Anmerkung der Redaktion: Der geliebte Autor dieses Beitrags, Ted Gibbons, verstarb kürzlich nach seinem Kampf gegen den Krebs. Trotzdem werden wir auch in Zukunft weitere Beiträge des Autors veröffentlichen.

In vielen von Paulus’ Briefen finden sich eingebettete Botschaften, die sozusagen in winzigen Kristallgefäßen hinterlassen wurden, die fast im Schatten der ewigen Lehren, die Paulus’ Briefe füllen, unentdeckt bleiben..

Beispielsweise ermutigt Paulus die Heiligen an verschiedenen Bibelstellen in Philipper 4: „steht fest im Herrn”, „einmütig zu sein im Herrn” und „freut euch im Herrn” (Philipper 4, 1-4) Aber während er darüber lehrt, wie Christus zu sein, lehrt Paulus etwas Weiteres, über das wir hinweglesen, wenn wir nicht aufpassen. Er legt eine Herangehensweise an das Leben nahe, die uns dabei helfen wird, unseren Weg durch das Minenfeld der Sterblichkeit zu gehen und es uns ermöglicht, am „Friede[n] Gottes, der alles Verstehen übersteigt” teilzuhaben. Paulus schlägt eine Geisteshaltung vor, die unsere „Herzen und [unsere] Gedanken in Christus Jesus bewahren” wird (vgl. Philipper 4, 7).

„Sorgt euch um nichts”, schreibt Paulus an der gleichen Bibelstelle in Vers 6, was in vielen Übersetzungen als „habt vor nichts Angst” gedeutet wird. Wenn sich die Herausforderungen in unserem Leben häufen, wenn Sorge uns zu überwältigen und in Verzweiflung zu versenken droht, tun wir gut daran, uns dieses Rates zu erinnern: „Sorgt euch um nichts”. Wenn wir bereit sind, danach Ausschau zu halten, werden wir auch am nächsten Morgen Manna vom Himmel auf dem Boden finden. Es gibt keinen Grund, uns übermäßig zu sorgen, wenn wir das Evangelium haben.

Erinnern wir uns an die täglichen Segnungen

Bei einem Familientreffen vor ein paar Jahren bat mich meine Tochter um einen Segen. Ihrem Mann war es seit 18 Monaten nicht gelungen, eine Vollzeitstelle zu finden. Die beiden hatten sechs Kinder, zwei Autos, eine Hypothek und kein festes Einkommen. Ihre Sorge wegen der Zukunft machte es ihr schwer, mit den täglichen Herausforderungen des Mutterseins und als Nachfolgerin Christi fertig zu werden; ihre Sorge um die Segnungen, die sie mit Sicherheit für ihre Familie brauchte, machte es ihr schwer, die Segnungen zu erkennen, die sie tagtäglich erhielt.

Der Herr wies in ihrem Segen mit einer Botschaft darauf hin, die mich überraschte und sie erschreckte. Die Worte dieses Priestertums-Segens erinnerten sie daran, dass ihre Familie in achtzehn Monaten ohne Vollzeitbeschäftigung nie die Zahlung einer Rate oder auch nur eine Mahlzeit verpasst hatte. Das Manna war regelmäßig dort gewesen und hatte darauf gewartet, eingesammelt und zum Esstisch gebracht zu werden. Irgendwie war in jeder Stunde der Not die Hilfe gekommen. Wir schienen beide den Herrn sagen zu hören: „Sorgt euch um nichts. Macht euch keine übermäßigen Sorgen. Bis ihr im gelobten Land angekommen sein werdet, wartet euer Manna jeden Morgen auf euch.”

Sorgt euch um nichts. Macht euch keine übermäßigen Sorgen.

Dieses Prinzip drang mir in jener Woche gleich ein weiteres Mal ins Herz. Ich hatte ohne Unterlass mit meiner Frau und vielen anderen für einen Sohn und dessen Frau gebetet, dass sie die Segnungen des Elternseins erleben würden. Eines Abends lag ich im Bett und fragte mich, ob der Herr es wohl leid sei, diese Bitte immer und immer wieder zu hören. Ich hatte das Gefühl, dass ich weiterhin darum bitten sollte, aber ich musste auch einräumen, dass obwohl wir bereits seit vier Jahren täglich dafür beteten, diese Segnung nicht gewährt worden war. „Wird der Herr etwas tun?” fragte ich mich, „Und wenn ja, wann?” Nach so langer Zeit, die wir gewartet und gegrübelt hatten, war es schwierig, sich nicht zu fragen, ob sich jemals etwas ändern würde.

