Eine von vier Personen weltweit ist, an dem einen oder anderen Punkt ihres Lebens, von psychischen Problemen oder neurologischen Beschwerden betroffen.

Momentan leiden weltweit 450 Millionen Menschen unter den lähmenden Effekten einer psychischen Krankheit, ungeachtet ihrer Herkunft, sozioökonomischen Klasse, ihres Geschlechts, Bildungshintergrunds, ihrer Beschäftigung oder Religion.

Weil so viele unter den weitreichenden Effekten von psychischen Krankheiten leiden, haben Propheten und Generalautoritäten das Thema angesprochen. Elder Jeffrey R. Holland gab vor nicht allzu langer Zeit eine eindringliche Ansprache bei der Generalkonferenz über psychische Krankheiten. In seiner Ansprache „Wie ein zerbrochenes Gefäß” spricht er die ansteigende Epidemie von psychischen Krankheiten direkt an.

Die Zahl der Betroffenen steigt stetig, auch unter den Mitgliedern der Kirche. Die Worte der Kirchenführer können Trost spenden und diejenigen leiten, die unter den unterschiedlichen Formen mentaler Krankheiten leiden. Hier sind ein paar Aussagen von Kirchenführern über psychische Krankheiten und die davon Betroffenen.

Eine psychische Krankheit zu überwinden hängt nicht von „positivem Denken” oder „sich zusammenreißen” ab

In seiner Ansprache „Wie ein zerbrochenes Gefäß” adressiert Elder Holland die bestehende und oftmals falsche Vorstellung, dass das Überwinden einer psychischen Krankheit, wie eine Depression oder Angststörung, eine Frage des „positive[n] Denkens” oder „Zusammenreißen[s]” sei.

Obwohl diese Taktiken sicherlich nützlich sind, wenn die gelegentlichen Gefühle der Entmutigung und Traurigkeit kommen, darf man nicht vergessen, dass psychische Krankheiten, wie Depressionen oder Angststörungen, nicht damit zu vergleichen sind und darum auch nicht gleichermaßen behandelt werden können. Elder Holland sagte:

Auf die Weise des Glücklichseins

Heute spreche ich aber über etwas Schwerwiegenderes, über ein Leiden, das so schlimm ist, dass die Leistungsfähigkeit des Betroffenen erheblich eingeschränkt ist; einen Abgrund in der Gemütsverfassung, der so tief ist, dass niemand ernsthaft behaupten kann, er würde sich schon schließen, wenn das Opfer sich nur zusammenreißen und positiver denken würde – obwohl ich ja sonst sehr für das Zusammenreißen und positives Denken bin!

Nein, diese finstere Umnachtung von Geist und Gemüt ist mehr als nur Mutlosigkeit.”

Elder Holland sagt in seiner Ansprache, dass psychische Krankheiten so real wie andere gesundheitliche Leiden seien, wie z.B. zu hoher Blutdruck oder ein bösartiger Tumor. Obwohl wir durch Priestertumssegen, das Schriftstudium, das Gebet und den Rat anderer Frieden, Trost und Kraft finden können, ist es wichtig, dass wir professionelle Hilfe aufsuchen, wenn die Symptome einer psychischen Krankheit bestehen bleiben. Elder Holland sagte in seiner Ansprache:

Wenn sich alles weiter verschlimmert, suchen Sie Rat bei anerkannten Fachleuten mit entsprechender Ausbildung, hohem Können und positiven Wertvorstellungen. Erzählen Sie ihnen offen und ehrlich, wie es Ihnen ergangen ist und was Ihnen Probleme bereitet. Überdenken Sie gebeterfüllt und verantwortungsbewusst, was Ihnen geraten und welche Lösung Ihnen empfohlen wird. Hätten Sie eine Blinddarmentzündung, würde Gott von Ihnen erwarten, dass Sie um einen Priestertumssegen bitten und die bestmögliche medizinische Versorgung in Anspruch nehmen. Das Gleiche gilt für seelische Störungen. Unser Vater im Himmel erwartet von uns, dass wir uns alle wunderbaren Gaben zunutze machen, die er uns in dieser herrlichen Evangeliumszeit gegeben hat.”

