Eine kleine Erinnerung in Zeiten des Coronavirus

Heute Morgen dachte ich über den bizarren und erschütternden Zustand der Welt nach, als die folgende Benachrichtigung des Kalenders auf dem Bildschirm meines Handys auftauchte:

“Glaube – fängt heute an”.

Ich habe keine Ahnung, wie “Glaube” in meinen Kalender eingetragen wurde. Aber das wurde er.

Ich lebe in Washington State. Menschen in meinem Staat und selbst in meinem eigenen Bezirk sind erkrankt. Die Schulen in unserer Umgebung wurden geschlossen. Das Seminar und kirchliche Veranstaltungen wurden abgesagt. Unser Tempel wurde geschlossen. Menschen drängen sich in unsere Lebensmittelgeschäfte. Niemand weiß, was die Zukunft bringt.

Es ist leicht, in dem ganzen Durcheinander den Überblick zu verlieren.

Doch trotz allem fängt der Glaube heute an. Das ist eine mysteriöse und liebe Erinnerung für mich, dass wir zu jeder Zeit Glauben brauchen. Wir brauchen ihn heute. Weil die Lage – um ehrlich zu sein – hier etwas beängstigend wird.

Glaube und Angst schließen einander nicht aus

Eine Person leuchtet mit einer Taschenlampe in einen Sternenhimmel. Der Strahl lecuhtet sehr. Auf der linken Seite des Bildes sieht man ganz leicht einen Teil der Silhouette von Jesus Christus. Angst und Glaube werden oft mit Dunkelheit und Licht verglichen, daher dieses Bild.

In den Heiligen Schriften lesen wir, dass

“Gott uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben [hat], sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit” (2 Timotheus 1:7).

Und der Herr selbst fordert uns unzählige Male auf, uns nicht zu fürchten, sondern Glauben zu haben (siehe Johannes 6:20 und Lehre und Bündnisse 68:6).

Aber das wirft die Frage auf:

“Wenn ich Angst habe, habe ich dann keinen Glauben?”

Ich habe schon gehört, wie gesagt wurde, Glaube und Angst könnten nicht zur selben Zeit am selben Ort existieren. Trotzdem kenne ich viele Menschen mit starkem Glauben, die im Angesicht dessen, was derzeit in ihrem Leben passiert, nervös werden oder gar Angst bekommen. Schließen sich Glaube und Angst gleichermaßen aus?

Heißt das, dass diejenigen, die sich fürchten, überhaupt keinen Glauben haben können?

Ich denke nicht, dass das der Fall ist.

Stellen Sie sich für einen Moment einen völlig dunklen Raum vor. Stellen Sie sich nun vor, wie eine Taschenlampe in der Mitte dieses Raumes angemacht wird und einen kräftigen Lichtstrahl an dessen Decke wirft. Innerhalb des Lichtstrahls existiert keine Dunkelheit. Es ist der eine Ort, an dem Licht und Dunkelheit nicht koexistieren können. Das Licht gewinnt.

Was aber geschieht mit dem Raum selbst? In dem Raum ist Dunkelheit – aber auch Licht von den Strahlen der Taschenlampe, mag es auch noch so klein sein. Dunkelheit und Licht existieren zur selben Zeit am selben Ort. Oder heißt das etwa, es gäbe dort überhaupt kein Licht?

Nein. Das heißt es nicht.

In der Weite unseres Verstandes und unseres Herzens liegen Unvollkommenheiten, Zweifel und ja, auch Angst. Wir sind Kinder, die die Ewigkeit nicht begreifen können und die in einer gefallenen Welt lernen, wie Gott zu werden.

Wie wir unsere Ängste überwinden können

Zu sehen ist ein Ausschnitt des Bildes "Peace Be Still des Künstlers Yongsung Kim. Es zeigt Jesus, der mit seinen Jüngern auf einem Boot ist und dem Sturm gebietet, zu verschwinden.

Art: Peace Be Still by Yongsung Kim

Der Herr wusste, dass wir Ängste haben würden. Das ist auch der Grund, warum Er uns so häufig tröstet. Weil Er weiß, dass Angst nicht im Radius eines vollkommenen Glaubens existieren kann – aber innerhalb der Unvollkommenheit unseres Verstandes und unseres Herzens schon. Er möchte, dass wir wissen, dass das Gefühl von Angst unseren Glauben nicht ausschließt.

Unsere Aufgabe – unser Gebot vom Herrn – ist es, diese Ängste nach und nach durch Glauben zu ersetzen.

Aber wie?

Zuerst müssen wir die Quelle der Angst erkennen. Präsident Gordon B. Hinckley riet uns zu

“erkennen, dass Angst nicht von Gott stammt, sondern vielmehr ein nagendes, destruktives Element ist, dass vom Widersacher aller Wahrheit und Rechtschaffenheit ausgeht.”

Als Nächstes müssen wir wählen, wohin wir blicken. Wohin wir blicken bestimmt wie – und ob – wir leben. Ein Prophet des Buches Mormon, Alma, lehrte seinen Sohn:

“[S]ieh zu, dass du auf Gott blickst und lebst” (Alma 37:47). Wenn wir unseren Blick von Gott lösen, entfernen wir uns von Ihm. Angst bringt unserem Glauben und unserer Seele den Tod. Aus diesem Grund sagte Präsident Hinckley, “Angst ist das Gegenteil von Glauben. Ihre Wirkung ist zerstörerisch, selbst tödlich.”

