Wie komplex sind die Beziehungen, die Sie mit den Lieben in Ihrem Leben haben? Sie haben Freunde in verschiedenen Kreisen und Familienmitglieder auf verschiedenen Verwandtschaftsebenen. Sie variieren Ihre Gespräche mit ihnen je nach Alter, Reife oder sozialen und religiösen Hintergründen. Sie mögen mit manchen eine bessere Verbindung haben als mit anderen, aber selbst mit denjenigen, denen Sie sich am nächsten fühlen, kann es manchmal Unstimmigkeiten geben. Ich vermute, dass die Art, auf die Sie mit Ihren Lieben kommunizieren direkt von Ihrer Beziehung mit ihnen beeinflusst wird – sie verändert sich stetig, wächst stetig, entwickelt sich auf so vielen unterschiedlichen Stufen. Sie schätzen die Beziehungen, die Sie mit diesen Menschen haben sehr und wollen, dass diese Verbindungen ein Leben lang bestehen bleiben, wenn nicht noch länger.

Also warum “beten Sie Ihre Gebete immer noch herunter”?

Wir alle durchleben schwierige Zeiten, haben Ängste, Sorgen oder Probleme. Im Gebet können wir Trost und Hilfe finden.

“Als Menschen leben wir in einer gefallenen Welt, die mitunter voller Finsternis und Verwirrung ist.” – Elder Kevin R. Duncan

Ich war in der letzten Zeit sehr emotional. Ich löste mich von einem ungeheuren Hoch, währenddessen ich meine geistigen und kreativen Kräfte aufladen konnte, die mich normalerweise aufrechterhalten, aber in diesem Fall stürzte es mich in ein Gefühl von Verzweiflung. Hinzu kam noch eine Grippe, und so ging es mir ganz schön miserabel. In meinem Elend habe ich mich trotzdem sehr bemüht meine Gebete nicht zu vernachlässigen. Aber mir fiel etwas verstörendes auf – ich war in ein Verhaltensmuster von Gebeten gefallen, bei denen es mir war, als würde ich von einer vorgefertigten Liste mit Dingen, die gesagt werden sollten, vorlesen, anstatt wirklich ehrlich mit Gott zu kommunizieren. Kein Wunder, dass ich mich so leer fühlte – ich behandelte meine Beziehung mit der allerwichtigsten Person, als ob er keine Rolle spielte.
Wir haben die Wahl – wir können “unsere Gebete herunterbeten” oder wir können beten. Der Unterschied ist immens.
Unsere Gebete herunterbeten, ist eine routinemäßige Aktivität, die kaum Nachdenken erfordert. Für einige schließt dies wiederholte Redewendungen ein, die an Bedeutung verlieren, wenn wir das zulassen. Egal aus welcher Quelle – Bibelzitate oder poetische Verse, die wir als Kind gelernt haben mögen – wenn wir sie ohne tiefere Gedanken heruntersagen, mangelt es an der Verbindung, die wir dabei mit Gott aufbauen sollen. Das Gebet ist eine wirkliche Verbindung mit einem realen Wesen, mit dem wir ständig und göttlich verwandt sind. Das Gebet ist ein persönliches Gespräch mit dem Himmlischen Vater, die intimste Art zu kommunizieren.

Das Gebet verbindet Sie mit jemandem, der ganz schön wichtig ist – Gott.

Im Gebet erschien dem jungen Joseph Smit.h Gott Vater und sein Sohn, Jesus Christus

„Sei demütig, dann wird der Herr, dein Gott, dich an der Hand führen und dir auf deine Gebete Antwort geben.“ – Lehre und Bündnisse 112:10

