr davon, daß man sich beständig um das innere und äußere Wohlergehen des Partners kümmert.” Der Prophet Joseph Smith erklärte: „Es ist die Pflicht eines Ehemannes seine Frau zu lieben, schätzen und sich  um sie zu kümmern und zu ihr zu halten und niemand anderem; er muss sie wie sich selbst ehren und er muss empfindsam auf ihre Gefühle reagieren.” (Joseph Smith, Elders’ Journal 1:61-62). Des weiteren lehrte Joseph Smith die Frauen in der Kirche: „Wenn ihr nach Hause geht, sprecht nie verärgert oder unfreundlich mit eurem Mann, sondern lasst Güte, Nächstenliebe und Liebe eure Werke krönen.” (Joseph Smith, Teachings of the Prophet Joseph Smith, 227)

Alma riet uns: „Und nun möchte ich, daß ihr demütig seid und fügsam und sanft seid; leicht zu bewegen; voller Geduld und Langmut; maßvoll seid in allem; eifrig seid im Halten der Gebote Gottes zu allen Zeiten …” (Alma 7:23) Wenn wir den Anweisungen in den Heiligen Schriften und unserer Prophete Folge leisten, können wir ein harmonisches, friedvolles Zuhause haben.


Dr. Mark Ogletree

Mark Ogletree arbeitet als Berater mit Individuen, Paaren, Familien und einer Vielfalt an Beziehungsproblemen und persönlichen Krisen. Er arbeitet als Ehetherapeut, hilft bei Erziehungsfragen, Angststörungen, Depressionen, Trauerbewältigung und Pornografiesucht.

Dr. Ogletree arbeitet gerne mit jungen Menschen zusammen. Ein sicheres Umfeld für seine Patienten zu schaffen, liegt ihm besonders am Herzen.

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich am 20.6.18 auf ldsliving.com unter dem Titel „4 Natural Man Tendencies That Hurt Marriages (+ How to Overcome Them)” veröffentlicht. Der Autor ist Mark D. Ogletree. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.

German ©2018 LDS Living, A Division of Deseret Book Company | English ©2018 LDS Living, A Division of Deseret Book Company

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