Im ersten Teil dieser Serie zu geistiger Entwicklung sprachen wir über die vielen Möglichkeiten, die uns die Kirche des Herrn bietet, einander zu dienen. Im zweiten Teil haben wir darüber gesprochen, was eine Glaubenslehre ist und weshalb es wichtig ist, Gottes Lehren kennenzulernen, um den Plan Gottes und seinen Zweck für uns zu verstehen. In diesem dritten Teil der Serie werden wir uns nun mit Wegen beschäftigen, Lehre und Dienen im Gleichgewicht zu halten, um ein gesundes, sinnerfülltes Leben zu führen.

Die Bedeutung von Ausgewogenheit

Das Evangelium Christi ist in vielerlei Hinsicht einfach und schließt dennoch die ganze Schöpfung ein. Es kann entmutigend sein, alles auf einmal tun zu müssen. Deswegen wird uns der Plan Gottes Zeile um Zeile geben, Weisung um Weisung, hier ein wenig und dort ein wenig. Die Quelle hierfür ist 2. Nephi 28:30.

Denn siehe, so spricht der Herr, Gott: Ich werde den Menschenkindern Zeile um Zeile geben, Weisung um Weisung, hier ein wenig und dort ein wenig; und gesegnet sind, die auf meine Weisungen hören und meinem Rat ihr Ohr leihen, denn sie werden Weisheit lernen; denn dem, der empfängt, werde ich mehr geben; und denen, die sprechen: Wir haben genug, denen wird selbst das weggenommen, was sie haben.

Der Herr erwartet von uns, dass wir dazulernen und niemals damit aufhören. Es wird uns gesagt, dass an dem Tag, an dem wir sagen, dass wir keine Lust mehr hätten weiter zu lernen, der Herr anfangen wird, uns selbst das zu nehmen, was wir uns bisher angeeignet haben. Wir kehren zu einem Zustand der Unwissenheit zurück. In Lehre und Bündnisse 131:6 heißt es: Es ist unmöglich, dass man in Unwissenheit errettet werden kann. Wenn wir uns auf den Pfad des Lernens begeben, erwartet der Herr von uns, dass wir auf ihm bleiben und niemals zurückschauen.

Ein junger Mann hilft einer älteren Dame beim Abwasch. Für geistiges Wachstum ist der Dienst am Nächsten unerlässlich.

Das Evangelium Jesu Christi besteht weder nur aus Lehre noch nur aus Dienen. Die Doktrin lehrt uns, weshalb wir die Dinge tun, die wir tun und wie wir sie besser tun können. Das Dienen ist es, womit wir die Tugenden und Richtlinien der Glaubenslehren zur Anwendung bringen können. Wir brauchen beides, um jene inneren Veränderungen zu bewirken, die uns heilig machen. Sowohl die Lehre des Evangeliums Christi als auch seine Aspekte des Dienens geben Aufschluss über die Persönlichkeit Gottes. Sie zeigen uns, wie groß doch seine Liebe ist, wie weitreichend sein Sühnopfer, wie vergebungsbereit er sein kann und wie man wahre Nächstenliebe übt.

Ungleichgewicht

Unter dem unvollkommenen Volk Christi finden sich klassische Beispiele für solche von uns, die Angst davor haben, etwas zu tun. Sie widmen sich dann einfach einem anderen Teil des Evangeliums und denken, dass damit das charakterliche Defizit ausgeglichen würde. Das funktioniert so aber nicht.

Ich kann nur für mich selbst sprechen. Ich gestehe, dass ich, obwohl ich sehr gerne anderen diene, eher etwas gehemmt bin, und deswegen konzentriere ich mich mehr auf die Lehren des Evangeliums. Erst vor kurzem machte mich jemand darauf aufmerksam, dass wir als Heilige nicht errettet werden können, wenn dieses Ungleichgewicht herrscht. Wir müssen lernen, beide Seiten dieser “Evangeliums-Münze” zu berücksichtigen. Seit kurzem versuche ich nun, mich selbst zu überwinden, mehr aus mir herauszukommen und anderen direkter zu dienen. Es war zugleich beängstigend aber auch spannend. Jede Erfahrung hat sich mehr gelohnt, als ich es mir je hätte vorstellen können.

