Ein Blick zurück – und nach vorn

Hast du dich schon einmal gefragt, wie das Leben für Frauen in der Zeit des Alten Testaments und des Buches Mormon wirklich aussah? Wenn wir die alten Schriften lesen, hören wir oft viel über Propheten, Könige und andere Männer. Aber was war mit den Frauen – wie lebten sie, welche Aufgaben hatten sie, und warum waren sie so wichtig?

In diesem Beitrag nehmen wir dich mit in die Welt von Saria, der Frau von Lehi, und anderen Frauen seiner Familie. Wir schauen uns an, wie sie lebten, arbeiteten und ihren Glauben lebten – und was wir daraus heute noch lernen können.

Saria und Lehi stehen am Meer und freuen sich darüber, dass Gott sie an diesen Ort geführt hat.
Foto: Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

Eine Männerwelt – und doch unentbehrlich

Zur Zeit von Lehi, etwa 600 v. Chr., war die Welt in vielen Bereichen von Männern geprägt: Öffentliche Aufgaben, Politik und religiöse Ämter lagen fast immer in Männerhand. Die Texte der Bibel und des Buches Mormon erzählen meist von Männern und ihren Taten. Aber das bedeutet nicht, dass Frauen unwichtig waren. Im Gegenteil: Im privaten Bereich, im Haushalt und in der Familie, waren Frauen das Rückgrat des Überlebens und der Weitergabe von Glauben und Kultur.

Auch wenn die Namen der Frauen in den heiligen Schriften oft nur kurz erwähnt werden, haben sie im Hintergrund viel mehr bewirkt, als man denkt. Ihre Geschichten zeigen, wie wichtig Frauen in jeder Generation waren – auch heute.

Heirat und Familie – das Fundament des Lebens

Im alten Israel war die wichtigste Aufgabe einer Frau die Heirat. Schon als Kind bereitete man sie darauf vor, eines Tages Ehefrau und Mutter zu werden. Ab etwa zwölf oder vierzehn Jahren konnte eine Frau heiraten.

Die Entscheidung über die Ehe wurde meistens nicht von der Frau selbst getroffen, sondern von ihrem Vater oder einem anderen männlichen Verwandten. Oft war die Heirat nicht nur eine persönliche Entscheidung, sondern auch eine Verbindung zwischen Familien, die das soziale Netz stärkten.

Nach der Heirat zog die Frau in das Haus ihres Mannes oder seines Vaters. Dort musste sie sich in eine große Familie einfügen – mit Eltern, Geschwistern, Schwägerinnen, manchmal sogar Großeltern. Ihr Platz in dieser Gemeinschaft war nicht selbstverständlich. Doch eine Frau konnte Ansehen und Sicherheit gewinnen, wenn sie Kinder bekam und so die Familie weiterführte.

Lehi und Saria sitzen mit der Familie beim Essen.
Foto: Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

Saria – eine Frau mit Mut und Glauben

Saria, die Frau von Lehi, ist ein Beispiel für die stille, aber bedeutende Rolle der Frauen. Sie wird im Buch Mormon nur in wenigen Versen erwähnt, aber jedes Mal zeigt sich ihre große Bedeutung.

Saria stammte vermutlich aus einer wohlhabenden Familie in Jerusalem. Dort lebte sie in einem Haus, das Lehi entweder geerbt oder durch seine Arbeit erworben hatte. Doch alles änderte sich, als Lehi von Gott den Auftrag bekam, Jerusalem zu verlassen. Saria ließ ihr sicheres Zuhause hinter sich und folgte ihrem Mann in die Wildnis.

Dieser Schritt war alles andere als einfach: kein festes Dach über dem Kopf, keine bekannten Straßen – nur der Glaube, dass Gott ihre Familie führen würde.

Lehi flieht mit seiner Familie von Jerusalem in die Wildnis. Hier sind er und seine Frau Saria mit bepackten Kamelen zu sehen.
Foto: Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

Der Alltag: Arbeit von früh bis spät

Das Leben der Frauen in Lehis Familie war von harter Arbeit geprägt. Sie standen früh auf und gingen erst spät zur Ruhe. Ihre Aufgaben waren vielfältig:

  • Essen zubereiten: Korn reinigen, mahlen, Brot backen
  • Wasser holen und Feuerholz sammeln
  • Kleidung herstellen: Wolle und Flachs spinnen, Stoffe weben, nähen
  • Kinder pflegen und erziehen

Auch religiöse Rituale waren Teil ihres Alltags. Frauen wie Saria lebten ihren Glauben nicht nur im Gebet, sondern auch durch ihr tägliches Tun. Sie waren das Herz der Familie – ohne sie hätte die Gemeinschaft nicht überlebt.

Frauen als Lehrerinnen des Glaubens

Frauen hatten nicht nur die Aufgabe, den Haushalt zu führen. Sie waren auch die ersten Lehrer ihrer Kinder – besonders im Glauben. In der Bibel heißt es:

„Mein Sohn, halte dich an die Weisungen deines Vaters! Vergiss nicht, was deine Mutter dich gelehrt hat!“ (Sprüche 6:20).

Kinder lernten von ihren Müttern, wie man betet, wie man die Gebote Gottes hält und was es bedeutet, nach Gottes Willen zu leben.

