„Wenn der Heilige Geist Zeugnis von der Wahrheit aller Dinge gibt, warum ignorieren dann so viele die Botschaft des Evangeliums? Es steckt mehr dahinter – Glaube geht dem Wunder voraus.”

Der Lehrer kommt, wenn der Schüler bereit ist.

Jeder, der schonmal Kinder unterrichtet hat, weiß wie schön es ist, wenn man das Funkeln der Erkenntnis in den Augen des Schülers sieht, bei dem es „klick” gemacht hat. Gleichermaßen kennt jeder, der ein College absolviert hat, den Kampf, den Schweiß, die Tränen und Opfer, die dahinterstecken – und den Moment, in dem all die Bemühungen sich bezahlt machen und man sein Diplom erhält. Wenn wir ehrlich sind, kommen die Aha-Erlebnisse, die lebensverändernden Lektionen des Lebens, dann, wenn wir demütig und belehrbar sind; wenn wir bereit sind, unsere vorher erdachten Ideen, unseren Stolz und unsere Vorurteile beiseite zu tun, um etwas zu lernen, das unser Verständnis übersteigt. Das Sprichwort „Der Lehrer kommt, wenn der Schüler bereit ist” stammt aus der Lehre Buddhas, aber das Prinzip dahinter wohnt auch dem Evangelium Jesu Christi inne. „Darum bestreitet nicht, weil ihr nicht seht, denn ein Zeugnis empfangt ihr erst, nachdem euer Glaube geprüft ist.” (Ether 12:6) Im Buch Mormon vergleicht Alma Glauben mit einem Samenkorn. Bevor wir es pflanzen, müssen wir die Erde untersuchen – ist sie fruchtbar genug, damit das Samenkorn Wurzeln schlagen kann? Mit andern Worten: Ist das Herz der Person, die Erkenntnis sucht, offen, um Erkenntnis zu empfangen? Diese Bedingung ist unerlässlich, um die Botschaft des Heiligen Geistes zu hören.

Glaube ist erst der Anfang.

Meine Vorbereitung

Ich schaue auf mein Leben zurück und sehe, wie sorgfältig der himmlische Vater mich auf die Botschaft des Evangeliums vorbereitet hat. Es fing mit einer festen Grundlage in meinem Glauben an Jesus Christus an, durch meine alte Kirche. Aber ich hatte den brennenden Herzenswunsch nach mehr Wissen und wollte Widersprüche in der Lehre schlichten. Es ging um den ewigen Plan, den Gott haben musste, und ich hoffte darauf, diesen Plan zu finden. Meine Fragen und mein Wunsch nach Wissen erweichten mir das Herz und machten mich belehrbar. Als ich erwachsen war, traf ich auf die Missionare und ich war bereit, ihre Botschaft zu empfangen. Aber ich war auch bereit für mehr als nur wiederhergestellte Lehren – mein Herz war bereit, ein Zeugnis durch den Heiligen Geist zu empfangen.

Ein Zeugnis vom Heiligen Geist ist von göttlicher Natur. Es ist ein besonderes Zeugnis, das Gott allen seinen Kindern gibt, die aufrichtig nach ewigen Wahrheiten suchen. Es ist eine geistige Erfahrung, sowohl unbeschreiblich als auch unbestreitbar, weil sie über das weltliche Verstehen hinausgeht. Hast du jemals ein Zeugnis im Geist empfangen – vielleicht war es ein Gedanke, der dir kam, und du wusstest, dass es nicht dein eigener war, und dennoch war es eine Eingebung, etwas zu sagen, was für den Moment absolut unerlässlich war? Oder vielleicht hattest du ein Gefühl der Klarheit über eine Angelegenheit, mit der du zu kämpfen hattest; auf einmal hattest du eine kristallklare Lösung? Womöglich nennst du sowas Ahnungen, Zufälle oder schlichtweg Glück – aber vielleicht waren sie etwas mehr als das. Kannst du dein Herz für die Möglichkeit öffnen, dass ein liebender Gott versucht dir zu helfen? Wenn ja, dann bist du, der Schüler, bereit, und der Lehrer hat schon die ganze Zeit gesprochen.

Manche Schüler sind Spätzünder oder Einzelgänger.

Nicht alle Schüler sind bereit, wenn wir es gerne hätten – es gibt Spätzünder oder Einzelgänger, die vielleicht die Botschaft des Evangeliums nicht hören, wenn wir sie hören, weil wir unterschiedlich schnell Fortschritt machen. Es schien mir lange Zeit merkwürdig – als ich die Botschaft einmal verstanden hatte, fragte ich mich, warum nicht alle anderen das auch taten. Aber Wissenserwerb ist ein andauernder Fortschritt – uns wird gegeben, womit wir umgehen können, Zeile um Zeile, Weisung um Weisung, gemäß unserer Demut im Herzen – und unserem Maß an Glauben. Ich erinnere mich, als ich in der Schule saß und mich mit Bruchrechnungen rumschlug. Zunächst hat es keiner von uns verstanden, und dann stand einer nach dem anderen auf und rief „Ahhhh! Jetzt verstehe ich es!” Ich war frustriert, weil ich nicht sehen konnte, was sie sahen. Also strengte ich mich noch mehr an und gab einfach nicht auf. Schlussendlich ging das Licht in meinem Kopf an und ich konnte dieses Konzept auf einer höheren Ebene nachvollziehen. Ich schaute mich im Klassenzimmer um und sah, wie der Rest der Schüler nacheinander sagte „Ich hab´s verstanden”. Einige brauchen einfach länger als andere.

