„Ich hab zahllosen Kram und viel Plunder. Ich erstick im Klimbim, sieh nur her! Willst du staunen? Hier kleine Wunder… Doch für mich reicht es nicht!” … Was ich allerdings nicht habe bzw. nicht besonders viel davon, ist – Selbstvertrauen. Vor allem nicht, wenn es um mein Aussehen und mein Gewicht geht.

Das war vielleicht die kitschigste Einleitung, die ich je für einen Artikel geschrieben habe. Verurteilt mich deswegen nicht. (Die Zeilen stammen, solltet ihr es nicht erkannt haben, aus dem Lied „Arielles Traum”, aus der „Kleinen Meerjungfrau”.)

Das ist nicht das erste Mal, dass ich über mein Gewicht bzw. mein Selbstwertgefühl spreche. Vielleicht erinnert ihr euch. Aber Selbstwertgefühl war schon immer etwas in meinem Leben, mit dem ich zu kämpfen hatte (deswegen kann man ruhig immer mal wieder darüber sprechen).

Übergewichtig = eklig? 

Seit ich denken kann, war ich eigentlich nie mit meinem Aussehen zufrieden. Schuld daran war vor allem mein Gewicht. Mein Idealgewicht sah immer anders aus, als was da auf der Waage stand. Ich war nie einfach so schlank. Und ohne schlank zu sein – war ich da überhaupt etwas wert? Eine Erinnerung hat sich auf ewig in mein Gedächtnis eingebrannt: wie ich in der fünften Klasse auf einer Waage stand. Während ich in der Schule war, wurde ich krank, weshalb die Krankenschwester in der Schule mich kurz untersuchte. Dazu gehörte auch, dass sie mich auf eine Waage stellte und mein Gewicht maß. Als meine Schwester mich abholen kam, verkündete die Krankenschwester lauthals, dass ich übergewichtig sei. Sie verkündete das auf eine Art und Weise, die mir das Gefühl gab, ich sei abstoßend. Sobald ich das Zimmer verlassen hatte, brach ich in Tränen aus. 

Ich lernte in diesem Moment, ich sei abstoßend war, weil mein Gewicht das war; mein Gewicht und ich waren ja schließlich eins; und dieses Gefühl verfestigte sich noch durch die Jungs in der Mittelstufe, die mich als fett bezeichneten, und durch jeden Artikel in einem Magazin, jede Sendung im Fernsehen, bei der extrem dünne und unerreichbar hübsche Frauen auf dem Schirm erschienen. 

Von diesem Moment an fing ich an, mein Gewicht zu bekämpfen, um meinem Idealgewicht näher zu kommen. Ich setzte mich ständig auf Diät, die ich allerdings nach nur kurzer Zeit des Hungerns immer wieder aufgab. Nie konnte ich ein Gewicht halten. Erfolgreich abnehmen gelang mir so nicht. Ich versuchte ständig, meine zu dicken Schenkel durch dunkle Jeans zu verstecken. Ich sah ständig in den Spiegel, um herauszufinden, ob die Person darin immer noch so hässlich war. 

Wenn ich nicht aussehe wie andere, bin ich genauso viel wert?

Während der Schulzeit war ich eigentlich immer, sobald ein Junge mit mir sprach (vor allem, wenn mir der Junge gefiel – was ständig vorkam) mit den Nerven am Ende. Ich konnte nur noch daran denken, dass er ja mein Gewicht sehen konnte, das natürlich kein Idealgewicht war, und bestimmt denken musste, ich sei hässlich; dass er sich wahrscheinlich vor mir ekelte, weil ich so fett war. Diese Gedanken lähmten mich so sehr, dass ich in solchen „Gesprächen” kaum ein Wort herausbrachte. Wahrscheinlich wirkte ich zurückhaltend, vielleicht sogar wie ein Snob; in Wahrheit hatte ich aber vor allem große Angst. 

Zu meinen Gedanken über mein Gewicht kam auch, dass ich überzeugt war, meine Nase sei zu groß, mein Haar zu kraus, meine Lippen zu dünn und meine Augenbrauen zu breit – ich war ein wirklich unsicherer Teenager.

Mein Gewicht und ich – Selbstbewusstsein durch Gewichtsabnahme …?

Als ich mit dem College begann, änderte sich jedoch alles. Ich wurde ziemlich krank und nahm ca. 10 kg ab. Das war natürlich nicht der ideale Weg, mein Gewicht zu reduzieren, aber es war mir trotzdem recht. Plötzlich hatte ich mein Idealgewicht – ich war schlank und in meinen Augen interessant. Und eine ganze Weile konnte ich das Gewicht halten, auch ohne Diät.

Ich wirkte viel selbstbewusster, weil ich selbst überzeugt war, hübscher zu sein. Ich flirtete und fühlte mich im Reinen mit mir selbst. Es war großartig. 

Als ich Jahre später wieder anfing zuzunehmen, bekam ich plötzlich Angst. Ich begann, mich  wieder abstoßend und unsicher zu fühlen. Zu diesem Zeitpunkt war ich verheiratet. Mein Mann war liebevoll und sagte mir immer und immer wieder, dass ich wunderschön sei. 

Aber ich glaubte ihm nicht.

Mein ganzes Leben lang habe ich meinen Wert von meinem Aussehen abhängig gemacht. Mein Gewicht und ich befanden uns in einem ständigen Kampf. Dabei weiß ich tief in mir drinnen, dass das Aussehen keine Rolle spielt. Gottes Liebe für uns hängt nicht von unserer Kleidergröße ab (auch wenn er natürlich möchte, dass wir gesund sind). 

