Die Begeisterung für das Buch und den gleichnamigen Film “Den Himmel gibt’s echt” (engl. „Heaven is for Real“) war groß. Beides basiert auf der wahren Geschichte eines Vorschulkindes, das während einer Operation den Himmel besucht. Das Buch wurde kontrovers diskutiert und überraschenderweise fühlten sich einige Geistliche dadurch verärgert. Einige gingen sogar so weit, das Kind zu beschuldigen, zu lügen. Für andere war es belastend, dass die Erzählungen des Jungen überhaupt nicht mit dem, was sie über den Himmel zu wissen glaubten, übereinstimmten.

Obwohl ich weder das Buch gelesen noch den Film gesehen habe, habe ich viele Rezensionen und Aussagen von Geistlichen gelesen, die unzufrieden waren. Wiederholt wurde erwähnt, dass das Kind seinen verstorbenen Großvater und seine verstorbene Schwester sah, die es beide als Familienmitglied begrüßten, und nicht als irgendjemand, den sie einmal gekannt hatten. Sie sagten nicht: „Ich war mal deine Schwester“ oder „Ich war auf der Erde dein Großvater“. Stattdessen erzählten sie ihm, dass sie noch immer Schwester und Großvater seien. Die Schwester erwähnte, wie glücklich sie sei, dass aus ihrer Familie nun endlich jemand dazu kam und sie es kaum erwarten könnte, auch Andere aus der Familie wiederzusehen.

Für Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist die Geschichte des Jungen jedoch weniger überraschend. Dieser Punkt ist sogar ein wichtiges Merkmal ihres Glaubens. Mormonen (eigentlich nur ein Spitzname) glauben, dass der Himmel existiert und Familien für die Ewigkeit bestehen können. Was sie damit meinen? Sie meinen, dass, wenn wir sterben, wir unsere auf uns wartenden Familienmitglieder wiederfinden werden und Gott möchte, dass wir auch weiterhin eine Familie sind.

Denken Sie einen Moment darüber nach. Eines der ersten Dinge, die Gott tat, nachdem er die Erde erschaffen hatte, war, Adam eine Frau zu geben und ihm zu gebieten eine Familie zu gründen. Er lehrte sie, dass die Familie an erster Stelle stehen würde. Überall in den Schriften spricht Gott über Familie und deren Wichtigkeit. Außerdem stellte er sicher, dass auch Jesus eine Vaterfigur in seinem Zuhause haben würde, statt von Maria zu erwarten, dass diese den Sohn Gottes alleine aufziehe. Er sandte Jesus als ein Säugling in eine Familie, nicht alleine, als Erwachsener, auf die Erde.

Dies zeigt uns, wie wichtig Gott Familien sind. Obwohl Gott Scheidung erlaubt, erklärte Jesus, dass dies am Anfang jedoch anders war und das nicht das ist, wie das Familienleben eigentlich sein soll. Wegen der Selbstsucht der Menschen wurde dies gewährt.

Mormonen glauben, dass Familien für die Ewigkeit bestehen können

Familien existieren ewig: Daher bauen Mormonen Tempel (hier der Salt Lake Tempel), um darin 'für Zeit und alle Ewigkeit' aneinander gesiegelt werden können.Mormonen glauben, dass Gott nicht viel von Scheidung hält und nicht am Tag der Hochzeit bereits eine Scheidung mit einplant. Er würde uns doch auch nicht versprechen, dass der Himmel ein Ort ist, an dem wir glücklicher sein werden, als wir es uns vorstellen können… und dann wären wir aber in der Ewigkeit allein, ohne Kinder, ohne Eltern und hätten keine Möglichkeiten, das zu ändern. Wir würden dieses Leben hier hassen. Warum denken wir, dass wir es so im Himmel lieben würden? Auch im Himmel werden wir wir selbst sein. Wenn wir uns bereits hier auf der Erde ohne unsere Familien einsam fühlen, dann werden wir nicht gerade begeistert davon sein, dort ohne sie zu leben. Und nur mit ihnen befreundet zu sein, wäre nicht ausreichend. Wären Sie denn mit dem Vorschlag Ihres Partners, Ihre Ehe zu beenden und nur noch Freunde zu sein, einverstanden? Natürlich nicht. Das würde Ihre Gefühle verletzen. Auch die Vorstellung, dass Ihr Partner mit Ihnen als Freund ansatzweise so glücklich sein könnte, wie mit Ihnen als Partner ist schmerzvoll. Eine Ehe und eine Freundschaft ohne Ehe sind nicht gleichwertig.

Stellen Sie sich vor, Sie kommen im Himmelreich an, und die erste Aufgabe, die sie bekommen, ist, Ihre Familie, die sie lieben, zu vergessen. Wir wissen, dass es weder möglich noch fair wäre. Gott ist nicht grausam. Er würde uns niemals unsere Familien einfach so wegnehmen, ohne uns eine Möglichkeit zu geben, sie für immer behalten zu können.

Und genau dieser Punkt bringt mich nun zu meinem Lieblingsaspekt des Glaubens der Mormonen. Mormonen wissen, dass Gott es uns möglich macht, unsere Familien für immer zu behalten. Das gehört zu seinen größten Segnungen, die er besonders für diejenigen bereithält, die Gott durch ihren Dienst und ihre Liebe gedient haben. Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage nennt es die Ewige Ehe, die Celestiale Ehe oder auch die Tempelehe.

