Unser Freund John wunderte sich darüber, dass es immer weniger Grillen gab. Früher konnte man ihren Lärm noch an jedem lauen Sommerabend hören. Inzwischen waren sie aber fast verstummt. Was war der Grund dafür? Pestizide? Frost? Eine Wanderbewegung?

Dann bekam er ein Hörgerät. Und an seinem ersten Abend damit fragte er seine Frau: „Die Grillen machen ja solch einen Lärm! War das schon immer so?”

Wahrscheinlich kennen wir alle jemanden, dessen Hörvermögen schlechter geworden ist und dem es schwerfällt, die Stimmen um ihn herum richtig wahrzunehmen. Das kann auch mit unserem „geistigen Hörvermögen” passieren. Im Laufe der Zeit verringert sich vielleicht unsere Empfindlichkeit für geistige Botschaften oder verschwindet ganz. Wir werden geistig taub.

„Ihr habt seine Stimme von Zeit zu Zeit gehört; und er hat mit einer leisen, sanften Stimme zu euch gesprochen, aber ihr hattet kein Gefühl mehr dafür, und so konntet ihr seine Worte nicht fühlen.” (1 Nephi 17:45)

Ich kenne einen älteren Hohepriester. Fragt man ihn, was seine großartigsten geistigen Erfahrungen seien, bezieht er sich immer noch auf Erlebnisse während seiner Mission vor über 60 Jahren. Selbstverständlich sollte er sich noch immer an diese geistigen Erfahrungen erinnern und sie schätzen, aber es ist bedauernswert, dass er keine neueren Begegnungen mit dem Geist weiß.

Gebet Vorbereitung Missionare

Hat er aufgehört, nach dem Geist zu suchen oder sich Rat vom Himmel zu wünschen? Denkt er, dass der Geist ihm in Bezug auf sein Leben nichts mehr zu sagen hat?

Ich vergleiche diesen Hohepriester mit meinem alten Pfahlpräsidenten, der jedes Tempelinterview mit dieser Frage begann: „Wann haben Sie den Heiligen Geist das letzte Mal gespürt?” Jedes Mal, wenn er mir diese Frage stellte, fühlte ich mich wie von himmlischem Licht umhüllt. Allein, dass er die Frage stellte, brachte den Geist in unser Gespräch.

Wir können unsere geistige Empfänglichkeit mit der Reaktion eines Pferdes auf den Reiter vergleichen. Gott wäre in diesem Vergleich der Reiter. Wenn er durch das Zaumzeug das Pferd in eine Richtung zu lenken versucht, würde ein widerwilliges Pferd widerstreben – und seinen eigenen Plan haben. Ein gutes Pferd wird nachgeben und die entsprechende Richtung einschlagen. Ein großartiges Pferd reagiert schon, wenn der Reiter nur sein Gewicht im Sattel verlagert. Wir können uns ganz nach seinem Willen ausrichten. Aber nur, wenn wir ihn bereitwillig annehmen.

Wie können wir seinen Einfluss und seine Führung besser in unserem Leben spüren? Natürlich gibt es die Standard-Antworten auf diese Frage. Diese Antworten sind aber oft oberflächlich. Und sie erwecken den Eindruck, dass es einen allgemeingültigen Ablauf gibt, um auf den Geist zu hören. Dem ist nicht so. Jeder hat seinen eigenen Kommunikationsstil und Lernprozess. Unser Vater versteht uns, wie wir sind, und passt seine Weise, mit uns zu kommunizieren, entsprechend an. Statt allgemeinen Empfehlungen Folge zu leisten, sollten wir entdecken, wie Gott mit uns persönlich spricht.

Für manche ist das durch Musik. Beispielsweise kann ich mir das Lied Glorious vom One Voice Children’s Choir nicht anhören, ohne dass ich vor Freude weinen muss. Es berührt mich immer.

Manch einem mag es so gehen, wenn er in der Natur ist. Zeit draußen zu verbringen, an diesem von Gott geschaffenen Ort, stellt für sie die Verbindung zum Himmel her.

Dankbar für die Natur

Für jemand anderen mag es das Gebet sein. Aber es gibt so viele Weisen zu beten. Versuchen wir, dem Schema eines anderen zu folgen, frustriert uns das vielleicht. Elder Douglas Callister empfahl bei einer Andacht, die ich am Snow College hörte, statt jeden Tag das gleiche auswendig gelernte Gebet aufzusagen, bewusst zu wählen, worüber wir mit unserem Vater sprechen. Nur ein, zwei oder drei Dinge. Er empfiehlt, dass wir wie ein Kind zu einem vielgeliebten Vater sprechen sollen. Auf diese Weise erinnern wir uns daran, wofür wir gebetet haben, wenn wir uns von unseren Knien erheben, und es wird nicht das gleiche sein wie in der Nacht zuvor bzw. wie es am nächsten Abend sein wird.

