Wir alle wollen eines Tages zurückkehren und mit Jesus Christus, unserem Bruder, und mit Gott, unserem Vater, im Himmel leben. Dieses Ziel zu erreichen, erfordert jedoch, dass wir uns geistig so entwickeln, dass wir dort auch hinpassen, wenn wir dort ankommen. Das spirituelle Wachsen und Reifen kann ein sehr verwirrender Prozess sein. In einer Ansprache hören wir, wie wichtig das Dienen ist. In einer anderen Ansprache wird uns erzählt, dass wir nicht unwissend errettet werden können und dass wir die Evangeliumslehre gut kennen müssen. Also, jetzt mal im Ernst, wie kann man denn das alles schaffen?

Mit geistiger Entwicklung ist es wie mit den zwei Seiten einer Medaille. Sowohl Dienen, als auch Lehre sind wichtig und keines von beiden ist alleine ausreichend, um uns zu Gott zurückzubringen. In dieser dreiteiligen Serie werden die beiden Seiten der geistigen Entwicklungs-Medaille beleuchtet und dann erörtert, wie wir daran arbeiten können, beide Seiten zu balancieren, und nicht auf einer Seite Schlagseite zu haben. Dies ist nur eine Einleitung zu diesem Thema, nicht eine tiefgreifende Abhandlung über Dienen und Lehren der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.

Was bedeutet reine Religion?

Wenn wir das Evangelium Christi kennenlernen, lernen wir einen Teil nach dem anderen kennen. Wir brauchen wahrscheinlich Jahre bis wir uns im Evangelium so richtig heimisch fühlen und für uns selbst herausfinden, was von einem treuen Nachfolger Christi erwartet wird. Was die meisten Menschen am Christentum anzieht, sind die Gesichtspunkte Dienst, Freundlichkeit und die Sorge um- und füreinander. Diese sind alle Teil reiner Religion.

Im Neuen Testament, im Jakobusbrief 1:27, schreibt Jakobus: “Ein reiner und makelloser Dienst vor Gott, dem Vater, besteht darin: für Waisen und Witwen zu sorgen, wenn sie in Not sind, und sich vor jeder Befleckung durch die Welt zu bewahren.”

Dies ist eine Beschreibung von Religion, auf ihre wesentlichen Bestandteile reduziert.

Der Herr möchte von uns, dass wir uns um die Waisen und Witwen kümmern und uns selbst rein von den Sünden der Welt halten. In anderen Worten sind wir beauftragt für die zu sorgen und die zu beschützen, die nicht für sich selbst sorgen und sich nicht selbst beschützen können. Bemerkenswert an diesem Vers ist die Ermahnung, uns um die Vaterlosen und Witwen in ihrer Not zu kümmern.

Jesus Christus selbst gab das größte Beispiel für reine Religion: Er, Gottes Sohn, wusch seinen Jüngern die Füße.

Jesus Christus lehrte seine Jünger zu dienen, indem er keine Gelegenheit ausließ auch selbst zu dienen.

Natürlich gibt es mehrere Dinge, die wir tun können, um diesen Aspekt der reinen Religion des Evangeliums auszuüben. Jeder Dienst an einer anderen Person wäre dazu qualifiziert. Also, sehen wir uns einmal die Dinge an, die in der Kirche von uns gefordert werden, die diesen Aspekt des geistigen Reifungsprozesses erfüllen.

Alle Arten des Dienstes schließt das zweite der zwei großen Gebote ein. Das erste große Gebot ist “Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft” (Markus 1:30). “Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst” (Matthäus 22:39).

Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage ist eine Kirche der Aufträge. Wir fragen nicht nach Freiwilligen, um den Bedürfnissen anderer gerecht zu werden. Bei unserer Taufe haben wir uns als Freiwillige gemeldet, als wir das Bündnis mit Gott eingingen, mit den Trauernden zu trauern und die zu trösten, die des Trostes bedürfen. Es wird vorausgesetzt, dass wir alle bereit sind, einander zu helfen und zu dienen. Zu diesem Zweck werden wir beauftragt, jeden Monat ein bis maximal vier zugeteilte Familien zu Hause zu besuchen und bei Bedarf zu unterstützen.

Besuchslehren / Heimlehren

Ein Beispiel für reine Religion: Zwei Heimlehrer besuchen einen Bruder der Gemeinde, der einen Unfall hatte.

Zwei Heimlehrer besuchen einen Bruder der Gemeinde, der einen Unfall hatte und sichern ihm Unterstützung zu.

Besuchslehrerinnen besuchen nur die Frau des Hauses. Sie sind da, um zu helfen, zu unterstützen, Bedürfnisse zu erfahren und zu ermutigen. Wenn Sie schon länger ein Mitglied der Kirche sind, haben Sie wahrscheinlich eine ganze Liste mit Beispielen für sowohl engagierte als auch nicht so engagierte Besuchslehrerinnen. Dasselbe gilt für Heimlehrer, die sich auf die Bedürfnisse der ganzen Familie konzentrieren.

Als eine Kirche voll unvollkommener Menschen, arbeiten wir daran zu lernen, Dinge zu tun, wie Christus sie tun würde. Wir suchen nach Bedürfnissen und versuchen zu helfen, soweit wir es können. Manchmal versagen wir in diesem Job, aber ab und zu schaffen wir es auch, darin zu glänzen.

