Vor kurzem hörte ich von einem älteren Bruder, der jahrzehntelang in verantwortungsvollen Berufungen im Priestertum gedient hatte und als unerschütterlicher Heiliger und Vorbild für Tausende angesehen wurde. Plötzlich begann er, vieles in seinem Leben in Frage zu stellen (einschließlich der Liebe Gottes usw.), und sein Glaube schien erheblich zu schwinden. Die Güte seines Herzens blieb erhalten, aber sein Blick auf das Leben und die Zukunft schien voller Trübsal. Die Mitglieder seiner Familie waren sehr besorgt, dass er diese „letzte Prüfung” nicht bestehen würde. Später ergab sich, dass dieser Bruder an einer psychischen Erkrankung aufgrund des hohen Alters litt, die diese überraschende „Trübsal” usw. verursachte.

Die Krankheit erwies sich als ausreichend behandelbar, so dass seine frühere positive Lebens- und Glaubenseinstellung weitgehend zurückkehrte – ein Ergebnis, das für seine liebende Familie sehr erfreulich war.

Elder Lawrence E. Corbridge von den Siebzigern sagte in seiner Ansprache bei der BYU- Andacht vom 22. Januar 2019: „Wenn Sie sich schlecht verhalten, können Sie denken, dass Sie schlecht sind, obwohl Sie in Wahrheit normalerweise damit falsch liegen… Die Herausforderung besteht nicht so sehr darin, die Lücke zwischen unserem Handeln und unserem Glauben zu schließen. Die Herausforderung besteht vielmehr darin, die Kluft zwischen unserem Glauben und der Wahrheit zu schließen.” Er erklärte weiter, dass falsche Überzeugungen einen Großteil unseres Leidens verursachen. Könnte es sein, dass eine dieser „falschen Überzeugungen” darin besteht, die meisten Schwierigkeiten als eine Art „Prüfung” zu betrachten?

Lassen Sie uns die Weisheit von Elder Corbridge auf diese Situation anwenden. Es war unnötig, die Erfahrung des älteren Mannes als „Prüfung” zu interpretieren. Als die Familie dieses guten Bruders die Lücke zwischen dem Glauben und der Wahrheit schloss – dass der alte Mann an einer psychischen Krankheit litt – lösten sich alle Ängste über den scheinbaren Glaubensverlust in nichts auf.

Dieses verbesserte Verständnis kann uns auch in unserem persönlichen Leben ein Segen sein. Unsere Lasten (individuelle Herausforderungen ebenso wie das Leben in diesem gefallenen Zustand insgesamt) werden erträglicher, wenn wir sie aus der Sicht des Evangeliums betrachten. Wenn wir das Wort  „Prüfung” im Zusammenhang mit dem Zweck unseres Daseins im Sinne des Evangeliums interpretieren, hilft uns dies, im Glauben beharrlich voranzukommen und gleichzeitig mit jedem Schritt Gott näher zu kommen.

Gedanken anregende Reflexionen eines Freundes zum Thema Prüfungen

Zu sehen ist ein Mann von hinten, der sich eine Wand voller Zettel anschaut. So bereiten sich manche auf eine Prüfung vor.

Vor einigen Monaten begann ich eine interessante E-Mail-Korrespondenz mit Markus Gappmaier, einem gebürtigen Österreicher, der derzeit in der Nähe von Bern in der Schweiz lebt und als Ratgeber in der Missionspräsidentschaft der Alpenländischen Mission tätig ist. Bruder Gappmaier bringt darin seine aufrichtige Besorgnis über die Idee zum Ausdruck, dass alle menschlichen Schwierigkeiten irgendwie Teil von Gottes „Prüfung” für uns seien. Er hat mir erlaubt, seine Ideen zu teilen und aus seinen E-Mails zu zitieren.

