Es scheint, als ob bei jeder Vorbereitung einer Ansprache oder Klasse immer wir diejenigen seien, die von allen am meisten lernen. Selbst die Themen einer Generalkonferenz scheinen perfekt auf uns zugeschnitten zu sein. Und das trifft auch auf mich heute zu. Ich habe mich diesem Thema mit einem bestimmten Ergebnis vor Augen genähert. Doch ich stolperte über einen riesigen Korpus an wissenschaftlichen Studien, der mich in eine ganz andere Richtung lenkte. Einiges von dem, was ich herausfand, wusste ich bereits. Anderes hingegen öffnete mir die Augen.

Egal, ob Ihre Kinder bereits erwachsen sind – so wie meine -, oder ob Sie ein Neuling bei den herausfordernden Aufgaben einer Elternschaft sind, beachten Sie die folgenden sieben Schritte dazu, wie man wirklich die besten Ergebnisse bei der Erziehung von verantwortungsvollen Kindern erzielt:

Erstens: Leben Sie Verantwortungsbewusstsein vor.

Zeigen Sie Ihren Kindern was es heißt, etwas zu Ende zu bringen und keine halben Sachen zu machen. Weisen Sie gezielt darauf hin, wenn Sie Ihre Pflichten erfüllen. Sagen Sie:

„Ich habe zugestimmt, Bruder Owens zurückzurufen, also ist es meine Pflicht, das auch zu tun und deswegen werde ich es machen.”

Für uns Erwachsene klingt das selbstverständlich, aber Kinder müssen dies explizit erkennen und ausgeführt sehen. Es lehrt sie, dass man sich verantwortungsvoll im Leben verhalten sollte.

„Ich habe zugestimmt, die PV-Klasse zu geben und daher liegt es in meiner Verantwortung, die Klasse vorzubereiten.”

Selbst sehr junge Kinder werden die Bedeutung des Wortes  „Verantwortung” verstehen, wenn Sie es in einem Satz verwenden und Ihre Kinder sehen können, was es bedeutet.

Zweitens: Belohnen Sie Ihre Kinder,

wenn diese Verantwortung übernehmen, ohne vorher daran erinnert zu werden.

Zu sehen ist ein kleines Mädchen, das vor seiner schwangeren Mutter steht, zu dieser aufschaut und ihre Ahnd hält.

„Du solltest deine Anziehsachen für morgen rauslegen und ich sehe, dass du das auch getan hast – gut gemacht!” Oder „Dein Lehrer hat dir die Aufgabe gegeben, dieses Arbeitsblatt zu bearbeiten und das hast du getan – gute Arbeit!”

Das hilft den Kindern, eine intrinsische Motivation und die Art von Disziplin zu entwickeln, die sie eigenständig und selbstbewusst macht. 

Drittens: Helfen Sie Ihren Kindern, die negativen Konsequenzen zu sehen,

die daraus resultieren, dass sie etwas nicht zu Ende gebracht haben. Besprechen Sie, wie es hätte besser laufen können und welche Vorschläge das Kind hat, um beim nächsten Mal anders zu handeln.

Sehen Sie sich selbst mehr als Trainer anstatt als Peitschenschwinger und denjenigen, der die Strafen verteilt.

Viertens: Kämpfen Sie sich durch Erschöpfung.

Um verantwortungsvolle Kinder großzuziehen müssen wir auch dann, wenn wir erschöpft sind, stark bleiben. Auf diesem Bild sieht man einen linken Arm, der digital so bearbeitet wurde, dass es aussieht, als habe er ein Batteriefach, in welches die rechte Hand eine Batterie einsetzen möchte.

Wenn wir erschöpft sind, tendieren wir dazu, nicht die besten uns bekannten Erziehungsmethoden anzuwenden und wir vermasseln es oft. Wir sehen unser Kind kurz vor dem Abendessen mit einem Keks an uns vorbeirennen und uns fehlt einfach die Energie, darauf bestimmt und dennoch voller Liebe zu reagieren. Wir flippen aus. Oder wir ignorieren es einfach und denken, dieses eine Mal kann ja nicht schaden. Aber dieses eine Mal schadet. Die Kinder lernen schnell, dass Mama und Papa eine Sache sagen, aber eine andere Sache tun und ihr Wort nicht halten.

Es scheint so irrelevant, aber so etwas kann die späteren Beziehungen ihrer Kinder beeinflussen, weil es sie davon abhält, Verpflichtungen einzugehen und zu halten (vorausgesetzt, Sie haben den Kindern vorher erklärt, was von ihnen erwartet wird).

Kinder werden kein Vertrauen und keinen Sinn für Moral entwickeln, wenn sich die Regeln ständig ändern.

Sie werden schnell lernen, zu lügen und falsches Verhalten zu rechtfertigen. Kontinuität könnte wahrhaft einer der schwierigsten Aspekte der Elternschaft sein.

Fünftens: Treten Sie nicht in die Konkurrenz-Falle.

Eltern, die alles dafür tun, um ihren Kindern zu Topnoten zu verhelfen, damit diese an den besten Universitäten angenommen werden, geben sich oft der Versuchung anheim, alles zu tun, um dieses Ziel zu erreichen – koste es, was es wolle. Und manchmal – wie man in den Nachrichten sehen kann – beinhaltet das auch Betrügen, Bestechen und das Fälschen von Zeugnissen und anderen Dokumenten. Abscheulich. Das ist nicht nur unehrlich.

Es wirft unvorbereitete Kinder in harte Studiengänge, in denen diese durchfallen und sich wie Versager fühlen. Sie werden sich eventuell in Jobs wiederfinden, für die sie nicht qualifiziert sind.

