Mormonen (Spitzname für die Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage) glauben, dass das Leben einen Zweck hat. Wir sind unter anderem hier, um Gott wieder zu finden (bei dem wir gelebt haben, bevor wir zur Erde kamen), um uns zu verpflichten so zu leben, wie Gott und Jesus Christus es wollen, und um zu Gott und nach Hause zurückzukehren. Unsere Verpflichtung gegenüber den Gesetzen Gottes basiert auf unserer Liebe zu ihm. Je größer unsere Liebe und unser Glaube, desto leichter wird der Gehorsam.

Der Plan der Erlösung

Der Plan der Erlösung nach der Lehre der Mormonen: Alle Menschen, die auf der Erde leben, waren zuvor im Vorherdasein zusammen mit Gott, dem Vater ihres Geistes. Der Schleier ließ sie ihre göttliche Herkunft vergessen, bevor sie auf die Erde kamen um getestet zu werden. Nach diesem Leben erfolgt eine Art Wertung unseres Verhaltens auf der Erde und dementsprechend entscheidet sich, ob wir zukünftig in Gottes Gegenwart leben können, um so zu werden wie er, oder ob wir in einem geringeren Teil seines Reiches bleiben, in dem Fortschritt nur begrenzt möglich ist.

Trotzdem konzentrieren wir uns manchmal zu sehr auf dieses sterbliche Leben und vergessen, dass es lediglich ein

In heiligen Tempeln heiraten Mormonen für Zeit und Ewigkeit. Wenn sie treu gemäß den Geboten Gottes leben, hat ihre Ehe über den Tod hinaus bestand.

kleiner Schritt in einem sehr langen ewigen Leben ist. Wenn dieses Leben alles wäre, was wir haben, würden wir vielleicht anders leben. Unsere Entscheidungen wären vielleicht anders, und die Dinge, die hier so viel bedeuten, könnten dann tatsächlich wichtig sein. Nichtsdestotrotz ist dieses Leben nicht alles, was wir haben. Darum müssen unsere Entscheidungen mit dem Blick auf die Ewigkeit getroffen werden statt mit unserem eingeschränkten Blick auf das, was in der Sterblichkeit zählt.

Ich habe vor kurzem wieder einmal einen alten Roman für junge Erwachsene gelesen, der “My Davy” (mein Davy) heißt, geschrieben von Janet Lambert. Er wurde in den 1960ern geschrieben, als es noch in Ordnung war, dass Bücher offen ausgedrückte moralische Werte enthielten. Obwohl der Titel sich nach romantischem Roman anhört, ist Davy in Wirklichkeit nur der ältere Cousin der Heldin Parri. Er dient ihr auch als Mentor in ihrem Leben, der einzige, dem es jemals gelang, den eigensinnigen Teenager dazu zu bringen, über Entscheidungen weise und gründlich nachzudenken.

Improvisiere Dein Leben nicht, bevor Du dazu in der Lage bist

young boy playing pianoAm Ende des Buches erklärt sie ihm, was sie durch einige kritische Entscheidungen, die sie im Lauf ihres Lebens treffen musste, gelernt hat. Sie erzählt ihm, dass sie sich daran erinnere, wie sie, als sie klein war, gezwungen wurde Klavierunterricht zu nehmen. Sie hasste es leidenschaftlich, dieselben langweiligen Noten immer und immer wieder zu spielen, Noten von denen sie wusste, dass Millionen von Kindern sie auf dieselbe Art und Weise gespielt hatten. Sie begann zu improvisieren und die Noten drum herum zu verändern. Sie dachte, es wären wunderschöne neue Töne, aber ihr Lehrer erklärte ihr, dass sie Missklänge verursachten. Es gab einen Grund, warum sie so aufgeschrieben waren, wie sie es waren.