Bruder Gappmaier ist der festen Überzeugung, dass schwere Herausforderungen, wie eine lähmende, behindernde Krankheit (insbesondere psychische Erkrankungen, die die Verantwortlichkeit sicherlich verringern), zwar als Schwierigkeit, nicht aber als „Prüfung” bezeichnet werden sollten. Er sagt: „Eine genauere Sicht einer bestimmten Situation schließt die Lücke zwischen unseren Vorstellungen und der Wahrheit.” Er ist besorgt darüber, dass der Begriff „Prüfung” SEHR oft in unserer Evangeliumsrhetorik innerhalb und außerhalb von Klassen und Versammlungen auftaucht.

Er hat den großen Wunsch zu zeigen, dass wir alle eine präzisere, evangeliumsbezogene Definition der Herausforderungen des Lebens oder  „Prüfungen”, wenn sie so genannt werden, brauchen. Bruder Gappmaier glaubt, dass das Wort „Prüfung” nur eine mögliche Interpretation einer schwierigen Situation ist. Wenn wir eine negative Lebenserfahrung als „Prüfung” bezeichnen, tragen wir eine bestimmte Brille, die meist von weltlichen Erfahrungen beeinflusst ist. Und da das Wort „Prüfung” mehrere Bedeutungen hat, wird es uns nicht helfen klar zu sehen, wenn wir der Klarheit besonders bedürfen. Klug wäre, klarere Begriffe oder eine explizit evangeliumsbezogene Definition des Wortes „Prüfung” zu wählen, die auf Schriften und Worten der Propheten basieren. „Prüfung” bedeutet in der Regel „Bewährung, Läuterung durch Feuer oder aus Erfahrung lernen”. Ein großer Teil der Evangeliumslehre zeigt, dass Schwierigkeiten in erster Linie dem Lernen dienen. Das Leben ist eine Schule, und geistige  „Prüfungen” sind in keiner Weise wie weltliche Prüfungen, die bestanden oder nicht bestanden werden. Er sagt:

„Wenn dieses Leben wirklich mit Pass/Fail-Tests verglichen werden könnte (wie wir sie seit unserer Kindheit kennen), dann wäre das Ergebnis eindeutig: Nur einer würde es bestehen – der Einzige im Fleisch Geborene, der Sohn Gottes, der wirklich „alles tat, was ihm von seinem Vater befohlen wurde” (siehe Abraham 3:25; Hervorhebung hinzugefügt). Der ganze Rest der Menschheit würde scheitern.

Glücklicherweise zeichnet der große Plan des Glücklichseins aufgrund des Sühnopfers unseres älteren Bruders Jesus Christus ein ganz anderes Bild. Ich fürchte, das Wort „Test” (das nicht Teil unserer Schriften ist) trübt oft unser Verständnis von der göttlichen Güte des großen Plans der Barmherzigkeit, der dieses Leben so sehr von einem weltlichen Prüfungszentrum unterscheidet. Und deshalb ist dieses Thema für mich so wichtig: Andere Worte, Definitionen, Metaphern usw. sind notwendig, um uns vor schädlichen Missverständnissen zu bewahren.”

Der weitere Artikel besteht in der Zusammenfassung der Gedanken von Bruder Gappmaier und meiner Antworten.

Was hält uns davon ab, uns während Prüfungen dem Herrn zuzuwenden?

Zu sehen ist ein Mann der auf dem Boden sitzt, eine Bibel in der Hand hat und nach oben schaut.

Wie wir die Gründe für unser Leiden sehen, wirkt sich täglich auf uns aus. Entweder hilft es uns, die Hilfe des Herrn zu spüren, oder es verletzt uns, indem es die Vorstellung nährt, mit unserem Schmerz allein zu sein. Die Analogie des Propheten Joseph Smith für das Leben als Prozess ähnlich der „Läuterung von Gold” entspricht nicht den Merkmalen von bestandenen und gescheiterten Tests im Prüfungszentrum: Das Ziel oder der „Erfolg” dieses Prozesses ist anders definiert: Reinheit am Ende eines Veränderungs- und Wachstumsprozesses. Wir sind dabei nie allein (unser Vater sorgt dafür, dass uns unsere Herausforderungen nicht überfordern; er und seine Kinder helfen uns zuverlässig). Wir bekommen so viel Zeit, wie in diesem Vorbereitungszustand benötigt wird.

