Genealogie – zu jeder Tageszeit und auf der ganzen Welt verstreut, investieren Tausende Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage zahllose Stunden in die Beschaffung von Unmengen an Informationen über ihre Vorfahren. Für Mormonen ist Ahnenforschung ein weltbewegender Akt der Nächstenliebe.

 

„Wie kämen sonst einige dazu, sich für die Toten taufen zu lassen? Wenn Tote gar nicht auferweckt werden, warum lässt man sich dann taufen für sie?“

1 Korinther 15:29

 

Ahnenforschung macht unglaublich viel Spaß! Hat man erst einmal damit angefangen, vergehen die Stunden wie im Fluge und ehe man sichs versieht, sind ganze Tage vergangen. Dabei ist es völlig egal, ob man sich im Renten- oder im Schulalter befindet, Männlein oder Weiblein ist oder sogar, welche Sprache man spricht. Anfängliche Skeptiker werden oft nur gutmütig belächelt, denn so haben wir alle damals angefangen.

Mormonen betreiben in Salt Lake City das weltweit größte genealogische Archiv mit annähernd einer Million Besuchern jedes Jahr. Man findet dort über zwei Milliarden Einträge mit Aufzeichnungen aus über 100 Ländern – von kirchlichen Urkunden aus England aus dem 14. Jahrhundert bis hin zu mündlichen Überlieferungen aus Afrika. Auf der ganzen Welt gibt es 4500 genealogische Forschungsstellen, die von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage gesponsert und unterhalten werden. Für so viel Aufwand gibt es allerdings auch einen guten Grund. Um diesen Grund ausreichend zu beleuchten, müssen wir eine kurze Rundreise in die Heilige Schrift unternehmen.

Warum die Mormonen fieberhaft Ahnenforschung betreiben

Die Bücherei für Familiengeschichte in Salt Lake City beherbergt die größte genealogische Sammlung der Welt.

Die Wichtigkeit der Familie im Erlösungsplan

Mormonen glauben, dass Familien über Generationen hinweg miteinander verknüpft sind. Dafür gibt es in der Heiligen Schrift zahlreiche Anhaltspunkte.

Die Bibel definiert die Beziehung zwischen Gott und Mann und Frau eindeutig: „Doch im Herrn gibt es weder die Frau ohne den Mann noch den Mann ohne die Frau“ (1. Korinther 11:11).

Die Lehre des Evangeliums schließt ein, dass Mann und Frau über den Tod hinaus verheiratet bleiben können. Eine Offenbarung an den Propheten Joseph Smith bezüglich des Lebens nach der Auferstehung lautet wie folgt: „In der celestialen Herrlichkeit gibt es drei Himmel oder Grade, und um den höchsten zu erlangen, muss man in diese Ordnung des Priestertums, nämlich den neuen und immerwährenden Bund der Ehe, eintreten“ (LuB 130:1,2).

Schon im Neuen Testament wurden die verschiedenen Grade der Herrlichkeit nach der Auferstehung erwähnt: „[Es gibt] Himmelskörper und irdische Körper. Die Schönheit der Himmelskörper ist anders als die der irdischen Körper. Der Glanz der Sonne ist anders als der Glanz des Mondes, anders als der Glanz der Sterne; denn auch die Gestirne unterscheiden sich durch ihren Glanz. So ist es auch mit der Auferstehung der Toten […] (1. Korinther 15:40-42). Um die Ehe, und damit den Bestand der Familie, auch über den Tod hinaus zu gewährleisten und für die rechtschaffenen Gläubigen zur Verfügung zu stellen, sprach der Herr Jesus Christus zu Simon Petrus (und später auch zu anderen seiner Jünger): „Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein“ (Matthäus 16:19). Nachdem ein Mann und eine Frau diesen immerwährenden Bund mit Hilfe der Schlüssel des Himmelreichs eingegangen sind, lässt sich folgende wiederkehrende Betonung auf ihre Beziehung anwenden: „Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen“ (Markus 10:6-9). Dieses heilige Bündnis können treue Mitglieder der Kirche nur an einem Altar im Tempel Gottes im Beisein eines ordinierten Sieglers eingehen. Die Vollmacht eines jeden Sieglers, einen Mann und eine Frau zu „binden“, kann vollständig zu den Händen des Propheten Elijas zurückverfolgt werden, der am 3. April 1836 dem Propheten Joseph Smith und anderen im Kirtland Tempel erschien und ihnen diese Vollmacht im Namen des Herrn übertrug.

