Als Mutter und Ehefrau werde ich ständig mit Dingen konfrontiert, die mich daran erinnern, dass ich offensichtlich nicht fähig dazu bin, ein perfektes Zuhause zu gestalten, meine Familie völlig gesund zu ernähren, immer die neusten Modetrends zu kennen und gleichzeitig natürlich auch noch vollkommen geduldig mit meinen Kindern zu sein. Vor ein paar Jahren überwogen Gefühle der Unzulänglichkeit, Stress und Frustration und, was noch viel bedeutender war, ich spürte keinen Frieden und keine Freude mehr. Ich habe ziemlich lange dazu gebraucht, herauszufinden, dass die Ursache für die meisten dieser Gefühle die Vorstellung war, dass mein Leben, damit es erfüllend sei, auch perfekt aussehen müsse. Ich habe inzwischen gelernt, dass ein Leben wie aus dem Bilderbuch zu führen, alles andere als einfach ist und dass „einfach” genau das war, was ich zu dieser besonders anstrengenden Zeit in meinem Leben unbedingt wollte. Die Veränderung geschah nicht über Nacht, und ich hatte währenddessen immer wieder gewisse Aha-Momente; inzwischen bin ich aber an einem Punkt angelangt, an dem ich drei Dinge ausmachen kann, durch die ich mehr Frieden und Freude in meinem Leben bekomme und die es einfacher machen.

1. Vermeide die Pinterest-Perfektionsfalle

Vergleiche ich meinen Alltag mit dem, was ich so auf Pinterest sehe, scheint es, als versagte ich auf jede mögliche Art und Weise. Vor nicht allzu langer Zeit hat mich der Druck, den ich empfand, ein perfektes Zuhause schaffen zu müssen, immer ein perfekter Gastgeber bei Partys zu sein, das Essen immer perfekt zu kochen und perfekte Kinder zu erziehen, fast gelähmt.

Statt mich auf all das Gute zu konzentrieren, das ich zu Hause erreichte, und auf all das Positive, das ich mit meinen Kindern jeden Tag tat, sah ich neben meinen Wäschestapeln und den Bergen an Geschirr nur einen weiteren Haufen, den all meiner Fehler. Dann „passierte” es irgendwie, dass ich ein viertes Kind bekam, und konnte ich mir auch vorher noch irgendwie vormachen, dass ich den Überblick hätte, war das nun vorbei. Ich versank völlig im Sumpf der Mutterschaft – und da verpasste mir die Realität eine Ohrfeige. Ich lebe nicht in dieser perfekten Pinterest-Welt, und du tust das auch nicht. Warum messen wir uns also an entsprechend unrealistischen Maßstäben und Erwartungen?

Ich bin mir nicht sicher, weshalb ich erst vier Kinder haben musste, um diese einfache Wahrheit zu erkennen – sobald ich das aber tat, nahm ich die neue Erkenntnis ganz auf und widmete ein ganzes Jahr der Vereinfachung. Was bedeutet das? Ich machte mich nicht mehr deswegen fertig, weil ich mit meinem Kind ein Halloween-Kostüm im Laden kaufte, statt eins selbst zu nähen. Ich lud Freunde nicht mehr erst dann ein, wenn das Haus wunderschön dekoriert oder komplett sauber war. Als das jüngste Baby ein Jahr alt wurde, haben wir den Geburtstag erst zwei Tage später gefeiert; und mit „gefeiert” meine ich, dass wir ihm ein Lied gesungen und Kuchen gegessen haben. Mehr nicht. Wusstet ihr, dass sich ein 1-Jähriger nicht an seinen ersten Geburtstag erinnert? Mir war das wohl nicht ganz so bewusst – zumindest nicht, als ich viele schlaflose Nächte damit verbrachte, eine perfekte Dr. Seuss-Geburtstagsfeier für den ersten Geburtstag meines zweitältesten Sohnes zu planen. Wir hatten ein selbstgemachtes Geburtstags-Plakat, übertriebene Spiele, ein Fünf-Gänge-Menü und handgenähte Geschenke. Schlussendlich kümmerte all das den undankbaren kleinen Kerl nur wenig und er war ganz glücklich, als die Feier endlich vorbei war und er ins Bett gehen konnte.

Deswegen habe ich mich dazu entschlossen, erst einmal Abstand von unrealistischen Maßstäben und Erwartungen zu nehmen. Mir gefällt die Vorstellung von einem tadellosen Zuhause gut, aber die Vorstellung von einem Zuhause, das von Liebe, Lachen und Glauben erfüllt ist, noch mehr. Ich möchte, dass meine Kinder wissen, dass die Dinge, die mir etwas wert sind, nicht gekauft, gestylt oder gebacken werden können. Wie ich das erreichen kann? Mit Vereinfachung. Indem ich meine Zeit, meine Erwartungen und mein Leben vereinfacht habe, bin ich bereiter geworden, diese schönen Momente mit meiner Familie zu schaffen, an die sie sich erinnern werden.

