Vielleicht ist dein Problem, dass du keine Kinder bekommen kannst, und es schmerzt, dass du all die schwangeren Bäuche und Babys um dich herum siehst. Vielleicht wurde über dich gelästert und du möchtest dich deswegen dort nicht so gerne zeigen. Vielleicht hast du gerade große Probleme in deiner Ehe (oder bei der Trennung oder der Scheidung) und erträgst es einfach nicht, an noch einem Unterricht über die celestiale Ehe teilzunehmen. Vielleicht kommst du dir wie ein Ausgestoßener vor und willst nicht schon wieder alleine sitzen müssen.

Es gibt zahlreiche Gründe, weshalb es wehtun kann, in die Kirche zu gehen. Dir graut vor dem Sonntag, und du liegst im Bett und suchst nach Ausreden, daheim zu bleiben. Manchmal bleibst du auch zu Hause. Manchmal quälst du dich aus dem Bett, richtest dich her und schleppst dich in die Kirche. Manchmal musst du bereits während der Versammlung gehen, weil du es emotional einfach nicht aushalten kannst.

Ich verstehe dich. Ich glaube, dass das sogar öfter vorkommt, als wir uns bewusst sind. Wir machen daraus ja auch eher ein Geheimnis. Dass nur keiner herausfindet, dass es mich verletzt, zur Kirche zu gehen und er mich etwa noch verurteilt! Wir wissen nämlich alle, dass es möglich ist. Irgend so ein selbstgerechtes Mitglied sagt uns dann vielleicht allen Ernstes auch noch, dass wir einfach mehr beten müssen oder etwas ähnliches.

Unglücklich in der Kirche - Schmerzhafte Erfahrungen

Manchmal verletzt es uns, in die Kirche zu gehen. Ich möchte euch heute und hier sagen, dass dieses Gefühl in Ordnung ist. Ich hoffe aber, dass es euch nicht immer so geht. Ich hoffe, dass es Phasen in eurem Leben gibt, in denen es nicht schmerzt. Aber in dem Moment tut es manchmal einfach weh.

Ich werde nicht so tun, als ob ich die Antworten für euch hätte. Eigentlich habe ich nicht wirklich eine Lösung parat. Manchmal tut es einfach weh, in die Kirche zu gehen, unabhängig davon, was man tut, wie viel man betet oder wie viel man in den Schriften liest.

Was ich stattdessen ansprechen möchte ist, wie man trotz des inneren Schmerzes seinen eigenen Weg finden kann, Gott dennoch zu verehren.

Müssen wir in die Kirche gehen? Nein. Müssen tun wir gar nichts. Aber ich vermute mal, dass du, da du dies hier liest, irgendwie doch den Wunsch hast, zur Kirche zu gehen, obwohl es dort Momente gibt, in denen du dich unwohl fühlst.

Manchmal gehen wir vielleicht wegen der Kinder in die Kirche. Manchmal einfach, um den äußeren Schein zu wahren. Manchmal, weil wir irgendeine Aufgabe zu erledigen haben. Es gibt viele Gründe.

Betrachtet man aber nun den eigentlichen Grund, weshalb wir zur Kirche gehen sollten, sieht dieser aber nun etwas anders aus.

An erster Stelle gehen wir in die Kirche, um am Abendmahl teilzunehmen. Unsere Liebe für Jesus Christus kann uns helfen, über zwischenmenschliche Schwierigkeiten hinwegzusehen.

Zweitens gehen wir in die Kirche, um Gott zu verehren. Wir opfern unsere Zeit, um dorthin zu gehen und Loblieder zu singen und Botschaften über das Evangelium zu hören. Das beinhaltet nun einmal auch unruhige Kinder, jemanden, der gegen deine Bank tritt, Krümel und verurteilende Blicke.

Drittens gehen wir aus Gehorsam in die Kirche. Gott zu verehren, bedeutet auch das zu tun, was manchmal schwierig ist. Gott möchte, dass wir zur Kirche gehen.

Es ist eigentlich einfach. Aber das nimmt uns nicht unseren Schmerz.

Geduldiger Gehorsam kann uns helfen schmerzhafte Erlebnisse zu überstehen.