Aber unser Vater hörte zu und traf seine Vorbereitungen. Während wir noch darüber nachdachten, warum es so lange dauerte, sagte Gott sich vielleicht:

„Sorgt euch um nichts. Macht euch keine übermäßigen Sorgen. Ich habe alles unter Kontrolle. Seid geduldig und lasst zu, dass ich die bestmögliche Lösung für verschiedene meiner Kinder finde.”

Wir mussten weiter an ihn appellieren, aber ohne Sorge und unangemessene Besorgnis.

Mein Sohn und seine Frau haben inzwischen vier Kinder. Das erste Kind kam durch Adoption zu ihnen. Die ersten Schritte dazu wurden in der Woche, in der ich meiner Tochter den erwähnten Segen gab, unternommen. Der Herr wusste, was bevorstand. Er hatte „auf den weiten Raum der Ewigkeit und all die seraphischen Scharen des Himmels [geblickt], ehe die Welt gemacht wurde”. Wir konnten ihm vertrauen, weil „er … alles weiß, denn alles ist vor [s]einen Augen gegenwärtig.” (LuB 38:1-2)

Gott gibt seine Antworten leise

Während ich meiner Tochter den Segen gab, fiel mir etwas Weiteres ein, über das wir anschließend sprachen. Gott gibt leise Antworten. Ich erinnere mich an eine Geschichte über zwei Kinder, die sich im Wald verlaufen haben; sie beten für einen Engel, der kommen und ihnen den Weg nach Hause zeigen solle. Kurz nach dem Gebet spaziert die Kuh der Familie an den beiden vorbei. Sie halten sich an ihrem Schwanz fest und die Kuh führt sie zum Haus zurück. Das war eine leise Antwort. Und eine Kuh auf einem Spaziergang ist mit Manna vergleichbar. Es wird da sein, wenn wir den Segen durch das Manna nötig haben, und uns den Weg weisen.

Während der Wille des Himmels von Moment zu Moment, von Stunde zu Stunde auf uns niederträufelt, suchen wir am Himmel vielleicht nach Engeln. Wir möchten, dass jemand in strahlender Kleidung durch den Schleier bricht und uns sagt: „Fürchtet euch nicht”, während Gott unser Herz und unser Leben formt und sagt: „Sorgt euch um nichts. Macht euch keine übermäßigen Sorgen. Ich habe alles unter Kontrolle.”

Sorgt euch um nichts. Es wird funktionieren

Ich bin davon beeindruckt, wie Dinge funktionieren. Und dass sie funktionieren. Oft passiert vieles nicht nach unserem Zeitplan. Gott hat seinen ganz eigenen Zeitplan – und leider können wir nur selten einen Blick in seinen Terminkalender werfen. Aber Dinge funktionieren. Es wäre schade, wenn wir, nur weil ein Gebet bisher nicht beantwortet wurde, davon ausgingen, dass es niemals beantwortet werden wird. Selbst wenn etwas nach Gottes Plan zwei Wochen dauert; oder zwei Jahre; oder zwanzig: Er geht auf rechtschaffene Bitten ein – entweder so, wie wir es wollen, oder auf eine bessere Art und Weise. 

Und während wir auf die Segnungen warten, die wir für notwendig halten, sollten wir die Segnungen, die wir erhalten, nicht vernachlässigen. Wir können nicht jeden Morgen nach Wachteln verlangen, während wir unser tägliches Manna einsammeln. Denkt daran, was den Israeliten in der Wildnis widerfuhr: „Die Leute, die sich ihnen angeschlossen hatten, wurden von der Gier gepackt und auch die Israeliten begannen wieder zu weinen und sagten: Wenn uns doch jemand Fleisch zu essen gäbe! Wir denken an die Fische, die wir in Ägypten umsonst zu essen bekamen, an die Gurken und Melonen, an den Lauch, an die Zwiebeln und an den Knoblauch. Doch jetzt vertrocknet uns die Kehle, nichts bekommen wir zu sehen als immer nur Manna.” (Numeri 11, 4-6)

Wir können nicht teurer Kleidung nachweinen, wenn unsere Kleidung und Schuhe nicht vierzig Jahre lang getragen wurden. Mose erinnerte Israel: „Deine Kleider sind dir nicht in Lumpen vom Leib gefallen und dein Fuß ist nicht geschwollen, diese vierzig Jahre lang.” (Deuteronomium 8, 4).

Wir müssen unsere rechtschaffenen Bitten Gott vorbringen. Das ist ein Gebot. Aber vielleicht sollten wir – während wir vor ihm knien und bitten – daran denken, dass Gott es immer richtig macht. Paulus wusste das: „ich habe gelernt, mich in jeder Lage zurechtzufinden.” (Philipper 4, 11)


Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich am 3.9.19  auf latterdaysaintmag.com unter dem Titel „While We Search the Skies for Angels” veröffentlicht. Der Autor ist Ted Gibbons. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: kommzuchristus.org und kirche-jesu-christi.org.

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