Ich beobachtete eine junge Frau, die am Flughafen ihr weinendes Baby aus dem Buggy hob. Ihr Mann begann den Buggy zusammenzulegen, um ihn zu verstauen. Sie sagte „Du musst ihn nicht jetzt zusammenlegen. Erst, wenn wir …”

Er hörte damit auf und stutzte, schob aber den leeren Buggy weiter. „Wir könnten ein paar Flaschen Wasser kaufen“, schlug er vor.

„Nein, ich möchte jetzt zum Gate“, sagte sie und wiegte das Baby, um es zu beruhigen. „Sie haben sicher Wasser im Flugzeug.“

Wieder gab er sich geschlagen und ging im Gleichschritt mit seiner Frau. „Soll ich mal probieren?“, fragte er, und streckte die Hand nach dem Kind aus.

„Auf gar keinen Fall“, sagte seine Frau. „Das würde es nur noch schlimmer machen.“

Sticheleien wie diese höre ich andauernd. Ein Partner schlägt etwas vor, und der andere schiebt es beiseite. Manchmal geschieht es grob, manchmal sachlich. Es hat aber immer das gleiche Ergebnis zur Folge: Der zum Schweigen gebrachte Partner fühlt sich abgewertet, abgelehnt, wenig geachtet und ungeliebt. Früher oder später kommen Feindseligkeit und Depression zu diesen Gefühlen hinzu.

Und damit es keine Missverständnisse gibt – das Beispiel handelt von einer abweisenden Frau, aber dieses Fehlverhalten ist nicht typischer für Frauen: Sowohl Männer als auch Frauen machen sich dessen schuldig.

Ein gefährliches, aber häufig anzutreffendes Problem

Leicht kann man in diese Kritisierfalle tappen, besonders, wenn man gerne das Sagen hat und gerne sein eigenes Mikro-Universum verwalten möchte. Zunächst klingt es ja nicht unbedingt nach Kritik. Man hat schließlich keinem einen bösen Namen gegeben. Aber werfen wir noch einmal einen Blick auf die Szene.

Der Ehemann wollte den Buggy zusammenlegen. Das ist auch sinnvoll, weil man so in überfüllten Gängen leichter vorwärtskommt. Aber die Frau hatte eine andere Idee und war nicht flexibel genug, ein anderes als ihr eigenes Vorhaben in Betracht zu ziehen. Als er dann vorschlug Wasser zu besorgen, tat sie es als Zeitverschwendung ab. Und schließlich, als er sich erbot, beim Beruhigen des Babys zu helfen, machte sie ihn mit der Bemerkung fertig, er sei unfähig.

HLT Familie mit Kindern

Stell dir vor, wie jener Ehemann sich gefühlt hätte, wenn seine Frau einfach den Mund gehalten hätte und ihn sich um den Buggy hätte kümmern lassen. Ist es wirklich wichtig zu wissen, wann genau man einen Buggy zusammenlegen muss, um ihn zu verstauen? Und was, wenn sie einfach „Gute Idee“ gesagt hätte zu seinem Vorschlag mit dem Trinkwasser? Übrigens sind Flugbegleiter ziemlich beschäftigt und können nicht immer Wasser vorbeibringen, wenn die Fluggäste welches haben wollen. Und schließlich, als er seine Hilfe mit dem Baby anbot, hätte sie ihn lassen können! Oder sie hätte sagen können „Danke – ich weiß das zu schätzen. Aber ich will es noch ein bisschen probieren. Vielleicht in ein paar Minuten.“

So sehen Teamplayer-Antworten aus. Sie teilen ein Paar nicht auf in du oder ich oder in Chef oder Angestellter.

Ein allgemeines Bedürfnis, das oft vernachlässigt wird

Jeder von uns, weltweit, will sich wertgeschätzt fühlen. Freundlichkeit wärmt unsere Herzen, und Respekt schafft Verbindung. Und doch befinden sich so viele Ehen am Startpunkt auf der Straße ins Elend, weil dieser eine Aspekt der Verbindung vernachlässigt wurde.

