In einem Gespräch mit einem Freund kamen wir diese Woche darauf, dass die Segnungen des Evangeliums für jeden anderen gelten würden, nur nicht für ihn. Oder zumindest kam ihm das so vor. Während wir darüber sprachen, warum gerade er die Ausnahme der Regel sein sollte, kamen mir so viele Gedanken in den Sinn. Mir fiel auf, dass sich in der Kirche viele alleinstehende Erwachsene genauso fühlen oder schon einmal gefühlt haben.

„Halte die Gebote und du wirst gesegnet werden.” Wir alle haben diesen Satz schon einmal gehört – was aber, wenn wir unser Bestmögliches tun, um im Einklang mit Gottes Geboten zu leben, und wir trotzdem nicht gesegnet werden?  Bedeutet das, dass du Gott weniger wichtig bist? Bedeutet das, dass du gewissermaßen enterbt wurdest?

Die Antwort ist ein unmissverständliches „Nein!”. Wir sind Kinder Gottes und er möchte uns mit allem segnen. Folgende Bibelstelle zeigt das ganz anschaulich: „Oder ist einer unter euch, der seinem Sohn einen Stein gibt, wenn er um Brot bittet, oder eine Schlange, wenn er um einen Fisch bittet? Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wie viel mehr wird euer Vater im Himmel denen Gutes geben, die ihn bitten.” (Matthäus 7:9-11)

Gottes Liebe für uns alle

Ich glaube an einen Gott, der Wunder bewirkt und die besten Gaben gibt. Und trotzdem muss ich zugeben, dass auch ich schon diese Gedanken hatte. Und die Wahrheit sieht so aus, dass auch ich nicht alle Antworten darauf weiß, weshalb guten Menschen Schlechtes widerfährt oder weshalb gute Menschen manchmal auf Gutes warten müssen. Wie Nephi jedoch „weiß [ich], dass er seine Kinder liebt”.

Wenn Gott doch alle seine Kinder liebt, wieso sollte er dann dich nicht lieben? Gott ist vollkommen. Er liebt auf vollkommene Art und Weise. Wenn wir seine Liebe nicht fühlen können, liegt das nicht daran, dass er uns nicht die Hand reicht. Vielleicht liegt das Problem darin, dass wir lernen müssen, seine Liebe in unserem Leben zu erkennen. Gene R. Cook hat ein paar Vorschläge, wie wir das erreichen können.

Als Erstes schlägt er vor: „Bete[n Sie] mit der ganzen Kraft des Herzens“ um diese Gabe. „Es gehört zur Gabe der Nächstenliebe, dass man die Hand des Herrn anerkennt und seine Liebe in allem, was uns umgibt, spürt.” Wenn wir also ernsthaft dafür beten, dass wir von dieser Liebe erfüllt werden, können wir auch von ganzem Herzen dafür beten, „die Liebe des Herrn zu erkennen”.

Als Zweites schlägt er vor, dass wir über Verschiedenes nachdenken: die Schöpfung, das Sühnopfer, den Himmel und Momente unseres Lebens, in denen wir Freude und Liebe gefühlt haben. Indem wir uns eingehend mit diesen wichtigen Themen beschäftigen, wird es uns leichter fallen zu erkennen, wie Gott uns seine Liebe zeigt.

Drittens schlägt er uns vor, diese Liebe anzunehmen. Er sagt: „Wahre Dankbarkeit ist die Fähigkeit, Liebe zu sehen, zu spüren und auch anzunehmen.” Wenn wir uns einen Moment Zeit nehmen, innehalten und uns auf unsere Segnungen konzentrieren, schrumpfen die Bereiche in unserem Leben, in denen wir zu wenig haben. Das konnte ich auch bereits in meinem eigenen Leben feststellen. Ich habe erkannt, dass wenn man seine Segnungen bewusst aufzählt, sich das mit dem Spiel „slug bug” (etwa „Käfer-Datschen”) vergleichen lässt. Anfangs sieht man auf der Straße nur wenige dieser kleinen Autos. Dann  schlägt einen plötzlich jemand und erinnert dich daran, dass da welche sind. Und plötzlich tauchen immer mehr davon auf, du schlägst zurück oder jemand anderen. Und plötzlich sieht man jedes Mal mindestens 2 oder 3 Stück, wenn man mit dem Auto unterwegs ist. Wenn wir Gott bitten, uns auf etwas aufmerksam zu machen, wird er, wie ich selbst die Erfahrung gemacht habe, das tun.

Keine Ausnahme von Gottes Liebe

An meinen Freund: Ich weiß, mir geht es nicht wie dir und wir machen nicht die gleichen Erfahrungen; aber ich weiß, dass auch ich früher schon das Gefühl hatte, in Bezug auf Gottes Segnungen irgendwie eine Ausnahme zu sein. Wenn es mir gelungen ist, meine Perspektive zu verändern, gelingt das jedem. Ich lade uns alle dazu ein, eine Bestandsaufnahme all der Momente zu machen, in denen wir Gottes Liebe in unserem Leben gespürt haben. Wir könnten sie in einem Tagebuch festhalten oder mit jemandem darüber sprechen. Und lasst uns vor allem dafür beten, dass eines Tages sich niemand auf dieser Welt mehr so vorkommt, als wäre er die Ausnahme von der Liebe Gottes.


Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt und am 31.7.2015  auf ldsblogs.com unter dem Titel „No Exception to God’s Love” veröffentlicht. Die Autorin ist Ashley Dewey. Übersetzt von Kristina Vogt.

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