Während ich selber das Buchwissen dem praktischen Dienen im Evangelium vorziehe, kenne ich doch einige Menschen in meiner Gemeinde, die sich das Dienen so sehr zu eigen gemacht haben, dass es für sie eine selbstverständliche Gewohnheit geworden ist. Sie müssen erst gar nicht darüber nachdenken. Sie sehen, dass etwas gebraucht wird und fangen sofort an zu überlegen, wie man helfen kann, das Problem zu lösen. Aber wenn man sie in ein Klassenzimmer stecken würde, hätten sie nicht die geringste Ahnung, weshalb wir manche Dinge als Heilige der Letzten Tage tun. Sie haben sich kaum damit beschäftigt. In Wahrheit haben sehr viele Kirchenmitglieder nie gelernt, wie man die Schriften studiert oder über Evangeliumsgrundsätze nachdenkt. Sie denken nur oberflächlich nach.

Das ist es, was unser Leben ins Ungleichgewicht bringt. Wir müssen eine engere Verbindung zwischen den Lehren, die wir lernen und dem Leben, das wir führen, herstellen. Ich glaube, das ist es, was der Herr von uns möchte. Er möchte, dass unser Dienst am Nächsten durch unsere Zeugnisse von seiner Lehre angetrieben wird und dass die Lehre in unserem Herzen lebendig wird, indem wir anderen dienen.

Ein zweckorientiertes Leben

Erlösung, oder Erhöhung, wie wir Mormonen sie nennen, geschieht nicht zufällig. Wir wachen nicht einfach eines Tages auf und stellen fest, dass sich unsere Persönlichkeit verändert hat, dass unser Herz weit geworden und von der Liebe Gottes erfüllt ist und dass wir plötzlich alles, was spiritueller Natur ist, verstehen. So etwas geschieht einfach nicht, niemals, niemandem. Um erhöht zu werden bedarf es bewussten, durchdachten, geplanten, gebeterfüllten und vom Heiligen Geist beeinflussten Handelns. Es braucht Jahre, den Willen Gottes zu erkennen, ihn dann x-mal in die Praxis umzusetzen im Dienst am Nächsten – wodurch wir lernen, unsere eigenen Wünsche und Bedürfnisse zugunsten anderer hintan zu stellen – und glücklich damit zu sein, es getan zu haben.

Eine junge Frau liest in den heiligen Schriften, um ihr geistiges Wachstum zu fördern.

Für ein ausgeglichenes Wachstum im Evangelium müssen wir jahrein und jahraus die Schriften studieren, damit wir lernen, wie der Herr denkt und was er seit jeher erwartet hat und auch immer erwarten wird – denn er ist derselbe gestern, heute und immerdar. Wir müssen das, was wir lernen, in die Tat umsetzen. Das ist die reine Lehre, wie wir uns um die Armen und Bedürftigen kümmern sollen, die Waisen und Witwen. Dadurch, dass wir den Willen des Herrn kennenlernen und ihn dann umsetzen, wandeln sich durch den Herrn unsere Herzen. Wir beginnen, unsere alte Einstellung, Schlechtes zu tun, faul zu sein oder uns auf andere Dinge zu konzentrieren, zu verlieren, und wir stellen fest, dass ein christusähnliches Leben zu führen tatsächlich eine freudige Erfahrung ist.

Schlussfolgerungen

Die gute Nachricht dabei, wenn wir irgendeinen Aspekt des Evangeliums Christi leben, besteht darin, dass es zum Segen für unser ganzes Leben wird. Ob wir nun Dienen, dazulernen, einen neuen Leitsatz anwenden oder Glauben an eines von Gottes Versprechen ausüben – alles wird uns Freude bringen. Es wird uns die größte Freude bringen zu erkennen, wo unsere Schwächen sind und den Herrn um Hilfe zu bitten, unsere Schwächen zu Stärken werden zu lassen. Unser Leben wird ausgewogen sein, die perfekte Mischung aus Wissen und Leistung, ein Ort, an dem wahre Weisheit entsteht.


Aus dem Englischen übersetzt von Kristina Vogt. Im Original von Kelly P. Merrill auf ldsblogs.com.

Über Kelly P. Merrill

Kelly Merrill hat sich weitgehend aus dem Berufsleben zurückgezogen und schreibt für mormonbasis.com. Er lebt mit seiner Ehefrau auf Hawaii, und ja, er hat sich seit fast zwei Jahrzehnten keine Sorgen um den Winter machen müssen. Er erfreut sich daran, über das Evangelium Christi zu schreiben. Über das Evangelium zu schreiben, ist seine persönliche Missionsarbeit sowohl für Mitglieder der Kirche als auch Andersgläubige, die mehr über das Evangelium Christi und seine Kirche wissen möchten.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage herausfinden wollen, besuchen Sie doch einfach eine der offiziellen Webseiten: lds.org oder mormon.org.