Und wie würden Sie sich in einem Operationssaal mit einem Chirurgen von dieser Schule fühlen? Oder in einem Flugzeug mit einem Piloten, der sich seinen Weg in das Cockpit erschlichen hat? Wir alle zahlen den Preis für diese Art der Täuschung.

Eine der schlimmsten Konsequenzen ist, dass solche Kinder oft in ihrer Ehe scheitern, weil ihnen immer alles zugeflogen kam und sie vor allem Unbehagen und Anstrengungen beschützt wurden. Sie haben nie gelernt, Widrigkeiten durchzustehen und ohne Mama und Papa an ihrer Seite, die ihnen zu Hilfe eilen, geraten sie ins Stolpern.

Zu sehen ist ein etwa dreijähriger Junge, der scheinbar mit seinem Korb voller Ostereier gestolpert ist.

 

Sechstens: Überdenken Sie Ihre Strafen.

Anstatt sich zusammenhangslose Konsequenzen auszudenken, beobachten Sie lieber, ob die natürlichen Konsequenzen nicht bereits ausreichen.

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass Kinder, die regelmäßig bestraft werden, in Wahrheit prozentual eine geringere Wahrscheinlichkeit aufweisen, moralisch gute Entscheidungen zu treffen.

Das liegt daran, dass sie sich auf die eigenen Strafen konzentrieren und nicht darauf, wie ihr Verhalten vielleicht anderen geschadet hat. Es macht Kinder weniger empathisch und mehr egozentrisch.

Eine Studie hat gezeigt, dass Siebtklässler, deren Eltern sie unter Nutzung von Strafen erzogen haben, zu denen auch Auszeiten gehörten, moralisch weniger entwickelt waren als ihre Altersgenossen. Sie hatten gelernt, starre Regeln zu befolgen, ohne ein Verständnis dafür, wieso diese Regeln so bedeutsam waren. Experten haben herausgefunden, dass bestrafte Kinder mehr schlechtes Verhalten zeigen, nicht weniger. Und es stimmt auch nicht, dass Kinder, die sich schlecht verhalten, häufiger bestraft werden, sondern dass Kinder, die bestraft werden, sich häufiger schlecht verhalten.

Strafen können des Weiteren dazu beitragen, dass ein Kind sich als von Grund auf schlecht sieht, dazu verdammt, immer schlechte Entscheidungen zu treffen. Es kann dazu führen, dass ein Kind petzt, lügt und andere beschuldigt, um einer Strafe zu entgehen, anstatt sich wirklich um bessere Lösungswege Gedanken zu machen und eine höhere Motivation zu entwickeln, das Richtige zu tun.

Es muss nicht extra erwähnt werden, dass Kinder schnell lernen, dass große und starke Menschen kleinere Menschen schlecht behandeln dürfen, was zu ihrem eigenen Missbrauch von Macht führen kann. Es zerstört auch das hochwichtige Gefühl der Verbundenheit mit uns (den Eltern), von dem wir wollen, dass unsere Kinder es haben.

Manchmal denken wir, dass eine Strafe berechtigt ist. Dabei lernt das Kind aber nur, dass Sie, die Autoritätsperson, derjenige/diejenige sind, die es dazu zwingt, sich zu benehmen, anstatt dass es Verantwortung für seine eigenen Entscheidungen übernimmt. Wir möchten viel lieber, dass unsere Kinder das Richtige wählen, weil sie verstehen, dass es das Richtige ist und nicht aus Furcht, richtig?

Siebtens: Lieben Sie Ihre Kinder.

Das bedeutet nicht, ein Schwächling zu sein oder alle Erwartungen fallen zu lassen, in der Hoffnung, Ihren Kindern das Leben leicht zu machen. Es bedeutet, den Kindern Grenzen zu setzen und Regeln zu geben, die mit Mitgefühl und Fürsorge durchgesetzt werden. Wenn wir Liebe zeigen, bewahren wir die Verbundenheit zu uns, die unsere Kinder fühlen sollen. Wir klären sie geduldig über die Gründe für gutes Verhalten und die großartigen Dinge, die daraus resultieren, auf. Wir leiten sie zu Erfolgserlebnissen. 

Wie Elder James E. Faust einmal sagte:

„In diesem Leben müssen wir viele Entscheidungen treffen… Die Entscheidungen, die wir treffen, bestimmen indessen in einem großen Ausmaß unser Glück oder unser Unglück, weil wir mit den Konsequenzen unserer Entscheidungen leben müssen.”

Entscheidungsfreiheit und Verantwortungspflicht sind miteinander verwoben und Kinder, die dies in ihren Heimen lernen, haben eine größere Chance, auch überall sonst im Leben erfolgreich zu sein.


Joni Hilton

Hiltons neuestes Werk “A Little Christmas Prayer” ist dazu bestimmt, ein Weihnachtsklassiker zu werden. Diese Geschichte vermittelt einem jeden Leser, welcher Religion er/sie auch immer angehören mag, das Wunder der Dankbarkeit. All ihre Bücher und “Youtube Mom”-Videos können auf ihrer Webseite gefunden werden. Sie arbeitet derzeit als Expertin für Interreligiosität in der Öffentlichkeitsarbeit.

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich am 18.9.19  auf latterdaysaintmag.com unter dem Titel „7 Ways to Raise Responsible Kids”  veröffentlicht. Autorin ist Joni Hilton. Übersetzt von Urs Wrenger.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: kommzuchristus.org und kirche-jesu-christi.org.

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