Der Zweck unseres Körpers ist nicht, dass andere ihn sich anschauen. Er ist nichts, womit wir uns schmücken. Er ist ein Geschenk Gottes. Ein Werkzeug. Dank meines Körpers kann ich wunderbare Dinge tun.

Und das ändert sich nicht durch eine Zahl auf der Waage.

Unser Körper ist unser Zuhause

Unser Körper ist unser Zuhause, der Wohnort unseres Geistes. Und wie jedes Zuhause ist es natürlich schön, wenn es auch von außen schön ist. 

Wenn es von außen schön ist, aber das Innenleben verrottendes Holz, zusammenfallende Decken, verstopfte Rohre und schlechte Elektrik aufweist, bringt das nichts. Egal wie schön so ein Haus von außen aussieht – ein solches Haus möchte man nicht haben.

Wie das Haus von innen aussieht, ist wichtig. Vielleicht muss man an ein paar Stellen etwas reparieren. Aber wenn es innen schön ist, können wir darin zufrieden wohnen.

Es geht darum, wie wohl wir uns dort fühlen, wie sicher und ob wir dort entspannen können. 

Ein Haus verändert sich von außen immer wieder. Wetter, die Jahre und viele andere Faktoren spielen dabei eine Rolle. 

Äußere Schönheit schwindet, innere nicht.

Und egal, wie schön du bist – von innen und außen – wir haben den gleichen Wert als Kinder Gottes.

Zur Gesundheit gehört auch ein gesundes Selbstverständnis

Wir konzentrieren uns oft so sehr darauf gesund zu sein, dass wir vergessen, dass das für unsere Seele ebenso wichtig ist wie für unseren Körper.

Körperlich gesund zu sein ist natürlich toll und wichtig, und man sollte natürlich darauf hinarbeiten. Unser Körper ist ein Geschenk und wir sollten bestmöglich auf ihn Acht geben.

Was aber, wenn der Körperfettanteil perfekt ist, es jedoch deiner Seele nicht gut geht? Nun, dann bist du nicht wirklich gesund.

Wer ist wirklich gesünder: jemand, der super in Form ist und depressiv wegen seines geringen Selbstwertes, oder jemand, der etwas pummelig ist und dafür mit sich selbst zufrieden?

Ich würde mich für Letzteres entscheiden. Gesundheit ist so viel mehr als perfekte Wangenknochen und ein Waschbrettbauch.

In einem Blog habe ich folgende Aussage (auf Englisch) gefunden:

„Wenn dir gesagt würde, dass du nur noch sechs Monate zu leben hättest … würdest du dann sofort denken ,Neeeein! Ich brauche mehr Zeit zum Abnehmen und um an meinen Bauchmuskeln zu arbeiten!’? … Du würdest [eher] an die Leute denken, die du liebst. Die Erinnerungen, die du noch schaffen möchtest. Du würdest dir vielleicht die Frage stellen, ob du einen Unterschied in dieser Welt gemacht hast und ob sie durch dich besser ist…”

Wenn mein Gewicht nicht das wichtigste wäre, wenn ich nur noch sechs Monate zu leben hätte, warum sollte es das jetzt sein?

Körperliche Gesundheit ist wichtig

Natürlich ist körperliche Gesundheit wichtig. Sie hat einen großen Einfluss auf unser Leben. Aber es gibt auch Dinge, die letzten Endes immer wichtiger sein werden: meine Beziehung zu Gott, wie ich mit anderen umgehe und was ich tue, damit die Welt um mich herum besser wird.

Ich bin so viel mehr als mein Gewicht; du und ich – wir sind so viel mehr; und unser Gewicht, unsere Größe und unser Äußeres werden niemals unseren inneren Wert schmälern können.

Ich möchte ehrlich zu euch sein: Mein Gewicht ist immer noch etwas, womit ich zu kämpfen habe und ich bin immer noch nicht zu 100% zufrieden; auch nicht mit meinem Aussehen – und vielleicht werde ich das in diesem Leben niemals sein. Aber zum Glück wird mir immer mehr bewusst, dass zu mir so viel mehr als mein Aussehen oder mein Gewicht gehört.

Ich hatte immer gedacht, dass mich mehr Menschen mögen würden, wenn ich dünner oder schöner wäre; die Wahrheit sieht aber so aus, dass es keinem der Menschen in meinem Leben, die mir wichtig sind, wichtig ist, ob ich ein paar Pfund zu- oder abgenommen habe. 

Sie mögen mich, weil ich so bin wie ich bin und dafür, wie ich mit ihnen umgehe. Sie mögen mich für meine inneren Werte. 

Und das ist für Gott am wichtigsten. Nicht die Zahl auf der Waage. Nicht mein Gewicht. Nicht dein Gewicht.


Amy Keim ist Site-Managerin und Lektorin für LDSBlogs.com. Sie leistete eine Vollzeitmission für die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage in Denver, Colorado, wo sie lernte, Berge zu lieben und Schnee zu verachten. Sie mag leidenschaftlich Erdnussbutter, schlechtes Tanzen und vor allem das Evangelium.

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt und teilweise gekürzt, außerdem aus SEO-technischen Gründen teilweise angepasst. Er wurde ursprünglich am 22.8.19 auf thirdhour.org unter dem Titel „My Weight Doesn’t Define My Worth” veröffentlicht. Die Autorin ist Amy Keim. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) wissen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: churchofjesuschrist.org und kirche-jesu-christi.org.

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