Die Rolle und Absicht unseres vollkommenen Vaters besteht darin, das gewünschte Ergebnis unseres ewigen Lebens „in die Tat umzusetzen” und sicherzustellen, dass wir nicht untergehen, solange wir nicht aufgeben und uns von der Wahrheit abwenden, sondern bereit bleiben, das göttliche Sühnopfer Jesu Christi, des einziggezeugten Sohnes des allmächtigen Gottes, anzunehmen.

Bruder Gappmaier erläutert:

Vor einiger Zeit sprach ein junger Mann aus einer starken Mitgliederfamilie in der Abendmahlsversammlung, nachdem er seine Missionsberufung erhalten hatte. Als er dort auf dem Podium stand und von den vielen Herausforderungen erzählte, die mit der Vorbereitung auf seine Mission verbunden waren, sprach er davon, dass er jede Sekunde seines Lebens von Gott geprüft wurde. Die Angst ließ ihn fast körperlich zittern, als er die Schwierigkeiten aufzeigte, die darin lagen, sie alle allein zu bestehen und trotz aller Bemühungen vor Gott zu versagen. Das überwältigende Gewicht seiner Interpretation des Lebenssinns und seine Furcht, in den unzähligen Prüfungen der Zukunft zu scheitern, waren für alle sichtbar.

Ich fühlte, dass die Interpretation seiner qualvollen Umstände als „Fail/Pass-Tests in einem Prüfungszentrum” ein Missverständnis bedeutete, das seiner Beziehung zu Gott schadete. Wenn wir Widrigkeiten so interpretieren, riskieren wir, Gott zu „verlieren”, indem wir ihn als Quelle dringend benötigter Hilfe ausschließen, wenn wir sie am meisten brauchen. Warum? Es besteht die Gefahr, dass wir Tests als etwas betrachten, das wir allein bestehen müssen, wie in einem Prüfungszentrum. Wir stellen uns vielleicht die Gottheit als Prüfer vor, bereit zu urteilen, aber nicht zu helfen. Dann gehen wir eher davon aus, keine himmlische Hilfe mehr erwarten zu dürfen, um einen harten Test in einem Prüfungszentrum zu bestehen. Dieses Missverständnis der Herausforderungen des Lebens kann dazu führen, dass man die schwierigsten Phasen des Lebens durchläuft, ohne sich glaubensvoll an Gott zu wenden, was ganz im Sinne des Widersachers wäre.

Lehrt oder prüft uns das Leben?

Zu sehen ist ein geöffnetes Buch. Einige Seiten sind so nach innen gafaltet, dass sie ein Herz ergeben. In Zeiten der "Prüfung" können wir uns durch das Lesen heiliger Schrift, das Gebet oder Fasten an den Herrn wenden.

Die Worte vieler Kirchenführer unterstützen die Vorstellung, dass die scheinbar endlosen schmerzhaften Erfahrungen im Leben viele Quellen haben. Einige kommen als Ergebnis unserer eigenen schlechten Entscheidungen, andere als Folge der falschen Entscheidungen anderer und wieder andere als Folge der gefallenen Natur unserer Welt – wie Brände, Überschwemmungen, Tornados, Erdbeben und der Tod von Angehörigen.

Vor kurzem hörte ich mir einen Vortrag mit dem Titel „A Great Wonder in Heaven” von Michael Wilcox an (veröffentlicht von Deseret Book in der Time-Out-for-Women-Serie). Bruder Wilcox erzählte von der Liebe seiner verstorbenen Frau zum Lernen und wie schwierig es für ihn war, als sie starb. Dann sagte er:

„Das Leben ist für mich keine Prüfung. Das Leben ist Lernen. Es gibt nur eine Frage, die zählt: Was hast du aus dem Leben gelernt?”