Sie haben womöglich bereits von den Tempeln der Kirche gehört. Tempel unterscheiden sich von normalen Kirchengebäuden der Mormonen. Es werden im Tempel keine Sonntagsversammlungen abgehalten. Die Kirchen der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage sind für die Öffentlichkeit zugänglich, während es Tempel nicht sind. Sie sind, mit Ausnahme von öffentlichen Besichtigungen vor der Weihung eines Tempels, den Mitgliedern der Kirche vorbehalten, die ein Zeugnis vom Evangelium haben und sich ernsthaft dem Herrn gegenüber verpflichtet haben. Im Tempel werden Bündnisse (Versprechen zwischen den Mitgliedern und Gott persönlich) geschlossen und heilige Handlungen vollzogen.

Eine dieser Handlungen ist beispielsweise die Eheschließung. Die Zeremonie der Eheschließung ist elegant und einfach gehalten – das Paar kniet vor einem Altar gemeinsam nieder, während ein Siegler (Offiziant / Eine Art Priester) über die Heiligkeit der Ehe spricht und sie als Ehepaar aneinander bindet. Diese Eheschließung beinhaltet jedoch nicht die Worte „bis dass der Tod sie scheide.“ Solch traurige Worte werden mit den freudigen Worten „für alle Zeit und Ewigkeit“ ersetzt. Das bedeutet, dass sie auch nach ihrem Tod noch miteinander verheiratet sind und so die Zuversicht haben, dass sie für die Ewigkeit zusammen sein können.

Diese Paare freuen sich zusätzlich auch darüber, dass auch die Kinder, die sie haben werden, für die Ewigkeit zu ihnen gehören werden. Auch Kinder, die sie adoptieren, sind dabei eingeschlossen. Stellen Sie sich vor, sie hätten ein kleines Kind, das stirbt. Ihr Herz wäre natürlich gebrochen, jedoch würden sie viel Trost im Wissen finden, dass ihr Kind im Himmel auf sie wartet. Es ist nie einfach, ein Kind zu verlieren, jedoch ist es durch das Wissen leichter, dass das Kind nur für eine Weile von zu Hause fort ist, aber nicht für immer.

Die Menschen wissen es, auch wenn sie sagen, dass sie es nicht tun. Bei jeder christlichen Beerdigung habe ich sie über diesen Glaubensgrundsatz sprechen hören. „Wir werden uns eines Tages wiedersehen.“ „Wenigstens sind Mutter und Vater nun wieder vereint. Mutter vermisste Vater doch so sehr.“ Wir wissen, dass dies die Art eines liebenden Gottes ist, aber schieben dieses Wissen beiseite, weil die Menschen, die den Plan Gottes nicht in seiner Gesamtheit kennen, sagen, dass es unmöglich ist. Diese Menschen verleiten uns dazu, zu glauben, dass Gott uns voller Freude unsere Familie wegnimmt und uns keine Möglichkeit gibt, mit ihnen in der Ewigkeit zusammen zu sein. Für mich ist diese Unwissenheit vieler Menschen eine grausame Taktik des Satans, die dazu verleiten kann, an Gottes Liebe zu zweifeln. Die Wiederherstellung all dessen, was die Menschen einst wussten, ist das größte Geschenk, welches das Evangelium mir gegeben hat.

Wie eine Ewige Ehe Paaren helfen kann

Ist eine Ehe, die für die Ewigkeit geschlossen wird, von Bedeutung? Das wird es für uns sein, wenn wir sterben. Es spendet uns aber auch hier und jetzt bereits Trost. Es kann unseren Ehen und Familien, an deren Stärkung wir so hart arbeiten, als Schutz dienen. Mormonen haben im Durchschnitt eine geringere Scheidungsrate. Ehen die zusätzlich im Tempel geschlossen wurden haben sogar eine noch niedrigere Rate (von etwa 6%). Wenn eine Ehe jedoch für immer halten soll, muss man hart daran arbeiten, damit sie es in der Ewigkeit wert ist. Darüber hinaus sind in ewiger Sicht, all die kleinen Dinge, die oft zu einer Scheidung führen, nicht so wichtig.

Auch größere Herausforderungen sind etwas einfacher zu meistern, wenn man weiß, dass die Ehe für die Ewigkeit bestimmt ist. Ein bekannter Evangelist sorgte unter vielen Christen für Entsetzen, als er sagte, dass es in Ordnung sei, sich scheiden zu lassen, wenn der Ehepartner Alzheimer hat. Ein Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage würde sich daran erinnern, dass diese Herausforderung zeitlich begrenzt ist. Sobald diese Zeit vorbei ist, nimmt die Ehe wieder ihren ursprünglichen Zustand an. Mit diesem Wissen wäre eine Scheidung dementsprechend keine echte Alternative mehr.

Den Himmel gibt es wirklich, und Familien sind für die Ewigkeit bestimmt – wenn wir bereit sind, sie dementsprechend zu pflegen und all das zu tun, was notwendig ist, um dieses wundervolle Geschenk von Gott zu bekommen.

Schauen Sie sich das folgende Video an, um zu sehen, wie der Glaube an die Ewigkeit, die Ehe eines Paares während Herausforderungen und Unzulänglichkeiten, stark macht. Denn das ist genau das, was eine Ewige Ehe Ihnen geben kann – eine Liebe die alles überwindet.


Aus dem Englischen übersetzt von Jannetje Ludwig. Das Original von Terri Lynn Bittner ist zu finden auf ldsblogs.com.

Für mehr Informationen über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage besuchen Sie einfach die offizielle Website lds.org.