Viele Menschen kennen dieses Gefühl: Man fühlt sich überfordert, enttäuscht oder verlassen – und fragt sich, ob da wirklich jemand ist, der zuhört. Vielleicht hast du gebetet oder einfach nur gehofft, dass sich etwas verändert. Und trotzdem scheint nichts zu passieren. Und manchmal geht das lange so, und du brauchst wirklich viel Geduld. Kennst du das? 

Wo ist Gott, wenn das Leben schwer ist? Wenn du allein bist mit deiner Angst, deinen Sorgen, deinen Fragen?

Solche Fragen stellen sich nicht nur Menschen, die auf der Suche nach Gott sind. Auch gläubige Menschen erleben Zeiten, in denen sie sich fragen: „Wo bist du, Herr?“ Zweifel, Unsicherheit und das Gefühl, allein zu sein, machen vor Glaubenden nicht halt. Und für viele, die sich noch nicht sicher sind, ob sie überhaupt glauben können, ist genau diese Sehnsucht nach einem tieferen Halt der Anfang von etwas Neuem.

Wenn das Leben unsicher ist: Zwei persönliche Erlebnisse

Ich kann mich an zwei Situationen aus der letzten Woche erinnern, die mich genau mit dieser Frage konfrontiert haben – und mich daran erinnert haben, was es bedeutet, zu vertrauen, selbst wenn man keine schnelle Antwort bekommt.

1. Abschied am Kindergartenzaun

Ich habe zwei Kinder. Eines davon hat gerade vor den Sommerferien mit dem Kindergarten begonnen – und das war ein sehr schwerer Übergang für sie. Die Eingewöhnungszeit konnte nur kurz sein, und Tag für Tag klammerte sie sich weinend an mich, wenn ich ging. Das war wirklich schwer für mich, und mehr als einmal fragte ich mich, ob ich hier das Richtige tat. An einem besonders schweren Morgen brachte ich sie in den Kindergarten und saß nach dem tränenreichen Abschied im Auto auf dem Parkplatz – selbst den Tränen nahe, frustriert und verletzt. Warum griff Gott nicht ein? Wir hatten so ein gutes Gefühl bei der Wahl des Kindergartens gehabt, und ich dachte, dass es wirklich das Richtige war. Und trotzdem fühlte es sich so schwer an und als ob ich mein Kind verraten würde.

Ich saß also da und schimpfte ein bisschen vor mich hin und schüttete Gott mein Herz aus. Und plötzlich hatte ich einen ganz klaren Gedanken:

Du hast doch für sie gebetet. Jetzt ist es Zeit zu vertrauen.”

Und das stimmte. Ich wusste, sie ist in guten Händen. Die Erzieherinnen würden sich kümmern. Und tatsächlich: Beim Abholen war sie glücklich und zufrieden, und die Kindergärtnerinnen dort erzählten mir, dass sie nur kurz traurig war und dann gespielt hatte. Und nach ein paar guten Tagen, an denen es ihr so viel leichter fiel, war der heutige Morgen für mich ein kleines Wunder: Als wir am Kindergarten aus dem Auto stiegen, fing sie an, mir zu sagen, dass sie Bauchweh hätte und dass sie bei mir bleiben wolle. Mitten im Satz hielt sie jedoch inne und sagte: “Ach, es ist okay. Alma [ein anderes Kind] tröstet mich dann schon.” Und wir gingen erleichtert weiter, und sie verabschiedete sich mit einem großen Strahlen übers ganze Gesicht.

Es hat sich verändert – nicht durch ein Wunder, sondern durch Geduld, Vertrauen und kleine Schritte.

2. Eine unerfüllte Bewerbung – und eine neue Klarheit

Vor einer Weile bewarb ich mich auf eine Stelle. Ich investierte viel Zeit und kam einen Schritt weiter – und hörte dann: nichts. Eine Freundin bekam eine Einladung zum nächsten Gespräch, ich nicht. Es traf mich – nicht nur beruflich, sondern persönlich: Die Stelle würde gut zu meinen anderen Verpflichtungen passen, und sie schien wie für mich gemacht. Aber ich wusste, dass es nicht weitergehen würde. Und ich war wirklich enttäuscht. Ich betete, fragte, haderte, war deprimiert. Und wieder erlebte ich es: Plötzlich hatte ich einen Gedanken:

„Willst du diesen Job wirklich – oder wäre er vor allem bequem? Dann müsstest du dich nicht weiter darum kümmern.

Und ich konnte die Frage nur damit beantworten: Es war nicht der richtige Job für mich. Ich habe bereits Arbeit, ich bin versorgt. Und vielleicht führt mich Gott gerade auf einen anderen Weg. Ich begann aufzuzählen, wofür ich dankbar bin. Das veränderte meinen Blick – nicht auf die Umstände, aber auf das, was wirklich zählt. Und ich konnte loslassen. 

