McArthur Krishna hatte nicht damit gerechnet, dort zu landen, wo sie heute ist. Ihr Weg dorthin war eher ungewöhnlich. McArthur lebt heute in einem ländlichen Teil Indiens, mehrere Stunden vom nächsten Gemeindehaus der Kirche Jesu Christi entfernt und ihr früheres Leben in Washington DC scheint eine andere Welt zu sein. Ihre ungewöhnlichen Erfahrungen haben ihr jedoch gezeigt, wie wichtig es ist, eine persönliche Beziehung zu Gott zu haben und Gottes Weg zu vertrauen. Daraus resultiere, wie sie sagte, ein Leben voller Licht und Freude. McArthur ist Mitverfasserin des Buches: Girls Who Choose God: Stories of Courageous Women from the Bible. (Mädchen, die sich für Gott entscheiden: Geschichten mutiger Frauen in der Bibel). Sie fühlt sich beispielsweise dadurch mit ihrem Glauben verbunden, dass sie über Frauen schreibt, die sich dazu entschließen, Gott zu folgen.

Sie haben sich von Ihrem alten Leben in Washington D. C. losgesagt, um nach Indien zu ziehen. Wie kam es dazu?

Vor ein paar Jahren lebte ich mein Leben. Ich wohnte in Washington und leitete eine eigene Firma. Ich war glücklich. Ich arbeitete in meinem Beruf. Ich ging sogar zu Veranstaltungen für Singles. Ich habe mir viel Mühe mit partnerschaftlichen Beziehungen gegeben, aber sie fühlten sich einfach nie ganz richtig an. Und es war in Ordnung. Ich führte ein Leben im Überfluss. Ich verbrachte viel Zeit mit Reisen und Wildwassertouren – mit zwei Dingen, die ich liebe. Ich lebte in einer tollen Gemeinschaft, einer großartigen Kirchengemeinde, und hatte eine enge Beziehung zu meiner Familie. Ich wurde geliebt und gebraucht. Ein paar meiner Neffen, die in der Nähe wohnten, waren meine wahre Liebe; Tante zu sein bereitete mir große Freude.

Meine Mutter zog mich manchmal damit auf, dass ich “zu glücklich” sei – dass ich keinen Grund hatte, zu heiraten. Und zum Teil hatte sie recht. Auf gar keinen Fall würde ich heiraten, nur um verheiratet zu sein. Ich war mit ein paar beeindruckenden, hochklassigen Männern ausgegangen und hatte daher sehr hohe Erwartungen, weil ich wusste, was möglich war. Manche Leute sagten mir, ich solle nicht so wählerisch sein und ich lachte darüber. Sollte der ewige Partner vielleicht nicht jemand sein, bei dem man wählerisch sein sollte?

Ich wusste trotzdem, dass ich vernünftig sein musste. Lächerliche Dinge wie die Haarfarbe oder dass er Klavierspieler oder was auch immer sei, waren mir nicht wichtig. Aber ich wollte wählerisch sein und einen Partner finden, mit dem ich eine ewige Beziehung auf gleichem Niveau eingehen konnte. Ich lebte mein Leben also mit meinen eigenen Prioritäten weiter und dachte mir, dass ich, wenn ich mit Freude an mir arbeiten würde, ich eines Tages jemanden finden würde, der zu mir passen würde.

 

Ihr Mann ist wichtig für ein Leben in Fülle mit Gott.

Foto von Jed Wells

 

Irgendwann fand ich mich auf einer TED-Konferenz (Anm. d. Ü.: Eine Konferenz, bei der sich Fachleute treffen, um Ideen beispielsweise zu Themen wie Technologie, Entertainment, Design, Business usw. auszutauschen.) in Indien wieder und traf einen Mann, der in einem ländlichen Teil Indiens lebte. Wir haben uns drei Stunden lang darüber unterhalten, wie wir die Welt sehen und wie man ein Leben in Fülle lebt – wie man mit beiden Beinen im Leben steht, um wirklich dazu beizutragen und trotzdem flexibel bleibt, um die Welt zu entdecken, die Gott uns gegeben hat. Er erzählte mir von seinem Dorf und irgendwie schickte das Universum etwas, das wie ein Schriftzug als Nachrichtenband in meinem Kopf ablief, auf dem es hieß: “Dies wird dein Leben.”

