Es ist American-Football-Saison. Wir fiebern mit beim College-Football, wir raten rum, welcher der College-Stars Profi wird und verfolgen ihre Karrieren, wenn sie in der NFL oder der kanadischen Liga strahlen.

Hin und wieder hat ein ehemaliger BYU-Student eine langanhaltende, Rekord brechende Profi-Karriere. Aber oftmals nehmen ihre Karrieren ein schnelles Ende. Manchmal wegen einer Verletzung,  manchmal, weil sie sich nicht dem professionellen Spielstil anpassen können und manchmal, weil sie es nicht schaffen, sich von ihren Mitspielern abzuheben.

Auf die eine oder andere Weise  widerfährt uns allen diese Art von Enttäuschung. Diejenigen unter uns, die versuchen, dem Heiligen Geist zu folgen, erleben andere Höhen und Tiefen, weil unser eigener Wille mit Gottes Plan für uns in Konkurrenz steht.

Sogar wenn unser Glaube nicht versagt, können geistige Rempeleien vorkommen, aus denen Weggabelungen entstehen. Höhen und Tiefen auf unserer Reise durch das sterbliche Leben frustrieren und verwirren uns. Trotzdem kommen sie im Leben jedes Menschen vor. Also müssen sie doch einen Sinn haben.

Wie sieht deine Landkarte durch die Sterblichkeit aus?

Neulich bin ich auf einen brillanten Post auf dem Blog von Middle-aged Mormon Man gestoßen. Netterweise hat er mir gestattet, ein paar seiner Ideen auszuleihen. Die erste Grafik stellt dar, wie wir die Entwicklung unseres Lebens sehen:

So stellen wir uns unser Leben am Anfang vor.

Ich bin sehr zufrieden mit dieser Darstellung. Genau so habe ich mir mein Leben vorgestellt, als ich im College war. Meine Ausbildung würde mir ein erfolgreiches Leben garantieren. Irgendwann auf dieser schönen, geraden Linie würde der perfekte Partner auftauchen und dann tolle Kinder, das Haus, die Freunde, die Berufungen in der Kirche usw.

Die zweite Grafik ist erstaunlicherweise eine perfekte Darstellung davon, wie sich mein Leben wirklich entwickelt hat (woher wusste MMM das?):

Doch unser Leben sieht am Ende eher aus wie Plan B.

Wären meine Prüfungen auf der Linie aufgezeichnet, wären gesundheitliche Herausforderungen zu sehen, berufliche Herausforderungen, finanzielle Rückschläge, Pannen in der Großfamilie, der Tod  geliebter Menschen sowie unser Leben an Orten mit einer fremden Sprache.

Mein geistiger Weg war keine gerade Linie, sondern eine Schlangenlinie mit Höhen und Tiefen; zum Glück nie kreisförmig. Wenn also diese verrückte Grafik den typischen Lebenspfad von so gut wie jedem zeigt, frage ich mich: Warum? Steckt da ein ewiger Wert hinter?

(…)

Den Sinn im Umherwandern

Hier seufze ich und begreife, dass ich herausfinden muss, inwiefern unsere Schwierigkeiten uns zum Guten gereichen können und wie Höhen und Tiefen (und Abgründe – zumindest bin ich schon öfter gefallen) von zeitlichem und ewigem Wert sein können.

Der Sinn des Lebens.

Rachel Naomi Remen, angesehene Ärztin und Professorin an der San Francisco Medical School, suchte nach einer Möglichkeit, die ärztlichen Tätigkeiten einfühlsamer und fürsorglicher zu gestalten. Gemeinsam mit anderen Ärzten gründete sie eine Klinik, um Krebspatienten auf ihrem ohnehin schweren Leidensweg zu beraten, welcher teilweise durch Umstände, die die Krankheit mit sich brachte, noch belastender war.

Dr. Remen wurde von intellektuellen jüdischen Eltern großgezogen, die keinerlei Interesse an spirituellen Dingen hatten. Ihr Großvater hingegen war ein Rabbi aus dem alten Europa, der gelernt hatte, anderen „Leben zu geben”, indem er ihr Verständnis und ihre Freude steigerte.