Parris Mutter erläuterte ihr, dass Anfänger üben und die gleichen Töne immer und immer wieder spielen müssen, um zu lernen, wo alles auf der Tastatur liegt und wie sie am besten ihre Finger bewegen. Sobald sie sich ihrer selbst sicher wäre und mehr über Musik wüsste, wäre sie in der Lage zu improvisieren – aber das würde eine Weile dauern. Parri weigerte sich zu warten, und nun war sie nicht mehr in der Lage Klavier zu spielen.

Parri erklärte Davy, “Als ich heute Morgen daran dachte, kam ich zu dem Schluss, dass das tägliche Leben sehr dem Klavierunterricht ähnelt. Wenn wir täglich treu unsere Übungen machen – Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit, Zuverlässigkeit und liebevolle Güte… wenn all diese Dinge automatisch werden, dann haben wir es geschafft. Dann können wir improvisieren.”

Ich denke, dass wir zu oft in unserem Leben gleich zum Improvisieren springen wollen, ohne uns die Zeit zu nehmen zu lernen, wie die Dinge funktionieren und welche Töne gut zusammen klingen. Wir wissen nicht genug über die Musik Gottes, um die Tragweite unserer Entscheidungen zu verstehen, und unsere Entscheidungen gründen auf kurzfristigen, nicht langfristigen Zielen. Zu früh zu viel Improvisation kann letztendlich bedeuten, dass wir erkennen, dass wir nicht Klavier spielen können – oder nicht das werden können,  was Gott für uns vorgesehen hat.

Gott schrieb die Musik für unser Leben

family walking home from church

Das heißt nicht, dass es niemals Prüfungen gibt, aber unsere Herzen und unser ewiges Leben sind durch die Noten des von Gott geschriebenen Musikstücks geschützt. Wir werden das Ziel des ewigen Lebens bei unserem Vater im Himmel erreichen.

Das Problem ist, dass wir dazu neigen, die Notenlinien neu gestalten zu wollen. Wir spielen vor uns hin und entscheiden, dass ein Ton zu schwer zu treffen ist. Also ersetzen wir ihn durch einen, der leichter zu spielen ist.  Wir entscheiden, dass eine Passage zu schlicht ist, also peppen wir sie auf und machen sie aufregender. Wir finden, dass eine Stelle uns zu sehr hemmt, also ändern wir sie ab. Wir wissen aber nicht, was dabei herauskommt, wenn wir uns nicht an die Vorgaben halten.

Im Leben geht es in Wirklichkeit nicht um Sterblichkeit. Die Sterblichkeit ist ein Vorspiel und die Hauptprobe für das ewige Leben. Wenn wir die Möglichkeit bekommen bei Gott zu leben, wollen wir bereit sein. Wir wollen seiner Gegenwart würdig und ihm so ähnlich wie möglich sein. Wir wollen, dass es selbstverständlich ist, unseren Willen an Gottes Willen auszurichten.

Wenn das unser Ziel ist, werden wir nicht wahllos vor uns hin improvisieren. Wir studieren die Schriften und die Lehren der Propheten Gottes. Wir üben uns in den Tugenden, die Gott uns zugewiesen hat. Wir geben zu, dass die Regeln und Ziele aus unsere eingeschränkten Sicht manchmal keinen Sinn ergeben, aber wir vertrauen Gott. Wir mögen die Regeln nicht verstehen, aber Gott versteht sie. Er weiß, wozu diese Regeln da sind, und er kennt die Konsequenzen und die Segnungen unserer Entscheidungen bezüglich dieser Regeln. Wir fragen uns: “Wird das denn für die Ewigkeit tatsächlich eine Rolle spielen?”