Normalerweise schickt mir das Universum keine solchen Botschaften. Ich war verblüfft und fragte das Universum dann sofort zurück, was es mit “dies” meinte – Indien? Diesen Ort? Diese Organisation? Diesen Mann? Es gab keine Klarstellung, und mir blieb nur, mich das selbst zu fragen. Nur eins war mir klar: dieser Mann ergab einfach keinen Sinn.

Zwei Jahre lang dachte ich, dass es keinen Sinn ergebe. Solange ich mich auf mein eigenes Verständnis und meine eigene Logik verließ, würde es auch nie Sinn ergeben. Seine Situation war nichts, für das ich mich freiwillig gemeldet hätte. Aber ich betete und wusste, dass ich mich auf dem rechten Weg befand. Ich bekam manchmal Angst und wich wieder zurück, aber immer wieder brachte mich ein Wunder zurück. Als ich darüber betete, ob ich ihn heiraten solle, hatte ich das ergreifendste Erlebnis, das ich jemals gehabt habe. Das war die deutlichste Antwort, die ich jemals erhalten hatte. Eine überwältigende Klarheit, die mich regelrecht nach Luft schnappen ließ.

Der ganze Prozess und die Antwort waren ein sehr rutschiger Weg … Vielleicht sogar gefährlich. Ich musste mir wirklich sicher sein, dass ich meiner Beziehung zu Gott vertrauen konnte, weil er mir sagte, dass ich jemanden heiraten sollte, der 1.) nicht die Art Person war, von der mir immer gesagt wurde, dass ich sie heiraten sollte und 2.) unter Umständen lebte, die für jeden Außenstehenden verrückt schienen. Ich fand es verrückt!

Auf meinem Weg wurde ich immer wieder durch Freunde und meine Familie gesegnet. Meine Gemeinde war nicht gerade eine besonders große Unterstützung. Dadurch wurde der ganze Prozess aber etwas einfacher. Einmal besuchte ich eine andere Gemeinde und eine Frau dort sagte zu mir: “Für dich ist das vielleicht in Ordnung, aber ich könnte mich nie mit einem Nichtmitglied zufrieden geben.” Ich zuckte etwas zusammen, aber das Gespräch ging weiter. Und dann dachte ich bei mir: “Moment! Es ist einfach nicht in Ordnung, das so stehenzulassen.”

Also erklärte ich meine Philosophie: Das Ziel unseres Lebens ist es, Gott ähnlicher zu werden, und das erreichen wir, indem wir Gott folgen. Und ich folgte wirklich Gottes Ratschlag, indem ich mich entschied, wen ich heiraten würde. Das war die verrückteste Entscheidung meines Lebens, aber es war völlig klar, dass es nicht etwas war, das ich tat, nur um etwas abzuhaken. Gottes Wegen zu folgen ist nie einfach nur ein Abhaken. Für mich nicht und für niemanden sonst!

 

McArthur Krishna lachend - Lachen gehört zu einem Leben in Fülle mit Gott

Foto von Amber McArthur

Das Ziel unseres Lebens ist es, Gott ähnlicher zu werden, und das erreichen wir, indem wir Gott folgen.

Irgendwann war ich sogar auf Gott wütend, wegen all des Durcheinanders, das durch diese Entscheidung entstand. Ich betete – in meinen Gebeten bin ich manchmal nicht besonders demütig, aber ich denke mir, dass Gott weiß, dass ich manchmal nicht sonderlich demütig bin, also kann ich auch einfach aufrichtig sein – und verlangte von ihm: “Warum ausgerechnet so? Ich habe versucht, ein gutes Leben zu führen, und trotzdem bin ich nun hier und es ist nicht schön. Warum hättest du nicht alles vorher in Ordnung bringen können und hättest es mir mit der Heirat einfach gemacht?”

