Wir als Familie haben uns entschieden etwas zu tun, was die meisten Menschen für ziemlich seltsam halten.

Wir lassen uns für Verstorbene taufen.

Nein, wir sind keine Grabräuber, und wir schleppen auch keine Toten zu einem Taufbecken oder zu einem lokalen See. Wir mögen seltsam wirken…. aber wir sind nicht so seltsam.

Wenn wir ehrlich sind, hat jeder Mensch Rituale, die jemand mit einem anderen Hintergrund seltsam finden könnte. Für einen Katholiken ist die Kommunion nicht seltsam, aber vor der Statue eines Mannes zu knien, der an einem Kreuz hängt, während sich die Oblate und der Wein angeblich in Fleisch und Blut verwandeln, könnte jemandem mit anderem kulturellem Hintergrund merkwürdig vorkommen.

Ist es nicht interessant, was wir aufgrund unseres Hintergrundes und unserer Weltanschauung für normal oder akzeptabel halten?

Ein bisschen Hintergrundwissen darüber, warum wir uns für Verstorbene taufen lassen, wird erklären, warum wir uns so schick machen und als Familie in einen Tempel gehen, um diese Verordnungen auszuführen, und warum uns dies so wichtig ist.

Die meisten Menschen sind sich bewusst, dass Mitglieder unserer Kirche große Genealogie- Nerds sind. Aber gleichzeitig wissen die wenigsten, warum wir uns eigentlich so sehr für Genealogie interessieren.

Der Grund ist einfach. Es geht um einige sehr klare Bibelverse und die Verbindung zwischen diesen wenigen wichtigen Versen.

Im Neuen Testament wird Jesus eine wichtige Frage gestellt. Die Frage dreht sich darum, was wir tun müssen, um in den Himmel zu gelangen.

Er nennt ein paar einfache Bedingungen:

Zuerst, sagt er, müsse man an seinen Namen glauben.

Dann, dass man umkehren muss. Das heißt…. man muss sich verbessern und Gott zeigen, dass man es versucht.

Und schließlich sagt er, dass man sich taufen lassen müsse.

Ganz einfach, oder?

Eigentlich nicht. Es gibt Milliarden von Menschen, die nie die Gelegenheit haben und nie die Gelegenheit haben werden, den Namen Jesu Christi zu hören, geschweige denn umzukehren und sich taufen zu lassen.

Die überwiegende Mehrheit der bibelgläubigen Christen hat also diese unglücklichen Seelen historisch als für immer verstoßen und für alle Ewigkeit in der Hölle leben müssend bezeichnet.

Ich denke, dass sich die Vorstellung im Christentum zu ändern beginnt, aber dennoch war das die historische Prognose.

Und hier kommt die Taufe für die Verstorbenen ins Spiel. Wir tun dies, weil wir den Wunsch haben Menschen zu helfen, die nie die Möglichkeit hatten, von Christus zu erfahren und sich taufen zu lassen.

Wir denken uns diese Praxis nicht einfach aus. Es ist auch nichts, was nur in meiner Kirche zu finden wäre.

Es ist bekannt, dass antike katholische Basiliken Wandmalereien an den Kellerwänden mit dem Spruch „baptismo de morte” oder „Taufe der Toten” haben.

Sie erhielten ihre Lehren wahrscheinlich von den frühchristlichen Führern, die von den Aposteln und Mitgliedern der Siebziger belehrt wurden.

Der Apostel Paulus anerkannte diese Praxis in einer Predigt, die er den Korinthern über die Auferstehung gab. (1. Kor 15:29)

Petrus selbst lehrte, dass das Evangelium denen, die tot sind, gelehrt werden würde (1. Petrus 4:6), in der Geisterwelt und unter der persönlichen Leitung Christi. (1. Petrus 3:19)

Wenn wir also zu unseren Tempeln gehen, bedeutet das für uns viel mehr als nur von unseren Vorfahren fasziniert zu sein. Wir betrachten es als direkten Dienst für unsere Vorfahren, dass wir etwas für sie tun, was sie nicht selbst tun können.

Im wahrsten Sinne des Wortes opfern wir unsere Zeit dafür, eine „stellvertretende” Arbeit für unsere Familie und verstorbene Freunde zu leisten.

Christus hat jedem von uns einen Weg bereitet, durch den wir nicht nur errettet werden…. sondern durch den jeder von uns mit ihm zusammen auch an diesem Errettungsprozess teilnehmen kann. Anstatt alles selbst zu machen und uns zu untätigen Beobachtern zu machen, bittet er uns um Hilfe.

Das macht einen meisterhaften Lehrer aus – er bindet die Schüler in den Prozess ein.

All dies hilft uns zu verstehen, warum Johannes in den letzten Tagen Menschen in Weiß sah, die Gott im Tempel „Tag und Nacht” dienten. (Offenbarung 7:13-17)

Der Tempel ist der Ort, an dem sich unsere Herzen unseren Vorfahren zuwenden. Hier vereinen wir unsere Wurzeln und unsere Zweige. Das Alte Testament endete buchstäblich mit der Verheißung, dass Christus kommen wird, um die Erlösung zu ermöglichen und dass er danach Elia senden würde, damit die Erlösung jedem, der nicht die Gelegenheit hatte Christus kennenzulernen, fair und gleichberechtigt angeboten werden kann.

Es ergibt für mich so viel Sinn…..

Und doch behaupten viele, dies sei bloß Zeitverschwendung. Das ist in Ordnung. Ich respektiere deren Meinung voll und ganz, denn ich würde es wahrscheinlich selbst für wirklich seltsam halten, wenn ich die Gründe dafür nicht kennengelernt hätte.

Es gibt viele „sinnlose” Tätigkeiten, mit denen Menschen ihre Zeit verbringen. Man kann sich z. B. Fußball oder eine Netflix-Serie anschauen, an der man eigentlich gar nicht interessiert ist. Man tut es trotzdem, weil es gerade nichts Besseres gibt; ziellos im Internet surfen; an einer Bar sitzen und trinken; Youtube-Videos ansehen; Clash of Clan, Halo oder Fortnite spielen: Die Liste könnte endlos weitergehen.

Es ist kein Geheimnis, dass Menschen dazu neigen, einen Großteil der produktiven Stunden ihres Tages zu verschwenden…. und ich nehme mich davon nicht aus.

Wenn wir aber die Möglichkeit nutzen in den Tempel zu gehen, ist es für uns eine Sache, die uns als Familie einander näherbringt. Es ist etwas, von dem wir wirklich glauben, dass wir es tun, um anderen zu dienen. Und es ist etwas, das unsere Kinder lehrt ihre Zeit zu opfern, um anderen zu dienen, ohne dafür ein Dankeschön zu erhalten.

Für uns…. ist es eine sinnvoll verbrachte Zeit und wir hoffen, dass wir auf dieser Erde und auf der anderen Seite des Schleiers etwas Gutes tun.


Dieser Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich auf www.gregtrimble.com unter dem Titel „Why We Choose To Do Baptisms For The Dead” veröffentlicht. Der Autor ist Greg Trimble. Übersetzt von Janine Windhausen.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: churchofjesuschrist.org und kirche-jesu-christi.org.

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