Berufungen

Wir sind eine Laienpriesterschaft, d.h. niemand wird dafür bezahlt, die Orgel zu spielen, eine Ansprache zu halten, eine Klasse zu unterrichten oder eine Organisation zu führen. All die Arbeit in einer Gemeinde (Kirchengemeinde) und einem Pfahl (eine Ansammlung von Gemeinden) wird durch Berufungen erfüllt. Wir berufen uns nicht selbst; der Bischof jeder Gemeinde spricht die Berufung für einen Dienst aus und wir akzeptieren diese Einladung und tun dann unser Bestes, um glaubenstreu und nützlich in dieser Berufung zu dienen, bis zu dem Zeitpunkt, an dem wir entlassen werden und gebeten werden, etwas anderes zu tun.

Einige Berufungen dauern nur ein paar Wochen, andere jahrelang. Ich habe die Sonntagsschule mehr als ein Jahrzehnt lang unterrichtet und seit ich siebzehn war (ich bin jetzt fast 60) immer wieder die Orgel gespielt. Ich habe auch schon für Taufen, Priestertumsversammlungen, für den Gemeindechor und bei zahllosen anderen Gelegenheiten Klavier gespielt, wo jemand mit nur durchschnittlichem Talent ein bisschen aushelfen konnte. Indem wir jede Berufung, die uns vorgeschlagen wird, annehmen, lernen wir zu unterrichten, zu führen und andere in ihren Berufungen zu unterstützen. In einer Berufung können wir eine Führungsposition innehaben, in der nächsten kümmern wir uns um die Kindergartenkinder. Man weiß nie, wo unser Dienst gebraucht wird.

Dienstprojekte

Als eine Ansammlung von Mitgliedern in einem geographischen Gebiet, sind unsere Gemeinden voll von Möglichkeiten einander zu helfen. Es gibt immer irgendwo Mitglieder die ein Kind bekommen oder jemand, der sich einer Operation unterziehen muss oder gar im Sterben liegt. Oder es zieht jemand um, jemand räumt seinen Hof auf oder es muss ein Dach repariert werden. Es gibt immer Menschen die krank sind, behindert oder die anderen sozialen oder geistigen Herausforderungen gegenüberstehen. Die Möglichkeiten sind endlos. Und wir helfen nicht nur unseren Mitgliedern, wir helfen auch denen, die nicht unseren Glauben teilen. Unsere Mitglieder helfen Familien umzuziehen und Dächer zu reparieren, helfen jungen Müttern, älteren Witwen und den Kranken oder Gebrechlichen.

Wir passen auf die Kinder des Anderen auf und tun, was sonst noch getan werden muss.

Dienst in der Familie

Der wichtigste Ort um das Dienen zu lernen ist in unserem Zuhause. Zu Hause lernen wir von klein auf zu dienen. Wenn Sie denken, dass es schwer ist jemandem zu dienen den Sie nicht kennen, dann versuchen Sie einmal jemandem zu dienen, der jeden Tag mit Ihnen streitet. Die Familie ist der Ort an dem wir lernen, die zu lieben, deren Schwächen wir fast so gut kennen wie unsere eigenen. Es liegt in der Verantwortung der Eltern, den Kindern beizubringen, einander zu dienen und Freude an diesem Dienen zu finden. Das heißt, dass auch die Eltern einander dienen, um den Kindern ein Beispiel zu geben. Kinder müssen auch lernen, den Eltern zu dienen. Die Rolle, die die Kirche in der Familie spielt, ist zur Unterstützung dessen, was die Eltern die Kinder zu Hause lehren. Es ist nicht die Rolle der Kirche, das Lehren der Kinder zu übernehmen; die Kirche gibt den Kindern nur einen Ort zum Üben und mehr darüber zu lernen, was Vati und Mutti sie zu Hause lehren.

Zusammenfassung

Dieser Überblick des Dienens in der Kirche ist nicht erschöpfend, sondern soll nur aufzeigen, dass es nicht an Gelegenheiten mangelt, seinen Nächsten lieben zu lernen.

Die ganze Kirchenorganisation ist eingerichtet, um ein gegenseitiges Dienen zu ermöglichen. Wenn Sie schon einmal die gelben “Helping Hands” (Helfende Hände) Westen, die von Mitgliedern der Kirche bei öffentlichen Dienstprojekten getragen werden, gesehen haben, sollte dies nun erklärt haben, warum die Kirche Jesu Christi so gut darin ist, solche Projekte zu organisieren und umzusetzen. Es ist buchstäblich das, was wir die ganze Zeit machen.

Manchen Menschen kommt es “verdächtig” vor, dass die Mormonen so eng als Gemeinschaft verknüpft sind. Jetzt kennen Sie den Grund. Wir verbringen viel Zeit damit, einander zu helfen. Es ist fest in uns verankert, dass wir so selbstständig sein sollten wie möglich.

Und wissen Sie was? Obwohl wir einander ständig dienen, fällt es uns immer noch schwer zu lernen, den Dienst anderer anzunehmen, den wir selbst so freigiebig anderen geben. Wir sind es so gewohnt zu geben, dass es uns unangenehm ist, auf der Empfängerseite zu stehen. Ich schätze, dies zeigt nur, dass es in unserem Streben nach geistigem Fortschritt immer noch mehr zu lernen gibt.


Dieser Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt von Tanja Kraft. Das Original von Kelly P. Merrill ist zu finden auf ldsblogs.com.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage herausfinden wollen, besuchen Sie doch einfach eine der offiziellen Webseiten: lds.org oder mormon.org.