Satan möchte, dass wir unseren Blick vom Licht abwenden und uns in eine dunkle Ecke des Raumes kauern. Er nutzt Angst, um uns zu kontrollieren, um unseren Blick weg von Gott auf ihn zu richten. Der Erretter lädt uns ein,

“Blickt in jedem Gedanken auf mich; zweifelt nicht, fürchtet euch nicht” (Lehre und Bündnisse 6:36).

Er möchte, dass wir in dem Licht leben, das der Glaube uns schenkt.

Zuletzt müssen wir in dem Glauben, den wir gewählt haben, wandeln und weiter voranschreiten. Was bedeutet das in der heutigen Zeit? Es bedeutet, sich auf die eingegangenen Bündnisse zu konzentrieren, persönlich und als Familie zu beten, sich an den Worten der Heiligen Schriften durch das Studium des Komm und folge mir nach! Leitfadens zu weiden, Priestertumssegen in Anspruch zu nehmen und vieles mehr. Es bedeutet, unsere Ängste hinter uns zu lassen und Ihm zu folgen.

Wir müssen standhaft sein und immer und immer wieder aktiv den Glauben wählen, wenn die Angst wieder in unser Leben schleicht. In Markus finden wir eine interessante Stelle, die nirgendwo sonst niedergeschrieben wurde. Jesus führte seine Jünger nach Jerusalem und sie “hatten Angst” (Markus 10:32). Dies ereignete sich, nachdem diese Menschen bei der Bergpredigt um ihn herumgesessen hatten, nachdem sie Zeugen der Verklärung Jesu wurden und nur fünf Verse nachdem der Erretter sagte, “denn für Gott ist alles möglich”.

Der Strahl des Glaubens in ihren Leben war hell und trotzdem hatten sie Angst. Sie entschieden sich nichtsdestoweniger, Christus zu folgen – einen Schritt nach dem anderen. Ihr Glaube, nicht ihre Angst, leitete ihre Schritte.

Mit Gottes Hilfe im Glauben vorwärtsgehen

Vor wenigen Tagen sprach ich mit jemandem über Angst. Ich sagte, “Solange ich mich in meiner Angst noch vorwärts bewege, wird alles gut.” Ich denke, besser ausgedrückt wäre, sich im Glauben vorwärts zu bewegen. Elder Quentin L. Cook formulierte es so:

“Wenn wir den Beschluss fassen, Christus im Glauben zu folgen und nicht aus Furcht einen anderen Weg einschlagen, dann ergibt sich als Konsequenz ein Segen, der mit unserer Wahl im Einklang steht.”

Ja, wir leben in bedrohlichen Zeiten und wir wissen nicht, was auf uns zukommt. Wir haben vielleicht Angst, aber wir können dennoch Glauben haben. Wir haben die Kraft, die Quelle der Angst zu erkennen. Wir haben die Kraft, unseren Blick auf das Licht zu richten. Und wir haben die Kraft – mit der Hilfe Gottes – durch unsere wiederholten Entscheidungen in unserem Glauben zu wachsen.

Im Angesicht des Unbekannten entscheide ich mich für den Glauben, dass Gott uns in diesem Moment durch seinen Propheten führt und leitet. Ich entscheide mich für den Glauben, dass ich inmitten des Chaos Frieden finden kann. Ich entscheide mich dafür, mich auf das Licht zu konzentrieren und werde das auch weiter tun, bis es in meinem Innern keinen Platz mehr für Dunkelheit gibt. Ich habe mich in der Vergangenheit für den Glauben entschieden und meinem Kalender zufolge, fängt mein Glaube auch heute wieder an.

Titelbild: Save me – the Hand of God. by Yongsung Kim


Michelle Wilson ist Ehefrau, Mutter, Bestseller-Autorin und eine berühmte “Inspirational Speaker” der Heiligen der Letzten Tage. Sie spricht und schreibt für Frauen und Junge Damen – mit dem Ziel, diesen Zugang zu Selbstvertrauen, Friede und Freude zu verschaffen, indem sie ihre Beziehung zu sich selbst und zu Gott stärken. Sie ist die Autorin von “A Perfectly Imperfect Mom”, “The Beautiful Balance: Claiming Personal Control and Giving the Rest to God”, “Does this Insecurity Make Me Look Fat?” und ihres neuesten Buches “Leaning on Jesus: Strength for a Woman’s Heart”. Näheres können Sie unter MichelleWilsonWrites.com erfahren.

Der Beitrag “Schließen Glaube und Angst einander aus?” wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich am 14.03.2020 auf ldsliving.com unter dem Titel „Can Faith and Fear Coexist? A Simple Reminder in the Face of Coronavirus” veröffentlicht. Autorin ist Michelle Wilson. Übersetzt von Urs Wrenger.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: kommzuchristus.org und kirche-jesu-christi.org.

German ©2020 LDS Living, A Divison of Deseret Book Company | English ©2020 LDS Living, A Division of Deseret Book Company.

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