„Wie Kernfamilien, können auch Patchwork-Familien innerhalb und außerhalb der Kirche erfolgreich, voller Liebe und einig sein.” (Elder Robert E. Wells, “Uniting Blended Families,” Ensign, August 1997).

Obwohl sie immer häufiger vorkommen, werden Stieffamilien (bzw. Patchwork-Familien) innerhalb der Kirche oft missverstanden. Klassische Familien sehen sie möglicherweise als unnormal an. Gutmeinente „Vorausdenker” nehmen manchmal fälschlicherweise an, dass Patchwork-Familien „sobald sich der Staub erst einmal gelegt hat”, das gleiche sind wie Familien, die aus erster Ehe der beiden Partner entstanden sind. Forschung und Erfahrung zeigen jedoch, dass „die Vorstellung, dass die Stieffamilie der ursprünglichen Familie entsprechen muss, fehlerhaft ist. Eine Stieffamilie ist eine Alternative, keine Abweichung”. (Scott Browning, “Why Not Traditional Family Therapy,” Generations Conference, Salt Lake City, February 2014). Woran viele nicht denken ist, dass der Erlöser selbst Teil einer Patchwork-Familie war – Josef war sein Stiefvater.

Ich bin Mitglied zweier Stieffamilien: Mein Vater heiratete nach dem Tod meiner Mutter noch ein weiteres Mal und meine Frau hat einen Sohn aus erster Ehe. Meiner Erfahrung nach haben Patchwork-Familien mit all den Herausforderungen einer Familie aus erster Ehe zu kämpfen, erleben aber auch Herausforderungen, die einmalig auf ihre Situation zutreffen. Große Einigkeit, Zuneigung und Freude sind aber ebenso möglich. Im Folgenden werden Schlüssel für glückliche Stieffamilien genannt, die, wenn auch vielleicht nicht auf jede Situation anwendbar, so vielen Stieffamilien geholfen haben, dass sie es wert sind, in Erwägung gezogen zu werden.

Schlüssel zum Erfolg für Patchwork-Familien

1. Übereilt es nicht

Patchwork-Familien entstehen normalerweise nach einem schmerzhaften Ereignis (z.B. Scheidung, Tod). Übereilt den Heilungsprozess nicht bzw. versucht nicht Familienmitglieder dazu zu zwingen, so zu tun, als ob alles in Ordnung wäre. Sie zu zwingen, einen neuen Lebensstil anzunehmen und neue Familienmitglieder zu akzeptieren, kann zum Gegenteil führen. Natürlich muss respektloses Verhalten nicht toleriert werden, es ist aber wichtig, anzuerkennen, dass ein Familienmitglied komplexe Emotionen erlebt, während sich eine Stieffamilie bildet.

2. Verwerft die ursprüngliche Familie nicht einfach

Dr. Scott Browning, ein führender Forscher im Bereich Stieffamilien, erklärt, dass „es nicht notwendig ist, eine Familie zu zerstören, um eine neue aufzubauen. Unter dem Schirm einer Stieffamilie kann es mehrere Familien geben. Dies zu akzeptieren führt tatsächlich dazu, dass Spannungen abgebaut werden”. Es ist gut für die unterschiedlichen Familien, ein paar Traditionen beizubehalten und „alleine” Zeit miteinander zu verbringen.

3. Der biologische Elternteil sollte der hauptsächliche Erzieher sein, zumindest am Anfang

Als Stiefeltern hat man meist alle Hände voll damit zu tun, von den Kindern akzeptiert zu werden. Die Erwartung, dass dieser Elternteil dann dafür sorgt, dass Konsequenzen durchgesetzt werden, wird hauptsächlich zu Abneigung von Seiten der Kinder führen. Der biologische Elternteil muss seine Verantwortung wahrnehmen und den Kindern klarmachen, dass der Partner ebenso Autorität hat, die vom Vater bzw. der Mutter übertragen wurde.

