Es ist kein Geheimnis, dass es ein paar bestimmte Mythen in der Kultur der Mormonen gibt. Es fängt an mit kinderreichen Familien (15 Kinder und mehr!) bis hin zu unserem Vokabular („Meine Güte!”). Nicht alle Mormonen (sogar wenige) verkörpern dieses Klischee, und die meisten von uns können darüber lachen.

Wohingegen andere Mythen, die unseren Glauben angehen, nicht so witzig oder harmlos sind. Während meiner Jahre als klinische Therapeutin bin ich Zeuge davon geworden, wie falsche geistige Gleichsetzungen den Heiligen der Letzten Tage großen emotionalen Schmerz bereiten und ihnen Fröhlichkeit und Frieden rauben können. Diese Ansichten werden oft nicht laut ausgesprochen, sondern sind verinnerlichte Überzeugungen, welche unsere Gedankenmuster und Emotionen verzerren können. Hier sind 3  dieser weit verbreiteten geistigen Mythen:

Mythos #1:  Ich muss jetzt perfekt sein, und perfekt bedeutet makellos

Eine der meist zitierten (und anscheinend missinterpretierten) Schriftstellen ist das Gebot, das Christus gibt: „Ihr sollt also vollkommen sein, wie es auch euer himmlischer  Vater ist.” (Matthäus 5:48). Es kann entmutigen, diese hochfliegende Erwartung wörtlich zu nehmen. Und es kann extrem frustrieren, wenn wir diese Erwartung nicht erfüllen können.

Berpredigt Mythos

Wenn wir die Etymologie des Wortes „perfekt” verstehen, haben wir tiefere Einsichten in die Idee dahinter. Wir interpretieren oft, dass perfekt  makellos bedeutet. Aber die wörtliche griechische Bedeutung ist teleios und bedeutet reif, unversehrt und vollständig. Elder Russell M. Nelson erklärte, dass wir uns dieses Konzept als einen Prozess des Perfekt-Werdens vorstellen können; es ist in Ordnung, dass wir noch nicht komplett vollkommen oder frei von Sünde sind (Die kommende Vollkommenheit”, November 1995). Sogar der Erretter, obwohl frei von Sünde, musste wachsen und sich entwickeln, und seine Weisheit nahm zu und er fand Gefallen bei Gott und den Menschen.” (Lukas 2:52). Wir wissen, dass Entmutigung und Gefühle von Unzulänglichkeit Teil unseres menschlichen Erlebens sind; Präsident Uchtdorf erinnert uns freundlich daran, Geduld mit uns zu haben.

Ja, wir werden Fehler machen, sogar sündigen, aber das Sühnopfer macht es uns möglich, durch Christus perfekt gemacht zu werden.

Mythos #2: Um emotionale Unterstützung zu bitten bedeutet, dass ich schwach bin

Durch meinen Beruf habe ich die Ehre, meinen Klienten zuzuhören und die Tiefen ihrer schweren Bürden zu kennen. Bei unserer Zusammenarbeit ist mir aufgefallen, dass die meisten von ihnen bereit sind andere um Hilfe zu bitten, wenn es um körperliche Dinge geht, aber sich zurückhalten, um emotionale Hilfe zu bitten.

Durch das Evangelium wissen wir, dass wir die Lasten anderer tragen sollen; es wurde uns geboten einander zu helfen!

Mormonen Mythen emotionale Hilfe

Wir werden dazu angespornt selbstständig zu sein; eine der Absichten unserer kirchlichen Organisation, und vor allem der Frauenhilfsvereinigung, ist es, einander zu entlasten. In Gethsemane bat Christus Petrus, Johannes und Jakobus zu wachen (Markus 14:38). Der Erretter bat um emotionale Unterstützung, und es ist vollkommen akzeptabel, wenn wir das Gleiche tun.

Mythos #3: Wenn ich Schmerzen in meinem Leben erfahre, ist das eine Folge von Sünde

Wir alle gehen durch Elend und Strapazen. Manche von uns verschlimmern ihr eigenes Leid, indem sie sich unnötig selbst die Schuld dafür geben. Viele meiner Klienten haben zum Ausdruck gebracht, dass ihr Leiden eine Folge von irgendeiner Sünde sein muss, die sie begangen haben. Im Endeffekt leiden sie dann noch mehr, aufgrund ihrer, wie sie es wahrnehmen, Schuldgefühle.

Mancher Schmerz, den Sterbliche empfinden, ist ihrem eigenen Fehlverhalten zuzuschreiben. Die Heilige Schrift und die Kirchengeschichte ist reichlich versehen mit Beispielen, in denen Individuen litten und keinerlei Schuld daran hatten. Joseph Smith zum Beispiel, der Mann, dem der Herr die Wiederherstellung seines ungemein wichtigen Werkes anvertraut hat, hat sechs seiner eigenen Kinder beerdigt. Erinnert euch an den Bericht des Erretters, als er gefragt wurde, ob der Mann, der blind geboren wurde, dieses Leiden trug wegen seiner eigenen Sünde oder der Sünde seiner Eltern. Jesus antwortete, dass weder der eine noch der andere gesündigt hatte und erklärte weiter, dass dies eine Möglichkeit war die Macht Gottes zu demonstrieren, indem er ihn heilte (Johannes 9:1-3). Wir können dieses Prinzip anwenden um zu verstehen, dass unser Schmerz uns dabei helfen kann, die heilende Kraft des Sühnopfers in unserem Leben zu sehen.

Kulturelle Mythen von wahren Lehren zu entwirren ermöglicht es uns, mehr emotionalen Frieden zu spüren. Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch befreien.”(Johannes 8:32). Diese emotionale Freiheit umfasst Freiheit von unproduktiver und ungerechtfertigter Schuld und dem Gefühl von Abtrennung.


Um mehr über Julies Buch The Burnout Cure: An emotional survival guide for overwhelmed women” zu erfahren, klicke auf: http://www.juliehanks.com

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt und am 16. April 2015 auf www.ldsmag.com veröffentlicht. Der Autor ist Julie de Azevedo Hanks. Übersetzt von Maren Leit.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) lernen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org