Schon bald nach den Flitterwochen gewöhnen sich die meisten Paare eine Art Tanz an, den sie für den Rest ihres Lebens beibehalten werden – die Anpassung an den Alltag, der für jedes Paar kommt, einschließlich Gewohnheiten und Schrullen, Vorlieben und bestimmter Stile. Manchmal machen wir erfreuliche Entdeckungen, manchmal müssen wir unsere Schlachten wählen und entscheiden, ob es wirklich so wichtig ist, wie jemand anders die Handtücher zusammenfaltet.

Wundermittel in der Ehe

Doch unvermeidlich wird es Augenblicke geben, da sich in unserem Kopf ein kritischer Gedanke breitmacht. „Wie kann sie bloß diese blöde Fernsehshow mögen?“ „Warum zieht er sich denn so seine Socken an?“ Und schon bald sieht jede Abweichung von der Art, wie wir eine Sache zu erledigen pflegen, verkehrt aus. Wir finden, dass diese Unterschiede kleine Kratzer auf der Oberfläche unseres friedvollen Lebens sind und repariert werden müssen.

Wir wissen alle, was mit unserem Ehepartner nicht stimmt. Manche von uns führen eine fortlaufende Liste. Manche nehmen diese Liste von Zeit zu Zeit zur Bestandsaufnahme heraus, um den Fortschritt des Partners zu überprüfen. Ehen machen Arbeit, sagen wir uns. Darum ist hier eine To-do-Liste, die unser Partner sicherlich schätzen wird. Stimmt’s?

Falsch. Die meisten von uns machen sich der Krittelei an der Person schuldig, die wir einst für unser umwerfendes Ideal hielten.  Unsere Herzen pochten, wir machten feierliche Versprechungen und stellten uns die verheiratete Glückseligkeit vor. Und dann kam die Realität daher, mit Dingen, die wir vorher nie bemerkt hatten, oder völlig neuen Herausforderungen. Auch ohne große Probleme mit dem Vorankommen verfallen viele Ehepaare in eine unhöfliche Ausdrucksweise, genau wie das Ehepaar am Flughafen.

Betrachten wir einmal die Ehefrau. Vielleicht wuchs sie ja in einem Zuhause voller Kritik auf, wo sie nicht viel anderes hörte und ihr nie bessere Manieren beigebracht wurden. Könnte sein, dass sie inneren Groll hegt und sich anstrengt, um überhaupt einen so höflichen Ton beizubehalten, wo sie doch in Wirklichkeit am liebsten wegen ungelöster Probleme explodieren würde. Es könnte auch sein, dass sie einfach den Traum von einer tollen Ehe aufgegeben hat und im Umgangston mit ihrem Ehemann nachlässig geworden ist. Was ihn betrifft, vielleicht wurde er sein ganzes Leben lang so behandelt und es geht eben so weiter. Oder vielleicht versucht er sie zu überzeugen, aber sie ist nicht bereit sich einen Ruck zu geben, so dass er sich damit abfindet, ständig übergangen zu werden. Es könnte auch viele andere Gründe geben.

Eine Herausforderung, die jedes Mal funktioniert

Hier nun eine Herausforderung, wie Mission Impossible, die du annehmen kannst, auch wenn es ein bisschen verrückt klingt. Ich habe es ausprobiert und kann bestätigen, dass es nie schiefgeht. Es funktioniert. Jedes Mal. Immer wenn du den Mund aufmachst, um deinen Partner zu korrigieren, halte inne und formuliere stattdessen ein Kompliment.

Es ist so einfach zu kritisieren, negativ zu werden. Es bedarf der Disziplin, Kreativität und Liebe, um das Gegenteil zu tun. Wenn du siehst, wie dein Ehepartner die Kuchenplatte in den falschen Schrank stellen will, sage „Danke, dass du den Tisch abräumst.“ Wenn er oder sie sich mit dem Auto verfährt, sage „Ich weiß, dass du das wieder hinkriegst – wie immer.“ Und wenn er anbietet, am Flughafen Wasser zu kaufen, sag „Warum habe ich nicht selber daran gedacht? Wahrscheinlich werden wir es brauchen.“

Glückliche Ehe

Jetzt dreh das mal um und stell dir vor mit jemandem zu leben, der so ist, der nur das Gute in dir sieht, der deine Ideen klasse findet und findet, dass du ein gutes Herz hast. Wenn du glaubst, dass du keine ärgerlichen Marotten hast, dann träumst du. Und fänden wir es nicht alle wunderbar, wenn jemand im Zweifelsfall zu unseren Gunsten entscheiden würde, wenn wir Fehler machen? Wie stressig wäre es doch, ständig auf Eierschalen zu laufen, mit der Angst zu leben, dass wir es wieder vermasseln werden, und sich wie ein Idiot zu fühlen? Es ist schwer, auch nur einen Funken Begierde nach einem solchen Aufseher zu verspüren.

