Im Großen und Ganzen hat mein Vater immer das Essen gekocht und meine Mutter die Leckereien gebacken. Mein Vater hat sich ums Geschirr und die Wäsche und meine Mutter um die finanziellen Dinge gekümmert. Meine Mutter hat sich um die Details beim Saubermachen gekümmert, mein Vater um größere Projekte. Mutter war Krankenschwester und half bei den Hausaufgaben. Vater sorgte dafür, dass alle beim Heimabend dabei waren, beim Familiengebet und Schriftstudium, und dass wir sonntags rechtzeitig das Haus verließen, um zur Kirche zu fahren.

Beide verteilten immer Aufgaben an denjenigen, der gerade in der Nähe war – auch an unsere Besucher. Die Mädchen brachten den Müll nach draußen und mähten das Gras. Die Jungs legten Wäsche zusammen und kochten. Und wir alle mussten Unkraut jäten … um 7 Uhr früh am Samstagmorgen.

Und was war die Lieblingsbeschäftigung meines Vaters – mal vom Brotbacken für die Nachbarn abgesehen? Einkaufen! Dieser Mann wusste immer darüber Bescheid, wo es gerade die billigsten Maiskolben in der Nachbarschaft gab.

Das alles hatte natürlich einen großen Einfluss. Ich hatte ganz schön große Erwartungen an meinen Zukünftigen.

Wird in einer Ehe die Herkunft ausgeglichen?

Als ich meinen Mann zum ersten Mal traf, erwartete ich natürlich, dass Anthony kochen konnte. Und das konnte er auch –  Pop-Tart und Steak (nicht unbedingt für die selbe Mahlzeit). In Anthonys Kühlschrank gab es Ketchup, Steaksauce und Milch. (Und das war alles.)

Falsch vermutete ich, dass es ihm Spaß machen würde, als Familienausflug einkaufen zu gehen. Ich erinnere mich noch an die Reaktion von Anthonys Mutter, als sie bei uns zum Essen war und Anthony den Tisch abräumte und mit dem Geschirr anfing, während wir noch fertig aßen. (Der langsamste Esser zu sein hat sicherlich Vorteile.) Das hatte er bisher noch nie tun müssen – bis er bei meinen Eltern zum Essen eingeladen wurde.

Zusammen arbeiten ist wichtig in einer Familie

Vor dem Essen gab meine Mutter Anthony das Besteck und bat ihn, den Tisch zu decken. Das tat er auch. Nach dem Gebet, als meine Mutter zu essen anfangen wollte, rief sie erst einmal: „Wer hat denn so den Tisch gedeckt?”

Vorsichtig sagte er, dass er es gewesen sei. Er hatte noch nie zuvor einen Tisch gedeckt, daher wusste er auch nicht, wo genau alles hin kam. Meine Mutter entschuldigte sich, so überrascht reagiert zu haben, zeigte ihm die richtige Stelle für die Gabel und begann zu essen.

Meine Eltern wurden auch unterschiedlich erzogen. Sie entschieden, was für sie das Richtige sei und passten sich auch den unterschiedlichen Persönlichkeiten ihrer acht Kinder an. Sie handelten nach der Philosophie „Wir stehen zusammen!”.

 

Die Einigkeit der Eltern ist wichtiger als die Loyalität den Kindern gegenüber

Kinder sind Produkte unseres Lebenszwecks.

Für mich war es wegen meiner Eltern selbstverständlich, dass zusammengearbeitet wurde.

Sie saßen immer nebeneinander. Am Tisch, im Auto, auf den Kirchenbänken. Das tun sie immer noch. Und heute, wo sie bequeme Fernsehsessel haben, halten sie zwischen den Sesseln Händchen.

Wenn mein Vater von der Arbeit nach Hause kam, setzte er sich nicht wie die meisten Väter erst einmal hin, um fernzusehen.

Er suchte immer erst meine Mutter, gab ihr einen dicken Kuss und umarmte sie. Dann kam er zu uns, gab uns Aufgaben, erkundigte sich, wie unser Tag gewesen war und schlichtete Streitereien.

Ich erinnere mich daran, wie ich meinen Vater um Erlaubnis für etwas bat, sie nicht bekam und dann zu meiner Mutter ging, um sie vielleicht doch noch zu bekommen.

Das tat ich nur einmal. Ein Abendlüftchen trug meine geflüsterte Frage an die Ohren meines Vaters, der selbst Ultraschallwellen hören konnte. In unserem Haus ließ sich wohl keiner gegen den anderen ausspielen.

Bei einem Abendessen kurz darauf machten meine Eltern uns klar, dass sie beste Freunde waren, deren Band nicht gebrochen werden konnte. Das Beste, auf das wir hoffen konnten, war, zweitliebste Person in der Familie zu sein … und natürlich waren alle Kinder die zweitliebsten. Verrückt.