Schon im Alten Testament erwartete Gott von Adam und Eva, dass sie gehorsam waren, auch wenn sie oft nicht verstanden, warum (Moses 5:6).

Hier ein paar Vorschläge, die euch vielleicht helfen könnten.

Nimm dir vor dem Gottesdienst Zeit für dich und deine Beziehung zu Gott. Vielleicht, indem du Klavier spielst oder ein paar Lieder singst. Vielleicht, indem du an einem ruhigen, friedevollen Ort sitzt. Vielleicht, indem du in den Schriften liest oder etwas anderes Erbauendes liest. Vielleicht, indem du vorher ein Bad nimmst und über spirituelle Dinge nachdenkst. Finde deinen eigenen persönlichen Moment, deinen Gott zu verehren und in dem du Kraft tanken kannst. Suche schon vor dem Gottesdienst den Bezug zu Gott. Vielleicht hilft es dir dann, auch während der Versammlungen eine Verbindung zu schaffen, die über den Schmerz, den du empfindest, hinausgeht.

Schalte ab. Wenn du den Sprecher oder den Unterricht schwierig findest, schalte kurz ab. Vertiefe dich in die Schriften oder eine Ansprache der Generalkonferenz oder irgendetwas in deiner Gospel Library App. Sprecher und Lehrer sollen den Heiligen Geist unterstützen, daher sollten sie es nicht persönlich nehmen, wenn jemand in Gedanken vertieft scheint. Nimm dir ein paar Freiheiten und tu das, was du tun musst, um den Heiligen Geist zu spüren. Es ist natürlich etwas anderes, wenn du die anderen störst, aber es ist völlig in Ordnung, wenn du dem Heiligen Geist den Raum gibst, dich dorthin zu führen, wo du sein musst.

Finde eine „sichere” Person. Es spielt überhaupt keine Rolle, in welchem Verhältnis du zu dieser Person stehst oder was für eine Position sie innehat. Finde einfach jemanden für die Versammlungen, der „sicher” ist. Jemanden, bei dem du sitzen kannst. Jemanden, der dir  mit seiner Anwesenheit Sicherheit gibt. Jemanden, der keine Szene macht, wenn du in Tränen ausbrichst. Jemanden, der sich diskret verhält, wenn du den Raum verlässt. Ich verspreche euch, dass es in eurer Gemeinde so jemanden gibt. Wenn du Hilfe dabei brauchst, so jemanden zu finden, bete ernsthaft, um herauszufinden, wer das ist. Jemanden „sicheren” zu haben ist befreiend. Es macht dich frei, deine Beziehung zu Gott zu unterstützen, trotz deines Schmerzes.

Konzentriere dich auf das Abendmahl. Wenn es dir wehtut, in der Kirche zu sein, fehlt dir etwas: Das Sühnopfer Jesu Christi. Sing das Abendmahlslied voller Elan mit. Stelle dir vor, dass Christus das Abendmahl verteilt, nicht die Jungen Männer.

Wenn wir uns in der Kirche unwohl fühlen, dann konzentrieren wir uns auf das Wesentliche: das Abendmahl.

Finde irgendetwas, das die Kinder während dieser heiligen Zeit ruhigstellt, so dass du Frieden verspüren kannst. Nimm dir diese heiligen Minuten und versuche, in dieser Zeit trotz allen Schmerzes zu Gott zu finden. Verwende die Macht des Abendmahls, um deine Seele zu regenerieren und um Kraft zu sammeln, Schwierigkeiten durchzustehen.

Manchmal verletzt es einen, zur Kirche zu gehen. Es gibt sicherlich nichts, was ich tun kann, um etwas daran zu ändern. Ich weiß aber, dass Gott möchte, dass du diesen Schmerz hinter dir lässt. Er erkennt die Opfer, die du für deine Gottesverehrung bringst, an – und er wird dich dementsprechend segnen.

Bleib am Ball. Nach Regen kommt auch wieder Sonnenschein.


Der Beitrag wurde aus dem Englischen übersetzt und am 1.12.14  auf theunconventionalreliefsociety.com veröffentlicht. Übersetzt von Kristina Vogt.

Wenn Sie mehr über die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen) lernen möchten, dann besuchen Sie einfach eine der offiziellen Webseiten der Kirche: mormon.org und lds.org.