Vielleicht habt ihr schon einmal jemanden sagen hören, dass wir Mormonen glauben, dass wir, wenn wir rechtschaffen leben, eines Tages „unseren eigenen Planeten” bekommen werden, auf dem wir leben und herrschen. Wisst ihr, wie ihr auf solch eine Aussage reagieren oder was ihr darüber auch nur denken sollt? Keine Angst. Lest euch den Artikel durch und ihr werdet nie wieder ohne Antwort dastehen.

Glauben Mormonen wirklich, dass sie eines Tages einen eigenen Planeten haben werden?

Schnelle Antwort

Nicht so, wie ihr denkt.

Ausführliche Antwort

Eigentlich ist die Frage an sich problematisch. Ich denke, dass jemand, der so eine Frage stellt, ganz andere Voraussetzungen hat als das Mitglied, das eine solche Frage zu beantworten versucht.

Glauben Mormonen daran, dass sie nach ihrem Tod auf einem Planeten leben, dem Schlaraffenland gleich: Süßigkeiten hängen von den Bäumen, die Berge sind aus Eis, die Häuser aus Schokolinsen, gebadet wird faul in Schokomilch, und dass es sich der Mormone nach seinem Tod auf dem eigenen Planeten gut gehen lässt?

Auf Mormon Newsroom (englisch) heißt es:

„Diese Vorstellung [eines eigenen Planeten] taucht in den heiligen Schriften der Kirche Jesu Christi nicht auf und ist auch keine Glaubenslehre der Kirche. Das Missverständnis entstand durch Spekulationen, die nicht auf Lehren der Heiligen Schrift beruhen. Mormonen glauben, dass alle Söhne und Töchter Gottes sind und dass jeder Mensch über das Potential verfügt, während und nach diesem Leben Fortschritt zu machen, um so wie unser himmlischer Vater zu werden (vgl. Römer 8:16,17). Die Kirche behauptete zu keinem Zeitpunkt, ein umfassendes Verständnis der Aussage Christi in Johannes 14: 2 zu besitzen. Dort heißt es: ,Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen.’”

Eine Antwort im Zusammenhang hierzu ist also eher ein „Nein”.

Schauen wir uns noch einmal die Schriftstelle in Römer 8:16,17 an. Dort heißt es: „So bezeugt der Geist selber unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind. Sind wir aber Kinder, dann auch Erben; wir sind Erben Gottes und sind Miterben Christi, wenn wir mit ihm leiden, um mit ihm auch verherrlicht zu werden.”

Durch Christus zum Selbstbewusstsein

Die Vorstellung eines eigenen Planeten leitet sich von dieser Schriftstelle ab, nämlich dass wir als Kinder Gottes auch Erben Gottes sind und wortwörtlich mit allem gesegnet werden, was er hat (vgl. LuB 84:38, wo es heißt: „und wer meinen Vater empfängt, der empfängt meines Vaters Reich; darum wird ihm alles gegeben werden, was mein Vater hat.”).

Viele Andersgläubige finden das etwas heftig und eventuell gotteslästerlich – und das ist nachvollziehbar. Es klingt wirklich ein bisschen verrückt. Aber die meisten Lehren des Christentums klingen wohl etwas seltsam, wenn man sie ohne Kontext betrachtet.

Wie unser Vater werden

Mormonen glauben daran, dass wenn jemand ein gutes Leben führt, er im Jenseits seine Zeit nicht damit verbringt, auf einer Wolke zu sitzen und Karten zu spielen. Viele christliche Glaubensgemeinschaften glauben daran, dass man auch im Leben nach dem Tod weiter lernt. Mormonen glauben, einfach gesagt, daran, dass sie das Gelernte auch anwenden können und dadurch mehr und mehr wie ihr himmlischer Vater werden, der allwissend ist. Und hoffentlich werden seine Erben eines Tages wie er sein. Für viele Kritiker ist diese Vorstellung zu anmaßend. Aber denkt ihr nicht auch, dass Gott sich freut, uns all das beizubringen, was er weiß?

Diese Lehren sind nichts Geheimes. Solltet ihr diesbezüglich Fragen haben, werden wir versuchen, sie zu beantworten (aber auch wir haben nicht Antworten auf alle Fragen, und werden auch gar nicht so tun als ob). Auch ein Kind lernt erst einmal zu laufen, bevor es mit dem Rennen beginnt – und jemand, der überhaupt nichts über die Lehren der Kirche Jesu Christi weiß, sollte sich vielleicht erst einmal eher mit den Glaubensgrundlagen beschäftigen als mit diesen schwierigeren Themen. Das soll nicht beleidigend sein. Aber dieses Vorgehen wird jemandem, der wirklich verstehen möchte, helfen. Das ist ein Grundprinzip bei allem, was man tut. Bevor er ein Profi auf einem Gebiet wird, fängt jeder klein an.

Eine abschließende Antwort

Wenn wir also eine Ewigkeit lang immer weiter Fortschritt machen, weiter lernen und Gott ähnlicher werden – bekommen wir dann eines Tages auch „unseren eigenen Planeten”?

Antwort: Nur einen Planeten? Wir werden so viel mehr haben. Wir werden über das Wissen verfügen, die Fähigkeiten und die Macht, „eine Welt zu erschaffen und die Menschen darauf” (vgl. Präsident Spencer W. Kimball, englisch). Uns wird damit aber auch Verantwortung übertragen. Es bedeutet üben und Weisheit lernen. Kein Schlaraffenland. Nicht faul Tag für Tag herumliegen und sich bedienen lassen. In Mose 1 in der Köstlichen Perle sagt der Herr zu Mose: „und es gibt kein Ende für meine Werke, auch nicht für meine Worte.” (vgl. V.38)

Wenn alles nach Plan läuft, wird das auch für unsere Werke gelten.


David Snell

David Snell ist stolz darauf, Mitglied der Kirche Jesu Christi zu sein. Er hat einen Abschluss von der BYU, ist Gründer von „The Sunday Pews” und hat unter anderem Erfahrungen als Autor für Mormon Newsroom Pacific, KBYU11, Classical 89 Radio und FamilyShare.com gesammelt. Er nimmt sich selbst nicht zu ernst und möchte den Tag für uns ein bisschen schöner machen.

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich am 19.12.17 auf mormonhub.com unter dem Titel „Do Mormons Really Believe They Get Their Own Planet After They Die?” veröffentlicht. Der Autor ist David Snell. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.