Gott hat das Universum erschaffen – eine endlose Zahl an Sternen, Monden, Planeten, Nebeln und all den anderen Phänomenen in den Gestirnen, die wir noch entdecken müssen. Gott treibt die Energien der Galaxien voran, um Welten ohne Zahl zu erschaffen. Gott ist der Kopf hinter der unendlichen Komplexität des Lebens – Pflanzen, Vegetation, Tieren und menschlichem Leben – von mikroskopisch klein bis gigantisch groß. Und bei all dieser Komplexität, all dieser Intelligenz, all dieser Sensibilität für Gleichgewicht und Fürsorge, nimmt er sich Zeit, um Ihnen zuzuhören. Er sieht Sie nicht als ein belangloses Nebenprodukt seiner Kreativität. Sie sind der Grund für seine Arbeit – um Ihr ewiges Leben und Ihre Unsterblichkeit zustande zu bringen, um Sie auf Ihr Verwalteramt seiner Schöpfungen und die Schöpfung selbst vorzubereiten, mit der göttlichen Gnade seiner eigenen Hand.

Das Gebet ist eine Beziehung

Eine Frau kniet im Gebet.

“Und die [Apostel] lehrten die Menge auf dem Antlitz der Erde niederzuknien und im Namen Jesu zum Vater [zu] beten.” – 3 Nephi 19:6

Trotz all der Dinge, die Gott gerade tun könnte, hält er inne und hört Ihnen zu, wenn Sie beten. Er macht sich Gedanken darum, wer Sie sind und wie es Ihnen geht. Er weint, wenn Sie weinen, und freut sich, wenn Sie erfolgreich sind. Er ist die Wiege, in die Sie krabbeln können, um Trost zu finden, und er ist die Welle, auf der Sie reiten können, wenn Sie Mut ausüben. Er ist Ihr Vater, im süßesten, unterstützendsten, liebevollsten Sinne dessen, was Vaterschaft verkörpert. Zu ihm zu beten, ist eine Gelegenheit diese Beziehung zu erforschen – um ihr zu ermöglichen, zu wachsen und sich zu entwickeln, damit Sie großartiger werden, als Sie es gestern waren.

Das Gebet hat ein Muster

Das Muster für ein Gebet wird aus Gründen der Ehrfurcht und zum Erhalt von Segnungen vorgeschlagen. Wenn wir Gott als unseren Vater im Himmel ansprechen, ehren wir seinen Platz in unserer ewigen Familie und seine unermesslichen Fähigkeiten uns zu segnen. Wenn wir bestimmte Dinge in unser Gebet einschließen – Umkehr, Dankbarkeit, Bitten um die rechtschaffenen Wünsche des Herzens – erkennen wir seine Hand in unserer persönlichen Erlösung und unserem ewigen Fortschritt an. Wenn wir unsere Gebete mit den Worten “im Namen Jesu Christi” beenden, zeigen wir dem alleinigen Wesen, das es für uns ermöglicht hat, wieder mit unserem Vater im Himmel vereint zu sein, unsere Ehrfurcht. Das Muster ist einfach, aber es sind die Details, die uns durch Prüfungen unseres Glaubens und manche Drangsal des Lebens Freude bringen.

Gespräche ändern sich – warum nicht auch Gebete?

Wie ich schon sagte, mir ist in den letzten paar Wochen bewusst geworden, dass ich mich ein bisschen neben der Spur fühlte, und ich bemerkt habe, dass meine Gebete leere Worte waren. Meine Beziehung mit Gott lit darunter und ich musste mich wieder daran erinnern, wer er ist und wieviel ich ihm bedeute. Also schaltete ich meine Gebete einen Gang hoch, und schloss mehr Dankbarkeit, tieferes Nachsinnen, mehr Bitten um Gelegenheiten zum Dienen mit ein. Das Ergebnis war lebensverändernd. Ich fühlte seine Liebe für mich – ich fühlte die Wärme seines Geistes, als ob er zu mir sagte, “Mein Kind, das ist es, was ich hören musste. Danke, dass du genug Interesse an mir hast, um mit mir zu sprechen.” Es gab mir Hoffnung und den Mut, um weiter zu machen.

Kraft im Gebet – Umkehr

Ein Mann kniet im Gebet.