Wenn wir diese Wolldecke der Akzeptanz um uns herum spüren – oder gar Bewunderung – dann geschieht etwas Magisches. Wir möchten diesem lieben Menschen, der uns so sehr liebt, gefallen. Wir wollen herausfinden, wo die Kuchenplatten hingehören. Wir möchten in der Lage sein, über uns selbst zu lachen, wenn wir uns verfahren. Wir wollen, dass unser Ehepartner glücklich ist und sich wohlfühlt. Wir möchten diese Großzügigkeit zurückgeben, dieses Maß an Freundlichkeit.

Ich sehe, wie mein Ehemann das die ganze Zeit tut. Hier nur ein Beispiel: Bob will nach draußen gehen, um einen Sprinkler zu reparieren, einen Schlauch einzupacken, irgendwas – und ich vergesse, dass er draußen ist und verriegle die Glasschiebetüre. Schon bald werde ich sehen, wie er mir zeigt, dass er am Verdursten ist oder vor einem Einbrecher flieht (er spielt beide Rollen), und ich fange an zu lachen. Mit Leichtigkeit vergibt er mir etwas, worüber andere die Beherrschung verlieren würden. Und dann erinnert er mich daran, was mein Verstand alles schaukeln muss und wie leicht man doch das eine oder andere vergessen kann. Wahrlich, es gibt keine Entschuldigung, nicht einmal mein ADS. Aber er ist schnell bereit zu vergeben und mich sogar zu erinnern, so dass ich nicht die Krise kriege.

Ein Wunder, das dir begegnen könnte

Was könnte dir als Ehepartner, der es umdreht und anstatt zu kritisieren einfach ein Kompliment macht, noch passieren? Du entdeckst, wie trivial doch die meisten Dinge sind, zu was für bedeutungslosen Haufen sich diese erlesenen kleinen Streitfragen auftürmen.

Ist es wirklich von Bedeutung, ob du dir den Film um viertel vor sechs ansiehst oder um halb sieben? Wenn er auf einer Party Arbeitsschuhe trägt, ist das wirklich der Weltuntergang? Oder wenn sie die Pfannen eine Stunde lang einweicht, ist das von ewiger Bedeutung? Wenn er genau jetzt den Buggy zusammenlegen will, wird das tatsächlich die ganze Reise verderben?

Du wirst auch die wundervolle Gewohnheit kennenlernen, nach Gutem Ausschau zu halten und ehrliches Lob zu zollen, ein Wesensmerkmal, für das wir alle gern berühmt wären.

Diese einfache Technik – einfach zu erklären, aber nicht immer einfach in der Durchführung – kann  sofortige Wirkung auf deine Ehe haben. Selbst wenn du es nur eine Woche lang probierst, wirst du dramatische Verbesserungen feststellen – an beiden von euch.

Kehren wir einen Augenblick zu dem Paar am Flughafen zurück und sehen wir uns die  Person an, mit der wir uns noch nicht beschäftigt haben – das Baby im Kinderwagen. Möchten wir, dass das Kind in einem Zuhause voller Missbilligung und ständiger Kritik aufwächst, oder lieber in einem Zuhause, aus dem die Liebe strahlt und wo man weiß, dass man anerkannt wird? Dieses Ehe-Wundermittel kann Familien beeinflussen und die Ehen künftiger Generationen.


Joni Hilton

Joni ist Autorin und derzeit Präsidentin der Frauenhilfsvereinigung ihrer Gemeinde.

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt und am 14.11.2016 auf ldsliving.com unter dem Titel „The Marriage Miracle That Can Improve Your Marriage, but One Few Will Try” veröffentlicht. Die Autorin ist Joni Hilton. Übersetzt von Romie Zieger.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) lernen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.