Im Grunde war ich schon mein ganzes Leben lang Schriftstellerin. Darum schäme ich mich, das folgende Geheimnis preiszugeben: Ich bin und war immer eine schreckliche Tagebuchschreiberin.

Vor ein paar Jahren fand ich ein Tagebuch, das ich mir vom Taschengeld gekauft hatte, als ich etwa acht Jahre alt war. Darin findet sich wohl ein Eintrag vom Mai. Ich habe nicht geschrieben, wie mein Tag war oder über die Schule, sondern über meinen Geburtstag von VOR SIEBEN MONATEN. (Oktoberbabys, wo seid ihr?!) Ich hatte eine Barbie bekommen, die mir wirklich gefiel, und meine Oma hatte mir mein Lieblingsfrühstück gemacht. Also schätze ich, dass ich das Gefühl hatte, dass dies alle neueren Ereignisse übertrumpfte.

Meine Tagebucheinträge seit dieser Zeit waren bestenfalls sporadisch… Und da ich leider nur selten Tagebuch schreibe, muss ich, wenn ich es tue, jedesmal noch über wichtige Ereignisse aus den Monaten zuvor schreiben (obwohl ich hoffentlich ein wenig besser geworden bin, da ich normalerweise nicht mehr das einbeziehe, was ich in all den Wochen zum Frühstück gegessen habe).

Doch trotz meiner Unzulänglichkeiten im Tagebuchschreiben gibt es eine Sache, in der ich ziemlich gut bin: meine geistigen Erfahrungen niederzuschreiben.

Denn meiner Erfahrung nach ist das der Schlüssel zu Offenbarung.

Aufzeichnungen über geistige Eindrücke führen

Zu sehen ist eine aufgeschlagene Bibel und rechts davon ein Tagebuch. Die Gedanken und Fragen zu dem, was wir in den heiligen Schriften lesen, aufzuschreiben, kann uns helfen, persönliche Offenbarung zu empfangen.

In einem Liahona-Artikel mit dem Titel „Freude am Lernen” aus dem Jahr 2016 diskutiert Tad R. Callister die Bedeutung der Aufzeichnung geistiger Erfahrungen – und wie der Herr uns dann weitere Offenbarung geben und uns weiterhin mit heiligen Erfahrungen segnen wird:

Warum ist es so wichtig, geistige Erlebnisse, die wir in der Kirche oder anderswo haben, aufzuschreiben? Nehmen wir einmal an, eine Mutter spricht mit ihrem minderjährigen Sohn. Mitten im Gespräch sagt er: „Mama, das ist ein wirklich guter Rat.“ Dann zückt er ein Notizbuch und schreibt auf, was für Eindrücke er während des Gesprächs hatte. Würde die überraschte Mutter, nachdem sie sich wieder gefangen hat, ihrem Sohn nicht noch mehr gute Ratschläge geben wollen?

Zweifelsohne ist das auch bei Ratschlägen von unserem himmlischen Vater so. Wenn wir die Eingebungen, die wir von ihm empfangen, aufschreiben, gibt er uns sehr wahrscheinlich noch mehr Offenbarung. Außerdem erscheinen uns manche Eingebungen vielleicht anfänglich nur wie ein einfacher Gedanke, ein klitzekleiner Same, aber wenn wir ihn nähren und darüber nachdenken, können sie in geistiger Hinsicht zu großen Bäumen heranwachsen.

Der Prophet Joseph Smith hat erklärt, warum es so wichtig ist, Erkenntnisse und Eindrücke aufzuschreiben:

„Wenn man über wichtige Fragen sprechen möchte, diese aber nicht aufschreibt, dann zieht sich womöglich der Geist zurück, weil man es versäumt hat, sie niederzuschreiben, als Gott sie einem offenbart hat. Man hat sie vielleicht nicht als wertvoll genug erachtet. Vielleicht gibt oder gab es reiche Erkenntnis von unendlicher Bedeutung, die jetzt verloren ist.“

Ich kann zu 100% dafür bürgen, dass das, was Bruder Callister und der Prophet Joseph gesagt haben, wahr ist. Wenn der Herr uns Offenbarung gibt und wir ihm zeigen, dass es uns wichtig ist, wird er uns mehr geben. Auf der anderen Seite ist es so, dass wenn wir diese Momente der Erleuchtung nicht erkennen und festhalten, die einst helle Erinnerung und das Gefühl verblassen, bis sie verdunkelt und vergessen sind.

Offenbarung erfordert unsere Bemühungen

Zu sehen sind zwei zum Gebet gefaltete Hände. Das Gebet ist ein wichtiges Mittel, um persönliche Offenbarung von Gott zu erhalten.