2. Lerne, ohne Schuldgefühle „Nein” zu sagen

Vor ein paar Jahren habe ich etwas gelernt, das für meine Suche nach Vereinfachung unbezahlbar war. Jedes Mal, wenn du zu etwas Ja sagst, sagst du zu etwas anderem Nein. Natürlich ist auch das Gegenteil der Fall.

Wenn du zustimmst Sport zu machen, lehnst du es ab, dich mies zu fühlen.

Wenn du dich weigerst, noch spät zu arbeiten, stimmst du einem Abendessen mit deiner Familie zu.

Familie über alles - trotz Alltag.

Viele Dinge werden dadurch erst besonders, dass sie eben nicht vollkommen perfekt sind. So wie dieses “Meisterwerk” von Kinderhand, dass im Herzen liebender Eltern wertvoller ist, als ein teures Gemälde eines Künstlers.

Ihr versteht, was ich meine, oder? Jeden Tag hat man nur eine begrenzte Anzahl Stunden zur Verfügung; wenn du dich also für die eine bestimmte Sache entscheidest, entscheidest du dich automatisch gegen eine andere. Leider habe ich fast mein ganzes bisheriges Leben dafür gebraucht, das zu verstehen. Ich kam an einen Punkt in meinem Leben, an dem ich erkannte, dass ich dadurch, dass ich es allen recht machen wollte und unfähig war, „Nein” zu sagen, mehr Druck und mehr Stress in meinem Leben aufbaute, als notwendig war. Es waren gute Dinge, die ich tun wollte, aber dadurch hatte ich zu viel zu tun und war immer erschöpft. Leider waren wohl mein Mann und meine Kinder diejenigen, die darunter am meisten litten. In einer Ansprache bei der Oktober-Generalkonferenz 2007 mit dem Titel „Gut, besser, am besten” sagte Dallin H. Oaks: „Uns muss zunächst bewusst werden, dass allein die Tatsache, dass etwas gut ist, noch kein triftiger Grund ist, es auch zu tun. Die Menge des Guten, was wir tun könnten, beansprucht weit mehr Zeit, als uns dafür zur Verfügung steht. Einiges ist besser als gut, und dem sollten wir in unserem Leben vorrangig Aufmerksamkeit widmen.”

Es kann manchmal schwer sein, „Nein” zu sagen, vor allem, wenn es etwas Gutes ist, zu dem man „Nein” sagt. Aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass ich viel mehr Ruhe in unerwarteten Momenten verspürt habe, als ich lernte zu den Dingen „Nein” zu sagen, die mich davon abhielten, meinen Haushalt so zu führen, dass alles glatt lief.  Ich möchte jetzt nicht damit sagen, dass wir immer, wenn wir jemandem helfen könnten oder wenn unsere Kinder einem Sportverein beitreten möchten, ablehnen müssen – aber ich versuche, mich als allgemeine Faustregel daran zu halten, was Elder Lynn G. Robbins bei der letzten Pfahlkonferenz meiner Gemeinde sagte: „Wenn wir zu beschäftigt sind, um für die Familie Zeit zu haben, sollten die Alarmglocken in unserem Kopf zu läuten beginnen und wir sollten erkennen, dass Gutes das Beste verdrängt.”

Familie - besonderer Alltag

„Wenn wir zu beschäftigt sind, um für die Familie Zeit zu haben, sollten die Alarmglocken in unserem Kopf zu läuten beginnen und wir sollten erkennen, dass Gutes das Beste verdrängt.” – Elder Lynn G. Robbins

Ich würde mich wirklich sehr gerne mehr in der Schule meines ältesten Sohnes einbringen, aber es gibt für alles eine Zeit und eine Stunde. Und da ich zur Zeit drei kleine Kinder zu Hause habe, mit denen gespielt werden muss, denen Dinge beigebracht werden müssen und die erzogen werden müssen, ist es nicht meine Zeit oder meine Stunde, mich im Eltern- und Lehrerverband einzubringen. Diese Zeit mit meinen Kindern bekomme ich nie wieder zurück, und das ist nichts, was ich auf die leichte Schulter nehme. Denkt einfach daran, dass es völlig in Ordnung ist, wenn euch jemand um etwas bittet – und es ist auch völlig in Ordnung, wenn man dann „Nein” sagt. Vor allem wenn ein „Ja” euch das Gefühl geben würde, dass ihr es fast nicht mehr an die Oberfläche schafft, um überhaupt Luft zu holen. Indem ich mich in dieser Fähigkeit mehr und mehr übe, bleibt mir immer mehr Zeit für die Dinge, die sich wirklich lohnen und die von ewiger Bedeutung sind.