Gott liebt dich immer noch und du bist nie allein

Psychische Krankheiten haben die Wirkung, dass die Opfer sich in einem Nebel befinden und nicht dazu in der Lage sind, einen klaren Gedanken zu fassen oder die Person zu sein, die sie waren. Das kann eine einsame, frustrierende Erfahrung sein und Betroffene fragen sich, ob sie der Liebe des himmlischen Vaters noch würdig sind.

Präsident Thomas S. Monson berichtet in seiner Konferenzansprache „Wir sind niemals allein” (Oktober 2013) von der Macht der Liebe des himmlischen Vaters, die wir sogar dann erfahren können, wenn wir eine psychische Krankheit durchstehen müssen.

Meine lieben Schwestern, der Vater im Himmel liebt jede Einzelne von Ihnen. Diese Liebe wird nie vergehen. Sie wird nicht davon beeinflusst, wie Sie aussehen, was Sie besitzen oder wie viel Geld Sie auf dem Konto haben. Sie ändert sich nicht durch Ihre Talente und Fähigkeiten. Sie ist ganz einfach vorhanden. Sie ist für Sie da, wenn Sie traurig oder glücklich sind, ohne Mut oder voller Hoffnung. Die Liebe Gottes ist für Sie da, ob Sie diese Liebe nun zu verdienen meinen oder nicht. Sie ist ganz einfach immer vorhanden.”

Als Elder Dallin H. Oaks jung war, verstarb sein Vater. Er wurde zu seinen Großeltern geschickt und lebte dort, während seine Mutter zur Schule ging. Elder Oaks berichtet von seinen Erfahrungen mit psychischen Krankheiten. Während dieser schwierigen Zeit, die auch vor allem schwer für seine Mutter war, beschreibt Elder Oaks die himmlische Hilfe, die in dieser dunklen Zeit für seine Familie kam.

Depressionen und andere psychische Krankheiten können ein Leben auf drastische Art und Weise verändern.

Der Tod meines Vaters und die darauf folgende Trennung von meiner Mutter waren schwierige Erfahrungen für mich. Als ich 9 Jahre alt war dachte ich, dass niemand auf der Welt so unglücklich sein kann wie ich.

Für meine Mutter war der Verlust ihres Ehemannes und die Trennung von ihren drei Kindern innerhalb von zwei Monaten zu viel. Sie erlitt einen Nervenzusammenbruch. Ihr wurde gesagt, dass sie sich davon niemals erholen würde. Aber durch die Segnungen des Herrn erholte sie sich und war danach stärker als jemals zuvor.” (Elder Dallin H. Oaks, LDS Leaders and Mental Illness,” Mormon Channel).

In seiner Konferenzansprache im Oktober 2015 teilt Elder Oaks, dass Mitglieder der Kirche, die unter psychischen Krankheiten leiden, niemals allein sind, wegen des Sühnopfers Christi. Durch das Sühnopfer hat der Heiland alle unsere Erdenleiden erlebt, auch psychische Krankheiten.

Zu Beginn seines Wirkens hat Jesus erklärt, dass er gesandt wurde, um „diejenigen zu heilen, deren Herz gebrochen ist“ (siehe King-James-Bibel, Lukas 4:18). In der Bibel ist oft die Rede davon, dass er sein Volk von Krankheiten und Leiden heilt (siehe Lukas 5:15; 7:21). Im Buch Mormon steht, dass er diejenigen heilte, „die auf irgendeine Weise bedrängt waren“ (3 Nephi 17:9). Im Matthäus-Evangelium wird erläutert, dass Jesus das Volk heilt, damit sich erfüllt, „was durch den Propheten Jesaja gesagt worden ist: Er hat unsere Leiden auf sich genommen und unsere Krankheiten getragen“ (Matthäus 8:17).

