2 Timotheus 3:1-4
„In den letzten Tagen werden schwere Zeiten anbrechen. Die Menschen werden selbstsüchtig sein, habgierig, prahlerisch, überheblich, bösartig, ungehorsam gegen die Eltern, undankbar, ohne Ehrfurcht, lieblos, unversöhnlich, verleumderisch, unbeherrscht, rücksichtslos, roh, heimtückisch, verwegen, hochmütig, mehr dem Vergnügen als Gott zugewandt.“

Vorgestern sprach ich mit meiner Frau über unsere Kindheit. Damals lernte ich auf den Knien meiner Mutter zwischen „Richtig und Falsch“ zu unterscheiden. Sie lehrte mich gemäß dem, was sie aus der Bibel kannte. Als sie selbst eine Jugendliche war, musste sie den evangelischen Religionsunterricht am Nachmittag besuchen. „Schon damals“, sagte sie, „hatten wir einen schwindenden Respekt vor dem Pfarrer. Wir hörten kaum zu.“ Bei meiner Urgroßmutter gab es im Klassenzimmer dagegen noch den Rohrstock, dafür wurde in der Kirche aber noch stillgesessen. Jeden Sonntag ging es in den Gottesdienst.
In den vergangenen 100 Jahren hat sich die Bedeutung der christlichen Religion in Deutschland stark vermindert. Nach einigen Studien, die ich mir interessiert ansah, wähnen sich über 60% der über 66-jährigen Deutschen als religiös erzogen, wohingegen unter 20% der Jugendlichen bekundeten, eine ähnliche Erziehung empfangen zu haben (2010, EKD; 2014 EKD/welt.de). Immer weniger Heranwachsende kennen die Geschichten aus der Bibel und wissen welche moralischen Grundsätze sie verdeutlichen. Filme wie Evan Allmächtig (Originaltitel: Evan Almighty), die auf Bibelgeschichten aufbauen, machen sich eher einen Spaß aus dem Gottesglauben, dessen moralischer Wert kaum noch in den Medien vertreten wird. Treue Glaubensanhänger verschiedener Religionen kommen in unseren Medien immer häufiger nur noch als gefährliche Fanatiker, Abergläubische und Freiheitsdiskriminierende ins Bild.

Die Frage, die sich mir dabei stellt, ist diese: wenn unsere Großeltern bekundeten, ihre moralischen Wertevorstellungen durch religiöse Erziehung erlangt zu haben, wie wirkt sich dann ein Wegfall dieser Erziehung auf unsere Gesellschaftsnormen aus?

Wie ich, haben Sie sicherlich auch ähnliche Sätze aus dem Mund der Betagteren gehört, wie z.B. diesen: „Als ich noch jung war, haben wir die älteren Herrschaften auf der Straße noch freundlich grüßen müssen!“ oder „Wenn ich mir das damals erlaubt hätte, dann hätts‘ aber was gesetzt!“ Fallen mit jedem neuen Jahrzehnt weitere Umgangsformen weg, die vor kurzem noch selbstverständlich waren?
Vielleicht ist es einmal an der Zeit, ein paar der so altmodischen und freiheitseinschränkenden Bibellehren hervorzuholen und auf ihren Wert zu untersuchen.

Fangen wir mal an:

Die “gefährlichen” Lehren der Bibel

Eine glückliche Familie

Familie – Vater, Mutter, Kinder. Gibt sie uns eine Stabilität und Sicherheit, die wir nirgendwo anders bekommen können?

Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren (u.a. Exodus 20:12). Auf den ersten Blick nichts Schlechtes. Immerhin haben Vater und Mutter einem das Leben geschenkt und in den ersten zerbrechlichen Lebensjahren das Laufen gelehrt und vor Treppenstürzen bewahrt. Die Muslime nehmen diesen Grundsatz sehr wichtig. Vielleicht trägt er zu den engen Familienverbünden bei, die bei ihnen vorherrschen und ihnen Sicherheit geben.