Ich war fest davon überzeugt, dass Anthony und ich nach der gleichen Philosophie leben würden. Es stellte sich aber heraus, dass Gott unsere Fähigkeiten für etwas Anderes brauchte.

Wir haben also eine neue Generation von Revolutionären herangezogen.

Meine Brüder wechseln Windeln und stehen mitten in der Nacht auf, um ein Fläschchen zu geben, weil sie ihre Frauen lieben und respektieren. Meine Schwestern schleppen ihre Kinder auf abenteuerliche Wandertouren und jubeln den verschiedenen Fußballmannschaften zu.

Und alle arbeiten daran, dass das Familienleben und die Ehe harmonisch ist.

Klebt aneinander – dein Ehepartner ist das Wichtigste, was du hast

Der Rat meines Vaters über Beziehungen lautete: „Vergesst nicht, dass ihr euren Ehepartner nicht nur lieben, sondern auch gern haben müsst.”

Meine Eltern lehrten uns, dass die wichtigste Beziehung in unserem Leben die zu Ehepartner und Kindern ist. Das Wichtigste bei der Kindererziehung ist, die Kinder zu lieben, ohne aber zu vergessen, dass die Ehe oberste Priorität hat. Sie sagten, dass die wichtigste Beziehung immer die zu unserem Ehepartner sei, da eines Tages auch die Ehe der Kinder deren wichtigste Beziehung sein soll. Wenn unsere Beziehung als Ehepaar wegen der Kindererziehung leide, würden wir Probleme bekommen, sobald die Kinder aus dem Haus wären. In „Die Familie – eine Proklamation an die Welt” heißt es:

„Mann und Frau tragen die feierliche Verantwortung, einander und ihre Kinder zu lieben und zu umsorgen. „Kinder sind eine Gabe des Herrn.“ (Psalm 127:3) Eltern haben die heilige Pflicht, ihre Kinder in Liebe und Rechtschaffenheit zu erziehen, sich ihrer physischen und geistigen Bedürfnisse anzunehmen und sie zu lehren, dass sie einander lieben und einander dienen, die Gebote Gottes befolgen und gesetzestreue Bürger sein sollen, wo immer sie leben.”

„Darum verlässt der Mann Vater und Mutter und bindet sich an seine Frau und sie werden ein Fleisch.” (Genesis 2:24)

Ein frisch verheiratetes Paar hat nur sich selbst.

Für mich war das Wichtigste an der Beziehung meiner Eltern die Beziehung, die sie zu einander hatten. Sie sagten mir, dass sie einander liebten. Sie zeigten mir, dass sie einander liebten. Ich wusste, dass sie einander liebten.

Erst vor kurzem habe ich verstanden, dass meine Eltern wirklich Revolutionäre waren.

Auch nach vielen Jahren Ehe sollten Ehepaare sich einig sein.

Wenn das Kind im Mittelpunkt steht, ist die Ehe nur nebensächlich

Vor kurzem habe ich einen Artikel von Drs. Danielle und Astro Teller darüber gelesen, wie die amerikanische Art und Weise, Kinder zu erziehen, amerikanische Ehen zerstört (auf Englisch: How American Parenting is Killing the American Marriage). Ihnen fiel auf, dass Elternschaft irgendwann zu einer Art Religion wurde.

„Nichts im Leben ist wichtiger als die Loyalität zu den Kindern, und man darf in dieser Beziehung nie illoyal sein.

Kinder stehen an erster Stelle. Wir scheinen das heute uneingeschränkt hinzunehmen und dabei zu vergessen, dass dem nicht immer so war.”

Als junger gelegentlicher Beobachter menschlicher Beziehungen konnte ich immer wieder Mütter sehen, die ihre Identität zugunsten ihrer Kinder aufgaben. Ich fragte mich, wie es möglich war, dass Paare, die zuvor noch so verliebt waren, aufhörten, miteinander zu reden. Ich habe unangenehmen Momenten beigewohnt, in denen ein Ehepartner nach Hause kam und niemand von seiner Existenz Kenntnis nahm.

Als heute älterer gelegentlicher Beobachter menschlicher Beziehungen weiß ich, dass sich so etwas nicht von einem Moment auf den anderen verändert, sondern durch viele Ereignisse. Diese Momente werden zur Gewohnheit, die das Leben verändern. Die Tellers schlussfolgerten:

„Eltern, die ihren Gefühlen nicht aufrichtig Ausdruck verleihen, wird es nur selten gelingen, die Probleme zu Hause zu lösen.

Kinder, die in dem Glauben aufwachsen, dass sich alles nur um sie dreht, werden Schwierigkeiten beim Erwachsenwerden bekommen.

Am beunruhigendsten ist, dass Ehepaare, bei denen sich alles um die Kinder dreht, sich evtl. so weit auseinanderleben, dass sie sich nichts mehr zu sagen haben, wenn die Kinder zu Hause ausziehen.