Mit Geduld kann man alles lernen.

Für das Evangelium wurde ich jahrzehntelang vorbereitet. Ich fragte mich, ob ich die Botschaft akzeptiert hätte, wenn ich sie früher gehört hätte. Ich weiß es nicht. Aber ich weiß, dass der himmlische Vater mich auf die Zeit vorbereitet hat, als ich es brauchte.

Manche Schüler ignorieren – es ist ihre Entscheidung, ihren eigenen Weg zu finden.

Ich denke an einen Gast bei meiner Taufe, der Atheist war, zurück. Er fand Vergnügen darin, meine Entscheidung in Frage zu stellen. Als er einen kleinen Einblick in die Evangeliumsbotschaft hatte – durch kurze Momente, in denen ich etwas einwerfen durfte – sah ich einen Schimmer von Verständnis in seinen Augen. Ich fragte mich immer, warum er sich nicht schon früher mit der Kirche beschäftigt hatte. Jetzt ist die Antwort klar – der Heilige Geist sprach zu einem Mann, der nicht dazu bereit war zuzuhören. Die Botschaft war wahr, aber da der Schüler nicht zuhören wollte, konnte die Botschaft nicht einsinken. Sie landete wie ein kalter Tropfen Wasser auf einer warmen Stirn – genug für einen Moment scheinbarer Erfrischung, aber nicht genug, um den Körper abzukühlen. Und in Nullkommanichts trocknete der Tropfen auf der Stirn. Es war nicht seine Zeit, um die Fülle des Evangeliums zu empfangen.

Glücklicherweise ist der Botschafter ein liebender Gott, der seine Kinder nicht für ihre Umstände verurteilt. Seine Wege sind nicht unsere Wege und sein Zeitplan ist nicht unser Zeitplan. Ein liebender Gott wartet geduldig, und wenn seine Kinder bereit sind, sendet er erneut durch den Heiligen Geist seine Botschaft.

Manche Schüler lehnen ab – nicht einmal Christus konnte Wunder für sein eigenes Volk vollbringen.

Der Schüler muss Glauben haben, um zu lernen.

Glaube ist eine mächtige Komponente dieser Gleichung. Der Heilige Geist kann Zeugnis geben, aber es ist der Glaube des Einzelnen, der es möglich macht, dass sich ein Zeugnis im Herzen verankert. Ohne Glauben können keine Wunder vollbracht werden. Im Markus-Evangelium, in der Bibel, wird von einer Zeit geschrieben, als Christus keine Wunder vollbringen konnte. In Kapitel sechs besucht Jesus seine Heimatstadt und kämpft mit dem Unglauben seines Volkes. Es mangelte ihnen so sehr an Glauben, „er konnte allda nicht eine einzige Tat tun; außer wenig Siechen legte er die Hände auf und heilte sie.”(Markus 6:5) Die Schüler waren nicht bereit für ihren eigenen Lehrer – den Meister selbst, von Gott gesandt. Später in dem Kapitel ist Jesus unter Menschen, die ihn kennen und lieben. Dort vollbringt er wieder Wunder. Diese Leute waren bereit, ihren Lehrer zu empfangen.

Ein reuiges Herz, ein zerknirschter Geist und Glauben, weiterzugehen – die Zeichen dafür, dass der Schüler bereit ist.

In unserer eigenen Sturheit schaffen wir es manchmal nicht, dem Boten zuzuhören. Der Prozess, ein demütiger Schüler zu werden, verläuft zyklisch, wie die Jahreszeiten. Niemand hat immer ein perfektes Herz. Es ist Teil des Menschseins, Lektionen zu lernen, sogar dieselben Lektionen, Tag für Tag. Solange wir uns daran erinnern, dass der himmlische Vater uns genug liebt, um uns den Heiligen Geist zu senden – den Tröster, den Lehrer – solange haben wir Zugang zu göttlichen Wahrheiten.

Der Heilige Geist ist der Lehrmeister – von Geist zu Geist – mit einer unleugbaren Botschaft. Aber wir können diese Botschaft nur dann hören, wenn wir bereit sind sie zu empfangen.


Über Nanette O`Neil

Nanette O’Neal liebt das Evangelium und ist sehr glücklich, ihr Zeugnis über LDS Blogs zu geben. Sie ist eine zur Kirche Bekehrte und fühlt immer noch den Geist stark in ihrem Herzen brennen. Sie schloss die Mason Gross School of the Arts mit einem Abschluss in Musik-Erziehung ab und hat über zwanzig Jahre lang Kinder und Erwachsene im privaten und öffentlichen Bereich unterrichtet. Nanette studiert weiterhin das Evangelium und die Kunst des Schreibens. Sie schreibt wöchentlich inspirierende Artikel in ihrem Blog und arbeitet momentan an einer HLT-Fantasy-Bücher-Reihe, A Doorway Back to Forever (Eine Tür zurück zur Ewigkeit). Sie finden sie über NanetteONeal.blogspot.com. Nanette hat einen wunderbaren Ehemann und einen talentierten Sohn.

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt und am 14. Juni 2015 auf www.ldsblogs.com veröffentlicht. Die Autorin ist Nanette O’Neal. Übersetzt von Maren Leit.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.