Du sollst nicht töten (u.a. Matthäus 19:18). Ja, das ist wohl ein richtiges Verbot. Auf eine Art freiheitseinschränkend, aber immerhin so wichtig für moderne Gesellschaften, dass das Gebot es zum Verbot geschafft hat und in unsere Gesetzbücher aufgenommen wurde.

Du sollst nicht stehlen (u.a. Exodus 20:15). Macht auch Sinn. Hat es auch in unsere Gesetzbücher geschafft. Ein sehr nützliches Gesetz, das den persönlichen Besitz regelt.

Du sollst nicht ehebrechen (u.a. Exodus 20:16). Dieser Rat hört sich für viele heutzutage fast unverschämt frech an. Ist aber kein Rat, sondern ein Gebot. War ebenso mal Teil unseres Gesetzes. Vor 50 Jahren durften ein Mann und eine Frau, die nicht verheiratet waren, sich in Deutschland keine gemeinsame Wohnung mieten. Diskriminierend? Zwar scheinen mir langfristig stabile, vertrauensvoll geführte Ehen wie das perfekte Nest für in Sicherheit, Liebe und Unterstützung heranwachsende Sohnemänner und Töchterchen, aber nun haben wir uns als zu freiheitsliebend und unfähig erwiesen der Gesellschaft diese Stabilität zu bieten. Wenn wir alle heute noch, genauso wie vor vielen Jahren, gemeinsam die Bibel studieren würden und sonntags nebeneinander in der Kirche säßen, gäbe es dann noch ähnlich viele Scheidungen?

Teure Sport Wagen (Bild) sind auch ein Grund, warum wir heutzutage mehr Religion bedürften.

Würden wir weniger Geld für Status-Symbole ausgeben, wenn uns keiner mehr drum beneidete?

Du sollst nicht lügen (u.a. Exodus 23:7). Neben dem Offensichtlichen schließt dieses Gebot vielleicht auch mit ein, dass wir generell freundlicher und gutmütiger übereinander denken und ehrlicher handeln, weil es für uns überhaupt gar nicht in Frage käme die Unwahrheit zu sagen. Gegen so eine Lügen-vorbeugende Gesellschaft hätte ich gar nichts einzuwenden. Es erscheint mir nämlich auch, dass eine Abneigung gegenüber dem Lügen mit mehr Respekt, weniger Ausreden, mehr Verantwortung und natürlich auch mehr Aufrichtigkeit und weniger Hinterlist gleichkommt.

Du sollst nicht begehren, was deinem Nachbarn gehört (u.a. Deuteronomium 5:18). Wenn man den Nachbarn nicht mehr um seinen Porsche, den neuen Pool, den Australien-Urlaub oder dessen Frau beneiden kann, wofür lebt man dann eigentlich? Ich stelle mir vor, dass wir uns miteinander über unsere Erfolge und Errungenschaften freuten. Was für ein toller Nachbar wäre es, wenn er mir meinen Ferrari gönnt und sich an meinem schönen Garten erfreut! Vielleicht würde ich ihn dann sogar mal mitfahren lassen. Auf jeden Fall wären wir alle zufriedener. Passend, dass das Wort ‘zufrieden‘ den allgemeinen ‚Frieden‘ miteinschließt.

Apropos Ferrari – mich würde mal interessieren, auf wie viele Dinge wir auf einmal verzichten könnten, würde uns keiner mehr darum beneiden …

Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen (Matthäus 5:44). Was wäre wenn die Staatsoberhäupter der Welt am Abend jeder für sich niederknieten und ihren jeweiligen Gott bäten, ihnen zu helfen, ihre Feinde zu lieben und zu verstehen, und darüber hinaus ihnen das Herz zu erweichen? Klar, Meinungsverschiedenheiten werden dadurch nicht spurlos aufgelöst, aber das nächste Mal wenn sie sich träfen, kämen dort Menschen zusammen, die einen tiefen Wunsch entwickelt hätten, einander zu respektieren und die willig wären einander im Frieden und Gutwillen die Hand zu reichen. Wie oft in unserem Leben ist der Wunsch der erste Schritt zum Ziel.