Das ist die Sache mit der Offenbarung: Sie erfordert Anstrengungen von uns. Es erfordert Fragen, Zuhören und dann etwas mit der erhaltenen Antwort zu tun (d.h. sie aufzuschreiben und gegebenenfalls darauf zu reagieren). Wenn wir dem Herrn zeigen, dass wir seine Worte schätzen, indem wir diese Anstrengung unternehmen, erkennt er unsere Versuche an, indem er uns mit mehr Offenbarung und Führung segnet.

Eine Offenbarung kann jederzeit kommen, aber sie kommt häufiger (und stärker), wenn wir uns Zeit nehmen still zu sein und über unseren Erlöser nachzudenken. Dies kann beim persönlichen Schriftstudium oder in der Familie geschehen (ich habe schon oft Offenbarung erhalten, als ich einen Vers gelesen habe, der wie für mich bestimmt schien), während wir unsere Gebete sprechen oder vielleicht während des Abendmahls. Wenn du diese Erfahrungen aufschreibst (auch wenn sie nur auf deinem Handy und nicht in einem Tagebuch stehen), wird der Herr dir noch mehr mitgeben.

Was Christus über das Aufschreiben von Offenbarung sagte

Zu sehen ist Jesus Christus, mit einer Menschenmenge, die ihm und seinen Lehren zuhören.

Außerdem erwartet der Herr eindeutig, dass wir unsere geistigen Erfahrungen dokumentieren. Erinnerst du dich, als die Nephiten den Besuch von Samuel dem Lamaniten nicht aufgezeichnet hatten?

In 3 Nephi 23, als Jesus unter den Nephiten weilt, sagt er:

„Wahrlich, ich sage euch: Ich habe meinem Knecht Samuel dem Lamaniten geboten, diesem Volk zu bezeugen, daß es an dem Tag, da der Vater seinen Namen in mir verherrlicht, viele Heilige geben wird, die von den Toten auferstehen und vielen erscheinen und ihnen dienen werden. Und er sprach zu ihnen: War es nicht so?

Und seine Jünger antworteten ihm und sprachen: Ja, Herr, Samuel hat gemäß deinen Worten prophezeit, und sie haben sich alle erfüllt.

Und Jesus sprach zu ihnen: Wie kommt es, daß ihr dies nicht niedergeschrieben habt, daß viele Heilige auferstanden sind und vielen erschienen und ihnen gedient haben?

Und es begab sich: Nephi erinnerte sich, daß dies nicht niedergeschrieben worden war.

Und es begab sich: Jesus gebot, es niederzuschreiben; darum wurde es gemäß seinem Gebot niedergeschrieben.”

Dann rate mal, was Jesus tat, nachdem sie diese Dinge aufgeschrieben hatten.

Er erklärte ihnen mehr.

Mach das Experiment bitte selbst

Das ist alles gut und schön, vorausgesetzt, du erhältst überhaupt Offenbarung. Die Methode der „Aufzeichnung deiner Erlebnisse” eignet sich gut, um mehr Offenbarung zu erhalten, aber was ist, wenn du das Gefühl hast, dass du überhaupt keine erhältst? Spoiler-Alarm: Die Antwort ist immer noch das Schreiben.

In einem LDS-Blog-Artikel von Krystal Wilkerson mit dem Titel „Halte inne und höre zu: Die Kraft des Gebets und der Offenbarung” spricht die Autorin darüber, wie Gebet und Offenbarung Hand in Hand gehen…. Und dann lädt sie uns ein, ein fesselndes Experiment auszuprobieren, von dem sie behauptet, dass es uns bei unserem Bestreben, Offenbarung zu erhalten, helfen wird.

„Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber meine Gebete sind normalerweise kurz, danach geht es mit der nächsten Sache weiter. Ich sitze sehr selten da und höre zu. Wie können wir erwarten, dass unsere Gebete erhört werden, wenn wir uns nicht die Zeit nehmen uns hinzusetzen und zuzuhören? Sind wir in unserem Leben so beschäftigt, dass wir uns nicht genügend Zeit für unseren himmlischen Vater nehmen können? Mein Gebet zu sprechen sollte nicht wie etwas auf meiner geistigen Checkliste behandelt werden, sondern als eine Zeit der Besinnung und des Friedens – etwas, das ich als Mutter von zwei kleinen Kindern nicht sehr oft habe. Was wäre, wenn ich dir sagen würde, dass ich die Antwort auf deine Frage habe? Was wäre, wenn ich dir sagen würde, dass ich ein Geheimnis herausgefunden hätte, um immer eine Antwort auf Gebete zu bekommen?