Das Lernen durch die Herausforderungen des Lebens scheint Teil einer evangeliumsbezogenen Definition von „Prüfung” zu sein. Schwester Wendy Nelson fragte kürzlich: „Hast du übrigens bemerkt, dass unsere Prüfungen oft Lernen beinhalten….?” Elder Robbins hat es so ausgedrückt:

„Fehler sind eine Tatsache des Lebens. Gekonntes Erlernen eines Klavierstückes ist im Wesentlichen unmöglich, ohne Tausende von Fehlern zu machen, ja vielleicht sogar eine Million.”

Bezüglich der Erfindung der Glühbirne sagte Thomas Edison angeblich: „Ich bin nicht 1.000 Mal gescheitert. Die Glühbirne war eine Erfindung in 1.000 Schritten.”

Ja, das Leben deutet darauf hin, dass das, was wir oft „Prüfung” oder gar „Nichtbestehen einer Prüfung” nennen, oft Zeiten unseres größten Lernens und damit wirklich himmlischer Segnungen sein kann.

Als ich eine junge Mutter war, begann ich meinen Tag oft mit dem Gefühl, auf dem Prüfstand zu sein: dass mein ganzes Leben eine Prüfung sei und ich oft scheiterte. Es war keine glückliche Art zu leben! Als sich mein Leben auf eine Weise entfaltete, die ich nie erwartet hätte, dachte ich oft: ,Wenn das Leben ein Test ist, um zu sehen, ob ich das Ideal schaffe, bin ich gescheitert. Aber wenn es im Leben ums Lernen geht, dann habe ich wirklich ein ideales Umfeld dafür geschaffen!’ Eines der wichtigsten Dinge, die ich je gelernt habe, ist, dass es im Leben wirklich ums Lernen geht und dass ich nicht jeden Moment „auf dem Prüfstand” stehe.

Betrachten wir die Idee, dass das sterbliche Leben – im Gegensatz zu den herkömmlichen Pass/Fail-Tests weltlicher Prüfungszentren – wirklich ständig herausfordernde Erfahrungen bietet, die uns etwas lehren sollen, und nicht der Beurteilung oder Einschätzung unserer Person dient. Ich denke an Joseph Smiths Bitten an den Herrn, als er im Gefängnis von Liberty weinte und wusste, dass die Heiligen litten. Die Antwort des Herrn in LuB 122:7 ist entscheidend für unser Verständnis. Der Herr gibt eine Liste der verheerendsten Dinge, die jemandem passieren können, und endet mit:

„wenn die Hölle selbst ihren Rachen weit aufreißt nach dir, dann wisse, mein Sohn, daß dies alles dir Erfahrung bringen und dir zum Guten dienen wird”.

Der Herr kann alle Erfahrungen in unser Wohl, unseren Fortschritt, unser Lernen umwandeln. Weil Joseph sich dem Herrn zuwandte und offen blieb für die Anleitung des Geistes, lernte er. Diejenigen, die dem Propheten am nächsten standen, sagten, dass er danach anders war, stärker in seinem Geist, dass sein Vertrauen in den Herrn vollständig und seine Führung noch liebevoller und fester war.

Warum bezeichnen dann so viele alle schwierigen Erfahrungen als „Tests”? In einer E-Mail schlug Bruder Gappmaier unter Verwendung von Zitaten aus den letzten Konferenzen Folgendes vor:

„Schwierige Erfahrungen könnten als Wachstumsschmerzen angesehen werden, die es uns ermöglichen, mehr wie unser himmlischer Vater zu werden, von dessen Zustand des Seins, der Gottheit, wir „nur eine Generation” entfernt sind. Diese Herausforderungen sollen uns helfen, „geistig zu wachsen” und uns darauf vorbereiten, „ihm im Familienunternehmen beizutreten” als „Erben in seinem Königreich”. Wir „sollen nicht geistig unter dem Einfluss dessen untergehen, was Präsident Oaks kürzlich als ,Streitkräfte des Lebens’ bezeichnete, sondern inmitten von ihnen „wie Gold geläutert” werden, „von Misserfolg zu Misserfolg wachsen”, auf einer immer höheren Ebene versagen, „ohne die Begeisterung zu verlieren”.