Warum die Mormonen fieberhaft Ahnenforschung betreiben

In der Veröffentlichung „Die Familie – eine Proklamation an die Welt“ verkünden die Erste Präsidentschaft und das Kollegium der Zwölf Apostel, „dass die Ehe zwischen Mann und Frau von Gott verordnet ist und dass die Familie im Plan des Schöpfers für die ewige Bestimmung seiner Kinder im Mittelpunkt steht“. Wenn ein Mann und eine Frau im Tempel heiraten, kann ihre Familie für immer zusammen sein. Dies ist das Ziel aller Heiligen der Letzten Tage.

Neben der Beziehung zwischen Mann und Frau spielt der gesamte Familienverbund in Gottes Plan eine gewichtige Rolle. Zum Beispiel warnte Mose das Volk Israel, dass „[Gott] die Schuld der Väter an den Söhnen und Enkeln, bis in die dritte und vierte Generation [verfolgt]“ (Exodus 34:7). Nun vermag Gott aber auch denjenigen, der seine Gebote hält, reichlich zu segnen. So spricht der Herr zu Isaak: „Denn dir und deinen Nachkommen gebe ich alle diese Länder und erfülle den Eid, den ich deinem Vater Abraham geleistet habe. Ich mache deine Nachkommen zahlreich wie die Sterne am Himmel und gebe ihnen alle diese Länder. Mit deinen Nachkommen werden alle Völker der Erde sich segnen, weil Abraham auf meinen Ruf gehört [hat]“ (Genesis 26:3-5).

A portrait of a family standing together on a bridge.

Selbst nachdem die Zeit kommt, da wir aus diesem Leben scheiden, werden wir in unsere Familienverbünde zurückkehren, wie es Präsident Joseph F. Smith im Jahre 1918 in einer Vision der Geisterwelt sah, die in Lehre und Bündnisse 138:38-40 aufgezeichnet ist: „Unter den Großen und Mächtigen, die in dieser riesigen Versammlung der Rechtschaffenen versammelt waren, befanden sich Vater Adam, der Alte der Tage und Vater aller, und unsere herrliche Mutter Eva mit vielen ihrer getreuen Töchter, die in den verschiedenen Zeitaltern gelebt und den wahren und lebendigen Gott angebetet hatten. Abel, der erste Märtyrer, war da, auch sein Bruder Set, einer der Mächtigen, der das genaue Abbild seines Vaters Adam war.“ Dabei bemerken wir, dass Präsident Smith nur diejenigen versammelt sah, die „den wahren und lebendigen Gott angebetet hatten“.

Das Priestertum ermöglicht uns, Gottes Gebote zu befolgen

Die Wichtigkeit, den Geboten Gottes Folge zu leisten, lässt sich auch an der Lehre erahnen, die wir wenige Kapitel früher finden, und die bereits erwähnt wurde. Um sie uns in Erinnerung zu rufen und weil wir nun einen anderen Teil der Verse besprechen, sei sie hier noch einmal in vollständiger Form aufgeschrieben:

„In der celestialen Herrlichkeit gibt es drei Himmel oder Grade, und um den höchsten zu erlangen, muss man in diese Ordnung des Priestertums [nämlich den neuen und immerwährenden Bund der Ehe] eintreten; und wenn jemand das nicht tut, so kann er ihn nicht erlangen. Er kann in einen anderen eingehen, aber das ist das Ende seines Reiches; er kann keine Vermehrung haben.“

LuB 131:1-4

Wir lernen hier, dass der neue und immerwährende Bund der Ehe eine Ordnung des Priestertums ist. Andere Bündnisse zwischen Gott und dem Menschen, die durch das Priestertum vermittelt werden, schließen z.B. die Taufe und die Erneuerung des Taufbundes während des wöchentlichen Abendmahls sowie die Spendung der Gabe des Heiligen Geistes ein.

Warum die Mormonen fieberhaft Ahnenforschung betreiben

Dank des Priestertums ist es uns möglich heilige Bündnisse mit unserem Himmlischen Vater zu schliessen, die uns darauf vorbereiten einmal so zu werden wie er. “Und die erste Frucht der Umkehr ist die Taufe; und die Taufe kommt aus dem Glauben, um die Gebote zu erfüllen; und die Erfüllung der Gebote bringt Sündenvergebung” – Moroni 8:25

Das Priestertum ist zuallererst die Macht und Vollmacht Gottes. Es bestand von Anfang an und wird in alle Ewigkeit bestehen (siehe Alma 13:7,8; LuB 84:17,18). Durch das Priestertum erschuf Gott Himmel und Erde und herrscht über alle seine Werke. Durch seine Macht ermöglicht er den beständigen Fortschritt seiner gehorsamen Kinder und bringt so „die Unsterblichkeit und das ewige Leben des Menschen“ zustande (Mose 1:39).

