Manchmal kommt es mir vor, als würde ich jeden Tag von einem anderen Freund erfahren, dass er mit irgendetwas zu kämpfen hätte. Ein Freund macht gerade eine Scheidung durch, ein anderer verlor erst seine Arbeitsstelle und dann sein Haus; ich habe einen Freund, dessen Sohn bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist; einen, der gegen den Krebs kämpft und einen Freund, der diesen Kampf verloren hat und mit nur 29 Jahren gestorben ist. Und das ist nur der Anfang! Ich bin mir sicher, dass wir, befänden wir uns gemeinsam in einem Raum, ein Mikrofon herumgehen lassen könnten und uns gegenseitig darin überbieten könnten, wer die größten Herausforderungen für seine Gesundheit, seine Beziehung, sein Berufsleben oder im eigenen Zuhause hätte.

Und auch wenn ich davon überzeugt bin, dass man auch in schwierigen Zeiten Freude empfinden kann, frage ich mich doch, weshalb wir all dies durchmachen müssen und es so einen großen Teil vom Leben ausmacht. Habt ihr euch dazu auch schon einmal Gedanken gemacht, wenn ihr an eure eigenen Umstände denkt? Im Laufe der Jahre habe ich meine eigenen Herausforderungen erlebt, und ich habe gelernt, dass Herausforderungen stärker machen. Aber zu Beginn des Jahres habe ich etwas erkannt, durch das ich so viel gelernt habe.

Ich besuchte die Abendmahlsversammlung in der Kirche. Es war Fastsonntag, und ich fastete für etwas, für das ich schon oft gefastet und gebetet hatte. Dieses Mal war es jedoch anders. Anstatt darum zu bitten, dass Gott mich mit einem Baby segnen würde, wofür ich schon so oft gebetet hatte, fastete ich dieses Mal dafür, dass ich, wenn ich diesen Wunsch nicht gewährt bekäme, wenigstens den Wunsch verlieren würde. Ich saß da und versank in Selbstmitleid, kämpfte innerlich unter Tränen mit mir selbst und dachte darüber nach, was ich wohl mehr wollte: Wollte ich eher ein Baby oder dass der Wunsch verging? Dies führte dazu, dass ich ein inniges Gebet in Gedanken sprach. Ich wollte ein weiteres Kind. Es war ein “rechtschaffener Herzenswunsch”. Und ich flehte Gott erneut an, dass er, wenn es denn sein Wille wäre, mich damit segnen würde. Und plötzlich, während meines Gebets und mitten während der Abendmahlsversammlung, kamen mir folgende Worte in den Sinn: Und wirst du auch dann glauben, wenn es nicht geschieht?

In diesem Moment verstand ich, weshalb ich durch schwere Zeiten gehen muss. Gott gefällt es nicht, dass wir traurig sind, aber er möchte, dass wir einen festen Glauben haben. Wir sollen auch lernen darauf zu vertrauen, dass er versucht, uns zu starken und gläubigen Menschen zu machen. Es wird dabei nicht unsere Kraft getestet und nicht unsere Gesundheit. Moroni sagt, dass unser Glaube geprüft werden soll (siehe Ether 12:6).

Meine Gebete haben sich seit diesem Sonntagmorgen nicht verändert, aber mein Leben. Mich für den Glauben zu entscheiden hilft mir. Ich fühle Frieden, wenn ich mich auf den Glauben konzentriere.

Boyd K. Packer (1924-2015) vom Quorum der Zwölf Apostel sagte: Glaube [ist] eine echte Macht, nicht nur eine Ansicht oder ein Bekenntnis. Daher versuche ich, während ich nun warte, mir immer wieder in Erinnerung zu rufen, dass ich letzten Endes weiß, dass Gott möchte, dass ich glücklich bin und dass Gott mich segnen möchte. Genauso weiß ich, dass er mich etwas lehren möchte und dass meine Prüfungen mich demütiger machen. Er weiß, dass für die Prüfungen und Herausforderungen, die noch anstehen, mein Glaube und Vertrauen zu ihm nötig sein werden, damit meine Familie und ich wohlbehalten alles überstehen. Wenn wir es schaffen, Glauben zu üben und ihm zu vertrauen, schaffen wir es nicht nur, die aktuellen Herausforderungen zu meistern, sondern wir sind auch besser auf das vorbereitet, was noch kommen wird – und wir werden es meistern.

Ich weiß, dass wir nicht auf jedes Gebet sofort Antwort erhalten. Ich weiß, dass nicht jeder Wunsch und jedes Anliegen – auch wenn sie gut sind – auf die Art und Weise erfüllt werden, wie wir das wünschen. In Wahrheit bleiben wirklich viele unserer Gebete unbeantwortet. Aber uns allen stellt sich die Frage: Und wirst du auch dann Glauben haben, wenn etwas nicht geschieht?

 

Michelle McCullough stellt die Frage : "Und wirst du auch dann Glauben haben, wenn etwas nicht geschieht?"

Michelle McCullough

 

Michelle McCullough hat zwei Kinder. Sie ist Motivationsrednerin, Moderatorin einer Radiosendung und Autorin. Ihre Blogs kann man unter startupprincess.com und speakmichelle.com finden.


Aus dem Englischen übersetzt von Kristina Vogt. Im Original von Michelle McCullough auf mormon.org.