Diese zahlreichen individuellen und herausfordernden Erfahrungen, die viele Heilige leider als bestandene/nicht bestandene Prüfungen interpretieren, sollen uns auf kommende Segnungen „vorbereiten”, so dass wir uns bereit erweisen können, sie in dieser „Probezeit” und diesem „Vorbereitungszustand” der Sterblichkeit zu erlangen (und diese Lehre finden wir sowohl im Buch Mormon als auch in der Köstlichen Perle).

Der Erlöser bietet Ruhe an, keine Tests

Zu sehen ist Jesus Christus, der die Tochter des Jairus liebevoll anschaut, welche er soeben von den Toten erweckt hat.

Widrigkeiten im Leben, die durch notwendige Widerstände („konkurrierende Streitkräfte”) in der Sterblichkeit entstehen, sind oft sehr belastend. Jeder Mensch erlebt unzählige Herausforderungen im Leben, manchmal schwerwiegende. Missverständnisse über die Eigenschaften von Widrigkeiten erschweren es, Schwierigkeiten gläubig und in Würde zu ertragen, und können dazu führen, dass sie länger andauern als nötig und uns sogar daran hindern, von ihnen zu lernen, was wir lernen sollten. Das Leben ist für die meisten von uns bereits hart genug, ohne die Folgen solcher Missverständnisse. Was könnte uns mehr nützen, als in dieser entscheidenden Angelegenheit „die Kluft zwischen unserem Glauben und der Wahrheit zu schließen” (Elder Corbridge)?

Für einige ist das Wort „Test” falsch definiert und wirkt wie ein Auslöser oder ein Knopfdruck, der das Gewicht einer bereits schweren Last deutlich zu erhöhen scheint. Es scheint so viel klüger, sich stattdessen auf die Einladung Christi zu konzentrieren, zu ihm zu kommen und unsere schweren Lasten loszulassen. In Matthäus 11:28-30 steht:

„Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht.”

Nicht allein, sondern im Joch Jesu „mit eingespannt”

Zu sehen ist ein Joch. Christus sagte "Nehmt mein Joch auf euch." Wenn wir dies in unseren Herausforderungen tun, wird er unsere Lasten leichter machen. das hat er uns verheißen.

Wir alle würden davon profitieren, wenn wir den Satz verstehen würden:

„Nehmt mein Joch auf euch.”

Einige betrachten ein Joch als eine schwere Last, die allein getragen werden muss. Per Definition verbindet ein Joch jedoch zwei Tiere miteinander und hat den ausdrücklichen Zweck, das Gewicht der Last zwischen den beiden zu teilen. Christus sagt uns, dass er uns nie allein lassen wird, sondern mit uns „eingespannt” wird, damit seine Stärke und göttliche Hilfe unsere Schwäche ausgleichen können. Er sagt, dass wir unsere Lasten nie allein tragen müssen, und dass wir, wenn wir mit ihm verbunden oder im selben Joch sind, immer gute Früchte hervorbringen werden (siehe Johannes 15), auch wenn wir stolpern oder sogar manchmal auf dem Weg des „Werdens” scheitern.

Ich liebe den Wortlaut der Schrift in Römer 8:35.39: „Wer kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert? … weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.”

Der Herr lässt uns nie im Stich, vergisst uns nie. Er sagt: „Siehe, ich habe dich auf die Flächen meiner Hände gezeichnet” (1 Nephi 21:16).

