Wissen wir, wer wir wirklich sind? Erkennen wir, von welch großer Bedeutung das göttliche Potenzial ist, das wir in uns haben? Schaue ich mir die Entscheidungen an, die viele Menschen treffen – Entscheidungen, die eher durch Trivialitäten beeinflusst werden als durch ewige Wahrheiten – scheint die Antwort „Nein” zu sein.

Wir haben in diesem Leben alle mit Prüfungen und Versuchungen zu kämpfen. Schwierigkeiten sind ein wesentlicher Teil von Wachstum und einer der Hauptgründe, weshalb wir hier sind, ist es zu wachsen. Ob wir durch diese Herausforderungen wachsen oder schrumpfen, hängt davon ab, inwiefern wir verstehen, wer wir wirklich sind. Wir sind Söhne und Töchter Gottes mit unbegrenztem Potenzial und uneingeschränktem Zugang zu seiner Hilfe. Satan und seine Anhänger werden alles dafür tun, um diese Wahrheit zu verschleiern.

Ab und zu haben wir vielleicht das Gefühl, dass es mehr ist, als wir ertragen können und dass es niemals aufhören wird. Aber er kennt unsere Fähigkeiten und lässt zu, dass wir so viel Fortschritt machen, wie es nur möglich ist. Er ließ Petrus so lange auf dem Wasser laufen, wie er konnte, bevor er seiner Bitte um Hilfe nachkam und seine Hand nach ihm ausstreckte. Genauso gibt er uns die Kraft, so weit zu gehen wie wir können, und reicht uns dann seine Hand und fängt uns auf.

Als ich für die Arbeit im Pazifik zuständig war, trat eine schwierige Situation auf, die nur ein reifes Ehepaar lösen konnte. Ein glaubenstreuer Mann und seine Frau wurden mir vorgeschlagen. Beim Treffen mit ihnen war ich hocherfreut, dass sie nicht nur willig, sondern sogar begeistert davon waren, die Berufung anzunehmen. Ich spürte, dass sie ein tiefes Verständnis davon hatten, wer sie waren, wem sie dienten, was er von ihnen erwartete und dass er ihnen helfen würde.

Pazifik Ehepaar Familie Glaube

Ich dankte ihnen für ihren Glauben, diese schwierige Aufgabe anzunehmen, und bat sie, mir von ihrem Glauben zu erzählen. Der Ehemann erzählte von einer Begebenheit, die sich zugetragen hatte, als er 12 Jahre alt war und die sein ganzes weiteres Leben geprägt hatte.

Im frühen 20. Jahrhundert hatte sich seine Familie der Kirche auf Hawaii angeschlossen. Sie waren glaubenstreue Mitglieder und nach zwei Jahren erhielten er und sein Vater das Priestertum. Die Familie gedieh und genoss die Gemeinschaft des kleinen Zweiges. Sie freuten sich sehr darauf, im nahezu fertiggestellten Tempel in Laie, Hawaii, für die Ewigkeit als Familie aneinander gesiegelt zu werden.

Dann, wie es so oft passiert, kamen die Prüfungen. Eine seiner Schwestern erkrankte an einer unbekannten Krankheit und wurde ins Krankenhaus gebracht. Zu dieser Zeit waren die Menschen auf Hawaii sehr misstrauisch gegenüber unbekannten Krankheiten, weil eine Seuche großen Schaden auf der Inselgruppe angerichtet hatte.

Die besorgte Familie ging am Sonntag zur Kirche und hoffte, Stärke und Verständnis durch die anderen Mitglieder des Zweigs zu erhalten. Der Sohn und sein Vater waren beauftragt, an diesem Sonntag das Abendmahl zu segnen und auszuteilen. Sie brachen andächtig das Brot, während die Versammelten das Abendmahlslied sangen. Als das Lied zu Ende war, wollte sich der Vater hinknien, um das Abendmahlsgebet zu sprechen. Plötzlich bemerkte der Zweigpräsident, wer am Abendmahlstisch amtierte, und sprang auf. Er richtete seinen Finger auf den Vater und rief: „Stopp! Sie dürfen das Abendmahl nicht anfassen. Ihre Tochter ist krank und wir könnten durch Sie krank werden. Verschwinden Sie auf der Stelle. Jemand anderes wird neues Brot vorbereiten. Sie können hier nicht bleiben. Gehen Sie!“

Abendmahl im Weltall

Der bestürzte Vater stand langsam auf. Er sah den Zweigpräsidenten an, dann die Versammelten. Er spürte die Angst, Anspannung und Verlegenheit aller, sammelte seine Familie und verließ mit ihr leise die Kapelle.