Von ihm lernte Dr. Remen viele wunderbare Dinge. Sie nahm kontinuierlich erbauende Wahrheiten von verschiedenen Religionen auf der Welt an, um anderen zu helfen. Ich persönlich habe so viel von diesem Kapitel aus ihrem Buch Der Segen meines Großvaters” gelernt:

Der Weg: Als ich mein Heim umgestaltete, war ich zwischen zwei Optionen, wie ich zu meiner Eingangstüre gelangen könnte, hin -und hergerissen. Eine der Optionen war, von der Straße her eine Treppe  zu bauen, welche dann zu einem Weg würde, der direkt zu meiner Tür führte.

Sobald du deinen Fuß auf die erste Stufe stellst, kannst du die Eingangstüre sehen und genau sehen, wo du hingehst. Die zweite Option war anders. Du gehst durch ein Tor, dann gehst du ein paar Stufen hinauf und befindest dich auf einem kleinen Podest. Hinter dem Podest ist ein wunderschöner Baum. Während du die Treppen hinaufsteigst, ist das einzige, was du sehen kannst, dieser Baum.

Wenn du auf dem Podest stehst, merkst du, dass es an eine Sonnenterrasse grenzt, die direkt mit einem Rosengarten verbunden ist. Wenn du dort durchgehst, findest du eine weitere Treppe, die ziemlich steil ist und nach rechts abbiegt. Die oberste Stufe dieser Treppe liegt weit über Augenhöhe, und du siehst nichts, während du die Stufen erklimmst. Aber wenn du oben auf dem Podest angekommen bist und nach rechts guckst, hast du eine atemberaubende 100-Kilometer-Aussicht auf die Bucht von San Francisco.

Nach diesem Podest nimmst du drei sachte Stufen, die nach links führen. Dabei entdeckst du überraschenderweise eine kleine Wiese: meinen Hinterhof. Darüber siehst du im Profil den Mount Tamalpais, den höchsten Berg unseres Landkreises.

Und erst dann siehst du meine Eingangstüre, welche jetzt nur noch ein paar Schritte entfernt ist. Du hast dich stetig darauf zu bewegt, ohne es zu wissen. Die ganze Zeit.

Das Leben ist oft mit einer Treppe zu vergleichen.

In der Zeit, als ich mich mit diesen beiden Optionen herumschlug, holte ich mir Rat von zwei Architekten. Beide erklärten mir, dass eines der grundsätzlichen Prinzipien bei der Architektur von Eingangsbereichen ist, dass Leute von Anfang an sehen müssen, wo sie hingehen.

Sie waren sich einig, dass die Ungewissheit der zweiten Option bei jedem Gast, der das erste Mal zu Besuch kommt, Unbehagen verursachen würde. Trotz Übereinstimmung dieser fachlichen Auskünfte entschied ich mich für die zweite Option.

Wenn ich jetzt darüber nachdenke, scheint mir, dass das Wissen, wo wir hingehen, uns davon abhält zu sehen und zu hören; es bewirkt, dass wir einschlafen.

Wenn vor mir ein so direkter Weg liegt, ist es, als würde ein Teil von mir schonmal vorgehen zu der Eingangstüre, sobald ich sie sehe. Während ich mich beeile, diesen Teil von mir einzuholen, sehe ich normalerweise nichts von den Dingen, an denen ich vorbeigehe.

Nicht zu wissen, wo du hingehst, erzeugt mehr als Ungewissheit: Es fördert das Lebendigsein. Du schätzt die Dinge um dich herum. Es weckt dich auf, ähnlich wie eine Krankheit das tut.

Ich wählte die zweite Option. Tatsächlich denken wir vielleicht nur, wir wüssten, wohin wir gehen, während wir in Wirklichkeit ganz woanders hingehen. Ich habe viele Dinge getan, um ein wichtiges Ziel zu erreichen, und dann festgestellt, dass mich die Entscheidungen, die ich traf, um dieses Ziel zu erreichen, die ganze Zeit lang woanders hingeführt haben.

Etwas, von dem ich nichts ahnen konnte, existierte bereits, als ich meinen Fuß auf den Weg setzte. Der Sinn des Lebens verbirgt sich oft hinter der Maske dessen, dem derzeit unsere Aufmerksamkeit gilt. Der Grund, warum wir geboren wurden, unsere größte Segnung, unsere Art zu dienen könnte in unser Leben treten in Form eines neuen Autos, einer Reise oder einer Tasse heißer Schokolade.

