Es war schon spät und meine Frau und ich machten uns gerade fürs Bett fertig. Ich drehte mich zu ihr hinüber und sah sie an.

„Was gibt’s?” fragte sie mich und lächelte mir zu. Ich stellte ihr die einfache Frage: „Woher weißt du, dass ich dich liebe?”

Ich dachte: „Jetzt sagt sie bestimmt, dass es die Flitterwochen waren, für die ich als Überraschung eine Kreuzfahrt geplant hatte, die ein paar Tausend Dollar gekostet hatte. Oder vielleicht sagt sie ja, das kleine Büchlein, für das ich mehr als 10 Stunden gebraucht hatte und in dem ich ihr 100 Gründe aufgeschrieben hatte, weshalb ich sie liebe. Oder vielleicht erwähnt sie ja jetzt die Rosenblütenblätter, die ich noch von unserer Verlobung hatte und die ich getrocknet und für den Valentinstag verwendet habe. Eins davon muss es ja sein. Eins davon hat ihr gezeigt, dass ich sie liebe.”

Aber ihre Antwort überraschte mich.

„Weil du mir meine Wasserflasche mitgebracht hast.” Ich hatte völlig vergessen, dass ich ihr auf dem Weg ins Bett ihre Wasserflasche mitgebracht hatte. Normalerweise stand sie auf ihrem Nachttisch. Dieses Mal stand sie aber noch in der Küche. Also brachte ich sie mit.

„Und weil du den Abwasch gemacht hast.” Aber sie hatte doch gekocht…war das also nicht ganz selbstverständlich, dass ich, wenn sie kochte, sauber machte?

„Und weil du mir während der Arbeit Nachrichten schreibst.” Macht das nicht auch jeder?

„Und weil du mich küsst.” Habe ich da nicht auch was davon?

Um ehrlich zu sein hat mich das zuerst sogar ein bisschen gestört. Sie nannte so viele Kleinigkeiten, derer ich mir nicht einmal bewusst gewesen war, dass ich das Gefühl hatte, dass sie die großen Dinge gar nicht zu schätzen wusste. Dann erinnerte ich mich aber an etwas, das ich gelesen hatte, als wir noch verlobt waren:

„Eine Ehe besteht nicht aus einer großartigen Tat. Es sind die vielen kleinen Dinge. Liebevolle Kleinigkeiten führen zu einer glücklichen Ehe.” (John Bytheway)

John Bytheway: „Eine Ehe besteht nicht aus einer großartigen Tat. Es sind die vielen kleinen Dinge. Liebevolle Kleinigkeiten führen zu einer glücklichen Ehe.”

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Für mich ergab das Zitat nie Sinn – bis zu jenem Moment. Aber von da an hörte ich damit auf, nach immer beeindruckenderen Dingen zu suchen, durch die ich ihr sagen konnte, dass ich sie liebe. Ich setzte mir das Ziel, immer wieder kleine Möglichkeiten zu finden, um das auszudrücken.

Das gilt allerdings nicht nur für eine Ehe. Das gilt für alle Arten von Beziehungen, auch Freundschaften oder Geschäftsbeziehungen. Verschiedenen Studien zufolge führen kleine Ziele und Bekundungen der Wertschätzung zu einem stetigen und anhalten Erfolg. Hohe Ziele oder übermäßige Bekundungen führen, auch wenn sie positiv sind, meist zwar zu schnellen, aber zu dennoch vorübergehenden Erfolgen – bestenfalls. Schlimmstenfalls führen sie auch zu Versagen und Enttäuschung. Dabei kommt es nicht darauf an, ob wir uns Ziele für einen Ehepartner setzen oder um einem Chef zu gefallen. Sind die Ziele zu hoch, kann eine Bestätigung nur sporadisch auftreten, so dass wir nicht weiter ermutigt werden, unser Ziel zu erreichen.

Möchte man beispielsweise in einem Jahr 50 Pfund abnehmen, ist es am einfachsten, sich als Ziel zu setzen jede Woche vielleicht ein Pfund dadurch zu verlieren, dass man auf die Ernährung achtet und ein bisschen mehr Sport macht.

Möchte man an einem Marathon teilnehmen, fängt man am besten mit ein oder zwei Kilometern pro Tag an.

Wenn man verheiratet bleiben möchte, fängt man am besten damit an, dass man den Abwasch macht oder sich kleine Nachrichten hinterlässt.

Tut die kleinen notwendigen Dinge – und tut sie oft.

Und auch wenn ich noch einen langen Weg vor mir habe…habe ich zum Glück noch einen langen Weg vor mir!

Fangen wir also doch einfach heute an. Alle zusammen. Lasst uns heute eine Möglichkeit finden, wie wir unserer besseren Hälfte sagen können, dass wir sie lieben – und das jeden Tag. Lasst uns versuchen etwas zu finden, durch das ihr Tag heute schöner ist. Lasst uns etwas finden, wie wir heute die Welt besser machen können.

Und wenn wir dann auf ein Leben zurückblicken können, in dem wir die kleinen Dinge getan haben, werden wir eines Tages die Worte hören: „Du bist im Kleinen ein treuer Verwalter gewesen, ich will dir eine große Aufgabe übertragen. Komm, nimm teil an der Freude deines Herrn!” (Matthäus 25:21)


Der Beitrag wurde am 24.5.2016 auf Englisch auf ldsliving.com veröffentlicht. Der Autor ist Zack Oates. Übersetzt von Kristina Vogt.

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