„Wertschätzen, nämlich zu sagen „Ich liebe dich!“ und „Danke!“, ist nicht schwer. Wenn wir auf diese Weise Liebe und Dankbarkeit ausdrücken, zeigen wir damit nicht nur, dass wir einen liebevollen Gedanken oder eine freundliche Tat anerkennen. Solche Äußerungen sind vielmehr Zeichen eines liebevollen und höflichen Umgangs. Wenn dankbare Ehepartner nach dem Guten im anderen Ausschau halten und einander aufrichtige Komplimente machen, dann werden Mann und Frau bestrebt sein, zu dem Menschen zu werden, der in diesen Komplimenten beschrieben wird.”

Russell M. Nelson, Pflegen Sie Ihre Ehe!, April 2006

Jemand wertzuschätzen scheint oberflächlich so etwas Einfaches zu sein. Es ist nicht schwer, „Danke” oder „Ich liebe dich”, „Das hast du gut gemacht” oder „Super” zu sagen. Warum tun wir es also nicht?

Manchmal kennen wir jemanden so gut, dass wir annehmen, dass der andere weiß, was wir denken – zum Beispiel: Mein Mann weiß, dass ich ihn liebe. Ich muss es ihm nicht ständig sagen. Aber wir alle hören so etwas gerne! Ich weiß, dass mein Mann mich liebt, aber auch nach all den Jahren unserer Ehe gibt es nichts Besseres als wenn er es auch sagt. Ich freue mich immer sehr, wenn er merkt, dass ich das Haus geputzt habe. Mir wird ganz warm ums Herz, wenn er das Essen lobt. Ich weiß, dass auch er es gerne hört, dass ich ihn schätze. Etwas zu wissen, und etwas ausgesprochen zu hören, ist zweierlei.

Sprachen der Liebe Wertschätzung

Manchmal ist das Leben zu geschäftig. Das stressvolle Leben lasst uns oft Kleinigkeiten vergessen – selbst wichtige Dinge wie dass wir uns bedanken, dass der andere den Müll nach draußen gebracht hat. Ich weiß es wirklich zu schätzen, dass mein Mann den Müll hinausbringt, ohne dass er darum gebeten wird. Ich trage zu Hause keine Schuhe, und den Müll rauszubringen bedeutet, dass ich meine Schuhe anziehen muss, damit ich mir auf dem heißen Pflaster im Sommer nicht die Füße verbrenne und im Winter keine kalten Füße bekomme. Trotzdem denke ich fast nie daran, mich dafür bei ihm zu bedanken. Ich denke nicht, dass ich mich jedes Mal dafür bedanken muss, aber es wäre nett, wenn er es ab und zu zu hören bekäme.

Ein anderer Grund, weshalb wir unserem Ehepartner unsere Wertschätzung nicht zeigen, ist aufgestaute Wut. Wenn es etwas gibt, das nicht geklärt wurde, dass dem anderen nicht vergeben wurde, kann es schwierig sein, seinen Dank für etwas das er tut auszudrücken. Es ist wichtig, das Problem zu klären, noch wichtiger ist es aber zu vergeben. Vielleicht seid ihr nicht immer einer Meinung, aber wenn ihr eine gute Ehe haben möchtet, dürft ihr eure Liebe und Wertschätzung für all die vielen anderen guten Qualitäten nicht durch Meinungsverschiedenheiten trüben lassen. Ein Beispiel wäre, dass es schwierig sein könnte, ihm dafür zu danken, dass er sich die ganze Woche um das Abendessen gekümmert hat, als du einem der Kinder mit Schulproblemen bei den Hausaufgaben helfen musstest, wenn du immer noch wütend darüber bist, dass er nicht da war, als im Tiefkühlfach die Dose Cola explodierte, die er dort vergessen hat, und du die Sauerei wegmachen musstest.

Lasst einen Ehepartner nicht 20 oder 30 Jahre lang für einen Fehler bezahlen. So jemand wirkt nicht nur wie ein kleinkarierter Nörgler, der Ehepartner von so jemandem hat sozusagen eine lebenslängliche Strafe für einen kleinen Fehler aufgebrummt bekommen. Wie auch bei Kindern und Hunden, sollte die „Strafe” der Tat angemessen sein. Für den Partner ist es schwierig, immer wieder zu hören zu bekommen, dass sie vor 15 Jahren einen Kotflügel zerkratzt hat, das Essen anbrennen ließ und vor 25 Jahren ein Feuer in der Küche verursachte. Irgendwann hat sie/ er das wiedergutgemacht. Halten wir nicht an so etwas fest. Wenn wir anfangen, unserem Partner seine/ ihre Fehler zu vergeben, schaffen wir in unserem Herzen Platz für die Liebe und Wertschätzung, die der andere verdient.

Ein Ehepaar betet zusammen Wertschätzung

Wie schon Präsident Nelson im obigen Zitat darauf hingewiesen hat, strengt sich unser Partner, wenn wir ihm ein Kompliment machen, noch mehr an unserer Wertschätzung gerecht zu werden.

Vor vielen Jahren, als wir frisch verheiratet waren, sagte mein Mann mir einmal, wie sehr er meine Spaghetti und den Hackbraten mochte. Er schwärmte regelrecht davon, dass er von meinen Spaghetti nicht genug bekommen konnte und niemand Hackbraten so gut wie ich machen konnte. Auch heute, viele Jahre später, bemühe ich mich immer noch darum, dass dieses Gericht seinen Erwartungen entspricht. Ich ändere nie mein Rezept oder mache es mir durch Änderungen leichter und koche diese Gerichte mit viel Liebe. Auch heute noch lässt es mein Herz höher schlagen, wenn er kräftig zulangt und mir sagt, wie gut das Essen schmeckt.

Auf der Straße der Liebe gibt es zwei Spuren: Ich freue mich, weil er es schätzt, wenn und was ich koche; er freut sich, dass ich voller Liebe sein Lieblingsessen koche. Eine Ehe gedeiht durch diese Wechselwirkung der Wertschätzung.

Der Artikel erschien ursprünglich im März 2014 und wurde für die Veröffentlichung leicht angepasst.


Tudie Rose hat vier Kinder und zehn Enkelkinder in Sacramento, Kalifornien. Ihr könnt ihr auf Twitter unter @TudieRose folgen. Sie schreibt einen Blog, der unter http://potrackrose.wordpress.com zu finden ist. Sie hat mehrere Artikel für Familius geschrieben. Einen ihrer Aufsätze findet ihr auf Englisch hier.

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich am 5.1.2019  auf ldsblogs.com unter dem Titel „Learning to Appreciate your Spouse is Essential to a Good Marriage” veröffentlicht. Die Autorin ist Tudie Rose. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.

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