Probleme in der Ehe überwinden.

Was macht man also, wenn man so ein Kinder-zentriertes Leben führt oder einfach sein Eheleben bereichern will?

Die oberste Verantwortung in der Ehe – es geht nicht um dich

Bemüht euch darum, euch aufeinander zuzubewegen.

Elder Dean L. Larsen sprach über 9 Wege, eine Ehe zu bereichern (nur Englisch: Enriching Marriage, Dean L. Larsen, 29.1.1985):

  1. Seid freundlich.
  2. Betet täglich gemeinsam.
  3. Beschäftigt euch gemeinsam mit dem Evangelium und diskutiert darüber.
  4. Kritisiert einander nicht vor andern, auch wenn es gerechtfertigt wäre.
  5. Findet Dinge, die euch beiden Spaß machen, und tut sie regelmäßig.
  6. Seid geduldig, tut einander Gutes, seid mitfühlend.
  7. Geht vorsichtig mit euren Finanzen um.
  8. Gebt niemals auf.

„Die Familie – eine Proklamation an die Welt” fasst das Rezept für eine erfolgreiche Ehe in wenigen Worten zusammen: „Erfolgreiche Ehen und Familien gründen und sichern ihren Bestand auf den Prinzipien Glaube, Gebet, Umkehr, Vergebungsbereitschaft, gegenseitige Achtung, Liebe, Mitgefühl, Arbeit und sinnvolle Freizeitgestaltung…Vater und Mutter müssen einander in diesen heiligen Aufgaben als gleichwertige Partner zur Seite stehen.”

Zu jeder Ehe gehören drei

Christus hält seine Hände auf, damit Mann und Frau zusammen zu ihm kommen können.

Ich bin der Überzeugung, dass erfolgreiche Ehen nicht nur möglich sind, sondern auch vom Himmel geführt werden.

„Und sie heirateten und wurden verheiratet und wurden gemäß den mannigfaltigen Verheißungen gesegnet, die der Herr ihnen gegeben hatte.” (4. Nephi 1:11)

Der Herr segnet Kinder und Eltern damit, dass sie starke und gesunde Beziehungen zueinander aufbauen können.

Als Jugendliche wusste ich den Erziehungsstil meiner Eltern nicht zu schätzen. Dass sie wollten, dass ich zu einer bestimmten Zeit zu Hause sei, oder die Zeit, die wir („gezwungenermaßen”) nur mit der Familie verbrachten, führte zu weniger Zeit mit meinen Freunden.

Auch wenn ich damals quengelte, gehört zu meinen liebsten Kindheitserinnerungen, wie wir sonntags zusammen im Wohnzimmer saßen und über das Evangelium diskutierten, die Streitereien im heißen Auto ohne Klimaanlage auf der Fahrt in den Urlaub und dass ich wusste, dass meine Familie immer für mich da war.

Selbst wenn es finanzielle Schwierigkeiten oder sonstige Probleme gab, blieben meine Eltern immer die besten Freunde. Darüber habe ich oft gestaunt. Und obwohl wir verrückte Dinge durchmachten, hörte ich meine Eltern nie streiten. Vielleicht haben sie gestritten, aber nie vor uns.

Ein weiteres Zeichen dafür, dass meine Eltern wirklich meinten, was sie darüber sagten, für immer beste Freunde zu sein, ist ihre Bereitschaft, verschiedene Missionen zu erfüllen. Jedes Mal, wenn sie sich wieder aufmachen, umarmt uns meine Mutter weinend und küsst uns zum Abschied. Mein Vater gibt uns gute Ratschläge.

Und dann gehen sie ihres Weges. Ihre gegenseitige Hingabe, ihre Hingabe an den Herrn und dadurch auch an uns, ist immer präsent.

Anthony und ich haben die beiden vor kurzem erst in der TallahasseeFlorida-Mission besucht, wo sie derzeit dienen.

Als meine Mutter gerade in einem anderen Raum war, machte mein Vater es sich auf dem Sofa bequem, lächelte uns zu und sagte: „Weißt du, ich liebe deine Mutter wirklich!”

Ja, das weiß ich wirklich!


Delisa Hargrove

Ich bin ein Mitglied der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Ich liebe es, die Welt zu entdecken, in der Natur zu sein, Wahrheiten zu verstehen und Zeit mit meinem Mann und unserer Bulldogge zu verbringen. Eines der Ziele in meinem Leben ist es, jeden Tempel der Kirche überall auf der Welt zu besuchen. Bisher sind es 91.

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt und am 6.11.2014  auf mormonhub.com mit dem Titel „In Marriage, Children Don’t Come First”  veröffentlicht. Die Autorin ist Delisa Hargrove. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) lernen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.