Als ich meine Berufung bei den Jungen Damen hatte, erwähnte eine der Lehrerinnen, dass sie eines Tages mit einer Freundin über ihren Schlafmangel sprach. Ihre Freundin schlug vor, dass sie in diesen ruhigen, schlaflosen Momenten ein Notizbuch benutzen sollte. Eines, das man mit niemandem teilt. Auf der ersten Seite, sagte sie, schreibe „Lieber himmlischer Vater” und schreibe dann alles, woran du denkst, worum du dich sorgst und was du brauchst. Schreibe am nächsten Morgen „Liebe (Dein Name)” und lass den Geist einfach reden. Schreibe auf, was dir in den Sinn kommt, dann gehe zurück und lies beide Seiten. Die Ergebnisse sind erstaunlich!

Während einiger harter Monate kam ich an einen Punkt, an dem ich bezweifelte, dass der himmlische Vater mich überhaupt hörte. Ich fühlte mich, als würde ich flehen und beten – fast betteln – aber ohne irgendwelche Ergebnisse. Ich wollte es besser machen, hatte aber nicht die passenden Werkzeuge gefunden. Ich wusste, dass das Gebet helfen würde, aber ich suchte nach konkreten Antworten, und das Gebet schien mir keine zu geben. Erst als ich die Herausforderung der Leiterin der Jungen Damen annahm, änderte sich etwas für mich. Ich konnte mal wieder nicht schlafen wegen Krankheit und meiner Sorgen (über alles, von meinem Mann bis zu meinen Kindern, von der Vergangenheit bis hin zur Zukunft).

Ich erinnerte mich an ihre Lektion, schnappte mir ein Notizbuch und begann zu schreiben. Ich schüttete mein Herz aus. Am nächsten Morgen wachte ich auf, und in stiller Einsamkeit tat ich es wieder, und ich erhielt eine Antwort. Zuerst war ich mir nicht sicher, ob der Brief an mich selbst meine Worte oder die des Geistes waren, aber ich schrieb trotzdem weiter. Nachdem ich nochmal las, was ich geschrieben hatte, waren die Worte, die ich mir selbst geschrieben hatte, genau die Antworten, die ich brauchte. Was ich dabei erlebte, war eine persönliche Offenbarung und eine Antwort auf meine Gebete. Ich weiß ohne Zweifel, dass es der Geist war, der mich geführt hat. Ich blicke jetzt auf meine Briefe für mich selbst zurück, und es klingt nicht einmal nach mir oder meinen Worten.

Wenn du in deinen Gebeten Schwierigkeiten hast, sei es beim Zuhören oder wenn du mit dem Gefühl kämpfst nicht gehört zu werden, versuche diese Notizbuch-Methode. Nimm dir Zeit für diese stille Reflexion, sei es in den frühen Morgenstunden, spät in der Nacht, im Auto oder beim Arzt. Dann halte inne und hör auf deinen himmlischen Vater. Wir werden den ganzen Tag über mit Lärm bombardiert, jeden Tag ….. Dein himmlischer Vater will mit dir reden – du brauchst nur zuzuhören.”

Ich habe es schon gemacht, und es hat total gut funktioniert. In solchen Momenten dachte ich manchmal: „Vielleicht rede ich einfach nur mit mir selbst”, aber im Nachhinein war es ganz allein der Herr, der zu mir sprach. Er hat mir Dinge erzählt, die sich bewahrheitet haben und als ich mit Mut voranging und an die Dinge glaubte, die er mir gesagt hat, und die Zweifel, die in mir waren, beiseite schob, wurde ich unermesslich gesegnet.

Unsere geistigen Erfahrungen aufzuzeichnen ist nicht nur gut, um Offenbarung oder mehr Offenbarung zu empfangen – es hat auch einen weiteren, äußerst wichtigen Nutzen: Es erlaubt uns, zurückzublicken und die Hand des Herrn in unserem Leben zu sehen. Wenn wir unsere Erfahrungen erneut lesen, werden wir die Kraft des Herrn und seinen Einfluss in unserem Leben und dem Leben unserer Lieben sehen.

Wenn ich auf geistige Erfahrungen in meinem Leben zurückblicke, ist eines klarer geworden als alles andere: Der Herr liebt mich so sehr. Er liebt jeden von uns mit einer Liebe, die so umfassend und reichlich ist, dass wir sie in diesem Leben nie ganz verstehen werden.

Während wir unsere geistigen Erfahrungen festhalten, die ein Geschenk Gottes selbst sind, zeigen wir ihm, dass wir ihn auch lieben.


Dieser Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt. Er wurde ursprünglich auf thirdhour.org unter dem Titel „The Tried-and-Tested Secret to Receiving Revelation” veröffentlicht. Die Autorin ist Amy Keim. Übersetzt von Janine.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: churchofjesuschrist.org und kirche-jesu-christi.org.

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