Sie sprachen kein Wort auf dem staubigen Weg zu ihrem kleinen Heim. Der junge Sohn bemerkte die geballten Fäuste seines Vaters. Zu Hause angekommen, setzten sich alle im Kreis auf den Boden und der Vater sagte: „Wir werden alle still sein, bis ich bereit bin zu sprechen.“

Viele Gedanken schwirrten dem Jungen durch den Kopf. Er sah seinen Vater verschiedene Arten finden, sich zu rächen. Würden sie die Schweine des Zweigpräsidenten töten? Sein Haus niederbrennen? Aufhören zur Kirche zu gehen? Oder sich vielleicht einer anderen Kirche anschließen? Ungeduldig wartete er darauf, was sein Vater beschließen würde.

Fünf Minuten, zehn Minuten, fünfzehn Minuten – kein Laut. Er sah seinen Vater an. Dessen Augen waren geschlossen, die Lippen zusammengepresst, die Fäuste geballt – doch kein Ton. Zwanzig Minuten, fünfundzwanzig – immer noch nichts. Dann bemerkte er, wie sich die Hände des Vaters etwas entspannten und seine Lippen leicht bebten. Dann vernahm er ein kaum hörbares Schluchzen. Er blickte seinen Vater an und sah, wie ihm Tränen über die Wangen liefen. Bald bemerkte er, dass auch seine Mutter weinte, dann ein Kind, dann ein weiteres und schließlich die ganze Familie.

Schließlich öffnete der Vater die Augen, räusperte sich und verkündete: „Ich bin nun bereit zu sprechen. Hört gut zu.“ Er drehte sich langsam zu seiner Frau und sagte gefühlvoll: „Ich habe dich lieb.“ Dann wandte er sich jedem Kind zu und sagte: „Ich habe dich lieb. Ich habe euch alle sehr lieb und ich möchte, dass wir für immer als Familie zusammen sein können. Das ist nur möglich, wenn wir alle gute Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage sind und durch sein heiliges Priestertum im Tempel gesiegelt werden. Wir wissen, wer wir sind und was von uns erwartet wird.

Laie Hawaii Tempel

Dies ist nicht die Kirche des Zweigpräsidenten. Es ist die Kirche Jesu Christi. Wir werden nicht zulassen, dass ein Mensch oder Gefühle von Schmerz, Scham oder Stolz uns davon abhalten, uns aktiv im Reich Gottes auf der Erde zu beteiligen. Nächsten Sonntag werden wir wieder in die Kirche gehen. Wir werden unter uns bleiben, bis die Krankheit unserer Tochter diagnostiziert ist. Andere Menschen mögen uns ansehen, wie sie wollen, und über uns reden, was immer sie wollen, aber wir werden zurück gehen.“

Er wusste, wo er Hilfe finden konnte. Durch sein aufrichtiges Gebet bestätigte ihm der Geist erneut, wer er war, wer jedes Mitglied seiner Familie war und was die ewige Bestimmung ihrer Familie sein konnte. Derselbe Geist berührte seine ganze Familie, besonders seinen 12-jährigen Sohn.

Die Gesundheitsprobleme der Schwester konnten schließlich behoben werden und die Familie ging in den Tempel. Durch das Beispiel der Eltern blieben die Kinder glaubenstreu und wurden mit ihren eigenen Familien im Tempel gesiegelt. Aufgrund der Entscheidung eines Mannes sind nun hunderte Personen aktive Mitglieder der Kirche und preisen Vater, Mutter, Großeltern und Urgroßeltern glücklich, weil diese aufrichtig gebetet haben, ihre Augen auf die Ewigkeit gerichtet hielten und sich daran erinnerten, wer sie waren und welches Potenzial in ihnen lag.