Die folgenden Schriftstellen erinnern uns auch daran, dass Gott immer nahe ist, um uns zu helfen, uns in schweren Zeiten zu unterstützen und uns unsere Lasten zu erleichtern:

Alma 33:23: Und dann möge euch Gott gewähren, daß eure Lasten leicht seien durch die Freude an seinem Sohn. Und all dies könnt ihr tun, wenn ihr nur wollt. Amen.

Mosia 18:8: Und es begab sich: Er sprach zu ihnen: Siehe, hier sind die Wasser Mormon (denn so wurden sie genannt), und nun, da ihr den Wunsch habt, in die Herde Gottes zu kommen und sein Volk genannt zu werden, und willens seid, einer des anderen Last zu tragen, damit sie leicht sei,…

Mosia 24:15: Und nun begab es sich: Die Lasten, die Alma und seinen Brüdern aufgelegt waren, wurden leicht gemacht; ja, der Herr stärkte sie, so daß sie ihre Lasten mühelos tragen konnten, und sie unterwarfen sich frohgemut und mit Geduld in allem dem Willen des Herrn.

Was bedeutet und… sie hierdurch prüfen”?

Zu sehen ist die Aufnahme eines Teiles der Erde aus dem All.

Aber was ist mit Abraham 3:25, wo es heißt: „und wir wollen sie hierdurch prüfen und sehen, ob sie alles tun werden, was auch immer der Herr, ihr Gott, ihnen gebietet”? Unterstützt dieser Wortlaut nicht die Idee eines „Tests” und „Prüfungszentrums”?

In einer Andacht am 6. Januar 2015 erklärt Kevin J. Worthen, der derzeitige BYU-Präsident, dies gut:

„Diese Erde, der Rahmen für unsere sterbliche Existenz, wurde geschaffen, damit wir uns selbst „beweisen” können. Ich glaube, wir werden die volle Bedeutung des Wortes „prüfen” in dieser Schriftstelle vielleicht nicht verstehen. Im täglichen Gebrauch bedeutet das Wort beweisen, etwas zu demonstrieren, was bereits existiert. So machen wir Abschlussprüfungen, die zeigen, wie viel wir wissen von dem, was wir in diesem Semester studiert haben. Aber das Oxford English Dictionary bietet eine zusätzliche Bedeutung für das Wort beweisen. Es deutet darauf hin, dass beweisen auch bedeutet, „durch Erfahrung herausfinden, lernen oder kennen”.

Ich glaube, dass die Gelegenheiten, die wir haben, uns in diesem Leben zu beweisen, nicht dazu bestimmt sind, Gott zu zeigen, wie gehorsam wir schon waren, bevor wir auf die Erde kamen. Er und wir wussten das bereits. Gott hat diese Erde geformt und uns diese sterbliche Existenz gegeben, damit wir uns im anderen Sinne dieses Wortes „beweisen” können – damit wir Wahrheiten durch Erfahrung „herausfinden, lernen oder kennen” können, die wir nicht bereits kannten und nur so lernen könnten.

Ich glaube, es gibt bestimmte Dinge – einige davon sind für unsere Erhöhung wesentlich – die wir nur durch Erfahrung lernen können. Wir hätten nicht in unserem vorirdischen Zustand bleiben können, uns alle Attribute der Göttlichkeit merken und dann, nach bestandener schriftlicher Prüfung, wie unsere himmlischen Eltern werden können. Wir kommen auf die Erde, um uns selbst zu „beweisen”, um aus unseren eigenen Erfahrungen zu lernen, wie wir das Gute vom Bösen unterscheiden können und um andere wichtige Lektionen zu lernen, die wir nur durch unsere eigene Erfahrung lernen können.

Fazit

Zu sehen ist Jesus Christus, der einigen seiner Jünger vorausgeht. Viele von ihnen sahen sich derzeit großen Herausforderungen gegenüber.

