Frage

Ich habe mich immer gefragt, ob wir kosmetische Eingriffe vornehmen lassen sollten. Wenn mein Körper ein Tempel ist – wäre eine Schönheitsoperation oder etwas Ähnliches dann nicht eine Entweihung dieses Tempels?

Antwort

Deine Frage ist sehr spannend. Manche Menschen haben keinerlei Hemmungen, über kosmetische Eingriffe zu sprechen oder selbst einen durchführen zu lassen. Andere wiederum empfinden es als problematisch und meinen, es widerspreche der natürlichen Ordnung des Lebens, den Alterungsprozess oder den eigenen Körper so zu verändern.

In einer Welt, in der der Druck, perfekt auszusehen, allgegenwärtig ist und ästhetische Eingriffe immer häufiger werden, ist es ganz natürlich, sich verunsichert zu fühlen. Wie bringen wir den Glauben, dass unser Körper heilig ist, mit dem zutiefst menschlichen Wunsch in Einklang, uns wohlzufühlen, wenn wir in den Spiegel schauen?

Die Beliebtheit ästhetischer Behandlungen – ob operativ oder nicht-operativ – ist unübersehbar. Ebenso groß ist das Streben nach äußerer Harmonie. Weltweit nimmt diese Entwicklung jedes Jahr zu und ist längst Teil des Lebens von Millionen Menschen geworden.

Laut der International Society of Aesthetic Plastic Surgery (ISAPS) [Anmerkung: aus dem jahr 2024] wurden weltweit in nur einem Jahr mehr als 30 Millionen chirurgische und nicht-chirurgische Eingriffe durchgeführt. Länder wie die USA und Brasilien führen regelmäßig die Ranglisten an – ein Hinweis darauf, wie präsent der Wunsch nach Veränderung oder Verbesserung des eigenen Aussehens in unserer Gesellschaft ist.

Kommen wir also zur entscheidenden Frage:

„Ist es vor dem Hintergrund des Evangeliums falsch, sich einer Schönheitsoperation zu unterziehen?“

Was sagt die Kirche offiziell dazu?

Zunächst ist wichtig zu wissen: Es gibt kein einfaches „Ja“ oder „Nein“ in einem Regelwerk. Die Kirche leitet uns durch ewige Grundsätze und vertraut darauf, dass wir fähig sind, rechtschaffene Entscheidungen zu treffen. Zu diesem Thema ist die Haltung klar – sie ist neutral.

In einem Artikel auf der offiziellen Website der Kirche mit dem Titel „What is the Church’s view on plastic surgery for cosmetic purposes?“ heißt es ausdrücklich:

„Die Kirche hat keine offizielle Position zur kosmetischen plastischen Chirurgie.“

Das Fehlen einer konkreten Vorschrift bedeutet jedoch nicht, dass das Thema unwichtig ist. Im Gegenteil: Es bedeutet, dass die Verantwortung bei uns liegt. Es erfordert Studium, Nachdenken und vor allem, dass wir die Angelegenheit im Gebet vor den Herrn bringen. Statt nach äußerer Erlaubnis zu suchen, sind wir eingeladen, innere Bestätigung zu finden und unsere Wünsche mit Gottes Willen in Einklang zu bringen.

Rat eines Apostels

Auch wenn es keine offizielle Richtlinie gibt, gibt es liebevollen und weisen Rat, der unseren Weg erhellen kann. Elder Jeffrey R. Holland sprach mit großer Eindringlichkeit über dieses Thema. Er appellierte:

„Ich bitte euch Mädchen: Akzeptiert euch selbst mehr, nehmt euch an, wie ihr seid – eure Gestalt, euren Typ –, und sehnt euch nicht so sehr danach, wie jemand anders auszusehen. … In allzu vielen Fällen wird dem Körper allzu viel zugemutet, damit er einem eingebildeten (um nicht zu sagen oberflächlichen) Maßstab entspricht. … Solche Selbstbesessenheit und Fixierung auf das rein Körperliche ist mehr als gesellschaftlicher Irrsinn; es ist in geistiger Hinsicht zerstörerisch. … Da wird gestrafft, geliftet, implantiert und umgestaltet, was sich nur umgestalten lässt; und wenn schon die Erwachsenen so sehr mit ihrem Aussehen beschäftigt sind, dann färben dieser Druck und diese Ängste gewiss auch auf die Kinder ab.“

Diese Worte sind kein Verbot, sondern eine liebevolle Einladung, die eigenen Beweggründe ehrlich zu prüfen. Elder Holland warnt vor einer „Fixierung auf das rein Körperliche“, die geistig schädlich sein kann. Sein Rat erinnert uns daran, unseren Wert in unserer göttlichen Identität als Söhne und Töchter Gottes zu finden – nicht in Schönheitsidealen, die von Medien geprägt werden.

Unsere Entscheidungsfreiheit – und unser Herz

Letztlich ist die Entscheidung für oder gegen eine Schönheitsoperation eine persönliche Angelegenheit. Es gibt keine allgemeingültige Antwort, denn jede Lebenssituation und jede Motivation ist einzigartig.

Eine Studie des Utah Women & Leadership Project zeigte, dass einige Mitglieder der Kirche die Entscheidung für eine Schönheitsoperation sogar als „religiöse Entscheidung“ betrachteten und darüber beteten. Diese persönliche Suche ist entscheidend.

Wenn du über einen kosmetischen Eingriff nachdenkst, ist vielleicht nicht die Frage „Darf ich das?“ entscheidend, sondern vielmehr:

  • Warum wünsche ich mir das wirklich?
  • Möchte ich etwas korrigieren, das mich ernsthaft belastet – oder versuche ich, einem unrealistischen Ideal zu entsprechen?
  • Woher kommt der Druck?
  • Entspringt er einem aufrichtigen Wunsch, meinen Körper als Tempel zu pflegen – oder aus Vergleichen mit anderen und medialen Bildern?
  • Bringt mich diese Entscheidung Christus näher?
  • Stärkt der gedankliche und finanzielle Aufwand meinen Geist – oder führt er zu einer ungesunden Fixierung auf ein bestimmtes Körperideal?

Unser Körper ist ein heiliges Geschenk – ein Tempel für unseren Geist. Ihn zu pflegen ist sowohl Pflicht als auch Freude. Doch wie wir das tun, sollte von Weisheit, Maß und vor allem persönlicher Offenbarung geleitet sein.

Die wichtigste Antwort wird nicht aus einem Artikel kommen, sondern aus einem aufrichtigen Gespräch mit dem Himmlischen Vater, der uns vollkommen kennt und bedingungslos liebt – mit oder ohne Operation.

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