Vertrauen bedeutet nicht, alles zu verstehen

Vertrauen heißt nicht, dass alles sofort gut wird. Es heißt, loszulassen – und darauf zu bauen, dass jemand den Überblick hat, selbst wenn du ihn verloren hast.

In der Bibel steht:

„Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alles zum Guten gereicht.“ – Römer 8,28

Vielleicht denkst du jetzt: „Aber ich weiß nicht, ob ich Gott liebe. Ich weiß nicht einmal, ob ich überhaupt glauben kann.“ Das ist okay. Vertrauen beginnt oft im ganz Kleinen. Mit einem ehrlichen Gedanken. Einem offenen Moment. Einer Entscheidung, nicht aufzugeben. Und damit, dass du dich ihm zuwendest. Dann könnt ihr nämlich gemeinsame Erfahrungen machen. 

Was, wenn Gott meine Wünsche nicht erfüllt?

Zwei Ansprachen, die ich sehr schätze, sprechen dieses Thema an. Der Titel beider Ansprachen lautet: “Tut er es aber nicht” – eine Anspielung auf ein biblisches Beispiel von Menschen, die bereit waren, ihrem Glauben treu zu bleiben, selbst wenn Gott nicht eingriff.

Lance B. Wickman drückte es sinngemäß so aus: Wenn wir beten, vertrauen wir auf das Wunder, glauben aber auch daran, dass der Wille Gottes geschehen soll – und wir nehmen seinen Willen an, auch wenn er schwer zu verstehen ist.

Dennis E. Simmons sagte in ähnlichem Sinne: Wahrer Glaube ist nicht nur Glaube daran, dass Gott einen Segen geben kann, sondern dass er es auch tun wird – gemäß seinem Willen.

Gott ist kein Erfüller von Wunschlisten – und Glaube ist keine Garantie auf ein bestimmtes Ergebnis. Es ist vielmehr eine Beziehung voller Vertrauen, auch in Unsicherheit. Tatsächlich ist das auch gut so, denn Gott kennt uns besser als wir. Manchmal wünschen wir uns etwas, das eigentlich gar nicht gut für uns wäre. So wie ich mir gewünscht habe, dass meine Tochter sofort gerne in den Kindergarten geht – dabei hat sie genau die Zeit gebraucht, die sie hatte. Oder wie ich gehofft hatte, die perfekte Stelle zu bekommen – obwohl ich tief im Inneren wusste, dass es gar nicht die Aufgabe war, die ich mir langfristig wünschte. Vielleicht kennst du das auch: Du hoffst auf eine Beziehung, eine Entscheidung oder einen neuen Schritt – und erst im Rückblick erkennst du, warum es gut war, dass es nicht so kam. Gott sieht einfach weiter als wir. 

Was du tun kannst, wenn du dich allein fühlst

Wenn du dich fragst, wo Gott gerade ist – vielleicht hilft dir einer dieser kleinen Schritte:

  • Erinnere dich: Kannst du dich an einen Moment in deinem Leben erinnern, in dem du doch das Gefühl hattest, dass Gott da sei, einen Moment, wo du dich getragen gefühlt hast – vielleicht ohne es gleich zu merken? Und wenn du einen gefunden hast, findest du vielleicht noch einen. Und noch einen. 
  • Sprich ein einfaches Gebet: Du musst nicht besonders wortgewandt klingen. Sag, was du denkst. Auch „Ich weiß nicht, ob du da bist“ ist ein Anfang. Und ich glaube, es ist okay, ehrlich mit Gott zu sein – auch wenn du wütend bist. Sag es ihm. Er hält das aus. Bitte ihn, dass du seine Gegenwart spüren darfst.
  • Schreib auf, wofür du dankbar bist: Das verschiebt den Blick – weg vom Mangel, hin zum Licht. Ich schreibe gerne Tagebuch. Es hilft mir, die kleinen Wunder im Alltag festzuhalten. So kann ich später darin blättern und mich erinnern. Oder du notierst etwas auf einem Zettel und hängst ihn an deinen Spiegel. Dann erinnerst du dich jeden Morgen.
  • Mach einen Vertrauens-Schritt: Triff heute eine Entscheidung – auch wenn du das Ergebnis noch nicht kennst. Und sag dir: „Ich gehe weiter.”
    Probiere es einfach einmal aus. Wenn du wüsstest, dass Gott dir helfen würde – wie würdest du dann handeln? Und dann handle entsprechend und schaue, was passiert.

Gott ist nicht laut – aber er ist da

Vielleicht findest du keine schnelle Antwort. Vielleicht bleibt dein Gebet eine Zeit lang still. Aber das heißt nicht, dass du vergessen wurdest.

Gott ist nicht immer laut. Aber er ist da.

Und manchmal liegt der größte Trost nicht darin, dass sich alles ändert – sondern darin, dass du nicht allein bist, während du wartest.

Welche Erfahrungen hast du gemacht, wenn sich Gott fern angefühlt hat? Was hat dir geholfen, wieder Vertrauen zu fassen? Schreib es uns – wir alle können Ermutigung gebrauchen. 🙂

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