Jesaja macht deutlich, dass der Messias unsere „Krankheit“ und unsere „Schmerzen“ auf sich nimmt (Jesaja 53:4). Jesaja sagt uns auch, wie der Herr uns stärkt: „Fürchte dich nicht, denn ich bin mit dir; hab keine Angst, denn ich bin dein Gott. Ich helfe dir, ja, ich mache dich stark.“ (Jesaja 41:10.)”

Du bist mehr als deine Krankheit

Präsident George Albert Smith, der achte Prophet der Kirche, hatte mit Angststörungen und Depressionen zu kämpfen.

Einer der Enkelsöhne von George Albert Smith, George Albert Smith der Fünfte, sagte, dass sein Großvater „mit Depressionen kämpfte, sich inkompetent und überwältigt fühlte. Es gab Zeiten, in denen er sich einfach nicht zusammenreißen konnte” (Mormon Channel).

psychische Krankheiten

Trotz dieser enormen Herausforderungen war Präsident George Albert Smith ein von allen geliebter Prophet und „einer der sanftmütigsten und christusähnlichsten Männer unserer Dispensation”, wie Elder Holland es ausdrückt.

Wir wollen auch daran denken, dass das Leben trotz aller Krankheiten und schwierigen Probleme immer noch vieles zu bieten hat, worauf wir hoffen und wofür wir dankbar sein können. Was uns ausmacht, ist unendlich viel mehr als unsere Beschränkungen und unsere Bedrängnisse!”

Elder Holland berichtet in seiner Konferenzansprache auch von seinen eigenen Erfahrungen mit psychischer Krankheit. Trotz der Herausforderungen und Belastungen, die psychische Krankheiten mit sich bringen, berichtet Elder Holland von der Hilfe, die er von Gott und seinen Lieben empfing; diese halfen ihm, seine hinderlichen Symptome durchzustehen:

In unserer Ehe gab es eine Zeit, als finanzielle Ängste und extreme Müdigkeit aufeinandertrafen und mir psychisch einen Schlag versetzten, der ebenso unerwartet wie real war. Dank Gottes Gnade und der Liebe meiner Familie hielt ich mich aufrecht und machte weiter, aber selbst heute, nach vielen Jahren, empfinde ich immer noch tiefes Mitgefühl für alle, die regelmäßig oder noch tiefgreifender als ich damals von einer solchen Schwermut erfasst werden. Auf jeden Fall macht uns das Beispiel derer Mut, die – wie der Prophet Joseph Smith es ausgedrückt hat – „den finsteren Abgrund erforsch[t] und betrachte[t]“3 und ausgehalten haben” (Elder Jeffrey R. Holland, “Wie ein zerbrochenes Gefäß”).

Obwohl eine psychische Krankheit überwältigend ist und alles verzehrt, besteht die Hoffnung, dass es mehr gibt, wofür es sich lohnt zu leben, als nur der Trübsinn der Krankheit.

Halte an der Hoffnung fest

Im Oktober 2016 sprach Schwester Carole M. Stephens bei der Schwesternkonferenz. In ihrer Ansprache „Der größte aller Heiler” teilt sie eine ergreifende Geschichte über das Festhalten an  Hoffnung während psychischer Krankheit.

Die Geschichte handelt von Josie, einer Frau mit einer bipolaren affektiven Störung. Eines Tages, als Josie so einen Tag hatte, an dem sie regelrecht auf dem Boden lag und sich nicht aufrichten und funktionieren konnte, hatte sie dieses Erlebnis:

Eine lange Stunde folgte, und meine Mutter flüsterte mir immer wieder zu: ,Ich würde alles tun, um dir den Schmerz zu nehmen.‘

Durch den Erretter können wir von jedem Fehler umkehren

Die Finsternis wurde schlimmer, und als ich überzeugt war, sie nicht mehr aushalten zu können, geschah ein Wunder.