Zurück kam ein Gefühl von Frieden und diese tief gehende Aussage: “Wenn ich den einfachen Weg gewählt hätte, hättest du am Ende nur ihn gehabt. So wie es lief, hast du nun ihn gewonnen und deine Beziehung zu mir vertieft.”

Das war eine sehr demütig stimmende Erfahrung. Für mich war das eine riesige Erkenntnis. Während der beiden Jahre, in denen ich versuchte, herauszufinden, wie ich den Weg mit diesem Mann gehen könne, war das Einzige, das ich tun konnte, um gewissermaßen ausgeglichen zu sein und mein Gleichgewicht  zu finden, mich auf Gott zu verlassen. Ich fastete ein Mal pro Woche, ich war verzweifelt, ich war gezwungen, demütig zu sein. Es ergab immer noch keinen Sinn. Aber Gott gab mir den Mut, es durchzuziehen.

Das half mir so viel in meinem jetzigen Leben. Ich habe gelernt, dass wenn man sich mit etwas scheinbar Ungerechtem konfrontiert fühlt, es eine Gelegenheit ist, sich zu entscheiden, seine Beziehung zu Gott zu stärken. Und ich habe einiges darüber gelernt, was es bedeutet, aus Gottes Blickwinkel zu sehen. Ich las eine Ansprache von Präsident Monson über das Treffen von Entscheidungen. Er sagte darin, dass wenn Gott einen bemühten Missionar braucht, er sich nicht einen seiner Befürworter aussuchte, sondern einen seiner Gegner – so wurde aus Saulus Paulus. Wir sehen die Welt meist nur, wie sie jetzt gerade zu sein scheint und nicht wie Gott sie sieht: was alles möglich ist. Diesen Weg zu gehen, zwang mich dazu, Gott zu vertrauen, wenn er sieht, wie etwas sein könnte, statt nur zu sehen, wie etwas ist.

Und in meinen Augen sind Gottes Wege ergiebiger. Ich dachte, ich müsste irgendwie vernünftig dabei sein, was ich für einen Lebenspartner bekommen würde – was mir gegeben wurde, war jedoch so überwältigend und so gewinnbringend. Es war nicht einfach, aber ergiebig. Er ist unglaublich.

Wie sieht Ihre Art von Gottesverehrung in Indien aus? Besuchen Sie eine Gemeinde oder einen Zweig der Kirche?

Ich lebe in einem ländlichen Teil Indiens und es gibt keine Gemeinde in der Nähe. Ich muss entweder mit dem Flugzeug fliegen oder eine Nachtfahrt mit dem Zug auf mich nehmen, um die nächste Gemeinde zu besuchen, also kann ich mich glücklich schätzen, wenn ich einmal pro Monat eine Gemeinde besuchen kann. Ich habe keine Besuchslehrerinnen oder Heimlehrer oder die Frauenhilfsvereinigung (FHV).

Als meine Mutter zu Besuch kam, fragte sie mich: “Wie schaffst du es, dir deine Beziehung zu Gott zu bewahren?” Meine Mutter, die in einem ländlichen Teil Utahs aufgewachsen war, wo sich ihr Leben um die Struktur, die die Kirche vorgibt, gedreht hatte, konnte es einfach nicht begreifen.

Anfangs fühlte ich mich auch ein bisschen schuldig, dass meinem heutigen Leben diese Struktur, mit der ich aufgewachsen war und die Programme, an denen  ich teilnahm, größtenteils fehlt. Aber nach kurzem Nachdenken sagte ich: “Nein, das ist genau der Punkt: Ich habe nur noch Gott, an dem ich mich festhalten kann. Mein spirituelles Leben besteht aus Gott. Nicht das ganze Drumherum, nicht das ganze Aufgeplusterte. Ich habe einfach nur Gott … und das Internet.”