4. Definiert die „Hausregeln” gemeinsam, vorzugsweise als Stieffamilie

Regeln, die aus der ersten Ehe stammen, werden von der Patchwork-Familie oft überarbeitet bzw. aufgegeben, was zu Verwirrung und einem Gefühl der Instabilität führt. Gemeinsam zu entscheiden, welche Regeln beibehalten werden, aufgegeben und geändert, hilft, Klarheit und Einigkeit in Patchwork-Familien zu bringen.

5. Regeln für die gemeinsame Elternschaft mit den Ex-Partnern aufstellen

Fast jeder, der gemeinsam mit einem Ex-Partner Eltern ist, kann über das Chaos erzählen, das daraus entsteht, dass Kinder völlig unterschiedliche Erwartungen und Regeln in den unterschiedlichen Haushalten haben. Es ist notwendig, zu einer Einigung zu kommen. Je nach Beziehung gelingt dies manchen Ex-Partnern leicht, anderen nicht. Letzteren kann beispielsweise ein Mediator oder fähiger Familientherapeut helfen, Erwartungen und Grenzen für die gemeinsame Elternschaft festzulegen; dabei sollte feststehen, dass es bei der Therapie darum geht, sich darauf zu konzentrieren, was das Beste für die Kinder ist, nicht darum, „schmutzige Wäsche zu waschen”.

6. Lasst die Kinder selbst entscheiden, wie sie den Stiefelternteil bezeichnen

Manche Kinder lehnen es ab, jemanden, mit dem sie nicht verwandt sind, als Mutter, Vater, Schwester oder Bruder zu bezeichnen, während andere das gerne tun. Gebt ihnen nicht vor, was sie zu tun haben; es gibt schon genug anderes, worüber sie keine Kontrolle haben. Darum sollte dies ihre Entscheidung sein. Zum Beispiel habe ich, als unsere erste Tochter auf die Welt kam, meinen Stiefsohn gefragt, ob er mich wie sie „Papa” nennen wolle oder lieber Jono (mein Spitzname). Er hat eine tolle Beziehung zu seinem biologischen Vater, daher überraschte es mich auch nicht, als er antwortete, dass sein Papa weiterhin sein Papa sein solle und sein Jono sein Jono.

Natürlich gibt es noch viel mehr. Das Thema ist viel zu komplex, um es in einem Artikel zu behandeln. Aber ich bin guter Hoffnung, dass diese Schlüssel helfen werden!


Jonathan Decker

Jonathan Decker arbeitet als lizenzierter Ehe- und Familientherapeut und klinischer Leiter von „Your Family Expert” (Dein Familien-Experte). Er bietet Menschen auf der ganzen Welt Beziehungs-Seminare über das Internet an, außerdem persönliche Sitzungen in den Vereinigten Staaten. Jonathan hat Vorträge bei der Brigham-Young-University-Education-Woche und auf regionalen Konferenzen in Arizona, Utah und Nevada gehalten. Er ist verheiratet und hat fünf Kinder. Kontaktinformationen für eine Kontaktaufnahme auf Englisch sind auf yourfamilyexpert zu finden. Er bietet auf Facebook eine Gruppe an, auf der es täglich (englischsprachige) Beziehungstipps gibt.

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich am 17.5.19  auf ldsliving.com unter dem Titel „Latter-day Saint Therapist: 6 Ways Blended Families Can Thrive” veröffentlicht. Der Autor ist Jonathan Decker. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: kommzuchristus.org und kirche-jesu-christi.org.

German ©2019 LDS Living, A Division of Deseret Book Company | English ©2019 LDS Living, A Division of Deseret Book Company

Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte: Wie eine Witwe und ein Witwer eine Familie von 13 Personen gründeten

Das tägliche Geheimnis einer guten Ehe

Beeindruckende und tröstliche Aussagen über kinderlose Paare