Fazit aus 36 Generalkonferenzen

5 Tipps wie ich das Meiste aus der Konferenz herausholen kann

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Wenn ich zurückblicke auf die mindestens 36 Generalkonferenzen bei denen ich zuhören oder sogar live dabei sein konnte, dann erinnere ich mich an Konferenzen, die besonders hängen blieben und unglaublich tolle Erlebnisse waren, aber auch an Konferenzen, bei denen es im Nachhinein keinen Unterschied gemacht hätte, ob ich dabei gewesen war oder zu Hause geblieben wäre. Der Unterschied hatte weniger mit dem Format der Konferenzen zu tun, als mit mir selbst. Meine persönliche Vorbereitung auf das Konferenz-Wochenende und die individuellen Sessionen war das worauf es ankam. Rückblickend habe ich ein paar nützliche Tipps für mich selbst aufgestellt, in der Hoffnung, dass sie auch anderen nutzen werden.

Halb-unbequem sitzen

Ich kann mich zum Beispiel an eine Konferenz erinnern, die ich in den USA im Fernsehen sah und während der ich mit Jogginghose in einem riesigen Sitzkissen vergraben, fast zwei Sessionen verschlief. Dementsprechend habe ich wenig mitbekommen und war in der Folge deutlich weniger erbaut. Während es wichtig ist, dass man bequem genug sitzt, um ungestört zuhören zu können, kann man definitiv auch über das Ziel hinausschießen.

Gleich und gleich gesellt sich gern – der Heilige Geist ist immer gut angezogen

Darüber hinaus kann ich mich an eine Priestertumsversammlung erinnern, die ich zu Hause in Deutschland an einem kleinen Laptop sah. Auch wenn ein 50 Zoll-Bildschirm in der Regel mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht, genügte mir ein 8 Zoll-Bildschirm zu einem sehr besonderen Erlebnis. Wenn ich zurückdenke, hatte ich mir, obwohl ich zu Hause und es draußen schon dunkel war, Hemd und Krawatte angezogen, um den besonderen Stellenwert der Konferenz zu reflektieren. Es war eine Entscheidung, die ich nicht bereut habe. Ich muss dabei an das Weihnachten meiner Kindheit denken. Auch wenn wir am Heiligen Abend oft zu Hause waren, so mussten wir uns immer schick anziehen. Nicht nur sind die Fotos am Ende schöner gewesen, sondern die Erinnerungen tragen auch heute noch eine Feierlichkeit mit sich, die näher ist an Andacht und Heiligkeit, als an Vergnügen und Ausgelassenheit. Elder Melvin J. Ballard (1873-1939) hat einmal gesagt: „Der Heilige Geist ist der empfindlichste Geist den ich kenne.“ So habe ich ihn auch kennengelernt. Wenn ich durch mein Erscheinungsbild Lässigkeit und Ungezwungenheit ausgedrückt habe, hat er sich selten zu mir gesetzt.

Auf Empfang gehen

Fazit aus 36 Generalkonferenzen

Zwei andere Konferenzen sind mir in besonderer Erinnerung geblieben weil ich die Möglichkeit hatte, im Conference Center in Salt Lake City live dabei zu sein. „Dabei ist alles“ war in dieser Hinsicht aber nicht ausschlaggebend, denn beide Erlebnisse unterschieden sich massiv voneinander. Beim ersten Erlebnis hatte ich während der Woche zuvor mehrere Tempel besucht und mich gebeterfüllt und voller Erwartung vorbereitet. Die anschließende Konferenz war für mich ein heiliges Erlebnis. Die Worte der Sprecher drangen tief in mich hinein und ich behielt sie dort für eine lange Zeit.

Die zweite Erinnerung ist ein wenig anders. Mitten aus einer stressigen Woche heraus, fuhr ich zur Konferenz und hörte auf der Fahrt laute Musik im Radio. Die Nacht zuvor war ich spät im Bett gewesen, dementsprechend war ich spät dran und hatte am Morgen nicht oder nur kurz gebetet. Im Konferenz-Zentrum zu sitzen und dem Mormon Tabernacle Chor zu lauschen, war dieses Mal ein innerlich totes Erlebnis. Ob ich dort gewesen war oder nicht, machte für mich persönlich dieses Mal keinen Unterschied.

Wie wir unser Radio einstellen, ist von großer Wichtigkeit. Wenn ich mir während der Woche mehr Zeit für geistige Dinge genommen hätte, dann wäre der richtige Sender schon in der Voreinstellung gewesen. Stattdessen saß ich zwei Stunden lang im Konferenz-Zentrum und versuchte vergebens auf Empfang zu gehen – doch diesmal empfing ich nichts.