Sich in der Gemeinde Capitol Hill (in Washington DC) für Gott zu entscheiden, beinhaltete, dass ich Seminarlehrer war, Junge Damen Leiterin, Evangeliumsklassenlehrer und eine Besuchslehrerin. All das ist hier nicht möglich, daher sieht es anders aus, sich für Gott zu entscheiden. Und das ist in Ordnung. Es ist eine tägliche Entscheidung. Hier interessiert es niemanden, ob ich bete, in den Schriften lese und meinen Zehnten bezahle. Es bleibt vollständig mir überlassen, ob ich diese Dinge tue. Ich habe bemerkt, dass ich, statt einfach eine Liste abzuhaken, mich nun fragen muss: “Wie sieht meine Beziehung zu Gott aus?”… und dann arbeite ich daran. Und wenn ich dann als besonderes Geschenk – ja, als Geschenk – einmal in die Kirche gehen kann, weiß ich es sehr zu schätzen, mich gewissermaßen an einer Gemeinschaft zu weiden.

McArthur Krishna mit Kind - auch das bedeutet für sie ein Leben in Fülle mit Gott

Wie sieht Ihr Leben in Indien aus? Sie haben Ihren Beruf aufgegeben, was steht nun bei Ihnen im Mittelpunkt?

In Washington DC wird das Leben vor allem dadurch bestimmt, was man tut. Es ist immer die zuerst gestellte Frage und ich hatte immer eine einfache Antwort darauf parat. Inzwischen habe ich die Antwort einer Freundin übernommen und sage, dass ich mein Leben “erweitere”. Ich musste mich erst daran gewöhnen, dass mein Selbstwert nicht von einem Gehaltsscheck oder einem besonderen Titel abhängt. Ich übernehme sehr viele Rollen – die beruflichen Fähigkeiten, die ich mir angeeignet habe, verwende ich dazu, den Familienunternehmen zu helfen; für eine Stiftung zu arbeiten, die den Frauen im Dorf hilft, Fähigkeiten zu entwickeln, die ihnen helfen, eine Anstellung zu finden und alte Handwerkskunst wiederzubeleben; dem Versuch, Kinder zu erziehen; mitentwerfen und gestalten, und jetzt auch noch damit, Kinderbücher zu schreiben. Oh ja, und damit, einfach aus reiner Freude Pläne zu schmieden. Im Leben ist sehr sehr viel los und fast nichts mehr ist wie früher – aber es ist fast lächerlich, wie erfüllender es ist!

In letzter Zeit habe ich mich vor allem darauf konzentriert, das Buch Mädchen, die sich für Gott entschieden: Geschichten mutiger Frauen in der Bibel mit Bethany Brady Spalding zu schreiben und daran zu arbeiten, dass wir vorankommen und es veröffentlicht wird.

Nachdem sie ein Leben in Fülle mit Gott erreichte, schrieb McArthur Krishna dieses Buch: "Girls Who Choose God""

Wir sehen die Welt meist nur, wie sie jetzt gerade zu sein scheint und nicht wie Gott sie sieht: was alles möglich ist. Diesen Weg zu gehen zwang mich dazu, Gott dabei zu vertrauen, dass er sieht, wie etwas sein könnte, statt nur zu sehen, wie etwas ist.

In Stichworten

McArthur Krishna

Wohnort: Faizabad, India

Alter: 40

Familienstand: verheiratet

Kinder: 2+

Beruf: Lebenserweiterer (Life Enhancer)

Schulbildung: Brigham Young Universität (sogar zwei Mal)

Sprachen zu Hause: Hindi, Englisch und Blödsinn

Lieblings-Kirchenlied: “Wie groß bist du”

Ich im Netz: Girls Who Choose God und McArthurKrishna.com

Interview durchgeführt von Barbara Christiansen. Fotos mit Genehmigung.


Interview mit McArthur Krishna. Aus dem Englischen übersetzt. Im Original auf mormonwomen.com.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage lernen möchten, besuchen Sie einfach die offiziellen Webseiten der Kirche: lds.org und mormon.org.