Es ist für uns wichtig, das Evangelium genauso zu leben, wie es uns Gott und Jesus lehren. Schlupflöcher zu suchen, in die falsche Richtung kreativ zu werden, uns auf uns selbst und das, was wir wollen, zu konzentrieren anstatt auf das, worum Gott uns gebeten hat, und sich auf das Jetzt statt auf die Ewigkeit zu fokussieren lohnt sich am Ende nicht. Wenn ich mich Einschränkungen gegenüber sehe, frage ich mich: “Wird mich diese Einschränkung aus Gottes Gegenwart ausschließen?” Wenn nicht, ist es unnötig, sich über sie zu beklagen. Wenn ich eine Regel finde, die ich nicht einhalten möchte, frage ich mich, ob das Brechen dieser Regel es wert ist, die Ewigkeit dafür einzutauschen. Das ist es niemals. Ewiges Leben, die Möglichkeit für immer bei Gott zu sein, ist wichtiger als jede Regel, die ich mir denken kann. Wenn ich mir nicht ganz sicher bin, ob etwas wirklich eine Regel ist, bete ich und frage Gott. Ich muss nicht blind gehorchen. Gott hat alles so eingerichtet, dass ich beten kann und Antworten auf meine Fragen bekomme.

Das heißt nicht, dass alle Mormonen ein identisches Leben führen. Es gibt viele Bücher für Klavieranfänger, und sie enthalten alle andere Lieder, aber sie alle führen letztendlich dazu, dass man in der Lage ist Klavier zu spielen, wenn man übt. Im Leben hat Gott viele Entscheidungen uns selbst überlassen. Er hat uns nicht allen die gleichen Talente gegeben. Er lässt uns aus einer Vielzahl von guten Entscheidungen wählen – aber die Auswahl ist nicht unbegrenzt. Wir müssen uns auf die guten Entscheidungen beschränken und nicht auf die beliebtesten. Wir können Schwerpunkte setzen, aber sie sollten innerhalb des vom Herrn gesetzten Rahmens liegen.

Im täglichen Leben ist es Gott wahrscheinlich egal, ob wir uns dafür entscheiden, Lehrer oder lieber Polizist zu sein. Beide Entscheidungen mögen zu seinem Plan für uns passen. Allerdings können wir uns nicht entscheiden ein Bankräuber zu werden. Wir können uns entscheiden manche unserer Kirchenaufgaben lieber zu mögen als andere. Dann kann er uns oft unsere Favoriten geben. Aber wir können nicht die verlangen, für die wir nicht berechtigt sind. Wir können uns entscheiden, unsere Kinder in Musik statt in Schauspiel zu unterrichten, und wenn Gott ein Kind nicht eigens an das Theater berufen hat, wird das auch in Ordnung sein.

Das Leben bietet uns viele Entscheidungsmöglichkeiten an, aber diese Entscheidungen müssen zuerst mit Gott abgestimmt werden. Wenn wir unser Leben an Gottes Leben ausrichten und das Leben führen, das er für uns ausgewählt hat, sind wir geschützt. Wir können improvisieren, aber wir müssen wissen, welche Töne gut zusammen klingen – und das sind immer Gottes Töne.

Gott schrieb die Musik für unser Leben. Er arbeitete einen großartigen Plan der Erlösung aus und gab uns Gebote, die uns helfen können, unser Leben sicher zu steuern. Wenn wir innerhalb der Vorgaben bleiben, ist der Klang unseres Lebens vollkommen harmonisch.

Blickt auf den Herrn!

Text und Musik von Marvin K. Gardner.
Deutscher Liedtext:
Blickt auf den Herrn, im Glauben strebt voran!
Die Hoffnung hell erleuchte Herz und Sinn.
Liebt euren Gott, den großen Herrn ICH BIN.
Halleluja, halleluja, halleluja.
Blickt auf den Herrn, und weidet euch am Wort!
Sein Name sei euch tief ins Herz geprägt.
Kommet zu Gott, damit im Licht ihr lebt.
Halleluja, halleluja, halleluja!
Blickt auf den Herrn, harrt bis ans Ende aus!
Verkündet freudevoll die Liebe sein.
Ja, so spricht Gott: „Ihr seid auf ewig mein!“
Halleluja, halleluja, halleluja!

Dieser Artikel wurde im Original von Terrie Lynn Bittner verfasst und auf der Seite ldsblogs.com veröffentlicht. Er wurde aus dem Englischen übersetzt von Tanja Kraft.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage erfahren möchten, besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten: lds.org oder mormon.org.