Versuchen wir, uns zu entscheiden, wie wir uns unseren Herausforderungen stellen, sollten wir uns die Frage stellen: „Ist es das, was ich mit meinem Geburtsrecht anfangen möchte?” Verkauft euer wertvolles Geburtsrecht nicht gegen Brot und ein Linsengericht (vgl. Genesis 25: 39-34). Haltet an ihm fest, pflegt es. Ganz gleich, wie schwer eure Herausforderungen sein mögen, garantiere ich euch, dass es das wert sein wird! Die Prüfungen und Versuchungen, die wir alle erfahren, werden uns so viel leichter fallen, wenn wir wissen, wer wir sind.

Oft scheinen die Trugschlüsse der Welt reizvoll, und die Herausforderung, auf dem engen Pfad zu bleiben, sehr schwierig. Und selbst wenn die Wege der Welt manchmal „einfach” scheinen, ist die Konsequenz am Ende immer Kummer. Die Entscheidung für den Herrn, selbst dann, wenn es vielleicht schwerer scheint, ist immer der beste und glücklichste Pfad. Präsident Thomas S. Monson ermutigt uns: „Mögen wir stets das Rechte wählen, auch wenn es schwieriger ist, statt das Falsche, selbst wenn das einfacher ist.”

Was Eltern in der Erziehung überraschend falsch machen

Wie schaffen wir das? Für mich gibt es drei einfache Schritte, die uns sofort helfen können:

Nehmt euch immer die Zeit, den Herrn um Hilfe zu bitten (wie es der Vater aus Hawaii tat). Geht in euch und geht sicher, dass was ihr zu tun im Begriff seid, mit den Lehren der Kirche, den heiligen Schriften und eurer wahren Identität als Sohn bzw. Tochter Gottes übereinstimmt.

– Nehmt am Abendmahl teil. Manchmal fragen wir uns vielleicht, ob wir dazu würdig sind. Wenn mir diese Frage gestellt wurde, habe ich gelehrt, dass jedes Mitglied, das sich verbessern oder umkehren und näher zum Erlöser kommen möchte, würdig ist und vom Abendmahl nehmen sollte (außer wenn einem Mitglied wegen einer Übertretung etwas anderes durch das Priestertum gesagt wurde). Wenn ihr davon nehmt und um Führung bittet, könnt ihr den Geist Gottes vernehmen, der euch Führung und Ermutigung einflüstert.

Richtet euren Blick immer auf den Tempel. Besucht ihn so oft wie möglich und lauscht den Einflüsterungen, wenn ihr über ewige Wahrheiten nachdenkt – Wahrheiten wie die Dinge, die dort auf so wunderschöne Weise gelehrt werden, über unsere wahre Herkunft und Zukunft.

Ich weiß, dass Gott uns helfen möchte, wenn wir ihn aufrichtig darum bitten und bereit sind, seinen Eingebungen Folge zu leisten. Denkt daran, dass er wahrscheinlich mehr als wir selbst möchte, dass wir Erfolg haben. Er hat mit der ganzen Schöpfung in uns investiert. Er weiß, wer wir sind und wird uns helfen, uns an diese Wahrheit zu erinnern und sie zu verstehen. Er wird uns seine Hilfe dabei zusichern unser Schicksal zu erfüllen, ein Teil einer ewigen Familie zu werden. Unser königliches Geburtsrecht ist so viel mehr wert, als wir begreifen können. Lasst uns mit all unserer Macht daran festhalten.


John H. Groberg ist eine emeritierte Generalautorität. Seine Mission auf Tonga diente als Inspiration für den Disneyfilm „The Other Side of Heaven”.

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich am 8.8.18  auf ldsliving.com unter dem Titel „After Being Asked to Leave Sacrament Meeting, LDS Dad Teaches His Children an Unforgettable Lesson” veröffentlicht. Der Autor ist John H. Groberg. Auszug aus „Eternity Is Now”. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.

German ©2018 LDS Living, A Division of Deseret Book Company | English ©2018 LDS Living, A Division of Deseret Book Company

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