“Denn der Menschensohn ist gekommen, um zu suchen und zu retten, was verloren ist.“ – Lukas 19:10

Umkehr ist nicht nur für die “großen Sünden” da. Umkehr ist eine tägliche Reinigung der Seele. In der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage werden wir gelehrt, dass die ersten Grundsätze des Evangeliums sind: erstens, Glaube an den Herrn Jesus Christus, und zweitens, Umkehr (Anmerkung der Übersetzerin: zitiert aus dem 4. Glaubensartikel, Joseph Smith jr.). Wenn wir die Umkehr in unsere täglichen Gebete einschließen, wird uns vergeben – ich weiß, das klingt einfach, aber es ist wahrhaftig wundersam. Denken Sie an die Gewohnheit, täglich Ihre Zähne zu putzen. Dies ohne Zahnpasta zu tun, bedeutet, dass man automatisch dem Vorgang folgt, ohne den vollen Nutzen sauberer Zähne zu erhalten.
Umkehr auf täglicher Basis hat die Macht, die Seele auf gleiche Weise zu reinigen. Wir mögen uns nicht einmal daran erinnern, von was wir alles umkehren müssen, aber das ist egal. Meine Katholischen Freunde fühlen den Nutzen der Umkehr, wenn sie das “Vater unser” aufsagen. Darin bitten sie den Himmlischen Vater: “und erlass uns unsere Schulden, wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen haben.” (vgl. Matthäus 6:12). Sie haben früh gelernt, um Vergebung zu bitten – regelmäßig umzukehren – und sie sind deswegen ein glückliches Volk. Wenn wir uns daran erinnern in unseren täglichen Gebeten die Umkehr mit einzubauen, können wir auch von diesem Glück profitieren.

Demut im Gebet – Dankbarkeit

Ich nahm kürzlich an einer Tagung für Fantasy und Science Fiction Enthusiasten teil. Ich bekam dabei die Gelegenheit, meinen Lieblings-Schauspieler / Regisseur / Musiker / Autor persönlich zu treffen. Er ist in seinem persönlichen und beruflichen Leben ein erstaunliches Individuum, und seine Arbeit zeigt ein bestimmtes Niveau von Standards, darunter Geistigkeit, die er einhält und die man in der Unterhaltungs-Branche nicht oft findet. Während ich in der Warteschlange stand, um ihn zu treffen, sprach ich mit einer Frau, die ihn persönlich kannte.
Sie erwähnte, dass er etwas tut, was wirklich des Nachdenkens wert ist: Er stellt seinen Alarm auf seinem Smartphone so ein, dass er jeden Nachmittag mit dem, was er tut, für einen Moment aufhört – einzig und allein, um Gott seine Dankbarkeit zu zeigen. Er spricht ein Gebet, das nur darin besteht, dem Himmlischen Vater Dank zu sagen – keine Wünsche, nur Dankbarkeit. Als ich das hörte, war mein erster Gedanke, natürlich tut er das – das würde die außergewöhnliche Qualität seiner Arbeit erklären. Mein zweiter Gedanke war: Das muss ich auch mal versuchen! Und so stellte ich am gleichen Tag einen Alarm auf meinem Handy ein. Es machte einen großen Unterschied für meine Beziehung mit Gott.

Unsere Beziehung zu Gott ist die Anstrengungen wert

Gebete müssen sich nicht dauernd wiederholen, und nicht langweilig oder einseitig sein. Aber wie jede andere Beziehung, die es wert ist erhalten zu werden, erfordert unsere Beziehung zu Gott, dass wir uns Mühe geben. Glücklicherweise möchte er uns immerfort segnen – das ist ein Grundzug seines Wesens. Wir können es uns zur Gewohnheit machen, zuzulassen, dass es geschieht – ein Gebet nach dem anderen.


Autorin dieses Artikels ist Nanette O’Neal, der Artikel wurde im englischen Original auf der Seite ldsblogs.com veröffentlicht. Übersetzerin: Tanja Kraft.

Wenn Sie weitere Informationen über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage wünschen, dann besuchen Sie einfach die offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.