3. Entrümpeln

Hört mit all den Dingen auf, die nicht wichtig sind, die euren Tag zustopfen und euch die Zeit stehlen. Eigentlich bin ich jemand, der ziemlich gut durchorganisiert ist; daher denke ich oft, dass ich mir darüber nicht den Kopf zerbrechen muss. Zum Glück habe ich rechtzeitig erkannt, dass das ganze Gerümpel auch in viel unauffälligerer Form als einem vollgestopften Kleiderschrank daherkommt. William R. Bradford sagte dazu einmal:

„Wenn in unserem Leben Durcheinander herrscht, heißt das, wir haben es nicht mehr im Griff. Es heißt, dass die Dinge, mit denen wir uns umgeben haben und mit denen wir unsere Zeit zubringen, uns im Griff haben, uns unglücklich machen und unseren ewigen Fortschritt hemmen.”

Vielleicht muss mein Haus nicht unbedingt entrümpelt werden, aber ich habe Gewohnheiten entwickelt, die keinen Nutzen haben. Es gibt Tage, an denen ich am Abend „keine Zeit” mehr für mein persönliches Schriftstudium habe. Ich habe aber schon noch die Zeit, mir irgendetwas im Fernsehen anzuschauen und meinen Facebook-Feed durchzugehen, bevor ich dann einschlafe. Es ist nicht schwierig sich umzusehen und all die Geräte, Apps, Spielzeuge, Fernsehsendungen und weiteren unwichtigen Dinge zu finden, die uns kontrollieren. Einiges von dem Gerümpel in meinem Leben bin ich leicht losgeworden, aber für manches brauchte ich echte Willenskraft. Elder Robbins stellte in seiner Ansprache bei der Pfahlkonferenz folgende Fragen:

  • Welche Apps löscht ihr noch heute von eurem Handy, um euer Leben zu vereinfachen?
  • Auf welche Fernsehsendungen, nach denen ihr süchtig seid und durch die sich euer Leben nicht immens verbessert, könnt ihr verzichten?
  • Welches Videospiel, das euch mehr schadet als hilft, könnt ihr aufgeben?
  • Lebt ihr in einem Haus, das größer als notwendig ist?
  • Würde es euch zu größerer Freiheit und mehr Leichtigkeit und Frieden verhelfen, wenn ihr das Haus verkaufen und dadurch eure Hypothek verringern würdet?
Im Alltag wieder Luft holen.

Der beste Rat, wenn einem alles auf den Kopf fällt: vereinfachen und sich auf das konzentrieren, was am wichtigsten ist.

Daraufhin habe ich gerade Facebook von meinem Handy gelöscht. Soeben. Und ich bin ehrlich: Noch bekomme ich deswegen nicht besser Luft. Genau genommen habe ich sogar ein bisschen Angst, wenn ich darüber nachdenke, es durchzuziehen. Aber wenn ich morgen dann mit meinen Kindern im Garten bin, werde ich, anstatt die Hälfte meiner Aufmerksamkeit ihnen und die andere Hälfte dem Handy zu widmen, vermutlich aufstehen und mit ihnen spielen. Und dann werde ich ein ruhiges Gewissen haben.

Gottes Plan ist einfach. Wenn unser Leben einfach ist, können wir leichter ein Werkzeug in den Händen Gottes sein und leichter seinem Willen Folge leisten. Auch wenn ihr ein Jahr dazu braucht, tut es! Hört damit auf, unrealistische Erwartungen an euch selbst zu haben. Lernt, „Nein” zu Dingen zu sagen, die euch eure wertvolle Zeit rauben und euch darin beeinträchtigen, nach Gottes Plan des Glücklichseins zu leben. Holt euch euer Leben zurück und entrümpelt es. Sicher bin ich nicht perfekt darin zu vereinfachen und vielleicht bin ich inzwischen sogar ZU gut darin, „Nein” zu sagen – aber ich fühle mir selbst gegenüber mehr Liebe, größeren Frieden und mehr Freude, wenn ich versuche zu vereinfachen.


Melanie Andrews wurde in Texas geboren. Sie hat einen liebevollen Ehemann und vier energiegeladene Söhne. Sie hat einen Bachelor von der Brigham-Young-Universität in Business Managment/ Marketing. Alles in ihrem Leben dreht sich um diese fünf Männer  – aber sie will es gar nicht anders.

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt und am 23. November 2015 auf aggielandmormons.com veröffentlicht. Die Autorin ist Melanie Andrews. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) lernen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.