Zweitens ist das Priestertum hier auf Erden die Macht und Vollmacht, die Gott den Menschen gibt, damit sie alles tun können, was für die Errettung seiner Kinder notwendig ist. Die vollständigen Segnungen des Priestertums sind allen zugänglich, die das Evangelium durch die Taufe annehmen und sich durch ihre persönliche Würdigkeit für das Eingehen weiterer Bündnisse empfehlen. Das Priestertum Gottes ist nur in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage zu finden, da es mit dem Ableben der Jünger des Herrn von der Erde genommen wurde und erst im Mai 1829 durch von Gott gesandte Boten wiederhergestellt wurde (Joseph Smith − Lebensgeschichte 1:68-72). So erging Gottes Wort an den Propheten Joseph Smith:

„Denn ich habe dir die Schlüssel sowie die Macht des Priestertums übertragen, wodurch ich alles wiederherstelle und dir alles zur gegebenen Zeit kundtue.“

LuB 132:45

In der Folgezeit ergingen viele Offenbarungen an den Propheten, die zur vollständigen Wiederherstellung des Evangeliums Jesu Christi beitrugen.

Der stellvertretende Dienst für die Verstorbenen

Da nicht jeder Mensch während seines Lebens auf der Erde die Möglichkeit hatte, das Evangelium anzunehmen und die ewigen Bündnisse zu empfangen, die das Priestertum vermittelt, werden die für die Erhöhung in die höchste Herrlichkeit notwendigen Verordnungen stellvertretend für sie von glaubenstreuen Mitgliedern der Kirche in gottgeweihten Tempeln durchgeführt. So können die Taufe und die heilige Ehe vor Gott denjenigen gültig gemacht werden, die sich durch ihren Lebenswandel darauf vorbereitet haben. Das Gesetz Gottes erfordert die Taufe im Fleische und kann nur auf dieser Erde erfüllt werden. Während bereits verschiedene Geistkinder Gottes, die auf Erden nicht die Möglichkeit zur Taufe hatten, im Himmel über Gottes Plan belehrt werden, arbeiten wir fieberhaft daran ihnen die Taufe zu ermöglichen. Bereits im Neuen Testament erwähnte Paulus die stellvertretende Totentaufe (1. Korintherbrief 15:29). Nun, da das Priestertum für die Kinder Gottes auf Erden wiederhergestellt ist, kann unter anderem diese Verordnung wieder vollführt werden.

Stellvertretende Errettung ist kein seltenes Prinzip in Gottes Plan. Selbst als der Herr Jesus Christus am Kreuz für uns starb, das Sühnopfer vollendete und die Sünden der Welt auf sich nahm, so tat er diesen Dienst stellvertretend für die ganze Menschheit. Seine Vollkommenheit ermöglichte ihm zu tun, was wir nicht zu tun vermochten.

Jesus Christus Ahnenforschung betreiben

Er hat den Tisch für uns gedeckt. Er war das fehlerfreie Lamm (Exodus 12:5), dem es möglich war die Welt von ihren Sünden zu erlösen. Durch ihn können wir und unsere Familien auf unserer ewigen Reise Fortschritt machen. Der Entschluss, sein Opfer anzunehmen, liegt ganz allein bei uns.

Die Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage sind zutiefst dankbar für die Segnungen des Priestertums und drücken ihre Dankbarkeit und Ehrfurcht gegenüber Gott darin aus, diese Segnungen für so viele von Gottes Kindern wie möglich verfügbar zu machen, indem sie Ahnenforschung betreiben und in den Tempel gehen und stellvertretend an den heiligen Verordnungen teilnehmen. Das also ist die Antwort auf die Frage, warum Mormonen so viel Zeit mit der Familienforschung verbringen. Wenn Sie jetzt neugierig geworden sind, dann entdecken Sie FamilySearch.org doch einfach selbst und sehen sich ihren eigenen Stammbaum an!


Dieser Artikel wurde von Jan Cziesla verfasst.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) lernen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.