Wer schneller läuft als er kann, fällt auf die Nase

Fazit 3: Wer zu schnell läuft, fällt auf die Nase

Normalerweise habe ich bei der Konferenz immer ein besonderes Notizbuch dabei. Dabei habe ich über die Jahre festgestellt, dass Notizen nicht alle gleich viel wert sind. Im Oktober 2014 bat Präsident Monson dafür, dass unsere Herzen während der Konferenz berührt werden mögen, nannte aber als Voraussetzung, dass wir richtig zuhören müssten. Bei einigen Konferenzen war ich so ins Notizenschreiben vertieft, dass ich keine Zeit hatte, um wirklich mit dem Herzen zuzuhören. Ich habe gelernt, dass wenn ich übereifrig alles aufschreibe, ich Gefahr laufe die Dinge zu verpassen, die für mich persönlich besonders wichtig sind. Um persönliche Offenbarung zu empfangen, habe ich gelernt, ist es oft wichtiger mit dem Herzen zuzuhören, als mit dem Kopf. Manchmal hatte ich nach der Konferenz 10 Seiten vollgeschrieben und ging mit dem festen Entschluss in die darauffolgende Woche jeden Ratschlag umzusetzen und von nun an vollkommen zu sein. Da ich bis heute noch nicht entrückt worden bin, lief es meistens nur darauf hinaus, dass ich mir kurzzeitig perfektionistische Gewohnheiten aneignete.

Wenn wir etwas in die europäische Geschichte zurückblicken, dann finden wir in den vergangenen knapp 200 Jahren genügend Beispiele, aus denen wir lernen können, dass wenn einer zu viele Schlachten gleichzeitig schlägt, er irgendwann alle verliert. Da wir mittlerweile die Konferenzansprachen schon ein bis zwei Tage später im Internet nachlesen können, hat es mir sehr geholfen, mich bei jedem Sprecher auf zwei bis drei themenbezogene Stichworte zu reduzieren und auf die eine Ansprache zu warten, die ich besonders hören musste. Diese Ansprache kam jedes Mal. Ich suchte mir eine Sache heraus die ich verbessern wollte und konzentrierte mich bis zur nächsten Konferenz darauf, nur gegen diesen einen Feind in den Krieg zu ziehen. Meine Erfolgschancen stiegen rasant an.

Geistige Ausdauer entwickeln

Am Ende eines besonders anspruchsvollen Semesters freute ich mich auf die Konferenz, aber bereits nach der ersten Session fühlte ich mich geistig völlig erschöpft. Das Gefühl erinnerte mich daran, einen alten abgenutzten Schraubenkopf mit einem zu kleinen Kreuzschraubenzieher zu drehen. Irgendwann war die Schraube drin, aber der Kraftaufwand war ungewöhnlich unproportional. Nach der Versammlung musste ich erst einmal die Bundesliga-Ergebnisse checken gehen, um die schwindelnden geistigen Höhen meines inneren Zustands irgendwie auszubalancieren. Während der restlichen Konferenz war ich nur wenig aufnahmefähig. Rückblickend hatte ich mich in den Wochen zuvor in einem geistigen Energie-Sparmodus befunden und war es gar nicht mehr gewöhnt mit Vollgas im höchsten Gang zu fahren.

Ein anderes Mal waren die drei Konferenz-Sessionen, die am Sonntag in Deutschland in den Gemeindehäusern übertragen wurden, zum Ende gekommen, aber innerlich dürstete ich noch nach mehr. Ich bat meinen müden Vater auch die Session zwischen zehn Uhr abends und Mitternacht sehen zu dürfen. Ob er einwilligte oder nicht weiß ich nicht mehr, aber es spielt auch eigentlich keine Rolle, denn obwohl ich an diesem Sonntag schon 6 Stunden lang das Evangelium gepredigt bekommen hatte, war meine Tankkapazität noch nicht ausgelastet. Diese Erinnerung stammt aus einer Zeit zu der ich die Gewohnheit hatte, jeden Abend etwa eine halbe Stunde in den Heiligen Schriften zu lesen. Oft wurde aus dieser halben Stunde eine ganze Stunde oder sogar mehr. Ich habe daraus gelernt, dass wir selbst in der Lage sind, unsere geistige Aufnahmefähigkeit und Ausdauer auszubilden.

Als der Prophet Joseph Smith und Sidney Rigdon in einer Vision die Offenbarung empfingen, die in Lehre und Bündnisse 76 aufgezeichnet ist, war Sidney deutlich anzumerken wie viel körperliche Anstrengung es ihn kostete. Als die Brüder Joseph darauf ansprachen, sagte er zu ihnen: „Sidney ist einfach nicht so daran gewöhnt wie ich es bin.“

Fazit

Diese und andere Erfahrungen haben mir gezeigt, dass nicht von heute auf morgen auf Knopfdruck die Himmel offen stehen, nur weil wieder die Generalkonferenz ins Haus steht. König Benjamin mahnte sein Volk vor seiner Rede „[nicht] leichtfertig [mit seinen Worten] umzugehen, sondern [auf ihn zu hören] und [ihre] Ohren zu öffnen, damit [sie hören], und [ihr] Herz, damit [sie verstehen], und [ihren] Sinn, damit die Geheimnisse Gottes vor [ihren] Augen entfaltet werden“ (Mosia 2:9). Vielleicht geht es nicht nur mir so, sondern wir alle lernen über die Jahre, dass wir durchaus Einfluss darauf haben, ob unsere Ohren und Herzen und unser Sinn offen sind, wenn es darauf ankommt.

Generalkonferenz macht Spaß!

 

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Dieser Artikel wurde von Johannes Zimmermann verfasst.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) lernen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.