Ich frage mich immer wieder, warum jemand zu dem Schluss kommt, dass Gottes Hauptzweck darin besteht uns zu „testen”, obwohl er das Ende von Anfang an kennt und alle unsere Entscheidungen jetzt vor ihm als ewigem Wesen stehen (siehe 1 Nephi 9:6: „Doch der Herr weiß alles von Anfang an”). Jede „Prüfung” muss also zu dem Zweck erfolgen, dass wir mehr über uns selbst erfahren, da Gott bereits alle Antworten kennt.

Ich schließe mit Bruder Gappmaiers eindringlichem Zeugnis:

„Der Erlöser quält uns nicht mit irgendeinem schwierigen Test und lässt uns damit alleine, damit wir entweder bestehen oder scheitern. Vielmehr bietet unser sterbliches Leben unzählige Lernerfahrungen, von denen viele schwierig sind; und alle können im Beisein unseres himmlischen Vaters durchlebt werden. Er begleitet uns und bietet an, mit uns ins selbe Joch gespannt zu werden, um uns so seine Liebe, Unterstützung und Führung am besten zu vermitteln. Auf diese Weise mit Gott verbunden, tragen uns die starken Gegenwinde, die wir alle erleben, nur immer näher an ihn heran.

Ich bin so dankbar für endlose zweite Chancen in dieser Phase des Lernens und Werdens (wie Elder Robbins es kürzlich ausdrückte). Ich bin dankbar, dass mein Glaube an Christus durch die Widrigkeiten des Lebens verbessert werden kann und dass ich meine Bereitschaft beweisen kann, ihm zu vertrauen und ihm zu folgen, in schwierigen oder einfachen Situationen. Ich bin sehr froh, dass wir aufgrund der vollkommenen Liebe unseres Vaters „wie Silber geläutert werden” (Psalm 66:10), mit unseren Namen in seinen Handflächen, wo sie in diesem harten Prozess unseres „Werdens” nie vergessen werden (Jesaja 49:16). Eines Tages werden wir rein vor Ihm stehen können, durch das Sühnopfer unseres Herrn und Erlösers.

Unsere Entscheidungen hier sind genauso entscheidend wie unsere Entscheidungen in unserer vorirdischen Existenz. Wir haben uns damals für Christus entschieden; wenn wir Christus hier wieder wählen, werden wir uns sicher auf den Empfang der ewigen Segnungen Gottes vorbereiten und Schritt für Schritt bereit sein, ihm aus der Tiefe unserer Herzen heraus zu folgen. Während unsere Entscheidungen im Leben zählen und eine ewige Wirkung haben können (genau wie in der Präexistenz), macht dies das Leben nicht automatisch zu einem Prüfungszentrum, und die Herausforderungen des Lebens nicht zu einem Pass/Fail-Test.

So viele unserer aktuellen Definitionen des Wortes „Test” scheinen uns mehr zu schaden als uns zu helfen, in unserem Glauben an unseren Erlöser voranzukommen. Wenn wir mehr von der Wahrheit sehen, können wir erkennen, dass seine Hilfe und rettende Hand in all unseren Prüfungen gegenwärtig ist. Diese Hand muss akzeptiert, ja, ergriffen werden, damit sie eine große Hilfe ist. Je besser wir die wahre Bedeutung unseres sterblichen Leidens und Gottes liebevolle, aufmerksame, nie versagende Hilfe verstehen, desto seltener werden wir uns in den härtesten Stunden unseres Lebens allein oder überfordert fühlen.”

Und deshalb glauben Bruder Gappmaier und ich nun, dass das Leben eher ein Lernlabor als ein Prüfungszentrum ist! Diese Perspektive ist tröstlich und versichert uns, dass Gott beständig den Wunsch hat, bei jedem Schritt unseres Lernens mit uns zu sein.

„Darum sei euer Herz getrost; denn alles wird für diejenigen, die untadelig wandeln, zu ihrem Guten zusammenwirken” (LuB 100:15).


Dieser Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich auf latterdaysaintmag.com unter dem Titel „The Problem With Calling Life’s Challenges a “Test”” veröffentlicht. Die Autorin ist Darla Isackson. Übersetzt von Janine Windhausen.

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