Nephi beschreibt selbst, dass er von „guten Eltern“ unterwiesen wurde (1 Nephi 1:1). Dabei ist klar: Auch Saria hatte einen großen Anteil daran, dass Nephi und seine Brüder den Glauben und das Wissen ihrer Familie annahmen.

Saria lehnt ihren Kopf an die Schulter ihres Mannes, Lehi. Sie sehen glücklich aus.
Foto: Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

Kinder – ein Zeichen des Segens

Kinder waren im alten Israel und im Buch Mormon nicht nur eine Freude, sondern auch eine Absicherung. Wer Kinder hatte, galt als besonders gesegnet. Kinderlosigkeit dagegen war ein schwerer Schicksalsschlag.

Saria hatte mindestens sechs Söhne und zwei Töchter. Das zeigt, wie sehr Gott sie gesegnet hatte. Besonders beeindruckend ist der Bericht von Nephi, dass Frauen in der Wüste sogar unter den schwierigsten Umständen Kinder zur Welt brachten:

„… unsere Frauen gebaren Kinder in der Wildnis. Und so großen Segen schüttete der Herr über uns aus, dass unsere Frauen ihre Kinder reichlich säugen konnten und stark waren, ja, sogar wie die Männer“ (1 Nephi 17:1–2).

Saria umarmt ihren Sohn Sam, nachdem sie dachte, er sei nicht mehr am Leben.
Foto: Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

Ein Zeugnis des Glaubens – Sarias Stimme

Einer der ergreifendsten Momente im Buch Mormon ist Sarias eigenes Zeugnis. Als ihre Söhne von einer gefährlichen Reise zurückkehrten, sagte sie voller Überzeugung:

„Nun weiß ich mit Bestimmtheit, dass der Herr meinem Ehemann geboten hat, in die Wildnis zu fliehen; ja, und ich weiß auch mit Bestimmtheit, dass der Herr meine Söhne beschützt  … hat“ (1 Nephi 5:8).

Diese Worte zeigen nicht nur ihre Liebe als Mutter, sondern auch ihren festen Glauben. Ihre Stimme ist ein starkes Beispiel dafür, wie Frauen ihre Familien im Glauben stärken – auch wenn sie oft nicht im Rampenlicht stehen.

Saria steht hier, leicht lächelnd.
Foto: Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

Frauen – stille Heldinnen

Das Buch Mormon erzählt viel von Männern, die große Taten vollbringen. Aber es sind auch die Frauen, die im Hintergrund wirken und den Glauben weitertragen. Nephi lobt ausdrücklich die Frauen in seiner Familie und nennt sie „stark, ja, sogar wie die Männer“ (1 Nephi 17:2). Sie haben die Last der Wanderung und die Gefahren mitgetragen, ohne sich zu beklagen, was ihn zu beeindrucken schien.

Auch Sarias Töchter und die Töchter von Ischmael spielten eine wichtige Rolle. Als es Streit gab und Nephi in Gefahr geriet, verteidigten sie ihn und bewahrten so den Frieden:

„eine der Töchter Ischmaels, ja, und auch ihre Mutter sowie einer von den Söhnen Ischmaels setzten sich bei meinen Brüdern für mich ein” (1 Nephi 7:19).

Was wir heute von ihnen lernen können

Die Geschichten von Saria und den anderen Frauen in Lehis Familie sind mehr als nur alte Erzählungen. Sie zeigen uns:

– Frauen sind das Herz jeder Familie – damals wie heute.

– Familien brauchen Frauen und Männer, die für das einstehen, was sie glauben und es weitergeben.

– Frauen können und müssen manchmal über sich hinauswachsen. Auch das gehört zum Plan unseres Himmlischen Vaters. Das Sühnopfer Jesu Christi ermöglicht dies.

– Ihre Arbeit, ihr Glaube und ihre Liebe halten Familien zusammen.

– Auch in schwierigen Zeiten können wir auf Gott vertrauen und füreinander da sein.

Diese Frauen haben nicht nur ihre eigene Familie gestützt, sondern auch ein neues Volk Gottes mitbegründet. Ihr Beispiel kann uns heute Mut machen, in unserem eigenen Leben für unsere Lieben da zu sein – mit Liebe, Glauben und Ausdauer.

Saria führt einen Teil der Familie durch die Wildnis.
Foto: Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage

Warum das auch heute wichtig ist

Auch wenn die Schriften von einer Männerwelt erzählen, ist es wichtig, dass wir uns damit beschäftigen. Und auch wenn wir manchmal zwischen den Zeilen lesen müssen, sind die Worte Gottes, die wir in der Heiligen Schrift finden, auch an uns Frauen gerichtet. Wir dürfen nie vergessen: Wir sind wichtig dort wo wir sind: im Beruf, in unserem Freundeskreis, in unserer Gemeinde und Familie. Diese Frauen haben vielleicht im Hintergrund gewirkt, aber ohne sie hätte es keinen Nephi, keinen Lehi und kein neues Volk in der verheißenen Erde gegeben. Wir können dabei helfen, die Erinnerung an sie wiederzubeleben und aufrecht zu erhalten.

Ihre Stärke, ihr Glaube und ihre Liebe machen sie zu Vorbildern für uns alle – in jeder Zeit.

Schau dir ruhig einmal die Geschichten von anderen starken Frauen in der Bibel an – wie Ruth, Esther oder Miriam. Du wirst sehen: Frauen haben schon immer Geschichte geschrieben!

Quelle: ScriptureCentral

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