Mancher fühlt sich dadurch erbaut, dass er Zeugnis gibt. Es bereitet mir große Freude, über Gottes großartiges Werk zu sprechen und zu schreiben. Indem ich das tue, lehrt er mich Neues.

Manch einer findet Zugang zum Göttlichen durch Nachdenken. Manch einer baut die Verbindung zum Geist auf, indem er Fragen stellt und dann auf Antworten wartet.

Wir können lernen, Gottes Stimme in den Schriften zu erkennen. Es gibt tausende Möglichkeiten, ihn durch die Schriften zu entdecken, indem wir Studienhilfen nutzen oder mit Freunden gemeinsam studieren. Je nachdem, wie sich unsere Bedürfnisse verändern, passen wir unser Studieren an. Und wie wir studieren, hängt auch von unserer Persönlichkeit ab.

Was funktioniert für euch am besten? Wenn ihr über die besten Erfahrungen, die ihr mit dem Geist gemacht habt, nachdenkt – wie sind diese Erfahrungen zustande gekommen? Wie stellt der himmlische Vater zu euch persönlich Kontakt her? Wie empfangt ihr am besten seine Botschaften für euch? Wie könnt ihr öfter bedeutsame Erfahrungen mit dem Geist machen?

Wir alle sollten danach streben, herauszufinden, wie wir die Beziehung zum Heiligen Geist in unserem einzigartigen, persönlichen Leben ausbauen können. Der Heilige Geist widmet sich voll und ganz der Aufgabe, uns wohlbehalten durch dieses Durcheinander „Sterblichkeit” zurück zum Vater zu führen. Es ergibt Sinn, dass wir mit ihm zusammenarbeiten.

Böte sich uns die Gelegenheit, dass uns eine berühmte Persönlichkeit der Geschichte besuchte, wie würden wir uns auf diesen Besuch vorbereiten? Wahrscheinlich würden wir das sehr ernst nehmen. Wir würden uns vermutlich gründlich vorbereiten. Vielleicht würden wir uns Fragen überlegen. Vermutlich würden wir sorgfältig und respektvoll zuhören. Wir würden uns vielleicht Notizen machen. Und nach dem Treffen würden wir wohl über die Begegnung nachdenken. Sollten wir also die Gelegenheit, Zeit mit einem Boten Gottes zu verbringen, nicht genauso ernst  nehmen? Wir sollten diese Gelegenheit so oft wie möglich wahrnehmen! Wir sollten uns seine Anwesenheit bewusst machen und uns entsprechend verhalten. Wir sollten mit den Eindrücken, die er uns vermittelt, mit dem entsprechenden Respekt umgehen. Wir sollten uns Gedanken über die Wahrheiten machen, die wir von ihm erfahren, und entsprechend handeln.

Ich führe aus diesem Grund ein kleines Freude-Tagebuch. Ich schreibe jeden Tag auf, was gut lief. Natürlich bezieht das auch Botschaften vom Himmel mit ein. Sie sind wie kleine Geschenke, die in Freude verpackt sind. Sie inspirieren, trösten und geben mir Führung. Ich möchte sie bemerken, mich daran erinnern und mein Leben ihnen gemäß führen.

Eine Einladung

Nehmt euch heute fünf Minuten Zeit und denkt über die folgenden zwei Fragen nach: Was können wir tun, um besser auf Gottes Botschaften zu achten? Was können wir tun, um unser Leben nach ihnen auszurichten?


Wally Goddard

Wally Goddard ist Professor and der Universität von Arkansas. Er arbeitet im Bereich Familienforschung und entwickelt Programme zum persönlichen Wohlergehen, zum Thema Ehe und Elternschaft. Er ist Autor und Koautor mehrerer Bücher. Neue Ideen stellt er auf seinem englischsprachigen Blog www.drwally.org vor. Er hat bereits mehrere Auszeichnungen für seine Arbeiten erhalten. Wally und seine Frau Nancy sind Eltern dreier erwachsener Kinder. Sie haben neun Enkel und haben sich in ihrer 36-jährigen Ehe um mehr als 20 Pflegekinder gekümmert. Wally beschreibt Nancy als den besten Menschen, den er jemals gekannt hat.

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich am 22.1.18  auf ldsmag.com unter dem Titel „How Can I Receive Heavenly Guidance?” veröffentlicht. Der Autor ist Wallace Goddard. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.