Plötzlich wurde mein Körper von einer überragenden, herrlichen Macht ergriffen. Mit einer Kraft, die meine eigene übertraf,14 und mit fester Überzeugung sagte ich zu meiner Mutter, die meine Schmerzen für mich tragen wollte, zwei Sätze, die alles veränderten: ,Das brauchst du nicht. Jemand hat es schon getan.‘“

Im finsteren Abgrund einer lähmenden psychischen Erkrankung brachte Josie die Kraft auf, für Jesus Christus und sein Sühnopfer Zeugnis abzulegen.

Sie erholte sich an diesem Tag nicht vollständig, aber sie empfing in einem schwarzen Augenblick das Licht der Hoffnung. Heute hat Josie ein felsenfestes Verständnis von der Lehre Christi. Sie trinkt täglich aus des Heilands Quelle lebendigen Wassers und geht mit unerschütterlichem Glauben an den größten aller Heiler weiter in Richtung Heilung. Sie hilft auf ihrer Reise auch anderen. Sie sagt: „Wenn die Finsternis unablässig über mich hereinbricht, denke ich daran, wie ich seine liebevolle, große Barmherzigkeit schon gespürt habe. Sie ist mein Licht, das mich in schweren Zeiten führt” (Carole M. Stephens, Der größte aller Heiler”).

Obwohl psychische Krankheit mit qualvollen Symptomen einhergeht und es so scheint, als wäre alle Hoffnung verloren, kann das Festhalten an der Hoffnung Licht in unser Leben bringen. Wie Präsident Ezra Taft Benson im Oktober 1974 in einer Ansprache sagte („Do Not Despair“):

Weiterzumachen in edlen Bestrebungen, auch wenn man von einer Wolke der Depression eingeschlossen ist, wird schlussendlich zum Sonnenschein führen. Auch unser Herr Jesus Christus, als er für eine Zeit vom Vater verlassen wurde während der Kreuzigung, hörte nicht damit auf, das Werk für die Menschenkinder zu vollbringen. Kurz darauf wurde er verherrlicht und empfing eine Fülle der Freude. Wenn du durch eine Prüfung gehst, kannst du dich an deine bereits errungenen Erfolge erinnern und die Segnungen zählen, die du hast, mit der sicheren Hoffnung, dass größere folgen, wenn du glaubenstreu bleibst. Du kannst eine sichere Erkenntnis davon haben, dass Gott zu gegebener Zeit alle Tränen wegwischen wird und dass kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben” (1 Kor. 2:9)”

Obwohl psychische Krankheiten und ihre Auswirkungen real sind, ist es wichtig, die Macht des Evangeliums in unserem Leben und die Hoffnung, die es bringen kann, nicht zu unterschätzen. Wie Jeffrey R. Holland in seinem Kirchen-Video „Like a Broken Vessel” sagt: Das Evangelium kann eine heilende Macht in unserem Leben sein, wenn wir mit Hoffnung in seine Lehren leben.

Du glaubst du bist ein zerbrochenes Gefäß und sieh an, durch das Wunder des Evangeliums wird dein Gefäß geheilt, vervollständigt, wieder zusammengefügt. Und das ist die Hoffnung, die jeder haben muss – körperliche Krankheit, seelische Krankheit. Und das ist Hoffnung mit großem H”. . . .Ich spreche nicht von einer Wunschvorstellung. Ich spreche von der Hoffnung, dass die Gnade Gottes ausreichend ist, dass wenn wir zu ihm kommen, alles was kaputt ist repariert wird. Das ist das große Versprechen des Evangeliums (Elder Jeffrey R. Holland, „Like a Broken Vessel“).


Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt und am 13. Juni 2017 auf www.ldsliving.com veröffentlicht. Die Autorin ist Katie Lambert. Übersetzt von Maren Leit.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.