Die Wahrheit ist, dass wir uns immer auf ein Mysterium zubewegen. Wir sind also näher an der Wirklichkeit, wenn wir unser Ziel nicht klar sehen können (Rachel Naomi Remen, My Grandfather’s Blessings, pp. 288, 289, emphases mine).

Die Notwendigkeit für einen geheimnisvollen Gott

Dr. Remens Botschaft ist so tief, dass ich sie sogar nach mehrfachem Lesen immer noch nicht vollständig erfassen kann. Irgendwie sind Unbehagen und Ungewissheit von großem und ewigem Wert für uns. Und, wie sie sagt, auch Krankheit.

Wenn ich über die gewalttätigen und tragischen Ereignisse von heute und der Geschichte nachdenke, sehe ich auf Schritt und Tritt Ungewissheit. Aber Gott kann sie auf ewige Sicht in etwas Lohnenswertes verwandeln, und die Ewigkeit ist, was wirklich zählt.

Wir sind geistige Wesen, die ein körperliches Erlebnis haben. Die geheimnisvolle Natur Gottes verstärkt die Sehnsucht unserer Suche nach ihm.

Die Notwendigkeit eines geheimnisvollen Gottes.

Wir können geistig wachsen, sogar in den schlimmsten Zeiten

Dr. Remens Entscheidung, traditionelle Medizin zu verlassen und eine holistische Klinik zu gründen, geht auf ihren Wunsch zurück, die Seele der Leidtragenden zu nähren, während sie den Körper der Kranken heilt.

Sie erlebt oft, dass etwas traurig endet. Aber meist finden sich selbst in solchen Situationen spirituelle Erfolge. Der Heilige Geist kann sich inmitten von Leiden und Enttäuschung erheben.

Diese Botschaft ist auch im Buch Hiob zu finden und in vielen anderen rührenden Versen heiliger Schrift. Auch den Schlüssel finden wir im Buch Hiob, nämlich, dass wir uns immer in unserer Ungewissheit Gott zuwenden müssen.

Menschen, die gläubig sind, können bezeugen, dass Schwierigkeiten größer sind, wenn man völlig durcheinander ist. Wenn wir Hilfe beim Herrn suchen, kann er uns mehr als Zuversicht geben – er kann uns Frieden geben.

Seit Jahren weiß ich, dass wenn wir Gott in unserer Not aufsuchen, er uns die Gabe (oder mehrere Gaben) gibt, die Lage zu meistern. Wenn die Herausforderung hinter uns liegt, dürfen wir diese Gaben behalten. Sie werden unbezahlbar, wenn wir uns dem nächsten Umweg in unserem Leben nähern.

Unsere Erfahrung aus den schwierigen Zeiten des Lebens, helfen uns bei zukünftigen Entscheidungen.

Szenarien erstellen oder auf den Heiligen Geist hören

Vor langer Zeit lernte ich, dass der Heilige Geist mir Möglichkeiten zeigt, die ich niemals erwartet hätte, Umwege, die zu großartigen, unerwarteten Dingen führen.

Die Schwierigkeit liegt darin, nachzugeben und den mysteriösen Weg zu wählen. Ich sagte dem himmlischen Vater, dass ich gehen werde, wohin er mich heißt. Aber dann machte ich meinen eigenen Plan, Plan A, wie man auf dem Bild sieht.

Ich denke, dass wir alle einen Hang dazu haben, Szenarien zu erstellen, aber ich war gut darin und baute meine aus Stahl. Wenn der Heilige Geist ein Zeichen in die andere Richtung gab, musste ich schmerzlich das Szenario auseinanderbauen. Es war so schwer. Jetzt baue ich Szenarien aus Stöckchen und höre schnell auf die feine, leise Stimme, die mich leitet.

Wenn wir uns an Gott wenden, reisen wir in die richtige Richtung

Sieh dir nochmal Plan B an.

Du kommst an dem Ziel an, das du erhofft hast, aber du kommst mit mehr Erfahrungen und Erkenntnis an, weil du auf dem Weg Herausforderungen bestehst.