Wer seinem Bruder zürnt, dem droht der Rat (Matthäus 5:22). Warum müssen wir denn immer erst darauf warten, bis das große Unglück geschieht? Wie viele Streitigkeiten könnten VOR der Eskalation beruhigt werden, wenn wir darauf achteten selbst Gefühle des Ärgers, des Streites und des Zorns im Keim zu ersticken und gegenseitig aufeinander achteten?

Vergebt siebenundsiebzig Mal! (Matthäus 18:21,22) Vergeben und loslassen, das ist wichtig. Das wissen wir jetzt auch, weil es in Psychologie-Büchern steht. Mussten wir natürlich erstmal wissenschaftlich beweisen, bevor wir dieser zweitausendjährigen Bibellehre das Häkchen machen konnten. Ehepartner, Geschwister, Verwandte, Freunde, wie Feinde scheinen hier alle miteingeschlossen zu sein.

Manchmal frage ich mich, wie viele Dinge wir denn noch beweisen müssen, bevor wir endlich sagen können: „Und die Bibel hat doch Recht!“ Müssen wir erst im Wartezimmer oder in der Apothekenumschau lesen, dass gutmütige, geduldige Menschen gesünder leben? Dass gesicherte, starke Ehen mit einer den Bedürfnissen der Familie angepassten Rollenverteilung einfach besser für Kommunen sind als KiTa’s und alleinerziehende Eltern? Dass romantische Beziehungen für einen Mann und eine Frau gedacht sind, nicht nur weil das demographisch und biologisch am sinnvollsten ist.

Dass wir heute mehr Religion denn je brauchen, denkt auch Thomas S. Monson (Bild).

Thomas S. Monson – Präsident der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und von Gott als Prophet, Seher und Offenbarer berufen, wie einst Mose, Jeremia oder auch Petrus.

Eigentlich scheinen wir doch die Antworten auf viele unserer selbstverschuldeten Probleme parat zu haben. Wenn wir unsere Nachbarn und uns selbst aufmerksam zur Sonntagsschule schleppten, kämen uns wahrscheinlich eine Menge einfacher Problemlösungsvorschläge in Erinnerung, die schon seit Tausenden von Jahren als erfolgreich erprobt gelten.
Am Ende bin ich sicher nicht der Letzte, der überhaupt nicht davon überzeugt ist, dass wir uns gesellschaftstragfähige moralische Grundlinien, universal übereinstimmend, selbst aus unserer selbstverwirklichenden Ich-Kultur-Nase ziehen werden.
Sicherlich sind in der Geschichte viele abscheuliche Dinge im Namen von Religion geschehen. Wie damals geht es aber auch heute darum, nicht nur religiöse Strukturen zu besitzen, sondern Religion persönlich anzuwenden, um sich von ihr zu einem besseren Menschen machen zu lassen. Gefährlich scheinen die Lehren der Bibel nur, wenn man sich in den Kopf gesetzt hat, genau das Gegensätzliche von dem zu tun, wozu sie einem raten.
Ja, es gibt einen Gott! Und ja, er schickt wirklich immer wieder Propheten (Mose, Abraham, Paulus, Joseph Smith, Thomas S. Monson), die den Menschen immer wieder das Gleiche erzählen. Warum? Weil wir es immer wieder vergessen. Weil wir immer wieder versuchen unsere eigenen Regeln zu schreiben. Dabei ist uns der Weg zu immerwährendem Frieden und Freude schon lange gegeben worden. Vielleicht sollten wir anfangen, uns nicht nur die Kirschen rauszupicken (Du sollst nicht töten, Du sollst nicht stehlen,…), sondern das Komplettpaket anzunehmen.


Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage herausfinden möchten, besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org oder lds.org.