Und durch deine Erlebnisse hast du geistige Einblicke erfahren, die dir helfen, anderen auf ihrem eigenen gewundenen Weg zu dienen und sie zu belehren. Rachel Remen ist kein Mitglied der Kirche Jesu Christi, dennoch nimmt ihr Epilog Bezug auf das Buch Ether, um dem Leser diese Wahrheit vor Augen zu führen. Sie erinnert sich nicht perfekt an die Geschichte, aber die Lehre, die sie daraus zieht, ist schön.

Was sie beeindruckt, ist der Glaube der Jarediten, die ihre Heimat verließen und sich auf unbekannte Gewässer begaben, um das Land der Verheißung zu erreichen. Alles, was sie hatten, war ein Versprechen, die Anweisungen, wie sie ihre Boote bauen sollten, und das Licht in ihnen.

Das Licht kam von den 16 Steinen, die vom Finger des Herrn berührt worden waren. Dr. Remen fand das Bild bemerkenswert, wie die Jarediten über „raue Meere segeln, auf der Suche nach Freiheit, gelenkt nur vom Licht, das die Berührung Gottes in ihren Seelen entzündet”.

Jared's Bruder und der Finger Gottes.

Mir gehts jetzt gut, aber was ist mit den Menschen, die ich liebe?

Heute rief meine Tochter mich an und erzählte mir davon, wie oft sie schlechte Nachrichten von ihren Freunden nah und fern bekommt. Dies sind schwierige Zeiten, obwohl wir einen Wohlstand erfahren, den es niemals zuvor in der Geschichte gab.

Dies ist die Zeit, die das Zweite Kommen Christi vorbereitet. Es tobt ein geistiger Krieg. Manche Freunde meiner Tochter verlieren ihren Glauben, andere ihre Ehen. Wir segeln auf gefährlichen Gewässern.

Nun, mehr als jemals zuvor müssen wir Gott vertrauen. Wir müssen darauf vertrauen, dass er weiß was er tut. Wir müssen verstehen lernen, wie sehr er uns liebt. Wir müssen erkennen, dass es eine Bärenmutter-Liebe ist – er wird für uns kämpfen und niemals aufgeben.

Joseph Smith sagte: „Unser himmlischer Vater ist liberaler in seinen Ansichten und grenzenloser in seiner Barmherzigkeit und seinen Segnungen als wir bereit sind zu glauben oder zu empfangen.”

Eine meiner Freundinnen beklagte sich bei mir über eine Bekannte, die einem Kult beigetreten ist und ihren Glauben an Christus verlor. Sie betete inbrünstig für ihre Freundin und bekam endlich eine Antwort von Gott durch den Heiligen Geist: „Ich arbeite mit ihr.”

Gott wusste um und beabsichtigte die Drehungen und Wendungen auf unserem Weg durch die Sterblichkeit – manche kommen durch uns selbst, andere werden uns auferlegt. Er tat es zu unserem Besten. Er leitet uns und treibt uns in eine bestimmte Richtung an. Remen sagte in ihrem Buch:

Im Verlauf unseres Lebens gibt es Zeiten, in denen man ohne Kompass oder Karte in das Ungewisse segeln muss. Diese Zeiten können Zeiten der Verzweiflung und des Terrors sein; sie können auch Zeiten der Entdeckung sein.

Weil ich viele Menschen, die mit dem Ungewissen konfrontiert sind, begleitet habe, finde ich, dass der bewegendste Teil des Mormonen-Auszugs ein einzelner Satz ist. Trotz der Herausforderungen und großen Schwierigkeiten der Seefahrt bläst der Wind immer in Richtung des verheißenen Landes.” Ich habe viele Menschen beobachtet, die ihre Segel setzten, um sich von diesem Wind leiten zu lassen. Es gibt Gnade im Leben, auf die wir vertrauen können. In unserem Kampf um Freiheit sind wir weder verlassen noch allein.


Gale Boyd ist Redakteurin der More Good Foundation. Sie ist jüdische Bekehrte der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und hat überall auf der Welt gelebt. Sie hat 6 Kinder aus Dritte-Welt-Ländern großgezogen und hat immer Fernweh.

Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt und am 18. September 2014 auf mormonhub.com mit dem Titel „How to be Happy with Setbacks in Life” veröffentlicht. Die Autorin ist Gale Boyd. Übersetzt von Maren Leit.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) lernen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.

Anmerkung des Übersetzers: frei übersetzt/Text gekürzt